Und eben auch so weichwollig beflaumt? Gern biss’ ich hinein, doch ich schaudre davor; Denn in â°hnlichem Fall, da erf¸llte der Mund Sich, grâ°ï¬lich zu sagen! mit Asche.
Aber die schËnsten,
Sie kommen daher;
Was tragen sie nur?
Stufen zum Thron,
Teppich und Sitz,
Umhang und zelt-+
Artigen/ Schmuck;
¸ber ¸berwallt er,
Wolkenkrâ°nze bildend,
Unsrer KËnigin Haupt;
Denn schon bestieg sie
Eingeladen herrlichen Pf¸hl.
Tretet heran,
Stufe f¸r Stufe
Reihet euch ernst.
W¸rdig, o w¸rdig, dreifach w¸rdig Sei gesegnet ein solcher Empfang!
CHORFâ¹HRERIN:
Wenn diesem nicht die GËtter, wie sie Ëfter tun, F¸r wenige Zeit nur wundernsw¸rdige Gestalt, Erhabnen Anstand, liebenswerte Gegenwart Vor¸bergâ°nglich liehen, wird ihm jedesmal, Was er beginnt, gelingen, sei’s in Mâ°nnerschlacht, So auch im kleinen Kriege mit den schËnsten Fraun. Er ist f¸rwahr gar vielen andern vorzuziehn, Die ich doch auch als hochgeschâ°tzt mit Augen sah. Mit langsam-ernstem, ehrfurchtsvoll gehaltnem Schritt Seh’ ich den F¸rsten; wende dich, o KËnigin!
FAUST:
Statt feierlichsten Gruï¬es, wie sich ziemte, Statt ehrfurchtsvollem Willkomm bring’ ich dir In Ketten hart geschlossen solchen Knecht, Der, Pflicht verfehlend, mir die Pflicht entwand. Hier kniee nieder, dieser hËchsten Frau Bekenntnis abzulegen deiner Schuld.
Dies ist, erhabne Herrscherin, der Mann, Mit seltnem Augenblitz vom hohen Turm
Umherzuschaun bestellt, dort Himmelsraum Und Erdenbreite scharf zu ¸berspâ°hn,
Was etwa da und dort sich melden mag, Vom H¸gelkreis ins Tal zur festen Burg
Sich regen mag, der Herden Woge sei’s, Ein Heereszug vielleicht; wir sch¸tzen jene, Begegnen diesem. Heute, welch Versâ°umnis! Du kommst heran, er meldet’s nicht; verfehlt Ist ehrenvoller, schuldigster Empfang
So hohen Gastes. Freventlich verwirkt Das Leben hat er, lâ°ge schon im Blut
Verdienten Todes; doch nur du allein Bestrafst, begnadigst, wie dir’s wohlgefâ°llt.
HELENA:
So hohe W¸rde, wie du sie vergËnnst, Als Richterin, als Herrscherin, und wâ°r’s Versuchend nur, wie ich vermuten darf–
So ¸b’ nun des Richters erste Pflicht, Beschuldigte zu hËren. Rede denn.
TURMWÆRTER LYNKEUS:
Laï¬ mich knieen, laï¬ mich schauen, Laï¬ mich sterben, laï¬ mich leben,
Denn schon bin ich hingegeben
Dieser gottgegebnen Frauen.
Harrend auf des Morgens Wonne,
Ëstlich spâ°hend ihren Lauf,
Ging auf einmal mir die Sonne
Wunderbar im S¸den auf.
Zog den Blick nach jener Seite,
Statt der Schluchten, statt der HËhn, Statt der Erd- und Himmelsweite
Sie, die Einzige, zu spâ°hn.
Augenstrahl ist mir verliehen
Wie dem Luchs auf hËchstem Baum;
Doch nun muï¬t’ ich mich bem¸hen
Wie aus tiefem, d¸sterm Traum.
W¸ï¬t’ ich irgend mich zu finden? Zinne? Turm? geschloï¬nes Tor?
Nebel schwanken, Nebel schwinden,
Solche GËttin tritt hervor!
Aug’ und Brust ihr zugewendet,
Sog ich an den milden Glanz;
Diese SchËnheit, wie sie blendet,
Blendete mich Armen ganz.
Ich vergaï¬ des Wâ°chters Pflichten, VËllig das beschworne Horn;
Drohe nur, mich zu vernichten–
SchËnheit bâ°ndigt allen Zorn.
HELENA:
Das ¸bel, das ich brachte, darf ich nicht Bestrafen. Wehe mir! Welch streng Geschick Verfolgt mich, ¸berall der Mâ°nner Busen So zu betËren, daï¬ sie weder sich
Noch sonst ein W¸rdiges verschonten. Raubend jetzt, Verf¸hrend, fechtend, hin und her entr¸ckend, HalbgËtter, Helden, GËtter, ja Dâ°monen, Sie f¸hrten mich im Irren her und hin.
Einfach die Welt verwirrt’ ich, dopplet mehr; Nun dreifach, vierfach bring’ ich Not auf Not. Entferne diesen Guten, laï¬ ihn frei;
Den GottbetËrten treffe keine Schmach.
FAUST:
Erstaunt, o KËnigin, seh’ ich zugleich Die sicher Treffende, hier den Getroffnen; Ich seh’ den Bogen, der den Pfeil entsandt, Verwundet jenen. Pfeile folgen Pfeilen,
Mich treffend. Allwâ°rts ahn’ ich ¸berquer Gefiedert schwirrend sie in Burg und Raum. Was bin ich nun? Auf einmal machst du mir Rebellisch die Getreusten, meine Mauern
Unsicher. Also f¸rcht’ ich schon, mein Heer Gehorcht der siegend unbesiegten Frau.
Was bleibt mir ¸brig, als mich selbst und alles, Im Wahn des Meine, dir anheimzugeben?
Zu deinen F¸ï¬en laï¬ mich, frei und treu, Dich Herrin anerkennen, die sogleich
Auftretend sich Besitz und Thron erwarb.
LYNKEUS:
Du siehst mich, KËnigin, zur¸ck!
Der Reiche bettelt einen Blick,
Er sieht dich an und f¸hlt sogleich Sich bettelarm und f¸rstenreich.
Was war ich erst? was bin ich nun?
Was ist zu wollen? was zu tun?
Was hilft der Augen schâ°rfster Blitz! Er prallt zur¸ck an deinem Sitz.
Von Osten kamen wir heran,
Und um den Westen war’s getan;
Ein lang und breites Volksgewicht,
Der erste wuï¬te vom letzten nicht. Der erste fiel, der zweite stand,
Des dritten Lanze war zur Hand;
Ein jeder hundertfach gestâ°rkt,
Erschlagne Tausend unbemerkt.
Wir drâ°ngten fort, wir st¸rmten fort, Wir waren Herrn von Ort zu Ort;
Und wo ich herrisch heut befahl,
Ein andrer morgen raubt’ und stahl. Wir schauten–elig war die Schau;
Der griff die allerschËnste Frau,
Der griff den Stier von festem Tritt, Die Pferde muï¬ten alle mit.
Ich aber liebte, zu erspâ°hn
Das Seltenste, was man gesehn;
Und was ein andrer auch besaï¬,
Das war f¸r mich gedËrrtes Gras.
Den Schâ°tzen war ich auf der Spur, Den scharfen Blicken folgt’ ich nur,
In alle Taschen blickt’ ich ein,
Durchsichtig war mir jeder Schrein. Und Haufen Goldes waren mein,
Am herrlichsten der Edelstein:
Nun der Smaragd allein verdient,
Daï¬ er an deinem Herzen gr¸nt.
Nun schwanke zwischen Ohr und Mund
Das Tropfenei aus Meeresgrund;
Rubinen werden gar verscheucht,
Das Wangenrot sie niederbleicht.
Und so den allergrËï¬ten Schatz
Versetz’ ich hier auf deinen Platz; Zu deinen F¸ï¬en sei gebracht
Die Ernte mancher blut’gen Schlacht. So viele Kisten schlepp’ ich her,
Der Eisenkisten hab’ ich mehr;
Erlaube mich auf deiner Bahn,
Und SchatzgewËlbe f¸ll’ ich an.
Denn du bestiegest kaum den Thron,
So neigen schon, so beugen schon
Verstand und Reichtum und Gewalt
Sich vor der einzigen Gestalt.
Das alles hielt ich fest und mein,
Nun aber, lose, wird es dein.
Ich glaubt’ es w¸rdig, hoch und bar, Nun seh’ ich, daï¬ es nichtig war.
Verschwunden ist, was ich besaï¬,
Ein abgemâ°htes, welkes Gras.
O gib mit einem heitern Blick
Ihm seinen ganzen Wert zur¸ck!
FAUST:
Entferne schnell die k¸hn erworbne Last, Zwar nicht getadelt, aber unbelohnt.
Schon ist Ihr alles eigen, was die Burg Im Schoï¬ verbirgt; Besondres Ihr zu bieten, Ist unn¸tz. Geh und hâ°ufe Schatz auf Schatz Geordnet an. Der ungesehnen Pracht
Erhabnes Bild stell’ auf! Laï¬ die GewËlbe Wie frische Himmel blinken, Paradiese
Von lebelosem Leben richte zu.
Voreilend ihren Tritten laï¬ bebl¸mt An Teppich Teppiche sich wâ°lzen; ihrem Tritt Begegne sanfter Boden; ihrem Blick,
Nur GËttliche nicht blendend, hËchster Glanz.
LYNKEUS:
Schwach ist, was der Herr befiehlt, Tut’s der Diener, es ist gespielt:
Herrscht doch ¸ber Gut und Blut
Dieser SchËnheit ¸bermut.
Schon das ganze Heer ist zahm,
Alle Schwerter stumpf und lahm,
Vor der herrlichen Gestalt
Selbst die Sonne matt und kalt,
Vor dem Reichtum des Gesichts
Alles leer und alles nichts.
HELENA:
Ich w¸nsche dich zu sprechen, doch herauf An meine Seite komm! Der leere Platz
Beruft den Herrn und sichert mir den meinen.
FAUST:
Erst knieend laï¬ die treue Widmung dir Gefallen, hohe Frau; die Hand, die mich
An deine Seite hebt, laï¬ mich sie k¸ssen. Bestâ°rke mich als Mitregenten deines
Grenzunbewuï¬ten Reichs, gewinne dir Verehrer, Diener, Wâ°chter all’ in einem!
HELENA:
Vielfache Wunder seh’ ich, hËr’ ich an, Erstaunen trifft mich, fragen mËcht’ ich viel. Doch w¸nscht’ ich Unterricht, warum die Rede Des Manns mir seltsam klang, seltsam und freundlich. Ein Ton scheint sich dem andern zu bequemen, Und hat ein Wort zum Ohre sich gesellt,
Ein andres kommt, dem ersten liebzukosen.
