Der spricht mich los von jeder Pflicht, dem muï¬ Ich zeigen, daï¬ es zwischen KËnigen
Und Sklaven eine Mittelstufe gibt,
Und daï¬ der Mann auf dieser steht!
Alexandra.
Mir gilt
Es gleich, aus welchem Grund: genug, du tratst Zu mir her¸ber!
Soemus.
F¸rchte keinen Kampf mehr, Er ist so gut, als tot! Octavian
Ist kein Antonius, der sich das Fleisch Vom Leibe hacken lâ°ï¬t und es verzeiht, Weil er die Hand bewundert, die das tut! Er sieht nur auf die Streiche.
Alexandra.
Was sagt Titus?
Soemus.
Der denkt, wie ich! Ich lieï¬ den Sameas Nur darum frei, weil ich zur Rechenschaft Gezogen werden wollte. Konnt’ ich doch
Nicht anders an die Königin gelangen! Jetzt weiï¬ sie, was sie wissen muï¬, und ist Der Todesbotschaft, wenn sie kommt, gewachsen. Das war mein Zweck! Welch edles Weib! Die schlachten! Es wâ°r’ um ihre Trâ°nen schad gewesen!
Alexandra.
Gewiï¬, ein zâ°rtlicher Gemahl!–Such sie Nur zu bereden, daï¬ sie sich dem Schutz Der RËmer ¸bergibt und komm aufs Fest, Durch das sie mit Herodes bricht, er mag Nun tot sein oder leben! (Ab.)
Soemus (ihr folgend).
Er ist tot!
Vierte Szene
Diener treten auf und ordnen das Fest an.
Moses.
Nun, Artaxerxes? Wieder in Gedanken? Flink! Flink! Du stellst bei uns die Uhr nicht vor!
Artaxerxes.
Hâ°ttst du das jahrelang getan, wie ich, So w¸rd’ es dir auch ganz so gehn, wie mir! Besonders, wenn du alle Nâ°chte trâ°umtest, Du hâ°ttst das alte Amt noch zu versehn! Ich greif ganz unwillk¸rlich mit der Rechten Mir an den Puls der Linken, zâ°hl und zâ°hle Und zâ°hle oft bis sechzig, eh’ ich mich Besinne, daï¬ ich keine Uhr mehr bin!
Moses.
Merk dir es endlich denn, daï¬ du bei uns Die Zeit nicht messen sollst! Wir haben dazu Den Sonnenweiser und den Sand! Du selbst Sollst, wie wir andern, in der Zeit was tun! Faulenzerei, nichts weiter!
Artaxerxes.
Laï¬ dir schwËren!
Moses.
Schweig! Schweig! Beim Essen zâ°hltest du noch nie! Im ¸brigen: man schwËrt auch nicht bei uns, Und (f¸r sich) wâ°r’ der KËnig nicht ein halber Heide, So hâ°tten wir auch den fremden Diener nicht! Da kommen schon die Musikanten! Flink!
(Geht zu den ¸brigen.)
Jehu.
Du, ist das wirklich wahr, was man von dir Erzâ°hlt?
Artaxerxes.
Wie sollt’ es denn nicht wahr sein? Soll ich’s vielleicht noch hundertmal beteuern? Am Hofe des Satrapen war ich Uhr
Und hatt’ es gut, viel besser, wie bei euch! Nachts ward ich abgelËst, dann war’s mein Bruder, Und auch bei Tage, wenn’s zum Essen ging. Ich dank es wahrlich eurem KËnig nicht, Daï¬ er mich mit den andern Kriegsgefangnen Hiehergeschleppt! Zwar ward mein Dienst zuletzt Ein wenig schwer! Ich muï¬te mit ins Feld, Und wenn man links und rechts die Pfeile fliegen, Die Menschen fallen sieht, verzâ°hlt man sich Nat¸rlich leichter als in einem Saal,
Wo sie zusammenkommen, um zu tanzen. Ich schloï¬ die Augen, denn ich bin kein Held, Wie es mein Vater war. Den traf ein Pfeil Auf seinem Posten–er war Uhr, wie wir,
Ich und mein Bruder, alle waren Uhren– Er rief die Zahl noch ab und starb! Was sagst du? Das war ein Mann! Dazu gehËrte mehr,
Als nËtig war, den Pfeil ihm zuzuschicken!
Jehu.
Habt ihr denn keinen Sand bei euch zu Hause, Daï¬ ihr das tun m¸ï¬t?
Artaxerxes.
Wir? Wir keinen Sand?
Genug, um ganz Judâ°a zu bedecken! Es ist ja nur, weil der Satrap bei uns
Es besser haben soll, wie’s andre haben! Der Puls des Menschen geht doch wohl genauer, Wenn er gesund ist und kein Fieber hat,
Wie euer Sand durch seine RËhre lâ°uft? Und n¸tzen euch die Sonnenweiser was,
Wenn es der Sonne nicht gefâ°llt zu scheinen? (Zâ°hlt.) Eins–Zwei–
Moses (kommt zur¸ck).
Fort! Fort! Die Gâ°ste kommen schon!
Artaxerxes.
Das ist das Fest? Da sah ich andre Feste! Wo keine Frucht gegessen ward, die nicht Aus einem fremden Weltteil kam! Wo Strafe, Oft Todesstrafe, darauf stand, wenn einer Nur einen Tropfen Wasser trank. Wo Menschen, Die man mit Hanf umwickelt und mit Pech
Betrâ°ufelt hatte, in den Gâ°rten nachts Als Fackeln brannten–
Moses.
HËre auf! Was hatten
Die Menschen dem Satrapen denn getan?
Artaxerxes.
Getan? Gar nichts! Bei uns ist ein Begrâ°bnis Viel prâ°chtiger, wie eine Hochzeit hier!
Moses.
Vermutlich freï¬t ihr eure Toten auf! Es paï¬te gut zum ¸brigen!
Artaxerxes.
Dann ist’s
Auch wohl nicht wahr, daï¬ eure KËnigin Im Wein einst eine Perle aufgelËst,
Kostbarer, als das ganze KËnigreich, Und daï¬ sie diesen Wein an einen Bettler Gegeben hat, der ihn, wie andern, soff?
Moses.
Das ist es nicht! Gott Lob!
Artaxerxes (zu Jehu).
Du sagtest’s aber!
Jehu.
Weil es mir eine Ehre f¸r sie schien, Und weil man’s von der â°gypterin erzâ°hlt!
Moses.
Hinweg!
Artaxerxes (deutet auf die Rosen, die Jehu trâ°gt). Wirkliche Rosen! Die sind billig,
Bei uns sind’s silberne und goldene! Die soll man dahin schicken, wo die Blumen So kostbar sind, wie Gold und Silber hier!
(Diener zerstreuen sich. Die Gâ°ste, unter ihnen Soemus, haben sich wâ°hrend der letzten Hâ°lfte dieser Szene versammelt. Musik. Tanz. Silo und Judas sondern sich von den ¸brigen und erscheinen im Vordergrund.)
Silo.
Was soll das heiï¬en?
Judas.
Was das heiï¬en soll?
Der KËnig kehrt zur¸ck! Und das noch heut!
Silo.
Meinst du?
Judas.
Wie kannst du fragen! Gibt’s denn wohl Noch einen andern Grund f¸r solch ein Fest? ¸b dich auf einen neuen B¸ckling ein!
Silo.
Es hieï¬ ja aber–
Judas.
Lug und Trug, wie immer,
Wenn’s hieï¬, ihm sei was Schlimmes widerfahren, Und ganz nat¸rlich, da’s so viele gibt, Die ihm das Schlimme w¸nschen! Wird getanzt In einem Haus, wo man um Tote klagt?
Silo.
Da wird denn bald viel Blut vergossen werden, Die Kerker stecken seit dem Aufruhr voll!
Judas.
Das weiï¬ ich besser, als du’s wissen kannst, Ich habe manchen selbst hineingeschleppt. Denn dieser Aufruhr war so unvern¸nftig, Daï¬ jeder, der nicht eben darauf sann, Sich selbst zu hâ°ngen, ihn bekâ°mpfen muï¬te. Du weiï¬t, ich liebe den Herodes nicht, Wie tief ich mich auch immer vor ihm b¸cke, Doch darin hat er recht: die RËmer sind Zu mâ°chtig gegen uns, wir sind nicht mehr, Als ein Insekt ist in des LËwen Rachen, Das soll nicht stechen, denn es wird verschluckt!
Silo.
Mir tut’s nur leid um meines Gâ°rtners Sohn, Der einen Stein nach einem rËm’schen Adler Geworfen und ihn auch getroffen hat!
Judas.
Wie alt ist der?
Silo.
Wie lange ist es doch,
Daï¬ ich den Fuï¬ brach?–Da ward er geboren, Denn seine Mutter konnte mich nicht pflegen, Ja, richtig–zwanzig!
Judas.
Da geschieht ihm nichts! (Mariamne und Alexandra erscheinen.) Die KËnigin! (Will gehen.)
Silo.
Wie meinst du das? Ein Wort noch!
Judas.
Wohl! Im Vertraun denn! Weil er zwanzig ist, Geschieht ihm nichts! Doch wenn er neunzehn wâ°r’ Und einundzwanzig, ginge es ihm schlecht! Im k¸nft’gen Jahr steht’s anders!
Silo.
