Sie liefen nicht herum und klatschten auf den Gassen. Kurz, alles war bem¸ht dem M¸siggang zu hassen.
Wie aber treffen wir denn eure Sitten an? Es dachte unser Volk ihr giengt uns weit voran, Dieweil ihr weiï¬ und klug und Christlich sucht zu heisen, Als Leute von Verstand, die ihren SchËpfer preisen. So aber finden wir daï¬ alle groï¬ und klein, Kind, Vater, Frau und Mann der Trâ°gheit Freunde seyn. Wir thun was lËblich ist; wo thut ihr wohl dergleichen. Drum eckelt uns vor euch; ihr m¸st uns billig weichen.
Man sagt im Sprichwort sonst: Der MorgenrËthe Licht Das voller Glanz und Strahl in F¸rsten SchlËsser bricht, Wird nicht von Prinzen leicht in ihrer Pracht gesehen; Warum? sie pflegen oft am Mittag aufzustehen. Jezt aft ein B¸rgermann der F¸rsten Mode nach, Wenn um die Mittagszeit die Sonne das Gemach Mit ihrem Strahl erf¸llt, so weltzt man noch die Glieder, So dehnt man noch die Arm im Bette hin und wieder. Es macht dem Geist viel M¸h, daï¬ er den Willen bricht, Daher man Thee, Caffee, ja Tobac, Pfeif und Licht Gar oft ins Bett verlangt. Und wenn man auferstehet, So heists: O! daï¬ die Nacht so bald, so schnell vergehet. Man klagt die M¸h und Last des Lebens schmerzlich an, Wenn man der Hâ°nde=Paar, den Mund benebst den Zahn Zur Tischzeit regen soll. Ja was vor bittre Schmerzen F¸hlt man in seiner Brust, empfindet man im Herzen, Wenn man zu Facultâ°t und Richtstuhl wandern soll; Wenn man zu Rathe gehn, wenn man drey Finger voll Von Acten lesen muï¬. Wenn man auf Red und Fragen Von Amt und von Beruf soll eine Antwort sagen. Muï¬ etwa der Client um Rechtliches verziehn, Bey dem gelehrten Mann sich voller Angst bem¸hn, Und um was weniges fast tâ°glich an ihm regen. So seufzt man: Ist doch M¸h und Arbeit allerwegen. Kein Knabe, wenn man schon die schlanke Birke regt; Kein Mann, wenn ihn die Frau an ihrem Reichstag schlâ°gt, Kan sich so jâ°mmerlich geberden oder stellen, Als ihm die Thrâ°nen hier aus seinen Augen quellen. Da w¸nscht er, tobt und flucht: Wie wird man nicht geplagt! Ja wohl, so fâ°hrt er fort, hat David recht gesagt, Daï¬ Arbeit, M¸h und Last bey unserm Leben wâ°re: Daï¬ Haupt=Schmuck, Rock und Kleid auch seine Last vermehre.
Das grose Licht der Welt theilt sonst die Stunden ein, Und ordnet wenn es Tag, und wenn es Nacht soll seyn; Allein der M¸ï¬iggang setzt andre Zeit und Grâ°nzen, Wenn um die Morgenwach Aurorens Strahlen glâ°nzen; So liegt und schlummert er noch in der ersten Ruh. Deckt aber alles Fleisch ein stiller Schatten zu, So pflegen allererst die Augen aufzuwachen, Da will man erst ein St¸ck von Schrift und Acten machen, Und denkt nicht, daï¬ man sich das schËnste Licht verblendt, Wenn man ein Fremdes braucht, und Geld darzu verschwendt.
Ihr Lehrer von Athen! ihr alt ber¸hmte Weisen! Wie gl¸cklich seyd ihr nicht vor aller Welt zu preisen, Weil eurer Sch¸ler Geist um Pallas Rauch=Altar Und um den Musen=Hayn still, klug und emsig war? Kein ferner Weg, kein Schweiï¬, kein stark und m¸hsam Schwitzen, Kein ungebundner Fleiï¬, kein weises Stillesitzen, Noch Lesen ward gespart; man rang nach Kunst und Ruhm, Und schm¸ckte durch den Fleiï¬ der Musen Heiligthum.
Wo ist der stille Fleiï¬ der Alten hingekommen? Weint Musen! denn er wird jezt nicht wie vor vernommen. Kommt Musen! klagt und seufzt, denn euer Helicon Beschimpft der Trâ°gheit Freund, befleckt der Faulheit Sohn. Wer hËrt Aurorens Mund den guten Morgen sagen? Wer kan das Sitzefleisch biï¬ in die Nacht vertragen? Wird Strâ°usand wohl so viel als Schnupftoback verthan? Wer greift die Federn mehr als lange Pfeiffen an? Der Karten Menge muï¬ der B¸cher Zahl ersetzen; Den Degen sucht man jezt mehr als den Kiel zu wetzen. Ein blËckendes Geschrey geht Musen=Liedern f¸r. Der Lais freche Stirn wird aller Musen Zier, Ja selbst Eusebien und Themis vorgezogen.
Ja, spricht ein Edelmann: Wer B¸rger=Milch gesogen, Der mag ein B¸cher=Wurm und kahler Schulfuchs seyn, Und an dem todten Mund der Pallas sich erfreun. Das thut kein Adlicher. An statt der B¸rger Grillen, Soll ein lebendig Buch uns Schooï¬ und Hâ°nde f¸llen. Wir stellen unserm Geist ein aufgef¸hrtes Thor, Die Steine in der Stadt als unsere Feinde vor, Da suchen wir beherzt die Degen abzuwetzen, Und sie als wie im Krieg, auf â°rgste zu zerfetzen. Und also zeigen wir, eh sich der Krieg noch regt, Zum voraus wie man kâ°mpft, und auf die Feinde schlâ°gt. Wer nennt es wohl galant, wenn man im Winkel lebet, Und wie ein Seidenwurm sich unter B¸cher grâ°bet? Gescherzt, getanzt, gelacht, gesungen und gespielt, Auf einer Lais Mund die Hitze abgek¸hlt, Getrunken und gefezt, das heist galant gewandelt, So hat mein Oheim sonst und Ahn=Herr auch gehandelt.
O! schl¸ge mir mein Wunsch und Sehnen jezt nicht fehl, SchlËï¬ sich zu dieser Zeit das herrlichste Serail Des grËï¬ten KËnigs auf, wie viele kluge Frauen Und Jungfern w¸rde man in seinen Mauren schauen. Wie lobt nicht Salomo des Frauenzimmers Zucht, Wenn es den M¸ssiggang mit allen Ernst verflucht. Wenn Nadel, Zwirn und Flachs und kluges Hausregieren Der Frauenzimmer Arm mit munterm Fleiï¬e zieren? O weisester Monarch! jezt w¸rde man dein Haus Von Arbeit ledig sehn; ich weiï¬, man rufte aus: Hat denn der KËnig sich und uns so gar vergessen? Wie? soll sein Frauenvolk? wie? sollen die Maitressen Vor Rahm und Rocken stehn? Der KËnig braucht den Leib Zu seiner Augen=lust, zu seinem Zeitvertreib, Uns aber will er nicht die kleine Lust vergËnnen, Daï¬ wir spazieren gehn, und uns ergËtzen kËnnen? Wie? sollen wir das Brod das unser Mund verzehrt Verdienen, daï¬ die Hand sich also selber nehrt? Wer unsern Leib genieï¬t, der mag uns auch versorgen, Und solt er selbt das Geld zu unsrer Tafel borgen.
Wo ist zu dieser Zeit ein Weib, das groï¬ und reich, An Wirthschaft und an Fleiï¬ der schËnen Sara gleich? Wo ist ein edles Kind in unsern deutschen Auen So hâ°uï¬lich, so geschickt als Jacobs Braut zu schauen? Tabeens nette Hand, ihr k¸nstlich kluger Fleiï¬, Erhielt wohl schwerlich jetzt den Thrâ°nen=reichen Preiï¬, Den noch ihr Toden=Bret und Leichen=Tuch genosse, Indem ein Zâ°hren=Bach aus vielen Augen flosse;
Es ist nicht mehr die Zeit da man nur wenig schlief, Und bald nach allen sah, nach allen selber lief, Den Kindern und Gesind des Fleises Beyspiel wiese, Und sich auf andre nicht, nein, auf sich selbst verliese. Was kostets nicht vor M¸h, eh man um Zehn erwacht, Kleid, Wâ°sche, Band und Schu zum Anzug fertig macht? Wie stiehlt man nicht die Zeit, wenn man die Haare stutzet, Und seine freche Stirn zur Lust und Hoffart putzet? Des Fensters ofnes Glaï¬, so mancher Pflaster=Trit, Thee, Wein, Caffee und Spiel nimt Zeit und Tugend mit. O! wie wird nicht die Zeit so liederlich verschwendet, Wenn sich der Plauder=Mund zur Nachbarinnen wendet?
So schËn Lucretia, so groï¬, so reich sie war, So wieï¬ sie doch der Welt und zeigte offenbar: Daï¬ Wirtschaft, Fleiï¬ und M¸h kein reiches Weib beflecke, Vielmehr Huld, Ehre, Gunst bey jederman erwecke.
Ich hËre schon wie mich das Frauenzimmer schimpft; Und ¸ber meinen Reim die Nase hËhnisch r¸mpft. Ich hËre albereits, wie sie so sinnreich schwatzen, Wie sie Elihu gleich von Weisheit mËchten platzen. Man hâ°lt mir kl¸glich f¸r: Wie manches Wunderwerk War in der alten Zeit ein herrlich Augenmerk; Wie manche Krieges=Kunst gieng ehedem im Schwange; Wer weiï¬ die Mode nicht, wie mancher lief und sange Wenn hier ein Hochzeit=Fest und dort ein Einzug war; Wenn eine Kreisende ein Kind zur Welt gebahr. Wie die Philosophi vordem die Weisheit trieben; Wie sie so wunderlich von Erd und Himmel schrieben. Wie ward die Policey und Richter=Amt bestellt? Drum weil denn nichts besteht und ewig dauer hâ°lt, So ist dieï¬ alles auch von Zeit zu Zeit verschwunden. Wie viel vortrefliches hat unsre Welt erfunden? Man kriegt, man lehrt, man baut nicht mehr wie ehedem, Man ordnet, schaft und macht so wie es uns bequem, Und jezo Mode ist; sind nun der Mâ°nner Stunden Und Moden jezt nicht mehr ans Alterthum gebunden; So sind wir ebenfals von alten Sitten loï¬. Wo war vordem ein Weib wie jezt am Geiste groï¬? Wie niedertrâ°chtig hieï¬ ihr Wandel, Thun und Wesen, Da sie den Schâ°ferstab, den Wasser=Krug und Besen Getragen und gef¸hrt; wenn sie den Flachs geklopft, Die Kuchen selbst geknett, die Brunnen selbst verstopft, Die Sichel angefaï¬t, wenn man die Garben bande? Ziert das ein Frauenbild von reich und gutem Stande?
Jezt aber lebet man manierlich und galant, Den Mâ°nnern nicht zum Schimpf, nein, sondern mit Verstand. Wer wird die Schl¸ssel stets an Arm und Hâ°nden f¸hren? Und seine zarte Hand mit allem selbst beschmieren? Der K¸chen=Rauch beiï¬t nur die schËnen Augen roth, Worbey gar bald ein Fall dem Fuï¬ im Laufen droth. Davor ist Knecht und Magd, daï¬ sie das Haus verwalten, Wir aber lange Ruh und lange Tafel halten. Davor sind Kramer da, wo man die Kleidung findt, Davor giebts Mâ°dgen gnug die uns zu Dienste sind. Die Mâ°nner wollen Herr und Haupt und Vâ°ter heisen; So m¸ssen sie sich auch nothwendig so beweisen, Wie dieses Wort verlangt, daï¬ man uns Lebens=Saft, Und was wir irgend noth, ohn unsre Arbeit, schaft. Ein Weib muï¬ sich doch auch ein St¸ndgen Ruhe schenken, Und ihre Geister nicht durch M¸h und Arbeit krâ°nken. Wer dankts uns Weibern denn, was wir mit M¸h erspart, Was wir mit Fleiï¬ geschaft? ists doch der Mâ°nner Art, Daï¬ man uns immer schraubt: Wir kËnten nichts erwerben. Wohlan! so laï¬t uns dann bey guten Stunden sterben. Wird uns Lucretia zum Muster vorgestellt? O lacht! dieï¬ Muster zeigt die Thorheit alter Welt. Denn hâ°tt Lucretia in Compagnie gesessen, Darbey den Rocken, Rad und Mâ°gde Fleiï¬ vergessen, So hâ°tt Tarquinius sie nicht so schËn geacht, Sich nicht in sie verliebt, und seine Lust vollbracht. Sie wâ°re nicht durch Stahl und Eisen abgefahren. Nein! nein! wir wollen uns vor der Gefahr bewahren. Wir spielen lieber mit und folgen ihr nicht nach; So ¸berfâ°llt uns nicht dergleichen Ungemach.