FAUST:
Gefâ°llt dir schon die Sprechart unsrer VËlker, O so gewiï¬ entz¸ckt auch der Gesang,
Befriedigt Ohr und Sinn im tiefsten Grunde. Doch ist am sichersten, wir ¸ben’s gleich; Die Wechselrede lockt es, ruft’s hervor.
HELENA:
So sage denn, wie sprech’ ich auch so schËn?
FAUST:
Das ist gar leicht, es muï¬ von Herzen gehn. Und wenn die Brust von Sehnsucht ¸berflieï¬t, Man sieht sich um und fragt–+
HELENA:
Wer mitgenieï¬t.
FAUST:
Nun schaut der Geist nicht vorwâ°rts, nicht zur¸ck, Die Gegenwart allein–+
HELENA:
ist unser Gl¸ck.
FAUST:
Schatz ist sie, Hochgewinn, Besitz und Pfand; Bestâ°tigung, wer gibt sie? +
HELENA:
Meine Hand.
CHOR:
Wer verdâ°cht’ es unsrer F¸rstin, GËnnet sie dem Herrn der Burg
Freundliches Erzeigen?
Denn gesteht, sâ°mtliche sind wir
Ja Gefangene, wie schon Ëfter
Seit dem schmâ°hlichen Untergang
Ilios’ und der â°ngstlich-+
labyrinthischen/ Kummerfahrt.
Fraun, gewËhnt an Mâ°nnerliebe,
Wâ°hlerinnen sind sie nicht,
Aber Kennerinnen.
Und wie goldlockigen Hirten
Vielleicht schwarzborstigen Faunen, Wie es bringt die Gelegenheit,
¸ber die schwellenden Glieder
Vollerteilen sie gleiches Recht.
Nah und nâ°her sitzen sie schon
An einander gelehnet,
Schulter an Schulter, Knie an Knie, Hand in Hand wiegen sie sich
¸ber des Throns
Aufgepolsterter Herrlichkeit.
Nicht versagt sich die Majestâ°t
Heimlicher Freuden
Vor den Augen des Volkes
¸berm¸tiges Offenbarsein.
HELENA:
Ich f¸hle mich so fern und doch so nah, Und sage nur zu gern: Da bin ich! da!
FAUST:
Ich atme kaum, mir zittert, stockt das Wort; Es ist ein Traum, verschwunden Tag und Ort.
HELENA:
Ich scheine mir verlebt und doch so neu, In dich verwebt, dem Unbekannten treu.
FAUST:
Durchgr¸ble nicht das einzigste Geschick! Dasein ist Pflicht, und wâ°r’s ein Augenblick.
PHORKYAS:
Buchstabiert in Liebesfibeln,
Tâ°ndelnd gr¸belt nur am Liebeln, M¸ï¬ig liebelt fort im Gr¸beln,
Doch dazu ist keine Zeit.
F¸hlt ihr nicht ein dumpfes Wettern? HËrt nur die Trompete schmettern,
Das Verderben ist nicht weit.
Menelas mit Volkeswogen
Kommt auf euch herangezogen;
R¸stet euch zu herbem Streit!
Von der Siegerschar umwimmelt,
Wie Deiphobus verst¸mmelt,
B¸ï¬est du das Fraungeleit.
Bammelt erst die leichte Ware,
Dieser gleich ist am Altare
Neugeschliffnes Beil bereit.
FAUST:
Verwegne StËrung! widerwâ°rtig dringt sie ein; Auch nicht in Gefahren mag ich sinnlos Ungest¸m. Den schËnsten Boten, Ungl¸cksbotschaft hâ°ï¬licht ihn; Du Hâ°ï¬lichste gar, nur schlimme Botschaft bringst du gern. Doch diesmal soll dir’s nicht geraten: leeren Hauchs Ersch¸ttere du die L¸fte. Hier ist nicht Gefahr, Und selbst Gefahr erschiene nur als eitles Drâ°un.
FAUST:
Nein, gleich sollst du versammelt schauen Der Helden ungetrennten Kreis:
Nur der verdient die Gunst der Frauen, Der krâ°ftigst sie zu sch¸tzen weiï¬. Mit angehaltnem stillen W¸ten,
Das euch gewiï¬ den Sieg verschafft, Ihr, Nordens jugendliche Bl¸ten,
Ihr, Ostens blumenreiche Kraft.
In Stahl geh¸llt, vom Strahl umwittert, Die Schar, die Reich um Reich zerbrach,
Sie treten auf, die Erde sch¸ttert, Sie schreiten fort, es donnert nach.
An Pylos traten wir zu Lande,
Der alte Nestor ist nicht mehr,
Und alle kleinen KËnigsbande
Zersprengt das ungebundne Heer.
Drâ°ngt ungesâ°umt von diesen Mauern Jetzt Menelas dem Meer zur¸ck;
Dort irren mag er, rauben, lauern,
Ihm war es Neigung und Geschick.
Herzoge soll ich euch begr¸ï¬en,
Gebietet Spartas KËnigin;
Nun legt ihr Berg und Tal zu F¸ï¬en, Und euer sei des Reichs Gewinn.
Germane du! Korinthus’ Buchten
Verteidige mit Wall und Schutz!
Achaia dann mit hundert Schluchten
Empfehl’ ich, Gote, deinem Trutz.
Nach Elis ziehn der Franken Heere,
Messene sei der Sachsen Los,
Normanne reinige die Meere
Und Argolis erschaff’ er groï¬.
Dann wird ein jeder hâ°uslich wohnen, Nach auï¬en richten Kraft und Blitz;
Doch Sparta soll euch ¸berthronen, Der KËnigin verjâ°hrter Sitz.
All-einzeln sieht sie euch genieï¬en Des Landes, dem kein Wohl gebricht;
Ihr sucht getrost zu ihren F¸ï¬en Bestâ°tigung und Recht und Licht.
CHOR:
Wer die SchËnste f¸r sich begehrt, T¸chtig vor allen Dingen
Seh’ er nach Waffen weise sich um;
Schmeichelnd wohl gewann er sich,
Was auf Erden das HËchste;
Aber ruhig besitzt er’s nicht:
Schleicher listig entschmeicheln sie ihm, Râ°uber k¸hnlich entreiï¬en sie ihm;
Dieses zu hinderen, sei er bedacht. Unsern F¸rsten lob’ ich drum,
Schâ°tz’ ihn hËher vor andern,
Wie er so tapfer klug sich verband, Daï¬ die Starken gehorchend stehn,
Jedes Winkes gewâ°rtig.
Seinen Befehl vollziehn sie treu,
Jeder sich selbst zu eignem Nutz
Wie dem Herrscher zu lohnendem Dank, Beiden zu hËchlichem Ruhmesgewinn.
Denn wer entreiï¬et sie jetzt
Dem gewalt’gen Besitzer?
Ihm gehËrt sie, ihm sei sie gegËnnt, Doppelt von uns gegËnnt, die er
Samt ihr zugleich innen mit sicherster Mauer, Auï¬en mit mâ°chtigstem Heer umgab.
FAUST:
Die Gaben, diesen hier verliehen–
An jeglichen ein reiches Land–,
Sind groï¬ und herrlich; laï¬ sie ziehen! Wir halten in der Mitte stand.
Und sie besch¸tzen um die Wette,
Ringsum von Wellen angeh¸pft,
Nichtinsel dich, mit leichter H¸gelkette Europens letztem Bergast angekn¸pft.
Das Land, vor aller Lâ°nder Sonnen, Sei ewig jedem Stamm begl¸ckt,
Nun meiner KËnigin gewonnen,
Das fr¸h an ihr hinaufgeblickt,
Als mit Eurotas’ Schilfgefl¸ster
Sie leuchtend aus der Schale brach, Der hohen Mutter, dem Geschwister
Das Licht der Augen ¸berstach.
Dies Land, allein zu dir gekehret,
Entbietet seinen hËchsten Flor;
Dem Erdkreis, der dir angehËret,
Dein Vaterland, o zieh es vor!
Und duldet auch auf seiner Berge R¸cken Das Zackenhaupt der Sonne kalten Pfeil,
Lâ°ï¬t nun der Fels sich angegr¸nt erblicken, Die Ziege nimmt genâ°schig kargen Teil. Die Quelle springt, vereinigt st¸rzen Bâ°che, Und schon sind Schluchten, Hâ°nge, Matten gr¸n. Auf hundert H¸geln unterbrochner Flâ°che Siehst Wollenherden ausgebreitet ziehn.
Verteilt, vorsichtig abgemessen schreitet GehËrntes Rind hinan zum jâ°hen Rand;
Doch Obdach ist den sâ°mtlichen bereitet, Zu hundert HËhlen wËlbt sich Felsenwand. Pan sch¸tzt sie dort, und Lebensnymphen wohnen In buschiger Kl¸fte feucht erfrischtem Raum, Und sehnsuchtsvoll nach hËhern Regionen Erhebt sich zweighaft Baum gedrâ°ngt an Baum. Alt-Wâ°lder sind’s! Die Eiche starret mâ°chtig, Und eigensinnig zackt sich Ast an Ast;
Der Ahorn mild, von s¸ï¬em Safte trâ°chtig, Steigt rein empor und spielt mit seiner Last. Und m¸tterlich im stillen Schattenkreise Quillt laue Milch bereit f¸r Kind und Lamm; Obst ist nicht weit, der Ebnen reife Speise, Und Honig trieft vom ausgehËhlten Stamm. Hier ist das Wohlbehagen erblich,
Die Wange heitert wie der Mund,
Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich: Sie sind zufrieden und gesund.
Und so entwickelt sich am reinen Tage Zu Vaterkraft das holde Kind.
Wir staunen drob; noch immer bleibt die Frage: Ob’s GËtter, ob es Menschen sind?
So war Apoll den Hirten zugestaltet, Daï¬ ihm der schËnsten einer glich;
Denn wo Natur im reinen Kreise waltet, Ergreifen alle Welten sich.
So ist es mir, so ist es dir gelungen; Vergangeheit sei hinter uns getan!
O f¸hle dich vom hËchsten Gott entsprungen, Der ersten Welt gehËrst du einzig an.
Nicht feste Burg soll dich umschreiben! Noch zirkt in ewiger Jugendkraft
F¸r uns, zu wonnevollem Bleiben,
Arkadien in Spartas Nachbarschaft.
Gelockt, auf sel’gem Grund zu wohnen, Du fl¸chtetest ins heiterste Geschick!
Zur Laube wandeln sich die Thronen, Arkadisch frei sei unser Gl¸ck!