Spaï¬e nicht!
Judas.
Ich sage dir, so ist’s! Und willst du wissen Warum? Der KËnig selbst hat einen Sohn
Von zwanzig Jahren, doch er kennt ihn nicht! Die Mutter hat ihm, als er sie verlieï¬, Das Kind entf¸hrt und feierlich geschworen, Es zu verderben–
Silo.
Greuelhaftes Weib!
Heidin?
Judas.
Vermutlich! Zwar, ich weiï¬ es nicht!– So zu verderben, daï¬ er’s tËten m¸sse, Verstehst du mich? Ich halt’s f¸r Raserei, Die sich gelegt hat nach der ersten Wut, Doch ihn macht’s â°ngstlich, und kein Todesurteil Ward je an einem Menschen noch vollzogen, Der in dem Alter seines Sohnes stand.
TrËst deinen Gâ°rtner! Doch behalt’s f¸r dich!
(Verlieren sich wieder unter die ¸brigen.)
F¸nfte Szene
Alexandra und Mariamne erscheinen im Vordergrund.
Alexandra.
So willst du dich nicht zu den RËmern fl¸chten?
Mariamne.
Wozu nur?
Alexandra.
Um das Leben dir zu sichern!
Mariamne.
Das Leben! Freilich! Das muï¬ man sich sichern! Der Schmerz hat keinen Stachel ohne das!
Alexandra.
So gib der Stunde wenigstens ihr Recht! Du gibst ein Fest, so zeig auch deinen Gâ°sten Ein festliches Gesicht, wie sich’s geb¸hrt!
Mariamne.
Ich bin kein Instrument und keine Kerze, Ich soll nicht klingen, und ich soll nicht leuchten, Drum nehmt mich, wie ich bin! Nein! Tut es nicht! Treibt mich, das Beil f¸r meinen Hals zu wetzen, Was red ich, treibt mich, daï¬ ich mit euch juble– Soemus, auf!
(Zu Salome, die eben eintritt und ihr entgegenschreitet.)
Du, Salome? Willkommen
Vor allem mir, trotz deiner Trauerkleider! Das hâ°tt’ ich kaum gehofft!
Sechste Szene
Salome.
Ich muï¬ ja wohl,
Wenn ich erfahren will, wie’s steht! Ich werde Zu einem Fest geladen, doch man sagt
Mir nicht, warum das Fest gegeben wird! Zwar kann ich’s ahnen, doch ich muï¬ es wissen! Nicht wahr: Herodes kehrt zur¸ck? Wir werden Ihn heut noch sehn? Die Kerzen sagen ja, Die lustige Musik! Tu du es auch!
Ich frag nicht meinetwegen! Doch du weiï¬t– Nein, nein, du weiï¬t es nicht, du hast’s vergessen, Du hast vielleicht getrâ°umt, sie sei begraben, Sonst hâ°ttst du ihr die Kunde nicht verhehlt, Allein dein Traum hat dich getâ°uscht, sie sitzt Noch immer in der Ecke, wo sie saï¬,
Als sie dich segnete–
Mariamne.
Was redest du?
Salome.
Genug! Herodes hat noch eine Mutter, Die bangt um ihren Sohn und hâ°rmt sich ab. Und ich, ich bitt dich: laï¬ sie das Verbrechen, Daï¬ sie auch mich gebar, nicht lâ°nger b¸ï¬en, Gib ihr den Trost, nach dem ihr Herz verlangt!
Mariamne.
Ich hab f¸r seine Mutter keinen Trost!
Salome.
Du hast Herodes heut nicht zu erwarten?
Mariamne.
Nichts weniger! Ich hËrte, er sei tot!
Salome.
Und feierst dieses Fest?
Mariamne.
Weil ich noch lebe!
Soll man sich denn nicht freun, daï¬ man noch lebt?
Salome.
Ich glaub dir nicht!
Mariamne.
Viel Dank f¸r deinen Zweifel!
Salome.
Die Kerzen–
Mariamne.
Sind sie nicht zum Leuchten da?
Salome.
Die Zimbeln–
Mariamne.
M¸ssen klingen, weiï¬t du’s anders?
Salome (deutet auf Mariamnens reiche Kleidung). Die Edelsteine–
Mariamne.
St¸nden dir zwar besser–
Salome.
Das alles deutet–
Mariamne.
Auf ein Freudenfest!
Salome.
Das ¸ber einem Grabe–
Mariamne.
Es ist mËglich!
Salome.
Dann–Mariamne, hËr ein ernstes Wort! Ich hab dich stets gehaï¬t, doch immer blieb mir Ein Zweifel, ob es auch mit Recht geschah, Und reuig hab ich oft mich dir genâ°hert, Um–
Mariamne.
Mich zu k¸ssen! Einmal tatst du’s gar!
Salome.
Jetzt aber seh ich, du bist–
Mariamne.
Schlecht genug,
Dich stehnzulassen und mich in die Schar Zu mischen, welche dort den Tanz beginnt! Soemus!
Soemus (reicht ihr den Arm).
KËnigin!
Mariamne.
So hat Herodes
Mich ganz gewiï¬ gesehen, als er dir Den blutigen Befehl gab. Wunderbar!
Es ist nun wirklich alles so gekommen! (Im Abgehen zu Salome.)
Du siehst doch zu?
(Von Soemus in den Hintergrund gef¸hrt, wo sie beide nicht mehr gesehen werden.)
Salome.
Dies Weib ist noch viel schlechter, Als ich’s mir dachte! Das will etwas sagen! Drum hat sie auch die bunte Schlangenhaut, Mit der sie alles kËdert!–ja, sie tanzt! Nun, wahrlich, jetzt ist mein Gewissen ruhig, Der kann kein Mensch auf Erden unrecht tun!
(Sie sieht Mariamnen zu.)
Siebente Szene
Alexandra kommt mit Titus.
Alexandra.
Titus, du siehst, wie meine Tochter trauert!
Titus.
Sie hat wohl neue Botschaft von Herodes?
Alexandra.
Die Botschaft, daï¬ es mit ihm aus ist! Ja!
Titus (sieht nach Mariamnen).
Sie tanzt!
Alexandra.
Als wâ°re sie, statt Witwe, Braut! Titus, sie trug bis heute eine Maske,
Und, merk dir das, sie tat es nicht allein!
Titus.
Sehr gut f¸r sie! Dann bleibt sie, was sie ist! GehËrt sie zu den Feinden des Herodes,
So wird sie nicht mit seinen Freunden b¸ï¬en!
Alexandra.
Um das zu zeigen, gibt sie ja dies Fest! (Entfernt sich von Titus.)
Titus.
Es schaudert mir vor diesen Weibern doch! Die eine haut dem Helden, den sie erst
Durch heuchlerische K¸sse sicher machte, Im Schlaf den Kopf ab, und die andre tanzt, Um sich nur ja die Krone zu erhalten,
Wie rasend, auf dem Grabe des Gemahls! Um das zu sehn, ward ich gewiï¬ geladen (Er sieht wieder nach Mariamnen.)
Ja, ja, ich seh’s und will’s in Rom bezeugen– Doch trinke ich hier keinen Tropfen Wein!
Salome.
Was sagst du, Titus? Steht es mit dem KËnig So schlecht, daï¬ die schon alles wagen darf?
Titus.
Wenn er nicht gleich sich zum Octavian Geschlagen und dem Marc Anton vorm Fall
Den letzten Stoï¬ noch mitgegeben hat, Und das bezweifle ich, so steht’s nicht gut!
Salome.
O hâ°tt’ er’s doch getan!–Wenn die den Kopf Behâ°lt, so weiï¬ ich nicht, warum der Herr Das Blut der ¸pp’gen Jesabel den Hunden Zu lecken gab! (Verliert sich unter die ¸brigen.)
Titus.
Sie tanzt noch fort! Doch scheint’s Ihr nicht ganz leicht zu sein! Sie m¸ï¬t’ ergl¸hen, Doch sie erbleicht, als ob sie in Gedanken Was andres tâ°te und nur unwillk¸rlich Dem Reigen folgte! Nun, auch diese Judith Hat wohl nicht ohne Angst ihr Werk vollbracht! Und die da muï¬ den letzten Kuï¬ des Mannes, Den sie hier jetzt vor mir so feierlich
Verleugnet, noch auf ihrer Lippe f¸hlen, Auch sah sie ihn ja noch nicht tot!–Sie kommt!
(Mariamne erscheint wieder. Alexandra und Soemus folgen ihr.)
Alexandra (zu Mariamne).
Ich sprach mit Titus!
Mariamne (erblickt bei einer plËtzlichen Wendung ihr Bild im Spiegel).
Ha!
Alexandra.
Was hast du denn?
Mariamne.
So hab ich mich ja schon im Traum gesehn!– Das also war’s, was mich vorhin nicht ruhn lieï¬, Bis der verlorene Rubin sich fand,
Der jetzt auf meiner Brust so d¸ster glimmt: Das Bild hâ°tt’ eine L¸cke ohne ihn!– Auf dieses folgt das letzte bald!
Alexandra.
Komm zu dir!
Mariamne.