August der RËmer Schmuck, August die Zier der Prinzen, August der mâ°chtigste an Staaten und Provinzen Erkannte doch darbey, wie falsch das Schicksal wâ°r; Daï¬ Scepter, Kron und Reich, Gl¸ck, Reichthum, Macht und Ehr Die Unbestâ°ndigkeit als seine Schwester k¸sse, Daï¬ man vom Thron und Gl¸k oft schnell herunter m¸sse. Drum sprach sein kluger Mund zu seiner Julia: Prinzeï¬in! ist euch schon das grËste Gl¸cke nah; Seyd ihr die Herrlichste von allen F¸rsten=Kindern; So denkt nur allezeit, das Gl¸ke kan sich mindern. Hat nicht schon ehedem so mancher F¸rst regiert, Den alle Herrlichkeit und alle Macht geziert, Allein wo ist sie oft so plËtzlich hingekommen? Hat ihm das Schicksaal nicht dieï¬ alles abgenommen? Daï¬ wer der grËste war, und oft der reichste hieï¬, Sich endlich elend, arm und niedrig sehen lieï¬. Dieï¬ stell ich mir auch vor; dieï¬ schwebt mir in Gedanken, Wie leichtlich kan mein Gl¸ck und meine Krone wanken; Wie leicht stËï¬t mich das Gl¸ck vom Scepter, Reich und Thron, Und jagt mich ebenfals wie andre arm davon? Drum liebste Julia: ihr mËget euch bey Zeiten Auf Ungl¸ck, Noth und Fall vern¸nftiglich bereiten. Flieht stets den M¸ssiggang, verschwendet keinen Tag, Arbeitet was die Hand und ihre Kunst vermag, Ihr w¸st nicht, ob euch nicht noch eure Hâ°nde nehren. So lieï¬ ein Kayser sich bey seiner Tochter hËren! So sprach auch Kayser Carl (g) zu seinen TËchtern oft: Flieht stets den M¸ssiggang, wie bald und unverhoft Kan mich des Schicksaals Macht vom Thron ins Elend jagen. Drum schickt euch auf den Fall bey annoch guten Tagen.
Wo ist zu dieser Zeit ein B¸rger=Weib und Kind Wie dieser F¸rsten=Zweig geartet und gesinnt? Wer denkt an seinen Fall, und an des Gl¸ckes Schlâ°ge, Daï¬ er sich vor der Zeit darzu bereiten mËge? Wer kËmmt der Armuths=Last durch klugen Fleiï¬ zuvor? Wer haï¬t den M¸ssiggang, und hebt die Hand empor, Daï¬ sie sich in der Zeit zu jeder Arbeit lenke, Damit es ihr nicht einst in schlimmen Tagen krâ°nke?
O! hâ°tte manches Weib, das sonst auf K¸ssen saï¬, Und ihres Leibes=Lâ°ng auf Schwanen=Federn maï¬, Sich vor der Zeit bequemt den M¸ssiggang zu meiden, Vielleicht tr¸g sie noch jezt ein reinlich Kleid von Seiden; Vielleicht rief nicht ihr Mund nach Wasser, Salz und Brod; Vielleicht wâ°r wohl ihr Aug nicht jezt von Thrâ°nen roth. Man w¸rde sie vielleicht anjetzo nicht verlachen, Und sprechen: seht! sie lernt die Sachen anders machen. Sonst grif sie nicht vor sich den kleinsten Finger an; Jezt aber dienet sie mit Arbeit jederman.
Ich tadle nicht wenn sich ein Frauenbild bestrebet, Daï¬ sie nach ihrem Stand in ihrer Arbeit lebet, Daï¬ sie nicht Ëffentlich die Hand zur Arbeit reckt Wodurch sie Vater, Mann an seinem Stand befleckt. Daï¬ sie die Hâ°nde nicht wie eine Magd gebrauchet; Und wo’s nicht nËtig ist, die Hand in Lauge tauchet; Daï¬ sie zur Reinlichkeit ein St¸ndgen an sich wendt; Nur dieï¬ ist mir verhaï¬t, wenn man den Tag verschwendt. (Sinnen
Wenn man den {Hâ°nden nicht zur Arbeit Fl¸gel giebet, {F¸ssen
Und nur der Schnecken-Brauch und ihre Mode liebet; Wenn man die Arbeit so, als wie die Schlangen scheut. Wenn man stets seufzend klagt: wie lang wird mir die Zeit! Ich weiï¬ vor Einsamkeit, ich weiï¬ vor langer Weile, Fast nicht, wohin ich jezt mich zu vergn¸gen eile.
Ein klug und fleisig Weib klagt vielmehr allemahl: Wie ist mir doch die Zeit so schnell, so kurz, so schmahl; Wenn ich vier Hâ°nde doch und so viel F¸sse hâ°tte! Die Hâ°nde eifern fast und streiten um die Wette. Ihr seltner Gassen=Trit hâ°lt ihr die Kleidung schËn; Und lehrt sie auf das Haus und ihre Kinder sehn, Damit sie in der Zucht und Furcht erhalten werden.
Wie gl¸cklich ist der Mensch der auf dem Kreiï¬ der Erden Der Klugheit Regel folgt, die ihm die Lehre giebt; Der ist begl¸ckt und reich, der Fleiï¬ und Arbeit liebt. Es freuet sich sein Geist wenn er bey sich erweget, Zu diesem Gl¸ck hat mir mein Fleiï¬ den Grund geleget. Durch ihn erhielt ich bloï¬ der F¸rst= und Menschen Gunst. Ich fand durch ihn den Weg zu mancher raren Kunst. Es kennen mich durch ihn die kl¸gst= und grËsten Hâ°user. Der Fleiï¬ band mir den Kranz und diese Lorber=Reiser.
* * *
Die Ehre ist ein Trieb der angebohren ist; Die Ehre ist ein Ziel wornach ein Weiser schieï¬t; Ein Kluger ist bem¸ht, mit Ernst darnach zu ringen, Und sich durch M¸h und Fleiï¬ erw¸nscht empor zu schwingen. Sein Geist bestrebet sich um des Monarchen Gunst, Von welchem alles Gl¸ck, Macht, Ehre, Reichtum, Kunst Und Tod und Leben kËmmt. Er ringt nach solchen Sitten, Wodurch der F¸rst der Welt bekâ°mpfet und bestritten Und ¸berwunden wird. Er ist in sich vergn¸gt, Wenn er sich ¸berwindt und seinen Muth besiegt. Wo eine Tugend ist, und wo ein Lob regieret, Dem jagt er ernstlich nach, damit ihn solches zieret. Den Degen z¸cket er auf kËniglich Geheiï¬, So tapfer als auch klug zu seines F¸rsten Preiï¬, Dem Vaterland zu Nutz, und nicht aus eignem Willen, Wie mancher raï¬t und thut, nur seinen Zorn zu stillen. Ein Weiser ¸berhebt sich seines Adels nicht, Daher er nicht so gleich von B¸gern spËttisch spricht! Er zeigt sich jederman mit Freundlichkeit und G¸te Und unterdr¸ckt den Stolz in seiner ersten Bl¸the. In Demuth sucht er Ruhm in Niedrigkeit die Pracht, Die ihn ber¸hmt, beliebt und groï¬ und gl¸cklich macht. Sein Geist bem¸het sich den F¸rsten treu zu heisen. Sich allezeit gerecht und lËblich zu beweisen. Er will sich durch sich selbst und nicht durch Geld erhËhn; Nicht um ein leeres Amt und Hunger=Titel flehn. Er trachtet mit Vernunft die Feder so zu schnitzen, Damit er w¸rdig sey die Ehre zu besitzen. Nach solchem Stolz und Ruhm, nach solcher Ehren=Bahn, Strebt ein bescheidner Geist und klug und weiser Mann.
Die Welt aft allen nach, sie prahlt mit falschen Steinen, Schleift Glâ°ser; die gar oft als Diamanten scheinen. Der falschen Perlen Glanz vertrit der wahren Ort, Das rein und â°chte Gold muï¬ oftmals heimlich fort, Und glâ°nzendes Metall an dessen Stelle kommen. Doch der Betrug wird bald von Kennern wahrgenommen.
Die wahre Ehre strahlt in ihrem eignen Licht, Da es der nâ°rrschen Welt an â°chtem Glanz gebricht. Wer kan wohl ganz gewiï¬, mit â¹berzeugung schwËren, Daï¬ ihm der Adel=Brief und Wappen zugehËren. Die Leute sagens wohl, der Vater glaubt es zwar, Doch lacht die Mutter oft, die ihn zur Welt gebahr. Wer weiï¬, welch geiler Kerl ein Neben=Bett gehalten? Es giebt ja Leute gnug die gern dieï¬ Amt verwalten. Wer weiï¬, wie mancher Knecht die edle Frau gek¸ï¬t, Von dessen Bauren=Blut das Kind entsprungen ist. Doch lassen sie sich mehr als B¸rger=Kinder d¸nken, Die gleichsam als ein Koth vor ihren Nasen stinken. Die Ehrlichsten des Volks, die W¸rdigsten der Stadt, Und wer ein gutes Lob und Gunst und Liebe hat; Die heist man B¸rger=Pack; man kan sie fast nicht leiden, Man sucht sie wie die Pest und sonst noch was zu meiden. Man fragt mit stolzen Mund im Umgang ganz genau: Ist das ein Cavalier? dieï¬ eine gnâ°dge Frau? Fâ°llt dann die Antwort nein! so fragt man mit ErrËthen; Wie kËmt es? ist den Saul auch unter den Propheten? Die Ehre heiset mich auf meinen Adel sehn, Es schickt sich nicht vor mich mit B¸rgern umzugehn. Ein Junker, der nichts mehr als seine Stute kennet, Worauf er in das Feld nach denen Haasen rennet, Und bricht mit seinem Witz in diese Worte aus: Poz Felten! o Charmant! Sie haben dort hinaus Vortreflichen Respect; ein Weib von solchen Saamen, Die nur von ihrem Vieh, von Wetter, Puz und Rahmen In der Gesellschaft spricht; ein Weib das herzlich lacht, Wenn ihr Bedienter ihr ein s¸sses Kurzweil macht; Ein Frâ°ulein welche fast in Evens Kleide gehet, Und in der Ordens=Zunft der Minoritten stehet, Die sag ich, schimpfen noch die W¸rdigsten im Land, Und reden voller Hohn vom wackern B¸rger=Stand.
Ist schon das Ritter=Gut durch ihre Pracht verschwunden, So hat der dumme Stolz doch noch sein Schloï¬ gefunden. Wer nicht stets Gnâ°dge Frau, und Ihro Gnaden spricht, Der wird als grobes Pack aufs â°rgste ausgericht. Wenn sie das Sonnen=Licht mehr als die Eiche hitzet; Und man vor heiser Angst die kalte Tropfen schwitzet, Weil sie der Secten Schwarm der Manichâ°er plagt, Wenn gleich der Junkern Mund ganz unaufhËrlich klagt: Herr Vater! ach mich d¸rst! ach gnâ°dige Frau Mutter! Ich bitte nicht um Fleisch, um Kuchen, oder Butter, Ich bitt und flehe nur um schwarz und trocken Brod, Nur wie ein Finger groï¬, nur von gar wenig Loth. (Papa klingt viel zu schlecht: es heist, sprich: Ihro Gnaden! Wo nicht, so soll es dir an Brod und Kofend schaden.) So lassen sie doch nicht bey ihrem Pilgrims=Stab Von solchen Narren=Stolz und Thoren Hochmuth ab.
Dieï¬ reizt die B¸rger an, die Ehre zu betrachten, Da sie doch ihren werth, durch solchen Trieb verachten. Ein B¸rger, der das Mark aus Land und B¸rgern sog, Der seinen frommen Herrn mit List und Schein betrog. Erkauft den Ritter=Stand, und lâ°ï¬t sich adlich nennen; Da ihn die Tugenden des Adels doch nicht kennen. (Das ist schon edel gnug, wenn ihn das Volk begehrt, Und spricht: Der ist getreu; der ist des Gl¸ckes werth:) Ein B¸rger, welcher sich durch Korn und Haber messen, Durch ausgedehnte Ehl und J¸dische Intressen, Und durch den Pfeffer-Staub groï¬, reich und stolz gemacht, Wenn er nach Adel=Brief und Ritter=Wappen tracht; Ein B¸rger, welcher sich nach Hunger=Titteln dringet, Durch seinen neuen Staat das alte Gut verschlinget; Und durch dieï¬ Ehren=Thor in Noth und Schande fâ°llt; Heist dieï¬ der Ehre wohl vern¸nftig nachgestellt?
Ein Mann der einen Grad der Ehre kaum erblicket Verlangt, daï¬ jeder sich aufs tieffste vor ihm b¸cket, Vermeint daï¬ seine Ehr durch einen holden Trit, Durch Freund= und HËflichkeit nur Schimpf und Anstoï¬ litt.