Szene 42
PHORKYAS:
Wie lange Zeit die Mâ°dchen schlafen, weiï¬ ich nicht; Ob sie sich trâ°umen lieï¬en, was ich hell und klar Vor Augen sah, ist ebenfalls mir unbekannt. Drum weck’ ich sie. Erstaunen soll das junge Volk; Ihr Bâ°rtigen auch, die ihr da drunten sitzend harrt, Glaubhafter Wunder LËsung endlich anzuschaun. Hervor! hervor! Und sch¸ttelt eure Locken rasch! Schlaf aus den Augen! Blinzt nicht so und hËrt mich an!
CHOR:
Rede nur, erzâ°hl’, erzâ°hle, was sich Wunderlichs begeben! HËren mËchten wir am liebsten, was wir gar nicht glauben kËnnen; Denn wir haben Langeweile, diese Felsen anzusehn.
PHORKYAS:
Kaum die Augen ausgerieben, Kinder, langeweilt ihr schon? So vernehmt: in diesen HËhlen, diesen Grotten, diesen Lauben Schutz und Schirmung war verliehen, wie idyllischem Liebespaare, Unserm Herrn und unsrer Frauen. +
CHOR:
Wie, da drinnen? +
PHORKYAS:
Abgesondert
Von der Welt, nur mich, die eine, riefen sie zu stillem Dienste. Hochgeehrt stand ich zur Seite, doch, wie es Vertrauten ziemet, Schaut’ ich um nach etwas andrem. Wendete mich hier- und dorthin, Suchte Wurzeln, Moos und Rinden, kundig aller Wirksamkeiten, Und so blieben sie allein.
CHOR:
Tust du doch, als ob da drinnen ganze Weltenrâ°ume wâ°ren, Wald und Wiese, Bâ°che, Seen; welche Mâ°rchen spinnst du ab!
PHORKYAS:
Allerdings, ihr Unerfahrnen! das sind unerforschte Tiefen: Saal an Sâ°len, Hof an HËfen, diese sp¸rt’ ich sinnend aus. Doch auf einmal ein Gelâ°chter echot in den HËhlenrâ°umen; Schau’ ich hin, da springt ein Knabe von der Frauen Schoï¬ zum Manne, Von dem Vater zu der Mutter; das Gekose, das Getâ°ndel, TËriger Liebe Neckereien, Scherzgeschrei und Lustgejauchze Wechselnd ¸bertâ°uben mich.
Nackt, ein Genius ohne Fl¸gel, faunenartig ohne Tierheit, Springt er auf den festen Boden; doch der Boden gegenwirkend Schnellt ihn zu der luft’gen HËhe, und im zweiten, dritten Sprunge R¸hrt er an das HochgewËlb.
â°ngstlich ruft die Mutter: Springe wiederholt und nach Belieben, Aber h¸te dich, zu fliegen, freier Flug ist dir versagt. Und so mahnt der treue Vater: In der Erde liegt die Schnellkraft, Die dich aufwâ°rts treibt; ber¸hre mit der Zehe nur den Boden, Wie der Erdensohn Antâ°us bist du alsobald gestâ°rkt. Und so h¸pft er auf die Masse dieses Felsens, von der Kante Zu dem andern und umher, so wie ein Ball geschlagen springt. Doch auf einmal in der Spalte rauher Schlucht ist er verschwunden, Und nun scheint er uns verloren. Mutter jammert, Vater trËstet, Achselzuckend steh’ ich â°ngstlich. Doch nun wieder welch Erscheinen! Liegen Schâ°tze dort verborgen? Blumenstreifige Gewande Hat er w¸rdig angetan.
Quasten schwanken von den Armen, Binden flattern um den Busen, In der Hand die goldne Leier, vËllig wie ein kleiner PhËbus, Tritt er wohlgemut zur Kante, zu dem ¸berhang; wir staunen. Und die Eltern vor Entz¸cken werfen wechselnd sich ans Herz. Denn wie leuchtet’s ihm zu Haupten? Was erglâ°nzt, ist schwer zu sagen, Ist es Goldschmuck, ist es Flamme ¸bermâ°chtiger Geisteskraft? Und so regt er sich gebâ°rdend, sich als Knabe schon verk¸ndend K¸nftigen Meister alles SchËnen, dem die ewigen Melodien Durch die Glieder sich bewegen; und so werdet ihr ihn hËren, Und so werdet ihr ihn sehn zu einzigster Bewunderung.
CHOR:
Nennst du ein Wunder dies,
Kretas Erzeugte?
Dichtend belehrendem Wort
Hast du gelauscht wohl nimmer?
Niemals noch gehËrt Ioniens,
Nie vernommen auch Hellas’
Urvâ°terlicher Sagen
GËttlich-heldenhaften Reichtum?
Alles, was je geschieht
Heutigen Tages,
Trauriger Nachklang ist’s
Herrlicher Ahnherrntage;
Nicht vergleicht sich dein Erzâ°hlen Dem, was liebliche L¸ge,
Glaubhaftiger als Wahrheit,
Von dem Sohne sang der Maja.
Diesen zierlich und krâ°ftig doch
Kaum geborenen Sâ°ugling
Faltet in reinster Windeln Flaum,
Strenget in kËstlicher Wickeln Schmuck Klatschender Wâ°rterinnen Schar
Unvern¸nftigen Wâ°hnens.
Krâ°ftig und zierlich aber zieht
Schon der Schalk die geschmeidigen
Doch elastischen Glieder
Listig heraus, die purpurne,
â°ngstlich dr¸ckende Schale
Lassend ruhig an seiner Statt;
Gleich dem fertigen Schmetterling,
Der aus starrem Puppenzwang
Fl¸gel entfaltend behendig schl¸pft, Sonnedurchstrahlten â°ther k¸hn
Und mutwillig durchflatternd.
So auch er, der Behendeste,
Daï¬ er Dieben und Schâ°lken,
Vorteilsuchenden allen auch
Ewig g¸nstiger Dâ°mon sei,
Dies betâ°tigt er alsobald
Durch gewandteste K¸nste.
Schnell des Meeres Beherrscher stiehlt Er den Trident, ja dem Ares selbst
Schlau das Schwert aus der Scheide; Bogen und Pfeil dem PhËbus auch,
Wie dem Hephâ°stos die Zange;
Selber Zeus’, des Vaters, Blitz
Nâ°hm’ er, schreckt’ ihn das Feuer nicht; Doch dem Eros siegt er ob
In beinstellendem Ringerspiel;
Raubt auch Cyprien, wie sie ihm kost, Noch vom Busen den G¸rtel.
PHORKYAS:
HËret allerliebste Klâ°nge,
Macht euch schnell von Fabeln frei! Eurer GËtter alt Gemenge,
Laï¬t es hin, es ist vorbei.
Niemand will euch mehr verstehen,
Fordern wir doch hËhern Zoll:
Denn es muï¬ von Herzen gehen,
Was auf Herzen wirken soll.
CHOR:
Bist du, f¸rchterliches Wesen,
Diesem Schmeichelton geneigt,
F¸hlen wir, als frisch genesen,
Uns zur Trâ°nenlust erweicht.
Laï¬ der Sonne Glanz verschwinden, Wenn es in der Seele tagt,
Wir im eignen Herzen finden,
Was die ganze Welt versagt.
EUPHORION:
HËrt ihr Kindeslieder singen,
Gleich ist’s euer eigner Scherz;
Seht ihr mich im Takte springen,
H¸pft euch elterlich das Herz.
HELENA:
Liebe, menschlich zu begl¸cken,
Nâ°hert sie ein edles Zwei,
Doch zu gËttlichem Entz¸cken
Bildet sie ein kËstlich Drei.
FAUST:
Alles ist sodann gefunden:
Ich bin dein, und du bist mein;
Und so stehen wir verbunden,
D¸rft’ es doch nicht anders sein!
CHOR:
Wohlgefallen vieler Jahre
In des Knaben mildem Schein
Sammelt sich auf diesem Paare.
O, wie r¸hrt mich der Verein!
EUPHORION:
Nun laï¬t mich h¸pfen,
Nun laï¬t mich springen!
Zu allen L¸ften
Hinaufzudringen,
Ist mir Begierde,
Sie faï¬t mich schon.
FAUST:
Nur mâ°ï¬ig! mâ°ï¬ig!
Nicht ins Verwegne,
Daï¬ Sturz und Unfall
Dir nicht begegne,
Zugrund uns richte
Der teure Sohn!
EUPHORION:
Ich will nicht lâ°nger
Am Boden stocken;
Laï¬t meine Hâ°nde,
Laï¬t meine Locken,
Laï¬t meine Kleider!
Sie sind ja mein.
HELENA:
O denk! o denke,
Wem du gehËrest!
Wie es uns krâ°nke,
Wie du zerstËrest
Das schËn errungene
Mein, Dein und Sein.
CHOR:
Bald lËst, ich f¸rchte,
Sich der Verein!
HELENA UND FAUST:
Bâ°ndige! bâ°ndige
Eltern zuliebe
¸berlebendige,
Heftige Triebe!
Lâ°ndlich im stillen
Ziere den Plan.
EUPHORION:
Nur euch zu Willen
Halt’ ich mich an.
Leichter umschweb’ ich hie
Muntres Geschlecht.
Ist nun die Melodie,
Ist die Bewegung recht?
HELENA:
Ja, das ist wohlgetan;
F¸hre die SchËnen an
K¸nstlichem Reihn.
FAUST:
Wâ°re das doch vorbei!
Mich kann die Gaukelei
Gar nicht erfreun.
CHOR:
Wenn du der Arme Paar
Lieblich bewegest,
Im Glanz dein lockig Haar
Sch¸ttelnd erregest,
Wenn dir der Fuï¬ so leicht
¸ber die Erde schleicht,
Dort und da wieder hin
Glieder um Glied sich ziehn,
Hast du dein Ziel erreicht,
Liebliches Kind;
All’ unsre Herzen sind
All’ dir geneigt.
EUPHORION:
Ihr seid so viele
Leichtf¸ï¬ige Rehe;
Zu neuem Spiele
Frisch aus der Nâ°he!
Ich bin der Jâ°ger,
ihr seid das Wild.
CHOR:
Willst du uns fangen,
Sei nicht behende,
Denn wir verlangen
Doch nur am Ende,
Dich zu umarmen,
Du schËnes Bild!
EUPHORION:
Nur durch die Haine!
Zu Stock und Steine!
Das leicht Errungene,
Das widert mir,
Nur das Erzwungene
Ergetzt mich schier.
HELENA UND FAUST:
Welch ein Mutwill’! welch ein Rasen! Keine Mâ°ï¬igung ist zu hoffen.
Klingt es doch wie HËrnerblasen
¸ber Tal und Wâ°lder drËhnend;
Welch ein Unfug! welch Geschrei!