So laï¬ mich doch!–Ein Spiegel, ganz, wie der! Zu Anfang angelaufen, wie vom Hauch
Des Atmenden, dann, wie die Bilder, die Er nacheinander zeigte, sanft sich klâ°rend Und endlich leuchtend, wie geschliffner Stahl. Ich sah mein ganzes Leben! Erst erschien ich Als Kind, von zartem Rosenlicht umflossen, Das immer rËter, immer dunkler ward:
Da waren mir die eignen Z¸ge fremd, Und bei der dritten Wandlung erst erkannt’ ich Mich in dem gar zu jungen Angesicht.
Nun kam die Jungfrau und der Augenblick, Wo mich Herodes in den Blumengarten
Begleitete und schmeichelnd zu mir sprach: So schËn ist keine, daï¬ sie deine Hand Nicht pfl¸cken d¸rfte!–Ha, er sei verflucht, Daï¬ er’s so ganz vergaï¬! So ganz! Dann ward’s Unheimlich, und ich muï¬te wider Willen Die Zukunft schaun. Ich sah mich so und so, Und endlich, wie ich hier steh! (Zu Alexandra.) Ist es denn Nicht seltsam, wenn ein Traum ins Leben tritt?– Nun tr¸bte sich der helle Spiegel wieder, Das Licht ward aschenfarbig, und ich selbst, Die kurz zuvor noch Bl¸hende, so bleich, Als hâ°tt’ ich unter diesem Prachtgewand Schon lâ°ngst aus allen Adern still geblutet. Ein Schauder packte mich, ich rief: Jetzt komme Ich als Geripp, und das will ich nicht sehn! Da wandt’ ich mich–
(Sie wendet sich vom Spiegel ab.)
Stimmen im Hintergrund. Der KËnig!
(Allgemeine Bewegung.)
Alexandra.
Wer?
Achte Szene
Herodes tritt ein, kriegerisch angetan. Joab. Gefolge.
Mariamne.
Der Tod! Der Tod! Der Tod ist unter uns! Unangemeldet, wie er immer kommt!
Salome.
Der Tod f¸r dich! jawohl! So f¸hlst du’s selbst? Mein Bruder!
(Will Herodes umarmen, er drâ°ngt sie zur¸ck.)
Herodes.
Mariamne! (Er nâ°hert sich ihr.)
Mariamne (weist ihn mit einer heftigen Gebâ°rde zur¸ck). Zieh das Schwert!
Reich mir den Giftpokal! Du bist der Tod! Der Tod umarmt und k¸ï¬t mit Schwert und Gift!
Herodes (kehrt sich nach Salome um).
Was soll das heiï¬en? Tausend Kerzen riefen Mir aus der Ferne durch die Nacht schon zu: Dein Bote ward nicht von den Arabern
Ergriffen, er kam an, du wirst erwartet, Und jetzt–
Salome.
Die Kerzen haben dich betrogen, Hier ward gejubelt ¸ber deinen Tod!
Dein Bote kam nicht an, und deine Mutter Zerriï¬ schon ihr Gewand um dich!
(Herodes sieht um sich, bemerkt Titus und winkt ihm.)
Titus (tritt heran).
So ist’s!
Hier war kein Mensch darauf gefaï¬t, ich selbst Nicht einmal ganz, daï¬ du noch vor der Schlacht Bei Aktium den Antonius verlassen
Und, wie’s die Klugheit freilich riet, zum Câ°sar Hin¸bergehen w¸rdest! Daï¬ du’s tatest, Beweist mir deine Wiederkunft. Nun wohl! Ich–w¸nsch dir Gl¸ck!
Mariamne (tritt herzu).
Und ich beklage dich,
Daï¬ die Gelegenheit sich dir nicht bot, Den Marc Anton mit eigner Hand zu schlachten. So hâ°ttst du deinem neuen Herrn am besten Gezeigt, daï¬ dir am alten nichts mehr lag; Du hâ°ttst ihm deines Freundes Kopf gebracht, Er hâ°tt’ ihn mit der Krone dir bezahlt!
Herodes.
Pfui, Titus, pfui! Auch du denkst so von mir? Ich zog hinunter nach Arabien,
Wie mir’s Antonius geboten hatte,
Allein ich fand dort keinen Feind! Nun macht’ ich Mich auf nach Aktium, und meine Schuld
War’s nicht, wenn ich zu spâ°t kam. Hâ°tt’ er sich Gehalten, wie ich glaubte, daï¬ er’s w¸rde, So hâ°tt’ ich (gegen Mariamne) die Gelegenheit gesucht, Ihm mit dem Kopfe des Octavian
Die Krone zu bezahlen! (Zu Titus.) Er tat’s nicht! Er war schon tot, als ich erschien. Nun tat ihm Der Freund nicht weiter not, und ich begab Mich zum Octavian; zwar nicht als KËnig– Die Krone legt’ ich ab–doch darum auch
Als Bettler nicht. Ich zog mein Schwert und sprach: Dies wollt’ ich brauchen gegen dich, ich hâ°tt’ es Vielleicht mit deinem eignen Blut gefâ°rbt, Wenn’s hier noch besser st¸nde. Das ist aus! Jetzt senke ich’s vor dir und leg es ab! Erwâ°ge du nun, welch ein Freund ich war, Nicht, wessen Freund; der Tote gab mich frei: Ich kann jetzt, wenn du willst, der deine sein!
Titus.
Und er?
Herodes.
Er sprach “Wo hast du dien Krone? Ich setz noch einen Edelstein hinein,
Nimm die Provinz hin, die dir fehlt bis heute, Du sollst es nur an meiner Groï¬mut f¸hlen, Daï¬ ich der Sieger bin, nicht Marc Anton, Er hâ°tt’ sie Cleopatren nie genommen,
Die sie bisher besaï¬, ich schenk sie dir!
Titus.
Das–hâ°tt’ ich nie gedacht. Auch preis ich nichts, Als deinen Stern!
Herodes.
Titus! O preis ihn nicht!
Ich ward zu schwerem Werk gespart! Soemus! (Soemus bleibt stehen, wo er steht und antwortet nicht.) Verrietst du mich? Du schweigst! Ich weiï¬ genug! Oh! Oh! Hinweg mit ihm!
Soemus (indem er abgef¸hrt wird).
Ich leugne nichts!
Doch, daï¬ ich dich f¸r tot hielt, magst du glauben! Jetzt tu, was dir gefâ°llt! (Ab.)
Herodes.
Und nach dem Tode
HËrt alles auf, nicht wahr? Ja! Ja! Mein Titus, Hâ°ttst du den Mann gekannt, wie ich–du w¸rdest Nicht so gelassen, nicht so ruhig dastehn, Wie ich hier steh, du w¸rdest schâ°umen, knirschen Und w¸tend sprechen: (Gegen Mariamne.) Weib, was tatst du alles, Um den so weit zu bringen?–Salome,
Du hattest recht, ich muï¬ mich waschen, waschen– Blut her! Sogleich beruf ich ein Gericht! (Gegen Mariamne.) Du schweigst? Du h¸llst dich noch in deinen Trotz? Ich weiï¬ warum! Du hast’s noch nicht vergessen, Was du mir warst! Auch jetzt noch riss’ ich leichter Das Herz mir aus der Brust–Titus, so ist’s!– Als (wieder zu Mariamne) dich mir aus dem Herzen! Doch ich tu’s!
Mariamne (wendet sich kurz).
Ich bin Gefangne?
Herodes.
Ja!
Mariamne (zu den Soldaten).
So f¸hrt mich ab!
(Wendet sich. Auf Herodes’ Wink folgt ihr Joab mit Soldaten.) Der Tod kann mein Gemahl nicht lâ°nger sein! (Ab.)
Herodes.
Ha! Ha! Zu der hab ich einmal gesprochen: Zwei Menschen, die sich lieben, wie sie sollen, KËnnen einander gar nicht ¸berleben,
Und wenn ich selbst auf fernem Schlachtfeld fiele: Man brauchte dir’s durch Boten nicht zu melden, Du f¸hltest es sogleich, wie es geschehn, Und st¸rbest ohne Wunde mit an meiner!
Titus, verlach mich nicht! So ist’s! So ist’s! Allein die Menschen lieben sich nicht so! (Ab.)
F¸nfter Akt
Groï¬er Audienzsaal, wie im ersten Akt.
Man erblickt Thron und Richtertafel.
Erste Szene
Herodes und Salome.
Herodes.
HËr auf, hËr auf! Ich habe das Gericht Bestellt und werde seinen Spruch vollziehn! Ich, der ich sonst vor jedem Fieber bebte, Wenn’s auch nur ihre Kammerfrau befiel,
Ich selbst bewaffne gegen sie den Tod! Das sei genug! Wenn dich dein Eifer noch Nicht ruhen lâ°ï¬t, wird er sein Ziel verfehlen, Ich werde denken, daï¬ der Haï¬ allein Aus deinem Munde spricht, und dich als Zeugin Verwerfen, wenn ich jede Kerze auch
Als solche gelten lasse, die geflammt, Und jede Blume, die geduftet hat!
Salome.
Herodes! Leugnen will ich’s nicht, ich habe Nach ihren Fehlern einst gespâ°ht und sie VergrËï¬ert, wie du selbst die Tugenden, Die du an ihr entdecktest. War der Stolz, Womit sie mir und deiner Mutter immer
Begegnete, war er ein Grund zur Liebe? Sie gab sich als ein Wesen hËhrer Art,
Das niemals einen anderen Gedanken, Als den, in mir erregte: wozu ist
Das dicke Buch, das von den Heldentaten Der Makkabâ°er uns erzâ°hlt, nur da?