Verliehrt die Ehre sich durch Freundlichkeit und G¸te? O nein! man sieht vielmehr, daï¬ ein beliebt Gem¸the, Ein allzeit hËflicher und Sittenvoller Geist, Fast aller Menschen Gunst und Liebe zu sich reist, Ein jedes r¸hmet ihn, und spricht zu seinen Ehren. Dieï¬, und kein stolzer Muth kan wahre Ehre mehren.
Ich weiï¬, es lacht mit mir die ganze kluge Welt, Wenn ein gebr¸ster Mann auf diesen Wahn verfâ°llt Sein Titel sey etwas, den er doch darum f¸hret, Weil er die Gassen=VËgt und Bettler gubernieret. Ein Jubelier der sich von Feuersteinen nennt; Ein Commissarius, der wenn es etwa brennt, Die Spritzen ordnen darf; der Kiel und Feder f¸hret, Wenn man ein Huren=Kind als ehrlich tituliret; Ein Kaufmann neuster Art, bey dem man alles findt, Und was denn wohl vors Geld? den allerschËnsten Wind. Drey B¸chsen voller nichts; vor acht und vierzig Kreuzer Zwey Quintgen fettes Schmalz aus dem Geb¸rg der Schweizer. Ein halb Pfund Mandelkern ein halber Zucker=Hut, Vier St¸ck Muscaten=Nuï¬, die alt, und folglich gut; Sechs Dachte, welche rein, und schËn und auserlesen, Ein ganzes Schwefel=Pack, ein Dutzend gute Besen; Ein Mann der nur den Kiel vor Vormunds=Rechnung f¸hrt, Der seine Hauptmannschaft mit samt dem Schmauï¬ verliehrt, Vor ein Philister=Rohr, vor Born und Wache sorget; Ein Mann der H¸lfreich lauft wenn jemand Gelder borget, Die sag ich, fâ°llt mir nicht ein jeder lachend bey? Die machen oft von sich ein groses Luft=Geschrey. So wohl beym Aufgeboth als Tod= und Leich=Geprâ°nge, Erschallen ¸berall der Titel grosse Menge: Davon ein jeder doch so schËn und artig klingt, Daï¬ einem bald vor Scherz der Bauch in St¸cken springt. Sie kËnnen schon das Amt des Vomitivs verwalten, Ich muï¬, mir eckelt selbst, den Mund schon veste halten.
Dieï¬ Volk ruft frech und stolz: Ich seh auf Ruhm und Ehr; Wo w¸ste sonst die Welt wie ich zu nennen wâ°r; Ich fordre meinen Rang; denn wer nicht auf sich siehet, Und sich um Glanz und Ruhm und Ansehn nicht bem¸het, Und nicht was auf sich hâ°lt, der wird auch nicht geacht, Ihm wird kein Compliment nach seinem Wunsch gemacht.
Wie sieht man nicht die Welt vor falscher Ehrsucht rasen? Drum klagt man, daï¬ das Feld und Wald so leer von Haasen Zu unsern Zeiten ist, dieweil man in der Stadt Dergleichen artig Vieh mit zweyen F¸ssen hat.
Die Ehre, vor der Welt bekannt und klug zu heisen; Der Ruhm, ein Zeitungs=Blat den Knaben aufzuweisen, Das ihren Nahmen meldt, lockt viele Thoren an, Daï¬ sie ihr Hirngespinst, was der verderbte Wahn In ihre Feder flËï¬t, so nâ°rrsch die Worte klingen, So Wiegenhaft es riecht, der Welt zu Markte bringen, Wie Lohrgen dort gefehlt; was Dorilis geschwazt; Wie Phillis ihrem Mann Aug, Mund und Bart zerkratzt; Was Strephon wiederfuhr, da er ein Krâ°utgen suchte; Wie scharf Luppinens Mund den falschen Buhlern fluchte; Was Thalon aufgesetzt, was jene Frau gewust Die bey der Wiege saï¬; wie stark der Floh gehuï¬t Als Meister Stephans Sohn mit Fickgen Hochzeit machte; Was dort ein Wasserstrom ans Land getrieben brachte; Wie viel man B¸cher hier in einem Jahr gedruckt; Wie viel Melintes Kraut und Pillen eingeschluckt; Wie viel es MËnche giebt, die weise Kutten tragen; Wie viel Partheyen sich im SchËppenstuhl verklagen, Obs recht, daï¬ man das I an statt des Y setzt? Ob man die Reinigkeit der Sprache nicht verletzt? Wenn man, wie oft geschieht, das Wort Gem¸the schreibet, So, daï¬ das liebe H darbey zur¸cke bleibet.
Wenn dieï¬ der Feder=Held, wenn dieï¬ der Criticus (Der Nahme macht schon Angst wenn ich ihn nennen muï¬.) Hat aufs Papir geschmiert, und in die Welt gesendet, (Daï¬ jeder kluger sieht, wie sein Verstand verblendet) Und manchen Drucker reich, sich aber arm gemacht, Und seinen Nahmen nun auf manchem Blat betracht, So lacht er ¸ber sich, daï¬ er in S¸d und Norden (Durch seinen Unverstand,) bekannt genug geworden. Es freuet sich sein Geist wenn Kind und PËbel spricht: Das ist ein kluger Mann! desgleichen ist wohl nicht! Gelehrte sagen auch, wo ist wohl seines gleichen? Wo wird ein kluger leicht des Narren Sinn erreichen? Vor Freuden bildt er sich (der Wahnwitz giebts ihm) ein, Er muï¬ ein Journalist und Polyhistor seyn; Und zwar der Wichtigste; er saget allen Leuten, So muï¬ man sich den Weg zu Ehr und Ruhm bereiten! Nur diesen streb ich nach, und unterdrucke nicht Die Regung die in mir durch Mark und Adern bricht. Er jauchzet, wenn er sieht, daï¬ seine schËne Sachen, Die man zu Kâ°sen braucht, die Leute lachend machen, Und wenn ein trunkner Mund, der nach der Pfeife stinkt, Bey einem Glaï¬ voll Bier, sein St¸ckgen lieï¬t und singt.
Wie manches Zuchthaus ist vor liederliche Vetteln, Die nur aus M¸ssiggang ihr Brod zusammen betteln, Verordnet und gebaut. Allein ist keins zu sehn? Das denen H¸lfe schaft, die sich so thËrigt blËhn. Wer weiï¬, wenn Pallas selbst die Z¸chtgung auf sich nâ°hme, Ob der verlohrne Witz nicht etwa wieder kâ°me? Doch nein, Minerva bleibt auf ihrem Helicon, Was soll sich ihre Hand mit Midas theuren Sohn, Mit Pans Geschlecht und Brut erhitzen oder schlagen? Wer nicht will weise seyn, der mag die Schellen tragen. Es muï¬ der Unterschied in jeden Sachen seyn, Dieï¬ trift auch ebenfals bey diesen Leuten ein; Pan liebt der St¸mper Schaar; Apollo ist gerechter, Der straft sie, und wormit? mit ewigem Gelâ°chter.
Wer ist wohl der sich nicht vor den Franzosen scheut? Doch unser Jungfervolk setzt diese Furcht beyseit, Und glaubt aus hohem Geist und voller Ehrbegierde Die Sprache dieses Volks erhËhte ihre Zierde. So lËblich jedes Volk auf seine Sitten hâ°lt; So wohl ihm seine Zucht und ganzes Thun gefâ°llt, Haï¬t doch das Jungfervolk der sonst ber¸hmten Deutschen Die Titel ihres Lands: Sie lassen sich ehr peitschen Eh sie den neuen Brauch der Franzen Titel fliehn. Wo sieht man Jungfern jezt von M¸ttern auferziehn? Nur Mademoisellen sind zu unsrer Zeit zu kriegen. Soll denn in diesem Wort mehr Glanz und Ehre liegen? O falsche Ehr und Ruhm! klingt Jungfrau nicht so schËn Als Mademoisell? Wie soll ich das verstehn? Daï¬ man sich dieses Worts und schËnen Titels schâ°met, Und seines Nahmens Glanz mit fremden Gold verbrâ°met. Wâ°r der in Spanien sonst ¸bliche Tribut Bey uns jetzt im Gebrauch, das wâ°r f¸rwahr nicht gut. Man kËnte warlich nicht die Zahl der Jungfern stellen: Warum? Wir haben nichts als lauter Mademoisellen.
* * *
Corintho ist verbrannt; Corintho ist verstËhrt; Sie ist in Schutt und Stein in Asch und Staub verkehrt. Der Reichthum, Stolz und Pracht, ihr herrliches Vergn¸gen, Sieht unter diesem Schutt so mancher Pilgrim liegen. Ihr Grabmaal stellet uns noch ihren Abschied vor:
Mein Wandrer! wer du bist, mein Ansehn und mein Flor, Mein schËn und herrliches, und hËchst vergn¸gtes Leben, Hat mir den Untergang und Aschen=Gruft gegeben.
Corintho wâ°r verw¸st! wendt Lucifer bald ein. Nein! nein! ihr Ebenbild wird noch zu finden seyn. Ein PhËnix stirbt zwar wohl, jedoch sein Aschen=H¸gel Bringt einen andern vor, der stark und frische Fl¸gel, Und neue Krâ°fte hat. So giengs auch dieser Stadt; Ihr Staub, der in der Welt sich ausgetheilt hat, Und sich durch Nas und Haupt und Hirn hindurch gedrungen, Hat nun der Deutschen Sinn nach meinem Wunsch bezwungen; So, daï¬ nun manche Stadt Corintho Trieb erlangt, Daï¬ sie im Todte noch durch ihre Laster prangt. BÂ¸ï¬ ich Corintho ein, ist sie nicht mehr vorhanden, Was schadts! aus ihrem Staub ist manche Stadt entstanden. Ich, ich, als ein Monarch, spricht Lucifer noch mehr, Ich finde nicht allein bey Mâ°chtigen GehËr; Nein auch bey denen selbst, die nur in H¸tten leben, Bey denen die aus Noth sich in den Dienst begeben, Die sich von Stahl und Blut, die sich vom Fremden Raub; Die sich von fauler Milch; die sich vom Pfeffer-Staub; Die sich vom Herings=Schwanz von Oel, von Salz und Butter; Die sich von Ehl und Zwirn und Hosen=Unterfutter; Die sich von Korn und Vieh; die sich von Zeitungs=Wind, Und was ihr freyes Maul erzehlet und erfind; Die sich von alle dem und andern Sachen nehren; Die zu dem Niedrigsten in Stadt und Land gehËren; Die sinds, die meine Stadt Corintho auferbaut, Und die mein Angesicht, als Reiches Sâ°ulen schaut.
Wie Nero dort auf Pracht und Wollust viel gewendet, Und wie Cleopatra den grËsten Schatz verschwendet; Wie sich die Jesabel gezieret und geschm¸ckt; Dieï¬ wird bey Adlichen und B¸rgers=Volk erblickt. Die wollen jezt an Pracht und zâ°rtlichen Geberden, An stolz und fetten Tisch den GrËï¬ten â°hnlich werden.
Da Jacobs Saamen noch des Stiftes H¸tte sah, Da unter Knall und Glut der Allmacht Wort geschah, Da war die Demuth noch das Augenmerk der Grosen, Es suchte jederman um ihr Gewand zu losen. So hoch, so kËniglich, so frey das Volk regiert, So viel es Seegen auch an Zeitlichen versp¸hrt, So wurde doch ihr Leib nicht prâ°chtig eingeh¸llet, Die Lippen wurden nicht mit Leckerey erf¸llet, Scharlachen, Rosinroth, das war von ihnen fern, Sie widmeten es nur zum Heiligthum des HErrn. Das beste ihrer Kost, das niedlichste der Speise, Verehrten sie dem HErrn, zu seinem Hohen Preise. Ihr Freud, ihr Ehren=Mahl bestande nur indem, Was die Natur gezeugt, was der Natur bequem Gesund und dienlich war; ein St¸ckgen guter Semmel; Ein St¸ck vom jungen Kalb; ein St¸ck von fetten Hemmel; Ein Kuchen, den die Frau auf nette weise buck; Ein Wildpret, das der Mann selbst in die K¸che trug, Das zierte Haus und Tisch; sie haï¬ten Lecker=Sachen, Die das Gebl¸te schwer die Sinne trunken machen, Und was das Leben sonst betr¸bt verk¸rzen kan. Sonst lebte manches Weib, sonst lebte mancher Mann Ins hËchste Alterthum. Jezt muï¬ er fr¸h bey Jahren, Durch Miï¬brauch seines Guts ins Reich der Todten fahren;
Wohin mein Genius? du f¸hrst mich durch die Luft Nach Rom, wo dein August in seiner Marmor=Gruft In Lorber=Reisern schlâ°ft. Er regt sich! seine Glieder Beleben sich aufs neu; sein edler Geist kËmmt wieder. Er ruft uns freundlich zu: Ich sprach zu meinem Kind: Weil stolzer Kleider=Pracht der Hoffart Fahnen sind, Und von der Schwelgerey ein freyes Zeugnis geben, O! so gewËhne dich dem stets zu widerstreben. Ich gieng ihr und dem Volk mit meinem Beyspiel f¸r, Ich unterdr¸ckte stets die l¸sterne Begier. Ein wohlgewachsen Kraut, das die Natur getrieben; Ein Mahl von lieblichen und wohlgebratnen R¸ben War damahls meinem Mund und Magen sÂ¸ï¬ und schËn, Und niemand suchte mich deswegen zu verschmâ°hn, Indem mein Ansehn, Ruhm und Ehrfurcht, Ehr und Liebe, Doch allezeit darbey in vollem Glanze bliebe. Wie gl¸cklich war die Zeit, in welcher ich regiert; Wie gl¸cklich war ich nicht, da ich den Thron geziert; Bestieg ich jezt den Thron; wie w¸rd man mich verlachen, Und manchen Hohn=Gesang aus meiner Tugend machen? Der Ritter hËhnte mich nebst jedem B¸rger aus, Man sprâ°ch mit grËstem Spott: Hâ°lt der so sparsam haus? Will der kein zartes Kleid an seinem Leibe tragen? Sich nicht in schËnem Stoff, in Sammt und Purpur schlagen? Drum wohl mir, daï¬ ich jezt in meiner Kammer ruh. Ich laï¬ die Welt und schlieï¬ die Augen wieder zu.