CHOR:
Uns ist er vorbeigelaufen;
Mit Verachtung uns verhËhnend,
schleppt er von dem ganzen Haufen
Nun die Wildeste herbei.
EUPHORION:
Schlepp’ ich her die derbe Kleine
Zu erzwungenem Genusse;
Mir zur Wonne, mir zur Lust
Dr¸ck’ ich widerspenstige Brust,
K¸ss’ ich widerwâ°rtigen Mund,
Tue Kraft und Willen kund.
MÆDCHEN:
Laï¬ mich los! In dieser H¸lle
Ist auch Geistes Mut und Kraft;
Deinem gleich ist unser Wille
Nicht so leicht hinweggerafft.
Glaubst du wohl mich im Gedrâ°nge? Deinem Arm vertraust du viel!
Halte fest, und ich versenge
Dich, den Toren, mir zum Spiel.
Folge mir in leichte L¸fte,
Folge mir in starre Gr¸fte,
Hasche das verschwundne Ziel!
EUPHORION:
Felsengedrâ°nge hier
Zwischen dem Waldgeb¸sch,
Was soll die Enge mir,
Bin ich doch jung und frisch.
Winde, sie sausen ja,
Wellen, sie brausen da;
HËr’ ich doch beides fern,
Nah wâ°r’ ich gern.
HELENA, FAUST UND CHOR:
Wolltest du den Gemsen gleichen?
Vor dem Falle muï¬ uns graun.
EUPHORION:
Immer hËher muï¬ ich steigen,
Immer weiter muï¬ ich schaun.
Weiï¬ ich nun, wo ich bin!
Mitten der Insel drin,
Mitten in Pelops’ Land,
Erde–wie seeverwandt.
CHOR:
Magst nicht in Berg und Wald
Friedlich verweilen?
Suchen wir alsobald
Reben in Zeilen,
Reben am H¸gelrand,
Feigen und Apfelgold.
Ach in dem holden Land
Bleibe du hold!
EUPHORION:
Trâ°umt ihr den Friedenstag?
Trâ°ume, wer trâ°umen mag.
Krieg! ist das Losungswort.
Sieg! und so klingt es fort.
CHOR:
Wer im Frieden
W¸nschet sich Krieg zur¸ck,
Der ist geschieden
Vom Hoffnungsgl¸ck.
EUPHORION:
Welche dies Land gebar
Aus Gefahr in Gefahr,
Frei, unbegrenzten Muts,
Verschwendrisch eignen Bluts,
Den nicht zu dâ°mpfenden
Heiligen Sinn–
Alle den Kâ°mpfenden
Bring’ es Gewinn!
CHOR:
Seht hinauf, wie hoch gestiegen!
Und er scheint uns doch nicht klein: Wie im Harnisch, wie zum Siegen,
Wie von Erz und Stahl der Schein.
EUPHORION:
Keine Wâ°lle, keine Mauern,
Jeder nur sich selbst bewuï¬t;
Feste Burg, um auszudauern,
Ist des Mannes ehrne Brust.
Wollt ihr unerobert wohnen,
Leicht bewaffnet rasch ins Feld;
Frauen werden Amazonen
Und ein jedes Kind ein Held.
CHOR:
Heilige Poesie,
Himmelan steige sie!
Glâ°nze, der schËnste Stern,
Fern und so weiter fern!
Und sie erreicht uns doch
Immer, man hËrt sie noch,
Vernimmt sie gern.
EUPHORION:
Nein, nicht ein Kind bin ich erschienen, In Waffen kommt der J¸ngling an;
Gesellt zu Starken, Freien, K¸hnen, Hat er im Geiste schon getan.
Nun fort!
Nun dort
ErËffnet sich zum Ruhm die Bahn.
HELENA UND FAUST:
Kaum ins Leben eingerufen,
Heitrem Tag gegeben kaum,
Sehnest du von Schwindelstufen
Dich zu schmerzenvollem Raum.
Sind denn wir
Gar nichts dir?
Ist der holde Bund ein Traum?
EUPHORION:
Und hËrt ihr donnern auf dem Meere? Dort widerdonnern Tal um Tal,
In Staub und Wellen, Heer dem Heere, In Drang um Drang, zu Schmerz und Qual.
Und der Tod
Ist Gebot,
Das versteht sich nun einmal.
HELENA, FAUST UND CHOR:
Welch Entsetzen! welches Grauen!
Ist der Tod denn dir Gebot?
EUPHORION:
Sollt’ ich aus der Ferne schauen?
Nein! ich teile Sorg’ und Not.
DIE VORIGEN:
â¹bermut und Gefahr,
TËdliches Los!
EUPHORION:
Doch!–und ein Fl¸gelpaar
Faltet sich los!
Dorthin! Ich muï¬! ich muï¬!
GËnnt mir den Flug!
CHOR:
Ikarus! Ikarus!
Jammer genug.
HELENA UND FAUST:
Der Freude folgt sogleich
Grimmige Pein.
EUPHORIONS STIMME:
Laï¬ mich im d¸stern Reich,
Mutter, mich nicht allein!
CHOR:
Nicht allein!–wo du auch weilest,
Denn wir glauben dich zu kennen;
Ach! wenn du dem Tag enteilest,
Wird kein Herz von dir sich trennen. W¸ï¬ten wir doch kaum zu klagen,
Neidend singen wir dein Los:
Dir in klar- und tr¸ben Tagen
Lied und Mut war schËn und groï¬. Ach! zum Erdengl¸ck geboren,
Hoher Ahnen, groï¬er Kraft,
Leider fr¸h dir selbst verloren,
Jugendbl¸te weggerafft!
Scharfer Blick, die Welt zu schauen, Mitsinn jedem Herzensdrang,
Liebesglut der besten Frauen
Und ein eigenster Gesang.
Doch du ranntest unaufhaltsam
Frei ins willenlose Netz,
So entzweitest du gewaltsam
dich mit Sitte, mit Gesetz;
Doch zuletzt das hËchste Sinnen
Gab dem reinen Mut Gewicht,
Wolltest Herrliches gewinnen,
Aber es gelang dir nicht.
Wem gelingt es?–Tr¸be Frage,
Der das Schicksal sich vermummt,
Wenn am ungl¸ckseligsten Tage
Blutend alles Volk verstummt.
Doch erfrischet neue Lieder,
Steht nicht lâ°nger tief gebeugt:
Denn der Boden zeugt sie wieder,
Wie von je er sie gezeugt.
HELENA:
Ein altes Wort bewâ°hrt sich leider auch an mir: Daï¬ Gl¸ck und SchËnheit dauerhaft sich nicht vereint. Zerrissen ist des Lebens wie der Liebe Band; Bejammernd beide, sag’ ich schmerzlich Lebewohl Und werfe mich noch einmal in die Arme dir. Persephoneia, nimm den Knaben auf und mich!
PHORKYAS:
Halte fest, was dir von allem ¸brigblieb. Das Kleid, laï¬ es nicht los. Da zupfen schon Dâ°monen an den Zipfeln, mËchten gern
Zur Unterwelt es reiï¬en. Halte fest! Die GËttin ist’s nicht mehr, die du verlorst, Doch gËttlich ist’s. Bediene dich der hohen, Unschâ°tzbaren Gunst und hebe dich empor: Es trâ°gt dich ¸ber alles Gemeine rasch Am â°ther hin, so lange du dauern kannst. Wir sehn uns wieder, weit, gar weit von hier.
PHORKYAS:
Noch immer gl¸cklich aufgefunden!
Die Flamme freilich ist verschwunden, Doch ist mir um die Welt nicht leid.
Hier bleibt genug, Poeten einzuweihen, Zu stiften Gild- und Handwerksneid;
Und kann ich die Talente nicht verleihen, Verborg’ ich wenigstens das Kleid.
PANTHALIS:
Nun eilig, Mâ°dchen! Sind wir doch den Zauber los, Der alt-thessalischen Vettel w¸sten Geisteszwang, So des Geklimpers vielverworrner TËne Rausch, Das Ohr verwirrend, schlimmer noch den innern Sinn. Hinab zum Hades! Eilte doch die KËnigin Mit ernstem Gang hinunter. Ihrer Sohle sei Unmittelbar getreuer Mâ°gde Schritt gef¸gt. Wir finden sie am Throne der Unerforschlichen.
CHOR:
KËniginnen freilich, ¸berall sind sie gern; Auch im Hades stehen sie obenan,
Stolz zu ihresgleichen gesellt,
Mit Persephonen innigst vertraut;
Aber wir im Hintergrunde
Tiefer Asphodelos-Wiesen,
Langgestreckten Pappeln,
Unfruchtbaren Weiden zugesellt,
Welchen Zeitvertreib haben wir?
Fledermausgleich zu piepsen,
Gefl¸ster, unerfreulich, gespenstig.
PANTHALIS:
Wer keinen Namen sich erwarb noch Edles will, GehËrt den Elementen an; so fahret hin! Mit meiner KËnigin zu sein, verlangt mich heiï¬; Nicht nur Verdienst, auch Treue wahrt uns die Person.
ALLE:
Zur¸ckgegeben sind wir dem Tageslicht, Zwar Personen nicht mehr,
Das f¸hlen, das wissen wir,
Aber zum Hades kehren wir nimmer.
Ewig lebendige Natur
Macht auf uns Geister,
Wir auf sie vollg¸ltigen Anspruch.
EIN TEIL DES CHORES:
Wir in dieser tausend â°ste Fl¸sterzittern, Sâ°uselschweben Reizen tâ°ndelnd, locken leise wurzelauf des Lebens Quellen Nach den Zweigen; bald mit Blâ°ttern, bald mit Bl¸ten ¸berschwenglich Zieren wir die Flatterhaare frei zu luftigem Gedeihn. Fâ°llt die Frucht, sogleich versammeln lebenslustig Volk und Herden Sich zum Greifen, sich zum Naschen, eilig kommend, emsig drâ°ngend; Und wie vor den ersten GËttern b¸ckt sich alles um uns her.
EIN ANDRER TEIL:
Wir, an dieser Felsenwâ°nde weithinleuchtend glatten Spiegel Schmiegen wir, in sanften Wellen uns bewegend, schmeichelnd an; Horchen, lauschen jedem Laute, Vogelsâ°ngen, RËhrigflËten, Sei es Pans furchtbarer Stimme, Antwort ist sogleich bereit; Sâ°uselt’s, sâ°useln wir erwidernd, donnert’s, rollen unsre Donner In ersch¸tterndem Verdoppeln, dreifach, zehnfach hintennach.