Die trâ°gt ja selbst die Chronik im Gesicht!
Herodes.
Du willst mich widerlegen und besiegelst Den Spruch, den ich gefâ°llt!
Salome.
HËr mich nur aus!
So war’s, ich leugn’ es nicht. Doch wenn ich jetzt Mehr sagte, als ich weiï¬ und denk und f¸hle, Ja, wenn ich nicht aus schwesterlichem Mitleid Die Hâ°lfte dessen, was ich sagen kËnnte, Noch in der Brust verschloï¬, so soll mein Kind– Ich liebe es ja wohl?–so viele Jahre
Erleben, als sein Scheitel Haare zâ°hlt, Und jeder Tag ihm so viel Schmerzen bringen, Als er Minuten, ja Sekunden hat!
Herodes.
Der Schwur ist f¸rchterlich!
Salome.
Und dennoch fâ°llt er Mir leichter, als das Wort: die Nacht ist schwarz! Mein Auge kËnnte krank sein, doch unmËglich Ist mit dem Auge krank zugleich das Ohr, Ja, der Instinkt, das Herz und jegliches Organ, das meine Sinne unterst¸tzt!
Und alle stimmen diesmal so zusammen, Als kËnnten sie sich gar nicht widersprechen. Ja, hâ°tte Gott in jener Festesnacht
Mir aus des Himmels HËhen zugerufen: Von welchem ¸bel soll ich eure Erde
Befrein, du hast die Wahl, so hâ°tt’ ich nicht Die Pest, ich hâ°tt’ dein bËses Weib genannt! Mir schauderte vor ihr, mir war zumut,
Als hâ°tt’ ich einem Dâ°mon aus der HËlle Im Finstern meine Menschenhand gereicht, Und er verhËhnte mich daf¸r, er trâ°te In seiner eignen schrecklichen Gestalt
Aus dem gestohlnen Leib von Fleisch und Blut Hervor und grinste mich durch Flammen an. Auch schauderte mir nicht allein, der RËmer Sogar, der eh’rne Titus, war entsetzt!
Herodes.
Jawohl, und der wiegt schwerer, als du selbst, Denn, wie er keinen liebt, so haï¬t er keinen Und ist gerecht, wie Geister ohne Blut.
Verlaï¬ mich jetzt, denn ich erwarte ihn!
Salome.
Nein, niemals werd’ ich diesen Tanz vergessen, Bei dem sie nach dem Takte der Musik
Den Boden trat, als w¸ï¬te sie’s gewiï¬, Daï¬ du darunter lagst! Bei Gott, ich wollte, Ich m¸ï¬te das nicht sagen! Denn ich weiï¬, Wie tief es dich, der du ihr Mutter, Schwester, Und was nicht, opfertest, empËren muï¬! Allein, so war es! (Ab.)
Zweite Szene
Herodes (allein).
Titus sagte mir
Das nâ°mliche! Auch sah ich selbst genug! Und die hat recht! Ich habe ihr die Schwester Und fast die Mutter auch geopfert: wËgen Die nicht den Bruder auf, den sie verlor? In ihren Augen nicht!
Dritte Szene
Titus tritt ein.
Herodes.
Nun, Titus, nun?
Bekennt Soemus?
Titus.
Was du weiï¬t! Nicht mehr!
Herodes.
Nichts von–
Titus.
O nein! Er fuhr, wie rasend, auf, Als ich von fern nur darauf deutete!
Herodes.
Ich konnte es erwarten!
Titus.
Niemals hâ°tte
Ein Weib, wie deins, gelebt, und niemals sei Ein Mann des Kleinods, das ihm Gott beschieden, So wenig wert gewesen–
Herodes.
Als ich selbst!
Ja, ja!–“Er wuï¬te nicht, was Perlen sind, Drum nahm ich ihm sie weg!” So sprach der Dieb. Ich weiï¬ nicht, half’s ihm was?
Titus.
Ihr Herz sei edler
Als Gold–
Herodes.
So kennt er es? Er ist berauscht Und lobt den Wein! Ist das nicht ein Beweis, Daï¬ er getrunken hat? Was sch¸tzte er Denn vor? Warum verriet er meinen Auftrag An sie?
Titus.
Aus Abscheu, wie er sagt!
Herodes.
Aus Abscheu?
Und diesen Abscheu sprach er mir nicht aus?
Titus.
Wâ°r’ das ihm wohl bekommen? Hâ°ttest du Den starren Diener leben lassen kËnnen, Der den Befehl einmal von dir empfing
Und ihn zur¸ckwies?
Herodes.
War’s in solchem Fall
Denn nicht genug, ihn unvollf¸hrt zu lassen?
Titus.
Gewiï¬! Doch wenn er weiter ging, so tat er’s Vielleicht, weil du ihm schon verloren schienst, Und weil er nun die Gunst der KËnigin
Auf deine Kosten sich erkaufen wollte, In deren Hâ°nden seine Zukunft lag.
Herodes.
Nein, Titus, nein! Soemus war der Mann, In eigener Person den Griff zu wagen,
Der uns die fremde Gunst entbehrlich macht! Nur darum ¸bertrug ich’s ihm, ich dachte: Er tut’s f¸r sich, wenn er’s f¸r dich nicht tut! Ja, wâ°r’ er ein Geringrer, als er ist, Und hâ°tt’ er nicht in Rom die vielen Freunde, So wollt’ ich’s glauben, aber jetzt–Nein, nein! Es gab nur einen Grund!
Titus.
Und dennoch râ°umt
Er den nicht ein!
Herodes.
Er wâ°r’ nicht, was er ist, Wenn er es tâ°te, denn er weiï¬ gar wohl, Was folgen wird, und hofft nun, durch sein Leugnen In meiner Brust noch einen letzten Zweifel Zu wecken, der, wenn nicht sein eignes Haupt, So doch das ihrige, vorm Tode sch¸tzt!
Allein er irrt, dem Zweifel fehlt der Stachel, Denn hâ°tt’ ich nichts zu strafen, was sie tat, So straft’ ich, was sie ward, und was sie ist! Ha! Wâ°r’ sie je gewesen, was sie schien: Sie hâ°tte so sich nie verwandeln kËnnen, Und Rache nehm ich an der Heuchlerin!
Ja, Titus, ja, ich schwËr es bei dem Schl¸ssel Zum Paradies, den sie in Hâ°nden hâ°lt; Bei aller Seligkeit, die sie mir schon
Gewâ°hrte und mir noch gewâ°hren kann; Ja, bei dem Schauder, der mich eben mahnt, Daï¬ ich in ihr mich selbst vernichten werde: Ich mach ein Ende, wie’s auch stehen mag!
Titus.
Es ist zu spâ°t, dir warnend zuzurufen: Gib den Befehl nicht! und ich kenne selbst Kein Mittel, das zur Klarheit f¸hren kann, Drum wag ich nicht zu sagen: halte ein!
Vierte Szene
Joab tritt ein.
Herodes.
Sind sie versammelt?
Joab.
Lâ°ngst! Aus dem Gefâ°ngnis Muï¬ ich dir melden, was mir wichtig scheint! Man kann den Sameas nicht so weit bringen, Daï¬ er sich selbst entleibt!
Herodes.
Ich gab Befehl,
Daï¬ man ihn martern soll, bis er es tut! (Zu Titus.)
Der hat geschworen, hËrt’ ich, sich zu tËten, Wenn er mich nicht zu seinesgleichen machen, Den Heidensinn in mir, wie er es nennt,
Nicht brechen kËnne. Da ihm das miï¬lang, So zwinge ich ihn, seinen Schwur zu halten, Er hat den Tod wohl tausendfach verdient!
Titus.
Ich hâ°tte selbst auf seinen Tod gedrungen, Denn er hat mich beschimpft und Rom in mir, Und das kann ¸berall verziehen werden,
Nur hier nicht, wo das Volk so stËrrig ist!
Herodes (zu Joab).
Nun denn!
Joab.
Man tat getreu nach deinen Worten, Allein es half zu nichts. Der Henker hat Fast jede Qual ihm angetan, er hat
Ihm obendrein, ergrimmt ob seinem Trotz, Den er f¸r Hohn nahm, Wunden beigebracht, Doch ist’s, als hâ°tt’ er einen Baum gegeiï¬elt, Als hâ°tte er in Holz hineingeschnitten: Der Alte steht so da, als f¸hlt’ er nichts, Er singt, anstatt zu schrein und nach dem Messer Zu greifen, das ihm vorgehalten wird,
Er singt den Psalm, den die drei Mâ°nner einst Im feur’gen Ofen sangen, er erhebt
Bei jedem neuen Schmerz die Stimme lauter Und, wenn er einhâ°lt, prophezeit er gar!
Herodes (f¸r sich).
So sind sie! Ja!–Und wird sie anders sein?
Joab.
Dann ruft er aus, als hâ°tt’ er f¸r geheime Und wunderbare Dinge so viel Augen
Bekommen, als er Wunden zâ°hlt, nun sei Die Zeit erf¸llt, und in die Krippe lege Die Jungfrau-Mutter aus dem Stamme Davids In diesem heil’gen Augenblick ein Kind,
Das Throne st¸rzen, Tote wecken, Sterne Vom Himmel reiï¬en und von Ewigkeit
Zu Ewigkeit die Welt regieren werde. Das Volk indes, zu Tausenden versammelt, Harrt drauï¬en vor den Toren, hËrt das alles Und glaubt, daï¬ sich Elias’ Flammenwagen Herniedersenken wird, um ihn, wie den,
Emporzutragen. Selbst ein Henkersknecht Erschrak und hielt, anstatt ihm neue Wunden Zu schlagen, ihm die alten zu!