So hoch als unsre Zeit an schËn galanten L¸gen, An Wissenschaft und Kunst und Treflichkeit gestiegen, So viel Geheimniï¬ man ergr¸ndet und entdeckt, So sehr wird der Verstand im Gegentheil versteckt, Wenn man so Geist als Leib dem Stolz und Pracht ergiebet, Der Eltern Schweiï¬ verpraï¬t, und die Verschwendung liebet. Heist das wohl mit Vernunft des Gl¸ckes Pfund gen¸tzt, Wenn man ein g¸ldnes Bild an Th¸r und Wagen schnitzt? Der Diener Kleider=Stoltz durch reiche Dressen mehret? Auf F¸rsten Betten schlâ°ft, auf Prinzen Kutschen fâ°hret? Die Bilder geiler Zeit, die GËtter alter Welt, Gar oft zur Aergerniï¬, in Gâ°ng und Gâ°rten stellt? Allwo die Wasserkunst das Geld so gar verspritzet, Wo mancher Aff und Bâ°r an statt des Wâ°chters sitzet. Heist das wohl mit Vernunft das Erbtheil angelegt, Wenn man das, was man sieht in seine Gâ°rten trâ°gt, Und sich ein Labyrinth zur Pracht mit Schulden gr¸ndet? Da man den Eingang wohl; doch nicht den Ausgang findet? Heist das wohl klug gethan, wenn man Saal, Zimmer, Haus Mit aller Kostbarkeit, biï¬ an das Dach heraus, Die Welschland, Gallien und Indien uns schicket, Aufs allerprâ°chtigste bekleidet, ziert und schm¸cket? Die Zimmer ¸brig f¸llt; die Beutel aber leert? Und eine bunte Wand als einen GËtzen ehrt? Sucht wohl die Tugend uns zu diesem anzulocken, Daï¬ man den Glieder=Bau wie stolze Kinder=Docken Auf lâ°cherliche Art und Vielfach prâ°chtig kleidt?
Da Adam und sein Weib die grose Herrlichkeit Im Paradieï¬ verlohr, da trugen sie, ach leyder! Zum Zeugniï¬ ihres Falls, ein Fell an statt der Kleider. Kein Dieb prangt mit dem Strick, der seinen Hals umschlug, Selbst Eva schâ°mte sich da sie die Kleidung trug. Wir aber lassen uns so sehr den Kopf verr¸cken; Wir prangen hËchst verg¸ngt mit unsern seidnen Stricken, Die unsrer Eitelkeit und Thorheit Zeugen seyn. FlËï¬t dieses die Vernunft; giebt dieï¬ die Tugend ein, Daï¬ man den Leib fast stets als zum Triumphe schm¸cket, Die Kleider reich mit Gold und Silber ¸bersticket, Und kostbar ausstaffirt? daï¬ man nach hËchster Pracht Die Kleider schËn von Zeug und auf das feinste macht? Daï¬ man den â¹berfluï¬ so gar auch nicht vermeidet, Sich wo nicht wËchentlich, doch vierteljâ°hrig kleidet; Sich selbst zum Râ°uber wird; sich diebisch selbst bestiehlt, Biï¬ daï¬ man endlich Schimpf, Noth und Verachtung f¸hlt.
Wie thËrig ist es nicht, wenn stolze Geister denken, Als kËnnt ein kostbar Kleid mehr Furcht und Ehre schenken, Wirst du ums Kleide wohl vor andern mehr geliebt? Meinst du, daï¬ dir das Gl¸ck darum was grËssers giebt? Verbessert sich dein Stand um deines g¸ldnen Degen, Um deines stolzen Kleids und g¸ldner Zwickel wegen? Geh! prange wie du wilst, in einem ofnem Saal; Stolziere wie du wilst, by einem Freuden=Mahl, Dein Stand, und nicht dein Kleid wird dir den Vorsitz geben. Das Kleid kan nicht den Mann, wenn er nichts gilt, erheben; Der Mann giebt nur allein dem Kleide Glanz und Zierd, Wenn er die Tugenden in Wort und Wercken f¸hrt.
Trâ°t Ahasvers Gemahl jezt unter unsre Frauen, Was w¸rde nicht ihr Aug vor Pracht und Hoffart schauen! Ich weiï¬ es sprâ°ch ihr Mund: Ich trug mein KËnigs-Kleid Niemahls zur Lust und Pracht, und bloï¬ zu solcher Zeit Wenn ich als KËnigin im Schmuck erscheinen muste, Weil man da nichts von Pracht und stolzem Aufputz wuste. Jezt stellt das Frauenvolk sich auch den grËsten gleich; Macht Mann und Kinder arm, die Krâ°mer aber reich; Sammt, Pelzwerk, theurer Stoff, und breit und stolze Dressen, Band, Spitzen, Leinewand, was F¸rstliche Prinzessen Nur auszuschm¸cken pflegt, was ihnen bloï¬ geb¸hrt, Kauft jede Edel=Frau, die sich mit solchen ziert; Dieï¬ ist der Schmuck in den sich B¸rger=Weiber schlagen; Dieï¬ ist der Schmuck den gar der Z¸nfte Weiber tragen. Kein modenhaftes St¸ck kËmmt von der Seine her; Kein theures Zeug bringt man vom Po und Mittel=Meer Und von der Themse=Strohm, das Weib gaft schon nach allen, Und solte auch der Preiï¬ aufs allerhËchste fallen. Was sonst ein vornehm Weib im ganzen Kleid verthat, Das ist anjezo kaum der Kopf= und Spitzen=Staat. So prâ°chtig war sonst nicht ein adlich Haupt geschm¸cket, Als man anjezt den Fuï¬ der B¸rgerin erblicket.
Im Stand nimmt man nicht nur die Ordnung nicht in acht; Er wird im Alter auch gewiï¬ sehr schlecht betracht; Ein Weib, das fast so alt, als wie die graue Sare; Das kaum auf ihrem Haupt ein Dutzend weise Haare Und einen hohlen Zahn in ihrem Munde trâ°gt; Da jede Runzel sich in tiefe Falten legt, Das Kind und Kindes=Kind als Grose=Mutter ehren; Das will doch noch die Zahl der Hoffarts=Narren mehren; Dieï¬ geht oft noch so bunt und prâ°chtig ausgeschm¸ckt, Als man die TËchter kaum und Kindes=Kind erblickt. Von R¸ckwâ°rts kËnte wohl ein J¸ngling leicht verfehlen, Und eine sechzige vor sechzehnjâ°hrig wehlen. Sie dËrften warlich nicht beym Felsenburgern stehn, Wo die Matronen nur modest und erbar gehn, Hingegen aber das, was jung und munter heiset, Sich eines hellen Zeugs und bunten Kleids befleiset.
Wâ°r Davids F¸rsten=Kind, die Thamar jetzt allhier Und sie verlËhre sich: O mein! wo w¸rden wir Sie unter unserm Volk und Frauenzimmer finden? Die meisten pflegen sich in RËcke einzuwinden Die Thamars F¸rsten=Rock gar gleich und â°hnlich sind. Wo sich ein bunter Stof von theurem Wehrte findt Darein verh¸llt man sich; man sticket goldne StËcke, Und Silber=Muschelwerk, und Blumen in die RËcke, Daï¬ mancher, der es sieht die nâ°rrsche Meinung hegt, Es sey ein F¸rsten=Kind das solchen Aufputz trâ°gt. Man kan jezt adliche und b¸rgerliche Frauen Im Pracht und Kostbarkeit als Prinzeï¬innen schauen.
O Schade! daï¬ doch nicht die kluge Vorsichts=Hand Euch gleichen herrlichen und hocherhabnen Stand, Der Hoffart gnug zu thun, in dieser Welt bestimmet, Weil doch ein solches Feuer in euren Herzen glimmet. Was vor ein herber Schmerz und bittre Seelen=Pein, Muï¬ dieses eurem Stolz und blinder Hoffart seyn?
Jedoch nur unverzagt! wer weiï¬ wie sichs verkehret, Ob euch die Ehre nicht auch einmal wiederfâ°hret, Die jenem Bauersmann auf Tag und Nacht geschehn.
Man sagt es kËnte sich die Erde tâ°glich drehn; So oft auch dieï¬ geschieht, so hat der Moden Sitten Doch diesen Erden=Klump im Wechsel ¸berschritten. Wie oft verkehrt man nicht die Mod= und Kleider=Tracht? O! w¸rde sie nur nicht auch nâ°rrischer gemacht! Die Haare werden nicht mehr zierlich aufgekrâ°uset, Man meint, es lâ°ï¬t galant, wenn man sie hangend weiset.
Ihr SchËnen! seht euch vor, weil, wie die Rede geht, Ein merklicher Proceï¬ im SchËppenstuhl entsteht. Es heist, das Schâ°fervolk wâ°r klagend eingekommen, Man hâ°tt von ihrer Heerd die Hunde weggenommen, Und mit dem Budel=Fell die Hâ°upter ausgeziert. Drum seht euch vor; vielleicht, daï¬ ihr das Recht verliehrt; Die Schâ°fer dringen drauf, sie wollen was gestohlen Von euren Hâ°uptern selbst mit Nachdruck wiederhohlen. Drum so vertraget euch mit einem g¸tgen Sinn, Und gebt das Budel=Fell den Schâ°fern wieder hin.
Was vor Verâ°nderung ist doch mit Stirn und Wangen Der SchËnen biï¬ daher so Ëfters vorgegangen? Ja unser Frauenvolk gËnnt nicht dem Firmament, Daï¬ Sonne, Mond und Stern an solchem feurig brennt; Drum lassen sie sich auch in ihrem Kopfe deuchten, Es mÂ¸ï¬ die kleine Welt mit gleichen Fackeln leuchten. Drum wird aufs Angesicht als auf ein freyes Feld, Auch Sonne, Mond und Stern zum Zierath aufgestellt. Wenn jener Lichter Schein auf blauen Grunde strahlet; So wird der untern Glanz auf weisen Grund gemahlet. Und weil die Obersten nur vor die Nacht bestimmt, Indem ihr heller Glanz die Finsterniï¬ benimmt. (Dieweil dem lichten Tag kein solcher Glanz vonnËthen.) So nimmt und schneidet man dergleichen Welt=Planeten Von schwarzen Taffend aus, und fragt wohl: lâ°ï¬ts nicht schËn, Wenn Sonne, Mond und Stern im Angesichte stehn?
Vielleicht bef¸rchten sich jeztunder unsre SchËnen, Das Mannsvolk mËchte sich nach Perser=Art gewËhnen. (Denn dieser schickt vorher zu der erkohrnen Braut Die nâ°chste Freundin hin, die sie mit Fleiï¬ beschaut, Ob sie vollkommen ist. (Denn bey den Amazonen Wird wohl kein Mannesbild so leicht nicht wollen wohnen.) Drum zeigt das Frauenvolk vollkommen aufgedeckt, Daï¬ keine Amazon’ in ihrer Schn¸rbrust steckt: Und folglich man auch nicht die schËne Weiber=Gabe Nach Persischem Gebrauch erst zu erforschen habe.
Man thut in diesem St¸ck den SchËnen auch zuviel, Als ob denselbigen die Sorgfalt nicht gefiel. Man hËrt und siehet ja wie sie vom fr¸hen Morgen Biï¬ auf die Abend=Zeit vor das so m¸hsam sorgen: Was auch so gar versteckt, und nicht ins Auge fâ°llt. Allwo der Unterrock den ersten Platz behâ°lt. Das Knie-Band folget nach. Wer hats euch denn gepfiffen, Es w¸rd nach selbigen gesehn, wohl gar gegriffen? Wer kan denn vor das Spiel! man thut, was dieï¬ gebeut! Wer kan denn vor den Scherz und vor Geschwindigkeit! Um nun das schËne Lob der Reinlichkeit zu hËren, So sucht man alles dieï¬ mit SchËnheit zu vermehren.