EIN DRITTER TEIL:
Schwestern! Wir, bewegtern Sinnes, eilen mit den Bâ°chen weiter; Denn es reizen jener Ferne reichgeschm¸ckte H¸gelz¸ge. Immer abwâ°rts, immer tiefer wâ°ssern wir, mâ°andrisch wallend, Jetzt die Wiese, dann die Matten, gleich den Garten um das Haus. Dort bezeichnen’s der Zypressen schlanke Wipfel, ¸ber Landschaft, Uferzug und Wellenspiegel nach dem â°ther steigende.
EIN VIERTER TEIL:
Wallt ihr andern, wo’s beliebet; wir umzingeln, wir umrauschen Den durchaus bepflanzten H¸gel, wo am Stab die Rebe gr¸nt; Dort zu aller Tage Stunden lâ°ï¬t die Leidenschaft des Winzers Uns des liebevollsten Fleiï¬es zweifelhaft Gelingen sehn. Bald mit Hacke, bald mit Spaten, bald mit Hâ°ufeln, Schneiden, Binden Betet er zu allen GËttern, fËrdersamst zum Sonnengott. Bacchus k¸mmert sich, der Weichling, wenig um den treuen Diener, Ruht in Lauben, lehnt in HËhlen, faselnd mit dem j¸ngsten Faun. Was zu seiner Trâ°umereien halbem Rausch er je bedurfte, Immer bleibt es ihm in Schlâ°uchen, ihm in Kr¸gen und Gefâ°ï¬en, Rechts und links der k¸hlen Gr¸fte, ewige Zeiten aufbewahrt. Haben aber alle GËtter, hat nun Helios vor allen, L¸ftend, feuchtend, wâ°rmend, glutend, Beeren-F¸llhorn aufgehâ°uft, Wo der stille Winzer wirkte, dort auf einmal wird’s lebendig, Und es rauscht in jedem Laube, raschelt um von Stock zu Stock. KËrbe knarren, Eimer klappern, Tragebutten â°chzen hin, Alles nach der groï¬en Kufe zu der Keltrer krâ°ft’gem Tanz; Und so wird die heilige F¸lle reingeborner saftiger Beeren Frech zertreten, schâ°umend, spr¸hend mischt sich’s, widerlich zerquetscht. Und nun gellt ins Ohr der Zimbeln mit der Becken ErzgetËne, Denn es hat sich Dionysos aus Mysterien enth¸llt; Kommt hervor mit Ziegenf¸ï¬lern, schwenkend Ziegenf¸ï¬lerinnen, Und dazwischen schreit unbâ°ndig grell Silenus’ Ëhrig Tier. Nichts geschont! Gespaltne Klauen treten alle Sitte nieder, Alle Sinne wirbeln taumlich, grâ°ï¬lich ¸bertâ°ubt das Ohr. Nach der Schale tappen Trunkne, ¸berf¸llt sind Kopf und Wâ°nste, Sorglich ist noch ein und andrer, doch vermehrt er die Tumulte, Denn um neuen Most zu bergen, leert man rasch den alten Schlauch!
4. Akt–Hochgebirg
FAUST:
Der Einsamkeiten tiefste schauend unter meinem Fuï¬, Betret’ ich wohlbedâ°chtig dieser Gipfel Saum, Entlassend meiner Wolke Tragewerk, die mich sanft An klaren Tagen ¸ber Land und Meer gef¸hrt. Sie lËst sich langsam, nicht zerstiebend, von mir ab. Nach Osten strebt die Masse mit geballtem Zug, Ihr strebt das Auge staunend in Bewundrung nach. Sie teilt sich wandelnd, wogenhaft, verâ°nderlich. Doch will sich’s modeln.–Ja! das Auge tr¸gt mich nicht!– Auf sonnbeglâ°nzten Pf¸hlen herrlich hingestreckt, Zwar riesenhaft, ein gËttergleiches Fraungebild, Ich seh’s! Junonen â°hnlich, Leda’n, Helenen, Wie majestâ°tisch lieblich mir’s im Auge schwankt. Ach! schon verr¸ckt sich’s! Formlos breit und aufget¸rmt Ruht es in Osten, fernen Eisgebirgen gleich, Und spiegelt blendend fl¸cht’ger Tage groï¬en Sinn. Doch mir umschwebt ein zarter lichter Nebelstreif Noch Brust und Stirn, erheiternd, k¸hl und schmeichelhaft. Nun steigt es leicht und zaudernd hoch und hËher auf, F¸gt sich zusammen.–Tâ°uscht mich ein entz¸ckend Bild, Als jugenderstes, lâ°ngstentbehrtes hËchstes Gut? Des tiefsten Herzens fr¸hste Schâ°tze quellen auf: Aurorens Liebe, leichten Schwung bezeichnet’s mir, Den schnellempfundnen, ersten, kaum verstandnen Blick, Der, festgehalten, ¸berglâ°nzte jeden Schatz. Wie SeelenschËnheit steigert sich die holde Form, LËst sich nicht auf, erhebt sich in den â°ther hin Und zieht das Beste meines Innern mit sich fort.
MEPHISTOPHELES:
Das hei﬒ ich endlich vorgeschritten! Nun aber sag, was fâ°llt dir ein?
Steigst ab in solcher Greuel Mitten, Im grâ°ï¬lich gâ°hnenden Gestein?
Ich kenn’ es wohl, doch nicht an dieser Stelle, Denn eigentlich war das der Grund der HËlle.
FAUST:
Es fehlt dir nie an nâ°rrischen Legenden; Fâ°ngst wieder an, dergleichen auszuspenden.
MEPHISTOPHELES:
Als Gott der Herr–ich weiï¬ auch wohl, warum– Uns aus der Luft in tiefste Tiefen bannte, Da, wo zentralisch gl¸hend, um und um,
Ein ewig Feuer flammend sich durchbrannte, Wir fanden uns bei allzugroï¬er Hellung In sehr gedrâ°ngter, unbequemer Stellung. Die Teufel fingen sâ°mtlich an zu husten, Von oben und von unten auszupusten;
Die HËlle schwoll von Schwefelstank und–sâ°ure, Das gab ein Gas! Das ging ins Ungeheure, So daï¬ gar bald der Lâ°nder flache Kruste, So dick sie war, zerkrachend bersten muï¬te. Nun haben wir’s an einem andern Zipfel,
Was ehmals Grund war, ist nun Gipfel. Sie gr¸nden auch hierauf die rechten Lehren, Das Unterste ins Oberste zu kehren.
Denn wir entrannen knechtisch-heiï¬er Gruft Ins ¸bermaï¬ der Herrschaft freier Luft. Ein offenbar Geheimnis, wohl verwahrt,
Und wird nur spâ°t den VËlkern offenbart.((ephes. 6,12))
FAUST:
Gebirgesmasse bleibt mir edel-stumm, Ich frage nicht woher und nicht warum.
Als die Natur sich in sich selbst gegr¸ndet, Da hat sie rein den Erdball abger¸ndet, Der Gipfel sich, der Schluchten sich erfreut Und Fels an Fels und Berg an Berg gereiht, Die H¸gel dann bequem hinabgebildet,
Mit sanftem Zug sie in das Tal gemildet. Da gr¸nt’s und wâ°chst’s, und um sich zu erfreuen, Bedarf sie nicht der tollen Strudeleien.
MEPHISTOPHELES:
Das sprecht Ihr so! Das scheint Euch sonnenklar; Doch weiï¬ es anders, der zugegen war.
Ich war dabei, als noch da drunten siedend Der Abgrund schwoll und strËmend Flammen trug; Als Molochs Hammer, Fels an Felsen schmiedend, Gebirgestr¸mmer in die Ferne schlug.
Noch starrt das Land von fremden Zentnermassen; Wer gibt Erklâ°rung solcher Schleudermacht? Der Philosoph, er weiï¬ es nicht zu fassen, Da liegt der Fels, man muï¬ ihn liegen lassen, Zuschanden haben wir uns schon gedacht.– Das treu-gemeine Volk allein begreift
Und lâ°ï¬t sich im Begriff nicht stËren; Ihm ist die Weisheit lâ°ngst gereift:
Ein Wunder ist’s, der Satan kommt zu Ehren. Mein Wandrer hinkt an seiner Glaubenskr¸cke Zum Teufelsstein, zur Teufelsbr¸cke.
FAUST:
Es ist doch auch bemerkenswert zu achten, Zu sehn, wie Teufel die Natur betrachten.
MEPHISTOPHELES:
Was geht mich’s an! Natur sei, wie sie sei! ‘s ist Ehrenpunkt: der Teufel war dabei! Wir sind die Leute, Groï¬es zu erreichen; Tumult, Gewalt und Unsinn! sieh das Zeichen!– Doch, daï¬ ich endlich ganz verstâ°ndlich spreche, Gefiel dir nichts an unsrer Oberflâ°che? Du ¸bersahst, in ungemeï¬nen Weiten,
Die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeiten. ((matth. 4)) Doch, ungen¸gsam, wie du bist,
Empfandest du wohl kein Gel¸st?
FAUST:
Und doch! ein Groï¬es zog mich an. Errate! +
MEPHISTOPHELES:
Das ist bald getan.
Ich suchte mir so eine Hauptstadt aus, Im Kerne B¸rger-Nahrungs-Graus,
Krummenge Gâ°ï¬chen, spitze Giebeln, Beschrâ°nkten Markt, Kohl, R¸ben, Zwiebeln; Fleischbâ°nke, wo die Schmeiï¬en hausen, Die fetten Braten anzuschmausen;
Da findest du zu jeder Zeit
Gewiï¬ Gestank und Tâ°tigkeit.
Dann weite Plâ°tze, breite Straï¬en, Vornehmen Schein sich anzumaï¬en;
Und endlich, wo kein Tor beschrâ°nkt, Vorstâ°dte grenzenlos verlâ°ngt.
Da freut’ ich mich an Rollekutschen, Am lâ°rmigen Hin- und Widerrutschen,
Am ewigen Hin- und Widerlaufen
Zerstreuter Ameis-Wimmelhaufen.
Und wenn ich f¸hre, wenn ich ritte, Erschien’ ich immer ihre Mitte,
Von Hunderttausenden verehrt.
FAUST:
Das kann mich nicht zufriedenstellen. Man freut sich, daï¬ das Volk sich mehrt, Nach seiner Art behaglich nâ°hrt,
Sogar sich bildet, sich belehrt–
Und man erzieht sich nur Rebellen.
MEPHISTOPHELES:
Dann baut’ ich, grandios, mir selbst bewuï¬t, Am lustigen Ort ein Schloï¬ zur Lust.
Wald, H¸gel, Flâ°chen, Wiesen, Feld Zum Garten prâ°chtig umbestellt.