Herodes.
Man soll
Ihn auf der Stelle tËten, und dem Volk Ihn zeigen, wenn er tot ist!–Laï¬ dann auch Die Richter kommen und–
Joab.
Die KËnigin! (Ab.)
Herodes.
Du, Titus, wirst an meiner Seite sitzen! Auch ihre Mutter habe ich geladen,
Damit es ihr nicht an der Zeugin fehlt.
F¸nfte Szene
Aaron und die ¸brigen f¸nf Richter treten ein. Alexandra und Salome folgen. Joab erscheint gleich darauf.
Alexandra.
Mein KËnig und mein Herr, sei mir gegr¸ï¬t!
Herodes.
Ich danke dir!
(Er setzt sich auf seinen Thron. Titus setzt sich ihm zur Seite. Die Richter setzen sich dann auf seinen Wink im Halbkreis um die Tafel)
Alexandra (wâ°hrend dies geschieht). Vom Schicksal Mariamnens Scheid ich das meinige, und spare mich,
Wie eine Fackel, f¸r die Zukunft auf!
(Sie setzt sich neben Salome.)
Herodes (zu den Richtern).
Ihr wiï¬t, warum ich euch berufen lieï¬!
Aaron.
In tiefstem Schmerz erschienen wir vor dir!
Herodes.
Nicht zweifl’ ich! Mir und meinem Hause seid Ihr alle eng befreundet und verwandt,
Was mich trifft, trifft euch mit! Euch wird es freun’ Wenn ihr die KËnigin, die–(Er stockt.) Schenkt mir das! Euch wird es freun, wenn ihr sie nicht verdammen, Wenn ihr, anstatt nach Golgatha hinaus,
Zur¸ck mir in das Haus sie schicken d¸rft, Doch werdet ihr auch vor dem â°uï¬ersten Nicht mutlos zittern, wenn’ es nËtig wird, Denn, wie ihr Gl¸ck und Ungl¸ck mit mir teilt, So teilt ihr Schmach und Ehre auch mit mir. Wohlan denn!
(Er gibt Joab ein Zeichen. Joab geht ab. Dann erscheint er wieder mit Mariamne.–Es entsteht eine lange Pause.)
Aaron!
Aaron.
KËnigin! Uns ward
Ein schweres Amt! Du stehst vor deinen Richtern!
Mariamne.
Vor meinen Richtern, ja, und auch vor euch!
Aaron.
Erkennst du dies Gericht nicht an?
Mariamne.
Ich sehe
Ein hËhres hier! Wenn das auf eure Fragen Die Antwort mir gestattet, werd’ ich reden, Und schweigen werd’ ich, wenn es sie verbeut!– Mein Auge sieht euch kaum! Denn hinter euch Stehn Geister, die mich stumm und ernst betrachten, Es sind die groï¬en Ahnen meines Stamms. Drei Nâ°chte sah ich sie bereits im Traum, Nun kommen sie bei Tage auch, und wohl
Erkenn ich, was es heiï¬t, daï¬ sich der Reigen Der Toten schon f¸r mich geËffnet hat
Und daï¬, was lebt und atmet, mir erbleicht. Dort, hinter jenem Thron, auf dem ein KËnig Zu sitzen scheint, steht Judas Makkabâ°us: Du Held der Helden, blicke nicht so finster Auf mich herab, du sollst mit mir zufrieden sein!
Alexandra.
Sei nicht zu trotzig, Mariamne!
Mariamne.
Mutter!
Leb wohl!–(Zu Aaron.) Weswegen bin ich hier verklagt?
Aaron.
Du habest deinen KËnig und Gemahl
Betrogen–(Zu Herodes.) Nicht?
Mariamne.
Betrogen? Wie? UnmËglich! Hat er mich nicht gefunden, wie er mich
Zu finden dachte? Nicht bei Tanz und Spiel? Zog ich, als ich von seinem Tode hËrte, Die Trauerkleider an? Vergoï¬ ich Trâ°nen? Zerrauft’ ich mir das Haar? Dann hâ°tt’ ich ihn Betrogen, doch ich hab es nicht getan
Und kann es dartun. Salome, sprich du!
Herodes.
Ich fand sie, wie sie sagt. Sie braucht sich nicht Nach einem andern Zeugen umzusehn.
Doch niemals, niemals hâ°tte ich’s gedacht!
Mariamne.
Niemals gedacht? Und doch verlarvt den Henker Dicht hinter mich gestellt? Das kann nicht sein! Wie ich beim Scheiden stand vor seinem Geist, So hat er mich beim Wiedersehn gefunden, Drum muï¬ ich leugnen, daï¬ ich ihn betrog!
Herodes. (in ein wildes Gelâ°chter ausbrechend). Sie hat mich nicht betrogen, weil sie nichts Getan, als was das Vorgef¸hl, die Ahnung, Wie preis ich sie, die d¸stre Warnerin! Mich f¸rchten lieﬖ(Zu Mariamne.) Weib! Weib! Dies steht dir an! Doch baue nicht zu fest darauf, daï¬ ich Mit Gl¸ck und Ruhe auch die Kraft verlor, Mir blieb vielleicht ein Rest noch f¸r die Rache, Und–schon als Knabe schoï¬ ich einem Vogel Stets einen Pfeil nach, wenn er mir entflog.
Mariamne.
Sprich nicht von Vorgef¸hl und Ahnung, sprich Von Furcht allein! Du zittertest vor dem, Was du verdientest! Das ist Menschenart! Du kannst der Schwester nicht mehr traun, seit du Den Bruder tËtetest, du hast das â°rgste Mir zugef¸gt und glaubst nun, daï¬ ich’s dir Erwidern, ja, dich ¸berbieten muï¬!
Wie, oder hast du stets, wenn du dem Tod In ehrlich-offnem Krieg entgegenzogst,
Den Henker hinter mich gestellt? Du schweigst! Wohlan denn! Da du’s selbst so tief empfindest, Was sich f¸r mich geziemt, da deine Furcht Mich ¸ber meine Pflicht belehrt, so will Ich endlich diese heil’ge Pflicht erf¸llen, Drum scheid ich mich auf ewig von dir ab!
Herodes.
Antwort! Bekennst du? Oder tust du’s nicht? (Mariamne schweigt.–Herodes zu den Richtern.) Ihr seht, das Eingestâ°ndnis fehlt! Und auch Beweise hab ich nicht, wie ihr sie braucht! Doch habt ihr einmal einen MËrder schon Zum Tod verdammt, weil des Erschlagnen Kleinod Sich bei ihm fand. Es half ihm nichts, daï¬ er Auf seine wohlgewaschnen Hâ°nde wies,
Und nichts, daï¬ er euch schwur, der Tote habe Es ihm geschenkt: Ihr lieï¬t den Spruch vollziehn! Wohlan! So steht’s auch hier! Sie hat ein Kleinod, Was mir bezeugt, unwidersprechlicher,
Wie’s irgendeine Menschenzunge kËnnte, Daï¬ sie den Greul der Greul an mir beging. Ein Wunder hâ°tt’ nicht bloï¬ geschehn, es hâ°tte Sich wiederholen m¸ssen, wâ°r’ es anders, Und Wunder wiederholten sich noch nie!
(Mariamne macht eine Bewegung.) Zwar wird sie sprechen, wie der MËrder sprach: Man habe ihr’s geschenkt! Auch darf sie’s wagen, Denn, wie ein Wald, ist eine Kammer stumm. Doch, wâ°ret ihr versucht, ihr das zu glauben, So setz ich euch mein innerstes Gef¸hl
Und die Ergr¸ndung aller MËglichkeiten Entgegen, und verlange ihren Tod.
Ja, ihren Tod! Ich will den Kelch des Ekels Nicht leeren, den der Trotz mir beut, ich will Nicht Tag f¸r Tag mich mit dem Râ°tsel quâ°len, Ob solch ein Trotz das widerwâ°rtigste
Gesicht der Unschuld, ob die frechste Larve Der S¸nde ist, ich will mich aus dem Wirbel Von Haï¬ und Liebe, eh’ er mich erstickt, Erretten, kost es, was es kosten mag!
Darum hinweg mit ihr!–Ihr zËgert noch? Es bleibt dabei!–Wie?–Oder traf ich’s nicht? Sprecht ihr! Ich weiï¬, das Schweigen ist an mir! Doch sprecht! Sprecht! Sitzt nicht da, wie Salomo Zwischen den M¸ttern mit den beiden Kindern! Der Fall ist klar! Ihr braucht nicht mehr zum Spruch, Als was ihr seht! Ein Weib, das dastehn kann, Wie sie, verdient den Tod, und wâ°r’ sie rein Von jeder Schuld! Ihr sprecht noch immer nicht? Wollt ihr vielleicht erst den Beweis, wie fest Ich ¸berzeugt bin, daï¬ sie mich betrog? Den geb ich euch durch des Soemus Kopf,
Und das sogleich! (Er geht auf Joab zu.)