Ich weiï¬ warhaftig nicht woher es weyland kam, Daï¬ eine Frau das Band von Bachi Throne nahm, Um einen neuen Thron, worauf sie kËnte sitzen, Zu bauen, und zugleich die Arm zu unterst¸tzen. Das Schicksaal f¸hrte sie mit samt dem neuen Thron Zu einem Musen=Sitz, woselbt sich Bachi Sohn Vor andern sonderlich im Schreyen hËren liese. Doch als ein Schnorren=Schwarm auf Bachus Br¸der stiese (Und man sich vor dem Feind durch eine Freystadt sch¸tzt Der zornig wieder uns mit Stahl und Eisen blitzt) So rief dieï¬ tapfre Weib: Nur unverzagt und munter! Hier ist mein Reifrock! eilt! und kriechet alle unter! Der soll vor Wach und Schnorr und sonst geheime Pein Der allerbeste Schutz und sichre Freystadt seyn. Die Pursche ruften hoch! und schrien mit grosen Schalle: Wir bitten flehentlich: Ihr schËnen! leget alle Dergleichen RËcke an. Wir wollen wieder sehn, Wie wir zur andern Zeit euch wo zu Dienste stehn. Gesucht, gew¸nscht, geschehn. Wer nur galant wolt heisen, Der muste sich alsbald auf diese Tracht befleisen. Die Gassen kamen drauf darwieder klagend ein, Sie w¸rden fernerhin nicht breit und râ°umlich seyn, Sie wandten kl¸glich f¸r: Die Weite w¸rde ihnen, Den Jungfern nehmlich selbst, noch mehr zum Schaden dienen: {Stuffen
Weil ein zu weiter Rock an alle {Ecken stËï¬t, So reiï¬t die Seide auf daï¬ sich der Faden lËï¬t, Und also desto ehr das Kleid zu Grunde gehet. Die Mâ°nner fielen bey: Die Mode widerstehet Der Weiber Sparsamkeit. Das Kleid, das man vordem Zu Putz und Nothdurft trug, wird dadurch unbequem, Dieweils den weiten Rock nicht decket noch bekleidet: So nimt man denn zwey St¸ck, woraus man eines schneidet. Da heist es: Mâ°nngen! thu zum neuen Kleider=Kauf Nur ohne Widerspruch den Beutel willig auf. Heist das nun nicht den Mann und Vater zu bestehlen?
Allein kein gutes Wort noch sonst ein ernsthaft Schmehlen Galt bey dem Frauenvolk. Man sprach: es bleibt darbey, Daï¬ nur ein groser Rock in Zukunft Mode sey, Und wo die Mâ°nner uns nicht neue Kleider schaffen, So wollen wir so lang nicht bey denselben schlaffen, Biï¬ sich ihr Eigensinn nach unserm Willen bricht.
Wie artig fâ°llt es nicht in aller Angesicht, Wenn eine Knochen=Lust, wenn eine Hâ°rings=Seele, Ein Weib aus Liliput solch ungeheure HËhle Zu ihrem Sitze wehlt? Es sieht so zierlich aus, Als ragt aus einem Faï¬ ein Weiden=HËlzgen raus.
Und weil das Mannesvolk vom Staub die Schuh beschmutzet, So werden sie dadurch bestâ°ndig abgeputzet. So zeigt das Frauenvolk durch diese Dienste an, Wie sie zum voraus schon den Mâ°nnern unterthan. Es kan das Mannesvolk sich w¸rklich gl¸cklich achten, (Weiber
Daï¬ {Jungfern auf der Straï¬ die Schu zu putzen trachten.
Wie Ëfters werden uns die Augen nicht ber¸ckt, Wenn man bald hier und da ein Frauenbild erblickt, Das Achsel, Leib und Haupt und Hals mit Bâ°ndern zieret, Und wie ein Kutsch=Pferd prangt, das Hochzeit=Gâ°ste f¸hret.
Ihr Jungfern! die ihr euch nur wie es euch gel¸st, In eurer Kleider=Tracht nach Pfauen=Weise br¸st, Und euch aufs herrlichste und allerbeste kleidet, Und auch den â¹berfluï¬ in Hoffart nicht vermeidet. Was reizet euch darzu daï¬ ihr so prâ°chtig geht? Vielleicht ist das der Grund, warum ihr euch so blËht, Daï¬ ihr dem Mannesvolk wolt in die Augen fallen, Ob etwa ihre Brust vor Liebe mËchte wallen, Daï¬ man euch in das Buch der Brâ°ute schreiben soll?
Die Reizung ist zu frech! die Lockung ist zu toll! Das Mannsvolk ist zu klug, das lâ°ï¬t sich wohl durch Schm¸cken, Durch Frechheit, Stolz und Pracht so leichte nicht ber¸cken. Je grËser eure Pracht; je kleiner ist ihr Trieb, Und desto weniger gewinnen sie euch lieb. Glaubt, desto stâ°rker ist die Furcht vor euren Strahlen, Sie denken, wer dich freyt, der muï¬ nur immer zahlen; Der muï¬, was er erwirbt, verdienet und gewinnt, An deine Kleider=Pracht, du stolz und m¸ssig Kind! Mit heimlichem Verdruï¬ und Schaden nur verwenden, Und wohl noch gar darzu sein bestes Gut verpfâ°nden. Sie glauben, welche sich dem Putz und Staat ergiebt, Daï¬ die auch M¸ssiggang und Fenster-Rahmen liebt.
Dieï¬ ist der Jungfern Schmuck, der sie gefâ°llig machet, Wenn sie nicht frech und stolz und spËttisch spricht und lachet, Nicht tadels¸chtig ist, und allen Umgang flieht, Der sie von Tugenden und von dem Wohlstand zieht. Keusch, freundlich, sittsam, klug, manierlich und bescheiden Zu seyn, den stolzen Ernst und frechen Scherz zu meiden, Der Wirthschaft nachzugehn, dieï¬ ziehrt die Jungfern mehr, Als wenn des CËrpers Bau in Gold gekleidet wâ°r; Dieï¬ macht euch angenehm, gefâ°llig und beliebet, Daï¬ euch das Mannesvolk Herz, Ring und Vorzug giebet. Du mein geliebt Geschlecht! Ihr SchËnen! saget mir, Wenn nun des Brâ°utgams Hand die gr¸ne Myrthen=Zier Und Kranz vom Haupte reiï¬t, ob das die Klugheit leidet, Daï¬ man auf dieses Fest so vieles Geld verkleidet, Verschwendet und verzehrt, gar keine Mase hâ°lt, Und sich so prâ°chtiglich der Welt vor Augen stellt? Wodurch ihr euren Stand und euch in Schaden bringet, So, daï¬ ihr Ëfters drauf das Miserere singet.
Die Braut ist freylich wohl des Brâ°utgams Augen=Trost; Doch wisse, da dein Freund zuerst um dich geloï¬t; Da er dich kennen lernt, und dich oft angesehen, Da er dich voller Fleiï¬ im Hause sahe gehen, Da er dich nett im Kleid, jedoch nicht prâ°chtig fand. Ward er nicht dazumahl in seiner Brust entbrand? Hat damahls nicht sein Geist dich andern vorgezogen? Und war dir br¸nstiglich und inniglich gewogen; Hat nun dein stolzer Putz die Liebe nicht erregt, So wird sie w¸rklich nicht erst jezt auf dich gelegt, Da man dich stolz im Kleid und in gar theuren Spitzen, Und Perl= und Steinen=Schmuck sieht an der Seite sitzen. Da sich dein Brâ°utgam nun an deinem netten Kleid, An deinem klugen Fleiï¬, und nicht am Pracht erfreut, Weswegen wilst du dann bald die, bald jene Gaben, Zu deiner Pracht und Zier von deinem Manne haben?
Was fehlt auch deiner Pracht, wenn dich dein Gatte ehrt, Und liebt, und deine Ruh durch keine Krâ°nkung stËhrt? Ist dieï¬ nicht ¸ber Schmuck und Kleider=Stolz zu lieben?
Bleibt denn der Ehstand auch ohn Tr¸bsaal und Betr¸ben? Nein! darum wendet nicht so viel auf Pracht und Staat, So giebt der â¹berfluï¬ euch in dem Mangel Rath.
Ich weiï¬, man muï¬ die Zeit bedâ°chtig unterscheiden, Weil man sich jezo nicht wie ehmals pflegt zu kleiden; Kein aufgeschliztes Wamst und Pluderhosen trâ°gt, Kein reiches Weib sich mehr in eine Schaube schlâ°gt. Man richtet billig sich in Kleidung, Tracht und Moden Nach den Lebendigen, nicht aber nach den Toden. Deswegen glaub ich auch mit der gescheuten Welt, Daï¬ es nicht unrecht ist, wenn man sich trâ°gt und hâ°lt, Wie es die Zeit befiehlt, und Stand und Rang verlanget, Daï¬ ein ber¸hmter Mann in Hollands=T¸chern pranget, Mit netten seidnen Zeug und Leinwand sich bedeckt: Sein Haupt in fremdes Haar nach feinster Mode steckt, Worbey ein feiner Knopf die nette Kleidung zieret. Ich tadle nicht, daï¬ sich ein Weib geschicklich schn¸ret, In netter Schlâ°fe Zier und saubrer Kleidung geht, Und trâ°gt was rein und schËn und wohlanstâ°ndig steht. O nein! ich tadle nicht, die klug und muntern SchËnen, Daï¬ sie Tabeens Art und Fleiï¬ sich angewËhnen, Daï¬ ihre kluge Hand die Kleider k¸nstlich neht; Die Blumen und das Laub geschickt und artig dreht; Wodurch sie Mahlern gleich den Laub und Blumen leben, Durch Schatten und durch Licht durch Fall und Hebung geben. Ich lobe, daï¬ man sich durch seinen klugen Fleiï¬ In Kleidung mancher Art schËn auszuschm¸cken weiï¬: So wird der Hâ°nde Kunst bewundrend wahrgenommen, Und kan zum Musterst¸ck auf Kindes=Kinder kommen.
Nur dieï¬ ist mir verhaï¬t, nur dieï¬ ist â°rgerlich Daï¬ es bey dem nicht bleibt, daï¬ mans so prâ°chtiglich An Seide, Silber, Gold stickt, neht und zubereitet, Daï¬ es mit F¸rsten=Putz und Rang und Vorzug streitet. Daï¬ mans so kostbar macht, daï¬ eine einzge Post, Ein Kleid so vieles Geld, als zwey, ja viere kost. Nur dieï¬ ist mir verhaï¬t, kein Kluger wird es leiden, Wenn schlechte Frauen sich in F¸rsten=Trachten kleiden. Wenn hier ein Adliches, dort ein Professors Weib, Hier eine Kaufmanns=Frau den aufgeblaï¬nen Leib In Sammt und Hermelin und kostbar Pelzwerk schlâ°get, Das KËngen nur gehËrt, das eine F¸rstin trâ°get. Es haï¬t es die Vernunft, wenn sich ein Weibesbild Vom Mittelstand und Gut in theuren Stof verh¸llt, Wenn sie mit Spitzenwerk aus Hollands Krâ°hmen prahlet, Und um sehr hohen Preiï¬ ein ganzes St¸ck bezahlet; Daï¬ Hauptputz, Leib und Fuï¬ und alles kostbar prangt; Wenn eine B¸rgers=Frau das Theureste verlangt; Wenn Handwerks=Weiber sich in Stof, Damast und Seiden, Und Spitzen aus Braband, in Gold und Zobel kleiden; Wenn eine Zofe hier, dort eine Kammer=Magd, Mit fremder Mod und Tracht sich auszuschm¸cken wagt, Und nach den GrËsten richt; wenn man, so man was siehet, Sich auch um den Besitz und Eigenthum bem¸het; Wenn man den â¹berfluï¬ in allen Sachen liebt, Und nur fast tâ°glich Geld vor Staat und Hoffart giebt. Dieï¬ ists, was die Natur, Vernunft und Tugend hasset, Wovor ein Kluger stets den grËsten Eckel fasset.
Ist jemand in der Welt an Gl¸ck und Ehre groï¬, Der gebe sein Gem¸th zur Thorheit nicht so bloï¬, Und tracht an Kleid und Schmuck und prâ°chtigen Geberden, Und Moden und Geprâ°ng nicht F¸rsten gleich zu werden. Es gaff ein B¸rger=Weib, das sich von Frucht und Laub, Von Holz und Leinewand, das sich vom Pfeffer=Staub Und Schreiber=Sporteln nehrt, nicht nach den Adel=Frauen, Und lasse sich nicht so in Staat und Moden schauen. Ein jedes trage sich nicht ¸ber seinen Stand; Es werde nicht zuviel auf Kleider=Pracht gewand, Damit fein zierlich, schËn, nett, sauber, artig, reine; Nicht aber voller Pracht ein Frauenbild erscheine.