Vor gr¸nen Wâ°nden Sammetmatten,
Schnurwege, kunstgerechte Schatten, Kaskadensturz, durch Fels zu Fels gepaart, Und Wasserstrahlen aller Art;
Ehrw¸rdig steigt es dort, doch an den Seiten Da zischt’s und piï¬t’s in tausend Kleinigkeiten. Dann aber lieï¬ ich allerschËnsten Frauen Vertraut-bequeme Hâ°uslein bauen;
Verbrâ°chte da grenzenlose Zeit
In allerliebst-geselliger Einsamkeit. Ich sage Fraun; denn ein f¸r allemal
Denk’ ich die SchËnen im Plural.
FAUST:
Schlecht und modern! Sardanapal!
MEPHISTOPHELES:
Errâ°t man wohl, wornach du strebtest? Es war gewiï¬ erhaben k¸hn.
Der du dem Mond um so viel nâ°her schwebtest, Dich zog wohl deine Sucht dahin?
FAUST:
Mit nichten! dieser Erdenkreis
Gewâ°hrt noch Raum zu groï¬en Taten. Erstaunensw¸rdiges soll geraten,
Ich f¸hle Kraft zu k¸hnem Fleiï¬.
MEPHISTOPHELES:
Und also willst du Ruhm verdienen?
Man merkt’s, du kommst von Heroinen.
FAUST:
Herrschaft gewinn’ ich, Eigentum!
Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.
MEPHISTOPHELES:
Doch werden sich Poeten finden,
Der Nachwelt deinen Glanz zu k¸nden, Durch Torheit Torheit zu entz¸nden.
FAUST:
Von allem ist dir nichts gewâ°hrt. Was weiï¬t du, was der Mensch begehrt?
Dein widrig Wesen, bitter, scharf,
Was weiï¬ es, was der Mensch bedarf?
MEPHISTOPHELES:
Geschehe denn nach deinem Willen!
Vertraue mir den Umfang deiner Grillen.
FAUST:
Mein Auge war aufs hohe Meer gezogen; Es schwoll empor, sich in sich selbst zu t¸rmen, Dann lieï¬ es nach und sch¸ttete die Wogen, Des flachen Ufers Breite zu best¸rmen.
Und das verdroï¬ mich; wie der ¸bermut Den freien Geist, der alle Rechte schâ°tzt, Durch leidenschaftlich aufgeregtes Blut
Ins Miï¬behagen des Gef¸hls versetzt. Ich hielt’s f¸r Zufall, schâ°rfte meinen Blick: Die Woge stand und rollte dann zur¸ck,
Entfernte sich vom stolz erreichten Ziel; Die Stunde kommt, sie wiederholt das Spiel.
MEPHISTOPHELES:
Da ist f¸r mich nichts Neues zu erfahren, Das kenn’ ich schon seit hunderttausend Jahren.
FAUST:
Sie schleicht heran, an abertausend Enden, Unfruchtbar selbst, Unfruchtbarkeit zu spenden; Nun schwillt’s und wâ°chst und rollt und ¸berzieht Der w¸sten Strecke widerlich Gebiet.
Da herrschet Well’ auf Welle kraftbegeistet, Zieht sich zur¸ck, und es ist nichts geleistet, Was zur Verzweiflung mich beâ°ngstigen kËnnte! Zwecklose Kraft unbâ°ndiger Elemente!
Da wagt mein Geist, sich selbst zu ¸berfliegen; Hier mËcht’ ich kâ°mpfen, dies mËcht’ ich besiegen. Und es ist mËglich!–Flutend wie sie sei, An jedem H¸gel schmiegt sie sich vorbei; Sie mag sich noch so ¸berm¸tig regen,
Geringe HËhe ragt ihr stolz entgegen, Geringe Tiefe zieht sie mâ°chtig an.
Da faï¬t’ ich schnell im Geiste Plan auf Plan: Erlange dir das kËstliche Genieï¬en,
Das herrische Meer vom Ufer auszuschlieï¬en, Der feuchten Breite Grenzen zu verengen
Und, weit hinein, sie in sich selbst zu drâ°ngen. Von Schritt zu Schritt wuï¬t’ ich mir’s zu erËrtern; Das ist mein Wunsch, den wage zu befËrdern!
MEPHISTOPHELES:
Wie leicht ist das! HËrst du die Trommeln fern?
FAUST:
Schon wieder Krieg! der Kluge hËrt’s nicht gern.
MEPHISTOPHELES:
Krieg oder Frieden. Klug ist das Bem¸hen, Zu seinem Vorteil etwas auszuziehen.
Man paï¬t, man merkt auf jedes g¸nstige Nu. Gelegenheit ist da, nun, Fauste, greife zu!
FAUST:
Mit solchem Râ°tselkram verschone mich! Und kurz und gut, was soll’s? Erklâ°re dich.
MEPHISTOPHELES:
Auf meinem Zuge blieb mir nicht verborgen: Der gute Kaiser schwebt in groï¬en Sorgen. Du kennst ihn ja. Als wir ihn unterhielten, Ihm falschen Reichtum in die Hâ°nde spielten, Da war die ganze Welt ihm feil.
Denn jung ward ihm der Thron zuteil, Und ihm beliebt’ es, falsch zu schlieï¬en, Es kËnne wohl zusammengehn
Und sei recht w¸nschenswert und schËn: Regieren und zugleich genieï¬en.
FAUST:
Ein groï¬er Irrtum. Wer befehlen soll, Muï¬ im Befehlen Seligkeit empfinden.
Ihm ist die Brust von hohem Willen voll, Doch was er will, es darf’s kein Mensch ergr¸nden. Was er den Treusten in das Ohr geraunt,
Es ist getan, und alle Welt erstaunt. So wird er stets der AllerhËchste sein, Der W¸rdigste–; Genieï¬en macht gemein.
MEPHISTOPHELES:
So ist er nicht. Er selbst genoï¬, und wie! Indes zerfiel das Reich in Anarchie,
Wo groï¬ und klein sich kreuz und quer befehdeten Und Br¸der sich vertrieben, tËteten,
Burg gegen Burg, Stadt gegen Stadt, Zunft gegen Adel Fehde hat,
Der Bischof mit Kapitel und Gemeinde; Was sich nur ansah, waren Feinde.
In Kirchen Mord und Totschlag, vor den Toren Ist jeder Kauf- und Wandersmann verloren. Und allen wuchs die K¸hnheit nicht gering; Denn leben hieï¬ sich wehren.–Nun, das ging.
FAUST:
Es ging–es hinkte, fiel, stand wieder auf, Dann ¸berschlug sich’s, rollte plump zuhauf.
MEPHISTOPHELES:
Und solchen Zustand durfte niemand schelten, Ein jeder konnte, jeder wollte gelten.
Der Kleinste selbst, er galt f¸r voll. Doch war’s zuletzt den Besten allzutoll. Die T¸chtigen, sie standen auf mit Kraft Und sagten: Herr ist, der uns Ruhe schafft. Der Kaiser kann’s nicht, will’s nicht–laï¬t uns wâ°hlen, Den neuen Kaiser neu das Reich beseelen, Indem er jeden sicher stellt,
In einer frisch geschaffnen Welt
Fried’ und Gerechtigkeit vermâ°hlen.
FAUST:
Das klingt sehr pfâ°ffisch. +
MEPHISTOPHELES:
Pfaffen waren’s auch,
Sie sicherten den wohlgenâ°hrten Bauch. Sie waren mehr als andere beteiligt.
Der Aufruhr schwoll, der Aufruhr ward geheiligt; Und unser Kaiser, den wir froh gemacht,
Zieht sich hieher, vielleicht zur letzten Schlacht.
FAUST:
Er jammert mich; er war so gut und offen.
MEPHISTOPHELES:
Komm, sehn wir zu! der Lebende soll hoffen. Befrein wir ihn aus diesem engen Tale!
Einmal gerettet, ist’s f¸r tausend Male. Wer weiï¬, wie noch die W¸rfel fallen? Und hat er Gl¸ck, so hat er auch Vasallen.
MEPHISTOPHELES:
Die Stellung, seh’ ich, gut ist sie genommen; Wir treten zu, dann ist der Sieg vollkommen.
FAUST:
Was kann da zu erwarten sein?
Trug! Zauberblendwerk! Hohler Schein.
MEPHISTOPHELES:
Kriegslist, um Schlachten zu gewinnen! Befestige dich bei groï¬en Sinnen,
Indem du deinen Zweck bedenkst.
Erhalten wir dem Kaiser Thron und Lande, So kniest du nieder und empfâ°ngst
Die Lehn von grenzenlosem Strande.
FAUST:
Schon manches hast du durchgemacht, Nun, so gewinn auch eine Schlacht!
MEPHISTOPHELES:
Nein, du gewinnst sie! Diesesmal
Bist du der Obergeneral.
FAUST:
Das wâ°re mir die rechte HËhe,
Da zu befehlen, wo ich nichts verstehe!
MEPHISTOPHELES:
Laï¬ du den Generalstab sorgen,
Und der Feldmarschall ist geborgen. Kriegsunrat hab’ ich lâ°ngst versp¸rt, Den Kriegsrat gleich voraus formiert
Aus Urgebirgs Urmenschenkraft;
Wohl dem, der sie zusammenrafft.
FAUST:
Was seh’ ich dort, was Waffen trâ°gt? Hast du das Bergvolk aufgeregt?
MEPHISTOPHELES:
Nein! aber, gleich Herrn Peter Squenz, Vom ganzen Praï¬ die Quintessenz.
MEPHISTOPHELES:
Da kommen meine Bursche ja!
Du siehst, von sehr verschiednen Jahren, Verschiednem Kleid und R¸stung sind sie da; Du wirst nicht schlecht mit ihnen fahren. Es liebt sich jetzt ein jedes Kind
Den Harnisch und den Ritterkragen;
Und, allegorisch wie die Lumpe sind, Sie werden nur um desto mehr behagen.
RAUFEBOLD:
Wenn einer mir ins Auge sieht,
Werd’ ich ihm mit der Faust gleich in die Fresse fahren, Und eine Memme, wenn sie flieht,
Fass’ ich bei ihren letzten Haaren.
HABEBALD:
So leere Hâ°ndel, das sind Possen, Damit verdirbt man seinen Tag;
Im Nehmen sei nur unverdrossen,
Nach allem andern frag’ hernach.
HALTEFEST:
Damit ist auch nicht viel gewonnen! Bald ist ein groï¬es Gut zerronnen,
Es rauscht im Lebensstrom hinab.
Zwar nehmen ist recht gut, doch besser ist’s, behalten; Laï¬ du den grauen Kerl nur walten,
Und niemand nimmt dir etwas ab.
Auf dem Vorgebirg
obergeneral
Noch immer scheint der Vorsatz wohlerwogen, Daï¬ wir in dies gelegene Tal
Das ganze Heer gedrâ°ngt zur¸ckgezogen; Ich hoffe fest, uns gl¸ckt die Wahl.