Titus (erhebt sich).
Dies nenn ich kein Gericht! Verzeih! (Er will gehen.)
Mariamne.
Bleib, RËmer, ich erkenn es an! Wer will’s verwerfen, wenn ich selber nicht!
(Titus setzt sich wieder.–Alexandra steht auf. Mariamne tritt zu ihr heran, halblaut.)
Du hast viel Leid mir zugef¸gt, du hast Nach meinem Gl¸ck das deine nie gemessen! Soll ich es dir verzeihn, so schweige jetzt! Du â°nderst nichts, mein Entschluï¬ ist gefaï¬t. (Alexandra setzt sich wieder.)
Nun, Richter?
Aaron (zu den ¸brigen).
Wer von euch den Spruch des KËnigs Nicht f¸r gerecht hâ°lt, der erhebe sich! (Alle bleiben sitzen.)
So habt ihr alle auf den Tod erkannt! (Er steht auf.)
Du bist zum Tod verurteilt, KËnigin!– Hast du noch was zu sagen?
Mariamne.
Wenn der Henker
Nicht zum voraus bestellt ist und auf mich Schon wartet mit dem Beil, so mËchte ich Vorm Tode noch mit Titus ein Gesprâ°ch. (Zu Herodes.)
Man pflegt den Sterbenden die letzte Bitte Nicht abzuschlagen. Wenn du sie gewâ°hrst, So sei mein Leben deinem zugelegt!
Herodes.
Der Henker ist noch nicht bestellt–ich kann’s! Und da du mir daf¸r die Ewigkeit
Als Lohn versprichst, so muï¬ und will ich auch! (Zu Titus.)
Ist dieses Weib nicht f¸rchterlich?
Titus.
Sie steht
Vor einem Mann, wie keine stehen darf! Drum endige!
Salome (tritt heran).
O tu es! Deine Mutter
Ist krank bis auf den Tod! Sie wird gesund, Wenn sie das noch erlebt,
Herodes (zu Alexandra).
Sprachst du nicht was?
Alexandra.
Nein!
(Herodes sieht Mariamnen lange an. Mariamne bleibt stumm.)
Herodes.
Stirb! (Zu Joab.) Ich leg’s in deine Hand!
(Schnell ab. Ihm folgt Salome.)
Alexandra (ihm nachsehend).
Ich habe
Noch einen Pfeil f¸r dich! (Zu Mariamne.) Du wolltest’s so!
Mariamne.
Ich danke dir!
(Alexandra ab.)
Aaron (zu den ¸brigen Richtern). Versuchen wir nicht noch, Ihn zu erweichen? Mir ist dies entsetzlich! Es ist die letzte Makkabâ°erin!
Wenn wir nur kurzen Aufschub erst erlangten! Jetzt ging’s nicht an, daï¬ wir ihm widerstrebten, Bald wird er selbst ein andrer wieder sein. Und mËglich ist’s, daï¬ er uns dann bestraft, Weil wir ihm heut nicht Widerstand getan! Ihm nach! (Ab.)
Joab (nâ°hert sich Mariamnen).
Vergibst du mir? Ich muï¬ gehorchen!
Mariamne.
Tu, was dein Herr gebot, und tu es schnell! Ich bin bereit, sobald du selbst es bist, Und KËniginnen, weiï¬t du, warten nicht!
(Joab ab.)
Sechste Szene
Mariamne (tritt zu Titus).
Nun noch ein Wort vorm Schlafengehn, indes Mein letzter Kâ°mmrer mir das Bette macht! Du staunst, ich seh es, daï¬ ich dieses Wort An dich, und nicht an meine Mutter, richte, Allein sie steht mir fern und ist mir fremd.
Titus.
Ich staune, daï¬ ein Weib mich lehren soll, Wie ich als Mann dereinst zu sterben habe! Ja, KËnigin, unheimlich ist dein Tun
Und, ich verhehl’s nicht, selbst dein Wesen mir, Allein ich muï¬ den Heldensinn verehren, Der dich vom Leben scheiden lâ°ï¬t, als schiene Die schËne Welt dir auf dem letzten Gang Nicht einmal mehr des fl¸cht’gen Umblicks wert, Und dieser Mut versËhnt mich fast mit dir!
Mariamne.
Es ist kein Mut!
Titus.
Zwar hat man mir gesagt
Daï¬ eure finstern Pharisâ°er lehren, Im Tode geh’ das Leben erst recht an,
Und daï¬, wer ihnen glaubt, die Welt verachtet, In welcher nur die Sonne ewig leuchtet
Und alles ¸brige in Nacht verlischt!
Mariamne.
Ich hËrte nie auf sie und glaub es nicht! O nein, ich weiï¬, wovon ich scheiden soll!
Titus.
Dann stehst du da, wie Câ°sar selber kaum, Als ihm von Brutus’ Hand der Dolchstoï¬ kam, Denn er, zu stolz, um seinen Schmerz zu zeigen, Und doch nicht stark genug, ihn zu ersticken, Verh¸llte fallend sich das Angesicht;
Du aber hâ°ltst ihn in der Brust zur¸ck!
Mariamne.
Nicht mehr! Nicht mehr! Es ist nicht, wie du denkst! Ich f¸hle keinen Schmerz mehr, denn zum Schmerz GehËrt noch Leben, und das Leben ist
In mir erloschen, ich bin lâ°ngst nur noch Ein Mittelding vom Menschen und vom Schatten Und faï¬ es kaum, daï¬ ich noch sterben kann. Vernimm jetzt, was ich dir vertrauen will, Doch erst gelobe mir als Mann und RËmer, Daï¬ du’s verschweigst, bis ich hinunter bin, Und daï¬ du mich geleitest, wenn ich geh. Du zËgerst? Fodre ich zuviel von dir?
Es ist des Strauchelns wegen nicht! Und ob Du spâ°ter reden, ob du schweigen willst, Entscheide selbst. Ich binde dich in nichts Und halte meinen Wunsch sogar zur¸ck.
Dich aber hab ich darum auserwâ°hlt, Weil du schon immer, wie ein eh’rnes Bild In eine Feuersbrunst, gelassen-kalt
Hineingeschaut in unsre HËlle hast. Dir muï¬ man glauben, wenn du Zeugnis gibst, Wir sind f¸r dich ein anderes Geschlecht, An das kein Band dich kn¸pft, du sprichst von uns, Wie wir von fremden Pflanzen und von Steinen, Parteilos, ohne Liebe, ohne Haï¬!
Titus.
Du gehst zu weit!
Mariamne.
Verweigerst du mir jetzt,
Zu starr, dein Wort, so nehm ich mein Geheimnis Mit mir ins Grab und muï¬ den letzten Trost Entbehren, den, daï¬ eines Menschen Brust Mein Bild doch rein und unbefleckt bewahrt, Und daï¬ er, wenn der Haï¬ sein â°rgstes wagt, Den Schleier, der es deckt, aus Pflichtgef¸hl Und Ehrfurcht vor der Wahrheit heben kann!
Titus.
Wohl! Ich gelob es dir!
Mariamne.
So wisse denn,
Daï¬ ich Herodes zwar betrog, doch anders, Ganz anders, als er wâ°hnt! Ich war ihm treu, Wie er sich selbst. Was schmâ°h ich mich? Viel treuer, Er ist ja lâ°ngst ein andrer, als er war. Soll ich das erst beteuern? Eher noch
Entschlieï¬ ich mich, zu schwËren, daï¬ ich Augen Und Hâ°nd’ und F¸ï¬e habe. Diese kËnnt’ ich Verlieren, und ich wâ°r’ noch, was ich bin, Doch Herz und Seele nicht!
Titus.
Ich glaube dir
Und werde–
Mariamne.
Halten, was du mir versprachst! Ich zweifle nicht! Nun frag dich, was ich f¸hlte, Als er zum zweiten Mal, denn einmal hatte Ich’s ihm verziehn, mich unters Schwert gestellt, Als ich mir sagen muï¬te: eher gleicht
Dein Schatten dir, als das verzerrte Bild, Das er im tiefsten Innern von dir trâ°gt! Das hielt ich nicht mehr aus, und konnt’ ich’s denn? Ich griff zu meinem Dolch, und, abgehalten Vom rasch versuchten Selbstmord, schwur ich ihm: Du willst im Tode meinen Henker machen?
Du sollst mein Henker werden, doch im Leben! Du sollst das Weib, das du erblicktest, tËten Und erst im Tod mich sehen, wie ich bin!– Du warst auf meinem Fest. Nun: Eine Larve Hat dort getanzt!
Titus.
Ha!
Mariamne.
Eine Larve stand
Heut vor Gericht, f¸r eine Larve wird Das Beil geschliffen, doch es trifft mich selbst!
Titus.
Ich steh ersch¸ttert, KËnigin, auch zeih ich Dich nicht des Unrechts, doch ich muï¬ dir sagen: Du hast mich selbst getâ°uscht, du hast mich so Mit Grau’n und Abscheu durch dein Fest erf¸llt, Wie jetzt mit schaudernder Bewunderung.
Und, wenn das mir geschah, wie hâ°tte ihm Der Schein dein Wesen nicht verdunkeln sollen, Ihm, dessen Herz, von Leidenschaft bewegt, So wenig, wie ein aufgew¸hlter Strom,
Die Dinge spiegeln konnte, wie sie sind. Drum f¸hl ich tiefes Mitleid auch mit ihm Und deine Rache finde ich zu streng!