Wie sehr verâ°nderlich ist nicht Fortunens Blick? Zieht sie nicht oftermahls ihr freundlich Aug zur¸ck, Und zeigt der stolzen Brut, daï¬ ihre schËne Gabe Die Unbestâ°ndigkeit zur Mitgefâ°hrtin habe. Was hilft mich denn der Stolz, wenn euch das Gl¸ck verlâ°ï¬t? Was werden nicht alsdann vor Thrâ°nen ausgepreï¬t? Was habt ihr dann vor Lob, wenn ihr an statt der Seiden, Euch m¸st mit Leinewand und Wollen Zeug bekleiden? Wie bald wird eure Pracht des Strohm= und Feuers=Raub? So liegt der Abgott dann in Asche, Glut und Staub. Der Pracht und â¹berfluï¬, der Stolz die Hoffarts=Fahne Bricht allezeit dem Fall und Untergang die Bahne.
Ein weiser Paulus spricht in seinem heilgen Brief Der an Timotheum den theuren Lehrer lief, Die Weiber sollen sich geschickt und zierlich kleiden; Gold, Perlen, stolz Gewand und Pracht und Hoffart meiden. Dieweil der Weiber Schmuck in Schaam und Zucht besteht.
Ein Weib das auf der Bahn der wahren Tugend geht, Erwehlt sich dieï¬ zur Pracht, daï¬ sie getreulich liebet, Den Gatten nicht mit Fleiï¬ durch irgend was betr¸bet; Nicht trotzig widerspricht; zu rechter Stunde schweigt, Den Irrthum und den Fehl ihm in der Stille zeigt; Zu rechter Stunde redt, und hat sie was zu sagen, Sich allezeit bestrebt, bescheiden vorzutragen; Ihn im Beruf nicht stËhrt, hilft wo sie helfen kan; Sieht ihn zur Zeit der Ruh mit holden Blicken an; Und wenn sie auch mit ihm wie dort Rebecca scherzet, So ist sie nur bedacht, daï¬ sie ihn zâ°rtlich herzet; Sie liebt die Hâ°uï¬lichkeit, und haï¬t den M¸ssiggang; Sie hâ°lt die Kinder nicht im tollen Sclaven=Zwang, Doch f¸hrt sie ihnen auch in ihrer Lust den Ziegel. Ihr Tugend=-Wandel ist des ganzen Hauses Spiegel. Ihr Amt verrichtet sie bedâ°chtlich, hâ°uï¬lich, klug, Und schadet keinen nicht durch Plaudern und Betrug. Ist gegen jederman bescheiden, mild und g¸tig, Flieht Hoffart, Pracht und Stolz, bezeigt sich eherbietig, Sie hËrt der Armen Noth, und dient nach MËglichkeit, Das Haus regieret sie mit Liebe, nicht mit Streit. Kurz, ein vern¸nftig Weib lâ°ï¬t dieses von sich lesen, Sie ist des Mannes Lust und s¸sser Trost gewesen. Den Kindern war sie stets ein wahres Mutter=Herz; Und wem sie dienen kunt, ein Balsam vor den Schmerz, Der Tugend Musterbild, der Hauï¬genossen Freude, Der Laster steter Feind, der Menschen Augen=Weide.
Die Hoffart fâ°llt mir jezt verwegen in das Wort, Und spricht voll Unvernunft: ich sehe hier und dort Ein Haus und Wohngemach von Hausrath und von T¸chern, Von denen mich die Zahl und Zeichen vest versichern, Es r¸hre alles noch von ihren Eltern her. Das Kleid und weise Zeug das sie, die Frau, und er Der Mann am Leibe hat, das ist schon abgetragen. Wie lange soll man sich mit solchen Kleidern plagen? Also verrâ°th der Mund die lasterhafte Seel.
Jedoch ich hËre auch das Volk von Israel; Wie es gar anders spricht: Was vor ein schËner Seegen Erhielten wir vom HErrn auf unsern langen Wegen? Es wurden unsre Schu nicht m¸rbe, schlaf noch alt; Die Kleider wurden nicht verschabt noch ungestalt; Der HËchste wolte sie vor Riï¬ und Moder sch¸tzen. Wie frËlich kan ich doch in meiner Wohnung sitzen! Wie ruhig lieg ich doch in meinem Schlaf=Gemach! So spricht der Hoffart Feind dem Saamen Jacobs nach. Prangt meine Wohnung nicht mit lauter neuen Sachen, Laï¬ ich mir wËchentlich nicht neuen Hoffart machen: Bleibt Kleid und Hausgerâ°th noch immer schËn und gut, So freut sich des mein Geist, so bin ich wohlgemuth. Ich schâ°me mich des nicht, ich halts vor einen Seegen, Vor einen Hermons=Thau und fetten Gnaden=Regen, Daï¬ meiner Eltern Schweiï¬ noch brauchbar vor mir liegt; Das mein erworbner Fleiï¬ nicht wie der Staub verfliegt; Daï¬ mir wie Israel die Kleider nicht veralten: Es zeigt darneben an, daï¬ ich gut hausgehalten, Daï¬ ich die Sparsamkeit und Reinlichkeit geliebt, Und meine Eltern sich darinnen auch ge¸bt, Es ¸berzeugt mich auch, daï¬ noch kein Fluch gekommen Der mir das Meinige geraubt und weggenommen: Und daï¬ kein bËser Wunsch auf meinem Hause ruht, Der mein ererbtes Theil verzehret und verthut. Lacht, hËhnet immerhin ihr stolzen Mode=Narren; Ich wehle diesen Ruhm, und laï¬ euch gern die Sparren.
* * *
Steh auf Herodotus! und gieb die Ursach an, Warum in Persien des grËst= und reichsten Mann, Sein Schâ°del und sein Haupt sich also m¸rbe zeiget, Da der Egypter Haupt der stâ°rkste Schlag nicht beuget? Ich weiï¬ warum. Mir fâ°llt die Ursach jetzo bey: Der B¸rger an dem Niel veracht die Leckerey Und Wollust im Getrâ°nk, in Speisen und in Essen, Und hat die Zâ°rtlichkeit bey seinem Thee vergessen. Er flieht den leckerhaft und delicaten Schmauï¬, Und hâ°rtet seinen Leib durch Wind und Hitze aus.
Die Welt d¸nkt sich so klug, und scheut die Kranckheits=B¸rde, Damit der Glieder=Bau nicht hart gedr¸cket w¸rde; Sie f¸rchtet Fieber, Brand, Geschwulst und Beul und Pest, Worbey sie in der Noth sich auf den Artzt verlâ°ï¬t. Und gleichwohl ist der Mensch an seinen Schmerz und Plagen Die er an Haupt und Fuï¬ und Leibe muï¬ ertragen, Nur selber Schuld daran; flËh er die Zâ°rtlichkeit, Und gâ°b dem Munde nicht so viel Gelegenheit, Mit leckerhafter Kost und feurigen Getrâ°nken, Die China, Africa und Spanien uns schenken Den Magen, Leib und Sinn gleich einer vesten Stadt, Die gar ein feindlich Heer vor ihren Mauren hat, Zu st¸rmen, und die Burg des Leibes zu belagern; So w¸rden viele nicht verdorren und vermagern. Sie Sâ°fte w¸rden nicht verzehret und verbrennt; Stein, Gicht und Podagra, und was man schmerzhaft nennt, Den Kopf=Weh, Mattigkeit und des Gebl¸tes wallen Wird keinen Mâ°ssigen so leichtlich ¸berfallen.
Wie ruhig und vergn¸gt lebt ein vern¸nftger Mann, Der seinen Lecker=Mund und Magen zwingen kan. Betracht des Bauers=Mann und stolzer Herren Kinder, Ist nicht die erste Art weit stâ°rker und ges¸nder? Genieï¬t das zarte Kind nicht grËï¬re Stâ°rk und Lust Durch seiner Mutter Milch, als von der Huren Brust? Ein St¸ckgen Brod, ein Trank von Gersten giebt mehr Krâ°fte, Als alles Zuckerwerk und leckerhafte Sâ°fte. So wird das zarte Kind von Jugend angewËhnt, Daï¬ es sich nach der Kost der geilen Eltern sehnt; Was Wunder wenn hernach die Laster sich vermehren, Die das erworbne Gut durch Zungen=Lust verzehren. Wie gl¸cklich ward nicht da das Volk am Tieber=Strohm, Da B¸rgermeister noch die ganze Welt und Rom Geschickt regiereten. Da man Gesetze gabe, (h) Daï¬ Rom die Mâ°ssigkeit zum Augenmerke habe.
Wie gl¸cklich ward ihr doch ihr Alten jener Zeit! Die ihr euch an der Zier der Mâ°ï¬igkeit erfreut. Wie ward ihr so beherzt, gesund und stark und wacker, Da euer Mund das aï¬, was euer fetter Acker Und Reb= und Garten=Bau, und Vieh und Schâ°fer=Stab, Teich, Waldung, Hof und Stall euch zu verzehren gab? Ein ausgepreï¬ter Trank von selbst gepflanzten Reben, Benebst dem braunen Saft, den Gersten=KËrner geben; Ein Fisch, den euer Netz und Angel selber fieng; Ein Wildpret, welches euch zu nah in Garten gieng; Ein Vogel, welcher sich in euren Garten setzte, Und sich den zarten Fuï¬ durch Schling und Leim verletzte; Ein St¸ck von einem Schaaf, und eingesalzten Schwein, Ein St¸ck von einem Kalb, und fetten Rinder=Bein; Ein St¸ckgen von der Brust, nebst guten Rinder=Zungen, Die K¸chen=Rauch gefâ°rbt, und beisend Salz durchdrungen, Wor¸ber man die Br¸h von alledem gekocht, Was selbst die Hand gepflanzt, und was das Beet vermocht; Als Lorbern, Timian, Wachholdern, Roï¬marien, Lauch, Kimmel, Majoran, und Zwiebeln die nicht bliehen, Und was der Garten sonst an Frucht und Beeren giebt. Ein Kohl, den die Natur und nicht die Kunst geschiebt; Ein Obst, das ebenfals nur die Natur getrieben, Milch, Ey und Butterwerk, das rein und frisch geblieben; Ein Kuchen, den das Weib weiï¬, fett und locker buck, Dieï¬ war was man zu Tisch und auf die Tafel trug: Damit erquickten sich die Grosen und die Kleinen. So blieben sie gesund und stark an Fleisch und Beinen So lebten sie vergn¸gt, und gaben zu verstehn, Wie gerne sie den Flor der Kindes=Kinder sehn, Daher sie solchen auch die Gelder nicht verpraï¬ten.
Jezt aber, da die Welt mit Segel, Wind und Masten, Aus dem vor kurzem erst entdeckten Theil der Welt, Das was auch Africa und Ceilon in sich hâ°lt, Was uns Levante zeigt, was Welschlands Boden trâ°get, Was Ungarn, Spanien vor unsre Augen leget, Mit st¸rmender Gefahr und Kosten hergebracht, So wird der Alten Kost jezt spËttisch ausgelacht. Der Deutsche Trauben=Saft, der Wein von unsern Reben, Wird selten beym Besuch und Gastmahl hergegeben. Der ist zu schlecht darzu. Es l¸stert Mund und Seel Nach neuer Leckerey gleich wie dort Israel. Ein neuer Tag muï¬ auch ein neu Gericht ersinnen! Um der Verschwendung nur das strâ°fliche Beginnen Aufs strengste, uns zum Spott und Schaden, zu vollziehn. Eh noch die Speisen reif, wenn sie noch wâ°ï¬rig gr¸n, und roh und sauer sind, so l¸stert man nach diesen. Da heists: Wenns andre schon auf ihrem Tisch geniessen, So eckelt mir davor. Was theuer ist, schmeckt gut; Was viele Thaler kost, das labet Zung und Blut.
Die alte Redlichkeit in Speisen und in Essen, Bringt jetzt die Leckerey und Wollust ins vergessen. Wie manche Hâ°rings=Milch (wer lacht jezt nicht mit mir) Setzt man den Austern gleich in Auster=Schaalen f¸r, Daï¬ man den Appetit der Lecker nur ergËtze, Und ihren l¸stern Mund in s¸sse Ruhe setze. Sonst nahm der KËchin Hand den Vogel=Mist heraus; Jezt ist derselbige das beste auf den Schmauï¬ Wornach man sehnlich greift. Man darf den Hottentotten, Der Darm und Mist verzehrt, hinf¸hro nicht mehr spotten; Ihr machts mit VËgeln so. Ja spricht die Weisheit jezt, Der Vogel, welcher nur auf krâ°ftgen Stauden sizt, Ist ganz ein ander Ding; er friï¬t sonst nichts als Krâ°uter. Gut! aber gehe doch nur wenig Schritte weiter Da weidet eine Kuh, die gleichfals Krâ°uter friï¬t. Warum gel¸st dir dann nicht auch nach ihrem Mist? (Doch dieses widmet man zum Schnupftoback der SchËnen, Die sich denselbigen so eifrigst angewËhnen, Als wâ°rs ihr Element.) Ein Hecht der Karpfen friï¬t, Und dessen Aufenthalt ein klares Wasser ist, Der scheint jezt nicht genug den Appetit zu stillen. Die leckerhafte Welt, (sind das nicht nâ°rrsche Grillen?) ErgËtzet sich an dem, was in den S¸mpfen kriecht, Und was beym ersten Blick schon eckelhaftig riecht. Die KrËten welche sich mit Schild und Harnisch decken, Und dem der sie erblickt, nicht wenig Graus erwecken; Die FrËsche, die der Schlamm, Gestank, Pful und Morast In seinem Inbegrief verschlieï¬t und in sich faï¬t, Die groï¬ gebildet sind, und recht gefâ°hrlich sehen; Die Schnecken, welche sich kaum auf der Erde drehen; Das, was so unrein ist und so abscheulich sieht, Und Ëfters Magen=Schmerz und Dr¸cken nach sich zieht, Das soll, man hËre doch, ich kËnnt es nicht errathen, Viel delicater noch als guter Kâ°lber=Braten, Als Tauben, Hecht und Hahn, und Rinder=Zungen seyn.