KAISER:
Wie es nun geht, es muï¬ sich zeigen; Doch mich verdrieï¬t die halbe Flucht, das Weichen.
OBERGENERAL:
Schau hier, mein F¸rst, auf unsre rechte Flanke! Solch ein Terrain w¸nscht sich der Kriegsgedanke: Nicht steil die H¸gel, doch nicht allzu gâ°nglich, Den Unsern vorteilhaft, dem Feind verfâ°nglich; Wir, halb versteckt, auf wellenfËrmigem Plan; Die Reiterei, sie wagt sich nicht heran.
KAISER:
Mir bleibt nichts ¸brig, als zu loben; Hier kann sich Arm und Brust erproben.
OBERGENERAL:
Hier, auf der Mittelwiese flachen Râ°umlichkeiten, Siehst du den Phalanx, wohlgemut zu streiten. Die Piken blinken flimmernd in der Luft, Im Sonnenglanz, durch Morgennebelduft.
Wie dunkel wogt das mâ°chtige Quadrat! Zu Tausenden gl¸ht’s hier auf groï¬e Tat. Du kannst daran die Masse Kraft erkennen, Ich trau’ ihr zu, der Feinde Kraft zu trennen.
KAISER:
Den schËnen Blick hab’ ich zum erstenmal. Ein solches Heer gilt f¸r die Doppelzahl.
OBERGENERAL:
Von unsrer Linken hab’ ich nichts zu melden, Den starren Fels besetzen wackere Helden, Das Steingeklipp, das jetzt von Waffen blitzt, Den wichtigen Paï¬ der engen Klause sch¸tzt. Ich ahne schon, hier scheitern Feindeskrâ°fte Unvorgesehn im blutigen Geschâ°fte.
KAISER:
Dort ziehn sie her, die falschen Anverwandten, Wie sie mich Oheim, Vetter, Bruder nannten, Sich immer mehr und wieder mehr erlaubten, Dem Zepter Kraft, dem Thron Verehrung raubten, Dann, unter sich entzweit, das Reich verheerten Und nun gesamt sich gegen mich empËrten. Die Menge schwankt im ungewissen Geist,
Dann strËmt sie nach, wohin der Strom sie reiï¬t.
OBERGENERAL:
Ein treuer Mann, auf Kundschaft ausgeschickt, Kommt eilig felsenab; sei’s ihm gegl¸ckt!
ERSTER KUNDSCHAFTER:
Gl¸cklich ist sie uns gelungen,
Listig, mutig, unsre Kunst,
Daï¬ wir hin und her gedrungen;
Doch wir bringen wenig Gunst.
Viele schwËren reine Huldigung
Dir, wie manche treue Schar;
Doch Untâ°tigkeits-Entschuldigung: Innere Gâ°rung, Volksgefahr.
KAISER:
Sich selbst erhalten bleibt der Selbstsucht Lehre, Nicht Dankbarkeit und Neigung, Pflicht und Ehre. Bedenkt ihr nicht, wenn eure Rechnung voll, Daï¬ Nachbars Hausbrand euch verzehren soll?
OBERGENERAL:
Der zweite kommt, nur langsam steigt er nieder, Dem m¸den Manne zittern alle Glieder.
ZWEITER KUNDSCHAFTER:
Erst gewahrten wir vergn¸glich
Wilden Wesens irren Lauf;
Unerwartet, unverz¸glich
Trat ein neuer Kaiser auf.
Und auf vorgeschriebnen Bahnen
Zieht die Menge durch die Flur;
Den entrollten L¸genfahnen
Folgen alle.–Schafsnatur!
KAISER:
Ein Gegenkaiser kommt mir zum Gewinn: Nun f¸hl’ ich erst, daï¬ ich der Kaiser bin. Nur als Soldat legt’ ich den Harnisch an, Zu hËherm Zweck ist er nun umgetan.
Bei jedem Fest, wenn’s noch so glâ°nzend war, Nichts ward vermiï¬t, mir fehlte die Gefahr. Wie ihr auch seid, zum Ringspiel rietet ihr, Mir schlug das Herz, ich atmete Turnier; Und hâ°ttet ihr mir nicht vom Kriegen abgeraten, Jetzt glâ°nzt’ ich schon in lichten Heldentaten. Selbstâ°ndig f¸hlt’ ich meine Brust besiegelt, Als ich mich dort im Feuerreich bespiegelt; Das Element drang grâ°ï¬lich auf mich los, Es war nur Schein, allein der Schein war groï¬. Von Sieg und Ruhm hab’ ich verwirrt getrâ°umt; Ich bringe nach, was frevelhaft versâ°umt.
FAUST:
Wir treten auf und hoffen, ungescholten; Auch ohne Not hat Vorsicht wohl gegolten. Du weiï¬t, das Bergvolk denkt und simuliert, Ist in Natur- und Felsenschrift studiert. Die Geister, lâ°ngst dem flachen Land entzogen, Sind mehr als sonst dem Felsgebirg gewogen. Sie wirken still durch labyrinthische Kl¸fte Im edlen Gas metallisch reicher D¸fte;
In stetem Sondern, Pr¸fen und Verbinden Ihr einziger Trieb ist, Neues zu erfinden. Mit leisem Finger geistiger Gewalten
Erbauen sie durchsichtige Gestalten; Dann im Kristall und seiner ewigen Schweignis Erblicken sie der Oberwelt Ereignis.
KAISER:
Vernommen hab’ ich’s, und ich glaube dir; Doch, wackrer Mann, sag an: was soll das hier?
FAUST:
Der Nekromant von Norcia, der Sabiner, Ist dein getreuer, ehrenhafter Diener.
Welch greulich Schicksal droht’ ihm ungeheuer! Das Reisig prasselte, schon z¸ngelte das Feuer; Die trocknen Scheite, ringsumher verschrâ°nkt, Mit Pech und Schwefelruten untermengt;
Nicht Mensch, noch Gott, noch Teufel konnte retten, Die Majestâ°t zersprengte gl¸hende Ketten. Dort war’s in Rom. Er bleibt dir hoch verpflichtet, Auf deinen Gang in Sorge stets gerichtet. Von jener Stund’ an ganz vergaï¬ er sich, Er fragt den Stern, die Tiefe nur f¸r dich. Er trug uns auf, als eiligstes Geschâ°fte, Bei dir zu stehn. Groï¬ sind des Berges Krâ°fte; Da wirkt Natur so ¸bermâ°chtig frei,
Der Pfaffen Stumpfsinn schilt es Zauberei.
KAISER:
Am Freudentag, wenn wir die Gâ°ste gr¸ï¬en, Die heiter kommen, heiter zu genieï¬en, Da freut uns jeder, wie er schiebt und drâ°ngt Und, Mann f¸r Mann, der Sâ°le Raum verengt. Doch hËchst willkommen muï¬ der Biedre sein, Tritt er als Beistand krâ°ftig zu uns ein Zur Morgenstunde, die bedenklich waltet, Weil ¸ber ihr des Schicksals Waage schaltet. Doch lenket hier im hohen Augenblick
Die starke Hand vom willigen Schwert zur¸ck, Ehrt den Moment, wo manche Tausend schreiten, F¸r oder wider mich zu streiten.
Selbst ist der Mann! Wer Thron und Kron’ begehrt, PersËnlich sei er solcher Ehren wert.
Sei das Gespenst, das, gegen uns erstanden, Sich Kaiser nennt und Herr von unsern Landen, Des Heeres Herzog, Lehnherr unsrer Groï¬en, Mit eigner Faust ins Totenreich gestoï¬en!
FAUST:
Wie es auch sei, das Groï¬e zu vollenden, Du tust nicht wohl, dein Haupt so zu verpfâ°nden. Ist nicht der Helm mit Kamm und Busch geschm¸ckt? Er sch¸tzt das Haupt, das unsern Mut entz¸ckt. Was, ohne Haupt, was fËrderten die Glieder? Denn schlâ°fert jenes, alle sinken nieder; Wird es verletzt, gleich alle sind verwundet, Erstehen frisch, wenn jenes rasch gesundet. Schnell weiï¬ der Arm sein starkes Recht zu n¸tzen; Er hebt den Schild, den Schâ°del zu besch¸tzen; Das Schwert gewahret seiner Pflicht sogleich, Lenkt krâ°ftig ab und wiederholt den Streich; Der t¸chtige Fuï¬ nimmt teil an ihrem Gl¸ck, Setzt dem Erschlagnen frisch sich ins Genick.
KAISER:
Das ist mein Zorn, so mËcht’ ich ihn behandeln, Das stolze Haupt in Schemeltritt verwandeln!
HEROLDE:
Wenig Ehre, wenig Geltung
Haben wir daselbst genossen,
Unsrer krâ°ftig edlen Meldung
Lachten sie als schaler Possen:
“Euer Kaiser ist verschollen,
Echo dort im engen Tal;
Wenn wir sein gedenken sollen,
Mâ°rchen sagt:–Es war einmal.”
FAUST:
Dem Wunsch gemâ°ï¬ der Besten ist’s geschehn, Die fest und treu an deiner Seite stehn. Dort naht der Feind, die Deinen harren br¸nstig; Befiehl den Angriff, der Moment ist g¸nstig.
KAISER:
Auf das Kommando leist’ ich hier Verzicht. In deinen Hâ°nden, F¸rst, sei deine Pflicht.
OBERGENERAL:
So trete denn der rechte Fl¸gel an! Des Feindes Linke, eben jetzt im Steigen, Soll, eh’ sie noch den letzten Schritt getan, Der Jungendkraft gepr¸fter Treue weichen.
FAUST:
Erlaube denn, daï¬ dieser muntre Held Sich ungesâ°umt in deine Reihen stellt, Sich deinen Reihen innigst einverleibt
Und, so gesellt, sein krâ°ftig Wesen treibt.
RAUFEBOLD:
Wer das Gesicht mir zeigt, der kehrt’s nicht ab Als mit zerschlagnen Unter- und Oberbacken; Wer mir den R¸cken kehrt, gleich liegt ihm schlapp Hals, Kopf und Schopf hinschlotternd graï¬ im Nacken. Und schlagen deine Mâ°nner dann
Mit Schwert und Kolben, wie ich w¸te, So st¸rzt der Feind, Mann ¸ber Mann,
Ersâ°uft im eigenen Gebl¸te.
OBERGENERAL:
Der Phalanx unsrer Mitte folge sacht, Dem Feind begegn’ er, klug mit aller Macht; Ein wenig rechts, dort hat bereits, erbittert, Der Unsern Streitkraft ihren Plan ersch¸ttert.
FAUST:
So folge denn auch dieser deinem Wort! Er ist behend, reiï¬t alles mit sich fort.