Mariamne.
Auf meine eignen Kosten nehm ich sie! Und daï¬ es nicht des Lebens wegen war, Wenn mich der Tod des Opfertiers empËrte, Das zeige ich, ich werf das Leben weg!
Titus.
Gib mir mein Wort zur¸ck!
Mariamne.
Und wenn du’s brâ°chest, Du w¸rdest nichts mehr â°ndern. Sterben kann Ein Mensch den andern lassen; fortzuleben, Zwingt auch der Mâ°chtigste den Schwâ°chsten nicht. Und ich bin m¸de, ich beneide schon
Den Stein, und wenn’s der Zweck des Lebens ist, Daï¬ man es hassen und den ew’gen Tod
Ihm vorziehn lernen soll, so wurde er In mir erreicht. Oh, daï¬ man aus Granit, Aus nie zerbrËckelndem, den Sarg mir hËhlte Und in des Meeres Abgrund ihn versenkte, Damit sogar mein Staub den Elementen
F¸r alle Ewigkeit entzogen sei!
Titus.
Wir leben aber in der Welt des Scheins!
Mariamne.
Das seh ich jetzt, drum gehe ich hinaus!
Titus.
Ich selbst, ich habe gegen dich gezeugt!
Mariamne.
Damit du’s tâ°test, lud ich dich zum Fest!
Titus.
Wenn ich ihm sagte, was du mir gesagt–
Mariamne.
So riefe er mich um, ich zweifle nicht! Und folgte ich, so w¸rde mir der Lohn,
Daï¬ ich vor einem jeden, der mir nahte, Von jetzt an schaudern und mir sagen m¸ï¬te: Hab acht, das kann dein dritter Henker sein! Nein, Titus, nein, ich habe nicht gespielt, F¸r mich gibt’s keinen R¸ckweg. Gâ°b’ es den, Glaubst du, ich hâ°tt’ ihn nicht entdeckt, als ich Von meinen Kindern ew’gen Abschied nahm? Wenn nichts, als Trotz mich triebe, wie er meint, Der Schmerz der Unschuld hâ°tt’ den Trotz gebrochen: Jetzt machte er nur bittrer mir den Tod!
Titus.
Oh, f¸hlt’ er das und kâ°m’ von selbst, und w¸rfe Sich dir zu F¸ï¬en!
Mariamne.
Ja! Dann hâ°tte er
Den Dâ°mon ¸berwunden, und ich kËnnte Ihm alles sagen! Denn ich sollte nicht
Unw¸rdig mit ihm markten um ein Leben, Das durch den Preis, um den ich’s kaufen kann, F¸r mich den letzten Wert verlieren muï¬, Ich sollte ihn f¸r seinen Sieg belohnen, Und, glaube mir, ich kËnnt’ es!
Titus.
Ahnst du nichts,
Herodes?
(Joab tritt gerâ°uschlos ein und bleibt schweigend stehen.)
Mariamne.
Nein! Du siehst, er schickt mir den! (Deutet auf Joab.)
Titus.
Laï¬ mich–
Mariamne.
Hast du mich nicht verstanden, Titus? Ist es in deinen Augen noch der Trotz,
Der mir den Mund verschlo� Kann ich noch leben? Kann ich mit dem noch leben, der in mir
Nicht einmal Gottes Ebenbild mehr ehrt? Und, wenn ich dadurch, daï¬ ich schwieg, den Tod HeraufbeschwËren und ihn waffnen konnte, Sollt’ ich mein Schweigen brechen? Sollt’ ich erst Den einen Dolch vertauschen mit dem andern? Und wâ°r’ es mehr gewesen?
Titus.
Sie hat recht!
Mariamne (zu Joab).
Bist du bereit?
(Joab verneigt sich.–Mariamne gegen Herodes’ Gemâ°cher.) Herodes, lebe wohl!
(Gegen die Erde.)
Du, Aristobolus, sei mir gegr¸ï¬t! Gleich bin ich bei dir in der ew’gen Nacht!
(Sie schreitet auf die T¸r zu. Joab Ëffnet. Man sieht Bewaffnete, die ehrerbietig Reihen bilden. Sie geht hinaus. Titus folgt ihr. Joab schlieï¬t sich an. Feierliche Pause.)
Siebente Szene
Salome (tritt ein).
Sie ging! Und dennoch schlâ°gt das Herz mir nicht! Ein Zeichen mehr, daï¬ sie ihr Los verdient. So hab ich endlich meinen Bruder wieder
Und meine Mutter ihren Sohn! Wohl mir, Daï¬ ich nicht von ihm wich. Die Richter hâ°tten Ihn sonst noch umgestimmt. Nein, Aaron, nein, Nichts von Gefangenschaft! Im Kerker bliebe Sie keinen Mond. Das Grab nur hâ°lt sie fest, Denn nur zum Grabe hat er keinen Schl¸ssel.
Achte Szene
Ein Diener.
Drei KËn’ge aus dem Morgenland sind da, Mit kËstlichen Geschenken reich beladen, Sie kommen an in diesem Augenblick,
Und nie noch sah man fremdere Gestalten Und wundersamre Trachten hier, wie die!
Salome.
F¸hr sie herein!
(Diener ab.)
Die meld ich ihm sogleich.
Solange die bei ihm sind, denkt er nicht An sie! Und bald ist alles aus mit ihr!
(Sie geht zu Herodes hinein.)
(Der Diener f¸hrt die drei KËnige herein. Sie sind fremdartig gekleidet und so, daï¬ sie sich in allem voneinander unterscheiden. Ein reiches Gefolge, von dem dasselbe gilt, begleitet sie. Gold, Weihrauch und Myrrhen. Herodes tritt mit Salome gleich nachher ein.)
Erster KËnig.
Heil, KËnig, dir!
Zweiter KËnig.
Gesegnet ist dein Haus!
Dritter KËnig.
Gebenedeit in alle Ewigkeit!
Herodes.
Ich dank euch! Doch f¸r diese Stunde d¸nkt Der Gruï¬ mir seltsam!
Erster KËnig.
Ward dir nicht ein Sohn
Geboren?
Herodes.
Mir? O nein! Mir starb mein Weib!
Erster KËnig.
So ist hier unsers Bleibens nicht!
Zweiter KËnig.
So gibt’s
Hier einen zweiten KËnig noch!
Herodes.
Dann gâ°be
Es keinen hier.
Dritter KËnig.
So gibt’s hier auï¬er deinem Noch einen zweiten kËniglichen Stamm!
Herodes.
Warum?
Erster KËnig.
So ist es!
Zweiter KËnig.
Ja, so muï¬ es sein!
Herodes.
Auch davon weiï¬ ich nichts!
Salome (zu Herodes).
In Bethlehem
Hat sich vom Stamme Davids noch ein Zweig Erhalten!
Dritter KËnig.
David war ein KËnig?
Herodes.
Ja!
Erster KËnig.
So ziehen wir nach Bethlehem hinab!
Salome (fâ°hrt fort zu Herodes).
Allein er pflanzt sich nur in Bettlern fort!
Herodes.
Das glaub ich! Sonst–
Salome.
Ich sprach einst eine Jungfrau Aus Davids Haus, Maria, glaub ich, hieï¬ sie, Die fand ich schËn genug f¸r ihre Abkunft, Doch war sie einem Zimmermann verlobt
Und schlug die Augen gegen mich kaum auf, Als ich sie nach dem Namen fragte!
Herodes.
HËrt ihr’s?
Zweiter KËnig.
Gleichviel! Wir gehn!
Herodes.
Ihr werdet mir doch erst Verk¸nden, was euch hergef¸hrt?
Erster KËnig.
Die Ehrfurcht
Vorm KËnig aller KËnige!
Zweiter KËnig.
Der Wunsch,
Ihm noch vorm Tod ins Angesicht zu schaun!
Dritter KËnig.
Die heil’ge Pflicht, ihm huldigend zu F¸ï¬en Zu legen, was auf Erden kostbar ist!
Herodes.
Wer aber sagte euch von ihm?
Erster KËnig.
Ein Stern!
Wir zogen nicht zusammen aus, wir wuï¬ten Nichts voneinander, unsre Reiche liegen
Im Osten und im Westen, Meere flieï¬en Dazwischen, hohe Berge scheiden sie–
Zweiter KËnig.
Doch hatten wir denselben Stern gesehn, Es hatte uns derselbe Trieb erfaï¬t,
Wir wandelten denselben Weg und trafen Zuletzt zusammen an demselben Ziel–
Dritter KËnig.
Und ob des KËnigs, ob des Bettlers Sohn, Das Kind, dem dieser Stern ins Leben leuchtet, Wird hoch erhËhet werden, und auf Erden Kein Mensch mehr atmen, der sich ihm nicht beugt!
Herodes (f¸r sich).
So spricht das alte Buch ja auch! (Laut.) Darf ich Nach Bethlehem euch einen F¸hrer geben?
Erster KËnig (deutet gen Himmel).
Wir haben einen!
Herodes.
Wohl!–Wenn ihr das Kind
Entdeckt, so werdet ihr es mir doch melden, Damit ich es, wie ihr, verehren kann?
Erster KËnig.
Wir werden’s tun! Nun fort! nach Bethlehem!