Wie enge schrenkt sich doch jetzt Witz und Klugheit ein. Was wird die Leckerey noch weiter unterfangen? Habt acht, ich warne euch ihr schnell und krummen Schlangen, Man stellt euch w¸rklich nach, und macht euch endlich ein, Als soltens kËstliche und rare Bricken seyn. Ihr Regen=W¸rmer weicht, kriecht ja nicht aus der Erden, Ihr m¸st sonst w¸rklich noch zu Wasser=Schmerlen werden. Ihr Ratten seht euch vor, versteckt euch in die HËh, Sonst macht man euren Leib zu einem Fricassee. Ihr Fledermâ°use fliegt, sonst steckt man euch ans Feuer. Jezt hat man euch umsonst, man kauft euch doch wohl theuer, Man sucht euch wohl alsdann mit vieler M¸h zu Rom, So wie den Regen=Schmerl im schnellen Tieber=Strohm. Ja Maden, welche auch aus alten Kâ°sen sprudeln, Die werden endlich noch zu Moschcowitschen Nudeln.
Zur Nahrung und zur Noth pflegt man den Leib jezt nicht, Zum â¹berfluï¬ sind jezt die Zungen abgericht. Der Tisch kan oft die Last der Sch¸sseln nicht ertragen; Den Magen trachtet man mit Zungen=Lust zu plagen; Nachdem man lang gespeiï¬t und seinen Bauch gemâ°st, Daï¬ man kaum Ohdmen kan, und schwer und kâ°uchend blâ°ï¬t, So wird Levantens Frucht durch Asch und Staub verzehret, Wodurch die Wollust schon viel Beutel ausgeleeret. Der Leib hat bey dem Tisch des Tags nur einmal Ruh; Man bringt den ganzen Tag mit Trink und Essen zu. Wodurch man die Vernunft und Tugenden begrâ°bet, Und mehr vor seinen Bauch als vor den Nâ°chsten lebet.
Ich widerspreche nicht, daï¬ hier ein Graf und F¸rst Nach theurem Trauben=Blut, und raren Weine d¸rst; Daï¬ er mit fremder Kost die Tafel reich bedecket, Und manche Kostbarkeit und niedlich Essen schmecket; Wer nehrte sich wohl sonst; wo kâ°me sonst das Geld Durch Handel und Gewerb und Nahrung in die Welt? Ich tadle nicht, daï¬ auch ein Reicher das geniesset, Was in dem feinen Meer und fremden StrËhmen fliesset; Daï¬ er Italiens und Ungerns s¸sse Frucht Von Reben oder Baum zu seiner Lust versucht; Daï¬ seine Zunge sich an diesen auch erquicket, Was uns durch Wind und Mast Ost, West und S¸den schicket: Damit er der Natur auch ihre Schâ°tze sieht, Wie krâ°ftig dieses schmeckt, wie prâ°chtig jenes bl¸ht, Und weiï¬, wie jedes pflegt geschickt gemacht zu werden. Dieï¬ aber widerspricht der Klugheit auf der Erden, Wenn er sich dran gewËhnt, und seinen Mund nicht zwingt, Dieï¬ ers aus Leckerey und â¹bermuth verschlingt.
Dieï¬ kan die Tugend nicht, noch die Vernunft vertragen, Daï¬ Mâ°nner, welche sich durch Trug ans Bret geschlagen, Die F¸rsten ungetreu und Landes=Plager sind; Daï¬ Mâ°nner, welche sich durch Advocaten=Wind Und rechtlichen Betrug ein Haufen Geld erlogen; Daï¬ Mâ°nner, die das Blut der Waysen ausgesogen, Die Urtheil nur nach Gunst und Thalern abgefaï¬t, Und die Gerechtigkeit als einen Feind gehaï¬t; Daï¬ Mâ°nner, die durch Pfand und J¸dische Intressen Des TagelËhners Brod, der Wittwen Scherf gefressen; Daï¬ Mâ°nner, die das Maas und Ehle und Gewicht Und Waaren zum Betrug und Diebstahl eingericht, Und sich mit Weib und Kind von dem Betrug ernehren, Das speisen, was wohl oft die Grosen nicht verzehren; Daï¬ man die Tafel stets mit solchen Sachen f¸llt, Womit sich nur der Mund und Wollusts=Zunge stillt. Daï¬ sich ein B¸rgermann gleich wie ein Groser speiset, Dieï¬ ist, was die Vernunft und Tugend Thorheit heiset.
Wie seufzt die Liebe doch! o! zËg ein reiches Weib, Auch wohl ein stolzer Mann ein einzig Kleid vom Leib, Ja einen Aufsatz nur, und deckte arme Seelen, Die sich vor Kâ°lt und Frost, und BlËse trostloï¬ quâ°len; EntzËg ein Leckermaul und ein Verschwender nur Die Woche eine Kost von mancher Creatur; Von seinem Uberfluï¬ ein Glâ°ï¬gen aus dem Keller; Von seiner Tafel Last den Uberrest vom Teller Und gâ°bs dem Lazarus, der dort nach Brode schmacht, Wie seelig hâ°tt er nicht die Wohlthat angebracht. Wie herzlich w¸rden sich die armen Br¸der freuen; Was w¸rde nicht vor Heyl auf seinen Boden schneyen.
Ihr Eltern, die ihr stets nach Lecker=Speisen strebt, Und alle Tag in Freud= und Zungen=L¸sten lebt, Ists mËglich, daï¬ ihr ganz den Liebes=Trieb verfluchet, Und eurer Kinder Noth durch eure Wollust suchet? Wâ°r noch ein F¸nkgen Feuer von Elterlicher Lieb’ In eurer Brust, ich weiï¬, daï¬ dieses unterblieb. Ihr w¸rdet euer Gut nicht durch den Mund verzehren, Daï¬ euer Saame sich mit Ehren kËnte nehren, Der sonst vor Gl¸ck und Lob, wenn ihr dereinsten sterbt, Der Unterdr¸ckten Fluch, Schuld, Noth und Armuth erbt. Ihr Eltern gehet hin, und lernet von den Raben, Was sie vor Lieb’ und Sorg vor ihre Jungen haben.
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Da Gottes Allmachts=Hand, die Sonne, Tag und Zeit Und diese Welt erschuf, und sie mit Seltenheit, Mit Zierde, Glanz und Pracht und aller SchËnheit baute, Und was er nur gemacht, mit viel Vergn¸gen schaute. Beschloï¬ er, daï¬ der Mensch, sein â°chtes Ebenbild Mit viel und groser Macht und Herrlichkeit erf¸llt, Und mit besonderm Glanz gezieret solte werden. Der SchËpffer machte ihn zum Herrn der ganzen Erden. Er was sein herrlichstes und liebstes Augenmerk; Drum hat er selbigen auch ¸ber alle Werk Die er so schËn gemacht, die er so hoch geschâ°tzet, Und aller Creatur zum F¸rst und Herrn gesetzet. So herrlich und so hoch sah GOtt den Menschen an; Er sprach: Mach dir die Welt und Erde Unterthan; Herrsch ¸ber alles das, was auf der Erde lebet, Was sich in Wassern regt, und unterm Himmel schwebet.
Allein! wo schlieï¬t der Mensch des Geistes Augen auf? Wenn hebt er wohl sein Licht zur Sternenburg hinauf, Und denkt an seinen Glanz, Macht, Adel, W¸rd und Ehre? Daï¬ er warhaftig auch ein Herr der Erde wâ°re. Wie schâ°tzt er doch so schlecht die grËste Herrlichkeit? Wie setzt er die Vernunft, den Adelstand beyseit, Den ihm sein SchËpfer gab? der Mensch von grosen Gaben; Der Mensch, den GOtt so hoch gesetzet und erhaben, Der diese ganze Welt und Erd beherrschen soll, Der ein Monarch will seyn, der ist so dum und toll, Und stellt sich so herab, daï¬ er vom Saft der Trauben, Und Bier sich Geist und Witz, Verstand und Kraft lâ°ï¬t rauben. Ey seht! der stolze Mensch legt Sclaven=Fesseln an, Und wird dem Erd=Gewâ°chs so schimpflich unterthan. Der Mensch, die kleine Welt, O! solt er sich nicht schâ°men! Lâ°ï¬t sich von einer Frucht der Welt gefangen nehmen.
Der Seelen Wandelung, die so viel Streitens macht, Da Zeno ihren Grund und Lehre vorgebracht, Beweiset sich an dem, der sich zum Bacho wendet, Und dem gef¸llten Glaï¬ Vernunft und Witz verpfâ°ndet. Wo in der Seele sonst Verstand und Tugend saï¬; Und man die Handlung stets nach klugen Regeln maï¬; Da wird der Seelen Thun durch Saufen umgekehret, Das Gute abgeschaft, verworffen und verstËhret. Die Klugheit blâ°ï¬t ihr Licht und ihre Strahlen ein; Die Weisheit kan beym Trunk nicht mehr Regentin seyn. Der Tugend=Fackel wird verlËscht und ausgebrennet, Und was sich sonsten schËn und nach dem Wohlstand nennet, Das findet durch den Trunk ein ganz gewisses Grab, Die Thorheit giebt darbey den klugen Redner ab, Und spricht: Der Tod wird sonst vor mâ°chtig ausgeschriehen, Es muï¬ auch in der That die Seel vom Leibe fliehen. Allein die Lust zum Trank besitzet noch mehr Macht, Durch diese wird so gar die Seele umgebracht. Sie tËdten selbt den Geist, Verstand und alle Sinnen.
Darius wach jezt auf! und hËre das Beginnen Der Knaben, die zur Wach bey deinem Throne stehn; Wie jeder seinen Witz durch einen Spruch lâ°ï¬t sehn. Mich deucht ich seh im Geist dein grËstes KËnigs=Zimmer, Mir ist als fâ°nd ich dich in deinem Glanz und Schimmer, Und deine Mâ°chtigsten um deinen Purpur=Thron, Wie da der Klugheit Kind, wie da der Weisheit Sohn, Vom Wein und seiner Kraft so schËne Reden f¸hret, Daï¬ man den klugen Geist aus seinen Worten sp¸hret.
Er hebt verwundernd an: Wie mâ°chtig ist der Wein! Denn er verf¸hret die, so ihm ergeben seyn. F¸rst, Freye, Weise, Knecht, die Armen und die Reichen Macht er, daï¬ sie durch ihn an Witz einander gleichen. Er raubet den Verstand, bringt Widerwâ°rtigkeit, Macht frËhlich, aber so, daï¬ man das Ziel beyseit Und aus den Augen setzt, daï¬ man sich nicht bezwinget, Noch auf des Landes Wohl wie sichs geb¸hret, dringet! Er macht durch Phantasie und Wahnwitz alle reich; Es denkt der Unterthan, er sey dem F¸rsten gleich; Setzt dadurch Ehr und Furcht und Demuth auf die Seite, Und spricht, wem lâ°cherts nicht? von groser Ehr und Beute. Hat denn der Trunk den Geist in vËlliger Gewalt, So gilt kein Freundschafts=Band. Es heist: Du Hundsfott halt! Und zucke das Gewehr! Ist denn der Rausch vergangen, So weiï¬ man nicht, was man im Trunke angefangen.
Der Saal verliehrt sich mir; ich seh an dessen statt Das Thier, das Bileam vordem geritten hat. Es scheint, als kriegt es gar jezt seine Sprache wieder, Und ruft den Menschen zu: Ihr singt mir tolle Lieder Von meiner Einfalt vor. Doch kommt in meinen Stall, Gebt nur ein wenig acht, ihr merket ¸berall Daï¬ ich an Klugheit euch bey Weitem ¸berstiegen, Ich speise nicht mehr Heu, drum bleibt sehr vieles liegen, Als nur mein Hunger braucht. Kein Wasser trink ich mehr, Als biï¬ mein Durst gelËscht. Ich w¸st nicht wie mir wâ°r? Solt ich, das d¸mmste Thier, den Magen ¸berladen, Und mir an meiner Kraft und der Gesundheit schaden? Ihr Menschen aber seyd viel â°rger als das Vieh, Weit dummer als wie ich. Ihr esst und trinket nie; O! nein! ihr sauft und schwelgt, und hËrt nicht auf zu fressen, Biï¬ die Vernunft versenkt, und alle Schaam vergessen, Und ausgerottet ist, biï¬ daï¬ die Tugend stirbt, Und jeder unter euch der HËllen=Lohn erwirbt.