HABEBALD:
Dem Heldenmut der Kaiserscharen
Soll sich der Durst nach Beute paaren; Und allen sei das Ziel gestellt:
Des GegenKAISER:s reiches Zelt.
Er prahlt nicht lang auf seinem Sitze, Ich ordne mich dem Phalanx an die Spitze.
EILEBEUTE:
Bin ich auch ihm nicht angeweibt,
Er mir der liebste Buhle bleibt.
F¸r uns ist solch ein Herbst gereift! Die Frau ist grimmig, wenn sie greift,
Ist ohne Schonung, wenn sie raubt;
Im Sieg voran! und alles ist erlaubt.
OBERGENERAL:
Auf unsre Linke, wie vorauszusehn,
St¸rzt ihre Rechte, krâ°ftig. Widerstehn Wird Mann f¸r Mann dem w¸tenden Beginnen, Den engen Paï¬ des Felswegs zu gewinnen.
FAUST:
So bitte, Herr, auch diesen zu bemerken; Es schadet nichts, wenn Starke sich verstâ°rken.
HALTEFEST:
Dem linken Fl¸gel keine Sorgen!
Da, wo ich bin, ist der Besitz geborgen; In ihm bewâ°hret sich der Alte,
Kein Strahlblitz spaltet, was ich halte.
MEPHISTOPHELES:
Nun schauet, wie im Hintergrunde
Aus jedem zackigen Felsenschlunde
Bewaffnete hervor sich drâ°ngen,
Die schmalen Pfade zu verengen,
Mit Helm und Harnisch, Schwertern, Schilden In unserm R¸cken eine Mauer bilden,
Den Wink erwartend, zuzuschlagen.
Woher das kommt, m¸ï¬t ihr nicht fragen. Ich habe freilich nicht gesâ°umt,
Die Waffensâ°le ringsum ausgerâ°umt; Da standen sie zu Fuï¬, zu Pferde,
Als wâ°ren sie noch Herrn der Erde; Sonst waren’s Ritter, KËnig, Kaiser,
Jetzt sind es nichts als leere Schneckenhâ°user; Gar manch Gespenst hat sich darein geputzt, Das Mittelalter lebhaft aufgestutzt.
Welch Teufelchen auch drinne steckt, F¸r diesmal macht es doch Effekt.
HËrt, wie sie sich voraus erbosen, Blechklappernd aneinander stoï¬en!
Auch flattern Fahnenfetzen bei Standarten, Die frischer L¸ftchen ungeduldig harrten. Bedenkt, hier ist ein altes Volk bereit
Und mischte gern sich auch zum neuen Streit.
FAUST:
Der Horizont hat sich verdunkelt,
Nur hie und da bedeutend funkelt
Ein roter ahnungsvoller Schein;
Schon blutig blinken die Gewehre;
Der Fels, der Wald, die Atmosphâ°re, Der ganze Himmel mischt sich ein.
MEPHISTOPHELES:
Die rechte Flanke hâ°lt sich krâ°ftig; Doch seh’ ich ragend unter diesen
Hans Raufbold, den behenden Riesen, Auf seine Weise rasch geschâ°ftig.
KAISER:
Erst sah ich einen Arm erhoben,
Jetzt seh’ ich schon ein Dutzend toben; Naturgemâ°ï¬ geschieht es nicht.
FAUST:
Vernahmst du nichts von Nebelstreifen, Die auf Siziliens K¸sten schweifen?
Dort, schwankend klar, im Tageslicht, Erhoben zu den Mittell¸ften,
Gespiegelt in besondern D¸ften,
Erscheint ein seltsames Gesicht:
Da schwanken Stâ°dte hin und wider, Da steigen Gâ°rten auf und nieder,
Wie Bild um Bild den â°ther bricht.
KAISER:
Doch wie bedenklich! Alle Spitzen
Der hohen Speere seh’ ich blitzen;
Auf unsres Phalanx blanken Lanzen
Seh’ ich behende Flâ°mmchen tanzen. Das scheint mir gar zu geisterhaft.
FAUST:
Verzeih, o Herr, das sind die Spuren Verschollner geistiger Naturen,
Ein Widerschein der Dioskuren,
Bei denen alle Schiffer schwuren;
Sie sammeln hier die letzte Kraft.
KAISER:
Doch sage: wem sind wir verpflichtet, Daï¬ die Natur, auf uns gerichtet,
Das Seltenste zusammenrafft?
MEPHISTOPHELES:
Wem als dem Meister, jenem hohen,
Der dein Geschick im Busen trâ°gt? Durch deiner Feinde starkes Drohen
Ist er im Tiefsten aufgeregt.
Sein Dank will dich gerettet sehen, Und sollt’ er selbst daran vergehen.
KAISER:
Sie jubelten, mich pomphaft umzuf¸hren; Ich war nun was, das wollt’ ich auch probieren Und fand’s gelegen, ohne viel zu denken, Dem weiï¬en Barte k¸hle Luft zu schenken. Dem Klerus hab’ ich eine Lust verdorben, Und ihre Gunst mir freilich nicht erworben. Nun sollt’ ich, seit so manchen Jahren,
Die Wirkung frohen Tuns erfahren?
FAUST:
Freiherzige Wohltat wuchert reich;
Laï¬ deinen Blick sich aufwâ°rts wenden! Mich deucht, er will ein Zeichen senden, Gib acht, es deutet sich sogleich.
KAISER:
Ein Adler schwebt im Himmelhohen,
Ein Greif ihm nach mit wildem Drohen.
FAUST:
Gib acht: gar g¸nstig scheint es mir. Greif ist ein fabelhaftes Tier;
Wie kann es sich so weit vergessen, Mit echtem Adler sich zu messen?
KAISER:
Nunmehr, in weitgedehnten Kreisen,
Umziehn sie sich;–in gleichem Nu
Sie fahren aufeinander zu,
Sich Brust und Hâ°lse zu zerreiï¬en.
FAUST:
Nun merke, wie der leidige Greif,
Zerzerrt, zerzaust, nur Schaden findet Und mit gesenktem LËwenschweif,
Zum Gipfelwald gest¸rzt, verschwindet.
KAISER:
Sei’s, wie gedeutet, so getan!
Ich nehm’ es mit Verwundrung an.
MEPHISTOPHELES:
Dringend wiederholten Streichen
M¸ssen unsre Feinde weichen,
Und mit ungewissem Fechten
Drâ°ngen sie nach ihrer Rechten
Und verwirren so im Streite
Ihrer Hauptmacht linke Seite.
Unsers Phalanx feste Spitze
Zieht sich rechts, und gleich dem Blitze Fâ°hrt sie in die schwache Stelle.–
Nun, wie sturmerregte Welle
Spr¸hend, w¸ten gleiche Mâ°chte
Wild in doppeltem Gefechte;
Herrlichers ist nichts ersonnen,
Uns ist diese Schlacht gewonnen!
KAISER:
Schau! Mir scheint es dort bedenklich, Unser Posten steht verfâ°nglich.
Keine Steine seh’ ich fliegen,
Niedre Felsen sind erstiegen,
Obre stehen schon verlassen.
Jetzt!–Der Feind, zu ganzen Massen Immer nâ°her angedrungen,
Hat vielleicht den Paï¬ errungen,
Schluï¬erfolg unheiligen Strebens! Eure K¸nste sind vergebens.
MEPHISTOPHELES:
Da kommen meine beiden Raben,
Was mËgen die f¸r Botschaft haben? Ich f¸rchte gar, es geht uns schlecht.
KAISER:
Was sollen diese leidigen VËgel?
Sie richten ihre schwarzen Segel
Hierher vom heiï¬en Felsgefecht.
MEPHISTOPHELES:
Setzt euch ganz nah zu meinen Ohren. Wen ihr besch¸tzt, ist nicht verloren,
Denn euer Rat ist folgerecht.
FAUST:
Von Tauben hast du ja vernommen,
Die aus den fernsten Landen kommen
Zu ihres Nestes Brut und Kost.
Hier ist’s mit wichtigen Unterschieden: Die Taubenpost bedient den Frieden,
Der Krieg befiehlt die Rabenpost.
MEPHISTOPHELES:
Es meldet sich ein schwer Verhâ°ngnis: Seht hin! gewahret die Bedrâ°ngnis
Um unsrer Helden Felsenrand!
Die nâ°chsten HËhen sind erstiegen, Und w¸rden sie den Paï¬ besiegen,
Wir hâ°tten einen schweren Stand.
KAISER:
So bin ich endlich doch betrogen!
Ihr habt mich in das Netz gezogen;
Mir graut, seitdem es mich umstrickt.
MEPHISTOPHELES:
Nur Mut! Noch ist es nicht miï¬gl¸ckt. Geduld und Pfiff zum letzten Knoten!
GewËhnlich geht’s am Ende scharf.
Ich habe meine sichern Boten;
Befehlt, daï¬ ich befehlen darf!
OBERGENERAL:
Mit diesen hast du dich vereinigt,
Mich hat’s die ganze Zeit gepeinigt, Das Gaukeln schafft kein festes Gl¸ck.
Ich weiï¬ nichts an der Schlacht zu wenden; Begannen sie’s, sie mËgen’s enden,
Ich gebe meinen Stab zur¸ck.
KAISER:
Behalt ihn bis zu bessern Stunden,
Die uns vielleicht das Gl¸ck verleiht. Mir schaudert vor dem garstigen Kunden
Und seiner Rabentraulichkeit.
Den Stab kann ich dir nicht verleihen, Du scheinst mir nicht der rechte Mann;
Befiehl und such uns zu befreien!
Geschehe, was geschehen kann.
MEPHISTOPHELES:
Mag ihn der stumpfe Stab besch¸tzen! Uns andern kËnnt’ er wenig n¸tzen,
Es war so was vom Kreuz daran.
FAUST:
Was ist zu tun? +
MEPHISTOPHELES:
Es ist getan!–
Nun, schwarze Vettern, rasch im Dienen, Zum groï¬en Bergsee! gr¸ï¬t mir die Undinen Und bittet sie um ihrer Fluten Schein.
Durch Weiberk¸nste, schwer zu kennen, Verstehen sie vom Sein den Schein zu trennen, Und jeder schwËrt, das sei das Sein.
FAUST:
Den Wasserfrâ°ulein m¸ssen unsre Raben Recht aus dem Grund geschmeichelt haben; Dort fâ°ngt es schon zu rieseln an.
An mancher trocknen, kahlen Felsenstelle Entwickelt sich die volle, rasche Quelle; Um jener Sieg ist es getan.
MEPHISTOPHELES:
Das ist ein wunderbarer Gruï¬,
Die k¸hnsten Klettrer sind konfus.