(Alle ab.)
Herodes.
Sie werden’s nicht tun!
(Joab und Titus treten auf. Alexandra folgt ihnen.)
Ha!
Joab.
Es ist vollbracht!
(Herodes bedeckt sich das Gesicht.)
Titus.
Sie starb. Jawohl. Ich aber habe jetzt Ein noch viel f¸rchterlicheres Geschâ°ft, Als der, der deinen blut’gen Spruch vollzog: Ich muï¬ dir sagen, daï¬ sie schuldlos war.
Herodes.
Nein, Titus, nein!
(Titus will sprechen. Herodes tritt dicht vor ihn hin.)
Denn, wâ°re das, so hâ°ttest
Du sie nicht sterben lassen.
Titus.
Niemand konnte
Das hindern, als du selbst!–Es tut mir weh, Daï¬ ich dir mehr, als Henker, werden muï¬, Doch, wenn es heil’ge Pflicht ist, einen Toten, Wer er auch immer sein mag, zu bestatten, So ist die Pflicht noch heil’ger, ihn von Schmach Zu reinigen, wenn er sie nicht verdient, Und diese Pflicht gebeut mir jetzt allein!
Herodes.
Ich seh aus allem, was du sprichst, nur eins: Ihr Zauber war ihr selbst im Tode treu!
Was groll ich dem Soemus noch! Wie sollt’ er Der Blendenden im Leben widerstehn!
Dich hat sie im ErlËschen noch entflammt!
Titus.
Geht Eifersucht selbst ¸bers Grab hinaus?
Herodes.
Wenn ich mich tâ°uschte, wenn aus deinem Mund Jetzt, etwas andres, als ein Mitleid sprâ°che, Das viel zu tief ist, um nicht mehr zu sein: Dann m¸ï¬t’ ich dich doch mahnen, daï¬ dein Zeugnis Sie mit verdammen half, und daï¬ es Pflicht F¸r dich gewesen wâ°re, mich zu warnen, Sobald dir nur der kleinste Zweifel kam!
Titus.
Mich hielt mein Wort zur¸ck und mehr, als das: Die unerbittliche Notwendigkeit.
Wâ°r’ ich nur einen Schritt von ihr gewichen, So hâ°tte sie sich selbst den Tod gegeben, Ich sah den Dolch auf ihrer Brust versteckt, Und mehr als einmal zuckte ihre Hand.
(Pause.)
Sie wollte sterben, und sie muï¬te auch! Sie hat so viel gelitten und verziehn,
Als sie zu leiden, zu verzeihn vermochte: Ich habe in ihr Innerstes geschaut.
Wer mehr verlangt, der hadre nicht mit ihr, Er hadre einzig mit den Elementen,
Die sich nun einmal so in ihr gemischt, Daï¬ sie nicht weiter konnte. Doch er zeige Mir auch das Weib, das weiter kam, als sie! (Herodes macht eine Bewegung.)
Sie wollte ihren Tod von dir und rief Das w¸ste Traumbild deiner Eifersucht,
SelbstmËrdrisch gaukelnd und uns alle tâ°uschend, Auf ihrem Feste in ein tr¸grisch Sein.
Das fand ich streng, nicht ungerecht. Sie trat Als Larve vor dich hin, die Larve sollte Dich reizen, mit dem Schwert nach ihr zu stoï¬en, (Er zeigt auf Joab.)
Das tatest du, und tËtetest sie selbst!
Herodes.
So sprach sie. Doch sie sprach aus Rache so!
Titus.
So war’s. Ich habe gegen sie gezeugt, Wie gerne mËcht’ ich zweifeln!
Herodes.
Und Soemus?
Titus.
Ich bin ihm auf dem Todesweg begegnet, Er trat den seinen an, als sie den ihren Vollendet hatte, und ihm schien’s ein Trost, Daï¬ sich sein Blut mit ihrem mischen w¸rde, Wenn auch nur auf dem Block durch Henkers Hand.
Herodes.
Ha! Siehst du?
Titus.
Was?
Vielleicht hat er im stillen
F¸r sie gegl¸ht. Doch, wenn das S¸nde war, So war’s die seinige, die ihre nicht.
Er rief mir zu: jetzt sterb ich, weil ich sprach, Sonst m¸ï¬t’ ich sterben, weil ich sprechen kËnnte, Denn das war Josephs Los! Der schwur mir noch Im Tode, daï¬ er schuldlos sei, wie ich! Das merkt’ ich mir!
Herodes (ausbrechend). Joseph! Râ°cht der sich auch? Tut sich die Erde auf? Gehn alle Toten
Hervor?
Alexandra (tritt vor ihn hin).
Das tun sie!–Nein doch! F¸rchte nichts! Es gibt schon eine, welche drunten bleibt!
Herodes.
Verfluchte! (Er bezwingt sich.) Sei’s so! Wenn denn auch Soemus Nur ein Verbrechen gegen mich beging–
(Er kehrt sich gegen Salome.)
Joseph, der ihn mit diesem schnËden Argwohn Erf¸llte, Joseph hat ihn noch im Tode
Belogen, nicht? Joseph–Was schweigst du jetzt?
Salome.
Auf Schritt und Tritt verfolgt’ er sie–
Alexandra (zu Herodes).
Jawohl!
Doch sicher nur, um die Gelegenheit Zu finden, deinen Auftrag zu vollziehn
Um sie und mich zu tËten–
Herodes.
Ist das wahr?
(Zu Salome.)
Und du? Du?–
Alexandra.
In derselben Stunde fast
Wo er die Maske vËllig fallen lieï¬, Hat Mariamne einen Schwur getan,
Sich selbst, wenn du nicht wiederkehren solltest, Den Tod zu geben. Ich verhehl es nicht,
Daï¬ ich sie darum haï¬te!
Herodes.
F¸rchterlich!
Und das–das sagst du jetzt erst?
Alexandra.
Ja!
Titus.
Ich weiï¬
Es auch, es war ihr letztes Wort zu mir, Doch tausend Jahre hâ°tt’ ich’s dir verschwiegen, Ich wollte sie nur rein’gen, dich nicht martern!
Herodes.
Dann–(Die Stimme versagt ihm.)
Titus.
Fasse dich! Es trifft mich mit!
Herodes.
Jawohl!
Dich–die (gegen Salome)–und jeden, welcher hier, wie ich, Des t¸ck’schen Schicksals blindes Werkzeug war, Doch ich allein verlor, was man auf Erden In Ewigkeit nicht wiedersehen wird!
Verlor? Oh! Oh!
Alexandra.
Ha, Aristobolus!
Du bist gerâ°cht, mein Sohn, und ich in dir!
Herodes.
Du triumphierst? Du glaubst, ich werde jetzt Zusammenbrechen? Nein, das werd’ ich nicht! Ich bin ein KËnig, und ich will’s die Welt (Er macht eine Bewegung, als ob er etwas zerbrâ°che) Empfinden lassen!–Auf jetzt, Pharisâ°er, EmpËrt euch gegen mich! (Zu Salome.) Und du, was weichst du Schon jetzt vor mir? Noch hab ich wohl kein andres Gesicht, allein schon morgen kann’s geschehn, Daï¬ meine eigne Mutter schwËren muï¬, Ich sei ihr Sohn nicht!–(Nach einer Pause, dumpf.)
Wâ°re meine Krone
Mit allen Sternen, die am Himmel flammen, Besetzt: f¸r Mariamne gâ°be ich
Sie hin und, hâ°tt’ ich ihn, den Erdball mit. Ja, kËnnte ich sie dadurch, daï¬ ich selbst, Lebendig, wie ich bin, ins Grab mich legte, ErlËsen aus dem ihrigen: ich tâ°t’s,
Ich gr¸be mich mit eignen Hâ°nden ein! Allein ich kann’s nicht! Darum bleib ich noch Und halte fest, was ich noch hab! Das ist Nicht viel, doch eine Krone ist darunter, Die jetzt an Weibes Statt mir gelten soll, Und wer nach der mir greift–Das tut man ja, Ein Knabe tut das ja, der Wunderknabe,
Den die Propheten lâ°ngst verk¸ndet haben, Und dem jetzt gar ein Stern ins Leben leuchtet. Doch, Schicksal, du verrechnetest dich sehr, Wenn du, indem du mich mit eh’rnem Fuï¬ Zertratest, ihm die Bahn zu ebnen glaubtest, Ich bin Soldat, ich kâ°mpfe selbst mit dir, Und beiï¬ dich noch im Liegen in die Ferse! (Rasch.) Joab!
(Joab tritt heran. Herodes verhalten.) Du ziehst nach Bethlehem hinab
Und sagst dem Hauptmann, welcher dort befiehlt, Er soll den Wunderknaben–Doch, er findet Ihn nicht heraus, nicht jeder sieht den Stern, Und diese KËn’ge sind so falsch, als fromm– Er soll die Kinder, die im letzten Jahr
Geboren wurden, auf der Stelle tËten, Es darf nicht eins am Leben bleiben!
Joab (tritt zur¸ck).
Wohl!
(F¸r sich.) Ich weiï¬ warum! Doch Moses ward gerettet, Trotz Pharao!
Herodes (noch laut und stark).
Ich sehe morgen nach!–
Heut muï¬ ich Mariamne–(Er bricht zusammen.) Titus!
(Titus fâ°ngt ihn auf.)