Ich habe ehedem in einem Buch gelesen, Daï¬ Circens Zauberstock, so krâ°ftig sey gewesen, Daï¬ er Ulysses Volk in Thiers=Gestalt verkehrt. Da mich nun jezt ein Schwein in meiner Rede stËhrt, So glaub ich, dieï¬ gehËrt mit unter solchen Orden, Die durch den Zauberstock zu Thieren sind geworden. Ihr Menschen! hËrt doch zu, wie es so artig spricht:
Willkommen Br¸dergen! kennt ihr die Schwester nicht? Willkommen Br¸dergen! nun ist mein Leid verschwunden, Weil ich euch allesamt so gl¸cklich wieder funden. Auf! f¸llt der Sittenkunst zu Trutz die Gurgeln an, Schwelgt, fresset, sauft und schluckt, so lang als einer kan, Besudelt euren Leib, die Erde, Kleid und Kragen, Und laï¬t euch wenns geschehn, aufs Streu im Stalle tragen; Alsdann wird euer Nest gleich wie das Meine seyn, Da werft euch mit mir um, und schlaft so wie ich ein.
O Mensch! verlangst du denn wie diese Sau zu stinken? Wer klug ist, pfleget sich mit nichten voll zu trinken! Er trinket vor den Durst zur Labung und zur Stâ°rk; Die edle N¸chternheit ist stets sein Augenmerk. Ein Kluger weiï¬ wie sehr er seinen SchËpfer krâ°nket, Wenn er zum â¹berfluï¬ die Zung und Lippen trâ°nket; Er weiï¬ wie sehr die Kraft der Seelen Schaden leidt; Wie sehr er Gottes=Hauï¬ durch solche That entweyht; Wie weit die Tugend flieht; wie weit der Wohlstand reiset; Wie oft man nur zum Spott mit Fingern auf ihn weiset, Und ihn verâ°chtlich hâ°lt; daï¬ sein Gesundheits=Kahn Auf dem Schlaraffen=Meer bald Schifbruch nehmen kan: Deshalben will er nicht mit unterm Narren Haufen Nach Lethens todten Pfuhl zu seiner Schande laufen.
Wir haltens insgesamt vor eine Landes=Noth, Wenn uns ein feindlich Heer mit Schwerdt und Pulver droht, Und unsre Friedenstadt bem¸ht ist zu belagern, Und durch die Kriegeskunst gedencket auszumagern, Durch Kugeln, Blitz und Glut die Stadt verderben will. Wie klâ°glich klingt nicht da das Sayt= und Singe=Spiel? Man f¸rchtet Schwerd und Feind, und schmiedt doch selbst die Waffen,
Wodurch wir unsern Fall, Noth, Todt und Elend schaffen. Die Liebe zu dem Trunck ist gar ein starcker Feind, Ob er gleich ohn Gesch¸tz und Schwerd und Bley erscheint. Ein oft gef¸lltes Glaï¬ mit Gerst= und Reben=Tropfen, Ist schon genug bey uns, zum Kriege anzuklopfen: Der Sieg ist auch gewiï¬; Es nimt gar bald der Wein Das Hauptwerck an dem Bau der Leibes=Festung ein. Er hauset als ein Feind, und raubt und pl¸ndert alles, Was die Natur zur Wehr und Hindrung unsers Halles Durch die Vernunft gesetzt. Da springet Thor und Th¸r, Geist, Krâ°fte, Ehre, Gl¸ck, das alles missen wir. Die Thorheit kan darauf die Siegs=Trompete blasen, Sie ruft: Die Tugend fiel alhier auf diesen Rasen.
Ich bin kein Prediger der vor die Seele schreibt, Wo sie in solchem Fall, wenn sie verschwindet, bleibt. Kan sie nach Salem wohl Elias Wagen tragen; So wenig, als den Mann der im Duell erschlagen. Ich rede nur wie tief, wie sehr ein trunckner Mann In Schande, Hohn und Noth und Elend fallen kan. Ward Loth nicht durch den Trunck ein Eydam seiner TËchter? Ward Noah nicht dadurch den SËhnen ein Gelâ°chter? Ward Nabal nicht durch ihn des Lebens=Lichts beraubt? Verlohr nicht Holofern dadurch sein Helden=Haupt? So schâ°ndlich starb ein Held der Volck und Land bezwungen. O! wie verderbet euch die kleine Lust der Zungen! Ein Kluger wundert sich, wie solches mËglich ist, Daï¬ sich ein Glâ°ser=Freund so liederlich vergiï¬t, Vernunft, Verstand und Witz und Wohlstand nicht bedencket, Und diï¬ zum Opferdienst dem stummen Bacho schencket.
Die Menschheit â°usert sich durch Sprache und Verstand, Wo wird diï¬ beydes wohl am Trunckenbolt erkannt? Verstand und Geist ist hin, er weiï¬ nicht was er sinnet, Noch was er unternimmt und in der That beginnet. Die Sprache wird gehemmt; es will kein reines Wort, Noch Gruï¬, noch Redensart von Zung und Lippen fort.
Die Regel ist uns ja in Hirn und Brust geschrieben, Wir sollen unser Wohl und uns vornemlich lieben. Wir sollen allemahl der nâ°chste Freund uns seyn. Wo aber stimmet das mit Truncknen ¸berein? Ein Trunckner liebt sich nicht, er wird sich selbst zum Feinde, Denn er verrâ°th sein Herz dem Feinde und dem Freunde. Er ist als wie ein Faï¬ das voll, und ¸bergeht, Und von sich stËï¬t und wirft, was vor dem Spunde steht. Das Gute welches ihm zu Amt und Gl¸cke dienet, Wodurch sonst seine Lust und auch ein Wohlstand gr¸net, Das stËï¬t er durch den Trunck zu seinem Munde aus, Und bringt sich um sein Gl¸ck, ja gar um Hof und Haus. Ein andrer wendet das, was er im Trunk verrathen Zu seinem Nutzen an, und fËrdert seine Thaten. Ein Trunkner schweigt so gar von seinen Fehlern nicht, Es wird ihm durch ihm selbst ein Schand=Maal aufgericht. Er st¸rzt sich wohl darzu, durch trunknene Geschwâ°tze In Ungl¸ck und Gefahr; es straft ihn das Gesetze. Ein Freund des Trunks kan nie ein Freund des Nâ°chsten seyn. Man lâ°sset sich mit ihm in keine Freundschaft ein: Denn er verrâ°th den Freund, und schwazt von seinem Handel, Von seiner Eigenschaft, Gesprâ°ch und Lebens=Wandel. Ein Trunkner wird zum Spott, zum Kinder=Spott gemacht, Wie hËhnisch wird er nicht von allen ausgelacht? Er lacht, wenn andere bey seinen Affen=Sachen Und Kindervollem Spiel ein laut Gelâ°chter machen. Er merkt nicht, wenn man gleich sein laut Geschwâ°tze hËhnt, Und jauchzet wenn man ihn mit Haasen=Pappeln krËnt. Zwey Stieber hâ°lt er oft vor zâ°rtliche Caressen, Die eine schËne Hand ihm g¸tig zugemessen.
Ein Trunkner glaubt === jedoch ich werff die Feder hin, Weil ich nicht in Pariï¬ noch Hollands Fluren bin, Wo man die Laster darf bey ihren Namen nennen. Ich putze nicht das Licht, ich mËcht mich sonst verbrennen.
(a) Magnus.
(b) Da der grose Alexander bey seinen Feldz¸gen unbekanter Weise auf ein Rathhaus zu forschen gieng, hËrte er, daï¬ zu dem Richter ein Mann sagte: Ich habe einen Keller wollen graben, und da habe ich einen Schatz gefunden,welcher aber nicht mir, sondern dem Manne gehËrt, von dem ich das Haus gekauft, ich bitte also ihn zu nËthigen, daï¬ er sein Geld annehme. Der andere sprach: der Schatz ist niemahls meiner gewesen, denn die Stâ°tte darauf ich das verkaufte Haus gebaut, war ein freyer Platz, darauf jeder bauen konte. Endlich sind diese Mâ°nner eins worden dem Richter den Schatz zu geben. Der Richter wendet aber dargegen ein: Ihr bekennt Beyde, daï¬ der Schatz nicht eure sey, da er da in euren Hâ°usern gefunden worden ist: unter was Vorschein solt ich ihn denn annehmen, da ich hier fremd bin? Davor beh¸ten mich die GËtter, daï¬ ich mich nicht fremdes Gutes anmasse! Ihr schiebet die ganze Sache meinem Amte und Gewissen heim. Wohlan, so will ich einen Rath finden. Habe darauf den einen gefragt: ob er einen Sohn habe, der denn mit Ja antwortet: Ob auch der andere eine Tochter habe? Und da dieser gleichfals Ja sagt: Habe der Richter den Ausspruch gethan, daï¬ diese einander heyrathen sollen, und er wolle ihnen den gefundenen Schatz zum Braut=Schatze mitgeben. Da Alexander ¸ber diese kluge Gerechtigkeit erstaunet, hat der Richter gesagt: Ist es auch mËglich, daï¬ Leute gefunden werden die anders thun? Und auf des Alexanders Ja! setzt er noch dieses zu: Ob an solchen Oertern, wo sie nicht also richteten, die GËtter auch Regen fallen liesen, und ob die Sonne alda auch ihre Strahlen gâ°be?
(c) Cambyses lieï¬ einem Richter der sich bestechen lassen, und daher ein ungerechtes Urtheil abgefasset hatte, die Haut vom Leibe ziehen, dieselbe mit Nâ°geln an den Richterstuhl zum ewigen Spectacul fest anschlagen und damit bedecken,auch den Sohn an dessen Stelle zum Richter setzen.
(d) Gleichwie Galeacius Herzog von Meyland gethan, welcher einen Advocaten, der die Processe boï¬hafter Weise so lange triebe und aufhielte, lieï¬ an Galgen hengen und dann in St¸cke zerreisen.
(e) RËmischer Kayser, welcher davor hielte, daï¬ es bey Austheilung der Geschenke, und Belohnung treuer Dienste nur aufs Gl¸ck ankâ°me.
(f) Velibegus und Arsambegus zwei T¸rkische Obristen hatten ein Duel miteinander, da der letztere den erstbenannten r¸ckwâ°rts hinterlistiger Weise verwundete/worauf die Sache nach Constantinopel gekommen, und Velilebus citirt und befragt werde. Unter andern sagte dieser folgende Worte: Mein Gegenpart hat mich hinterlistig angegriffen/hâ°tte er/als einem Cavallier geb¸hrt, sich ritterlich erzeigen wollen, so hâ°tte er nur sollen erscheinen, als welchen ich oftmals zu einem Duell heraus gefordert. Worauf die anwesenden Bassen zornig worden, und gesprochen: Was hast du dich mit deinem Spieï¬=Gesellen rauffen wollen? Sind denn keine Christen mehr in der Welt, an denen du deine Mannheit hâ°ttest erweisen kËnnen? Ihr esset beyde unsers Kaysers Brod, und habt euch miteinander schlagen wollen? Aus was Recht und Fug hast du das in Sinn genommen? Und wo hast du dergleichen Exempel jemahl unter uns gehabt? Hast du nicht denken sollen, wer unter euch beyden gefallen und umkommen wâ°re, der wâ°re mit Schaden unsers Kaysers gefallen und umkommen. Worauf er auch in das Gefâ°ngniï¬ geworfen worden.
(g) Magnus
(h) Fabius, RËmischer B¸rgermeister gab ein Gesetz, daï¬ keiner auf einem Banquet mehr verzehren d¸rfte als dreysig Sestertios, so viel als ohngefehr zwËlf Thaler. Messinius verordnete: daï¬ kein Fremder Wein dorfte eingelegt werden. Emilius gebot den RËmern nicht mehr als f¸nf Gerichte zu speisen. Antio befahl, das Koch=Handwerk nicht vielen lernen zu lassen, denn er hielt daf¸r, daï¬, wo viele KËche wâ°ren, die Leute nur arm, der Leib ungesund, die Seele aber und das Gem¸the beflecket w¸rden. Julius Câ°sar brachte auf, daï¬ niemand mit zugeschlossener Th¸r essen durfte, damit die Censores sehen kËnten, ob jemand im Essen â¹berfluï¬ brauchte. Aristimius schrieb vor, daï¬ man zwar des Mittags jemand mËchte zu Gaste haben, aber nicht lâ°nger als biï¬ gegen den Abend behalten.