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Wilhelm Meisters Wanderjahre--Buch 3 by Johann Wolfgang von Goethe

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Der Schulmann, indem er Lateinisch zu schreiben und zu sprechen
versucht, kommt sich hˆher und vornehmer vor, als er sich in seinem
Alltagsleben d¸nken darf.

Der f¸r dichterische und bildnerische Schˆpfungen empf‰ngliche Geist
f¸hlt sich dem Altertum gegen¸ber in den anmutigst-ideellen
Naturzustand versetzt; und noch auf den heutigen Tag haben die
homerischen Ges‰nge die Kraft, uns wenigstens f¸r Augenblicke von der
furchtbaren Last zu befreien, welche die ¸berlieferung von mehrern
tausend Jahren auf uns gew‰lzt hat.

Wie Sokrates den sittlichen Menschen zu sich berief, damit dieser
ganz einfach einigermaflen ¸ber sich selbst aufgekl‰rt w¸rde, so
traten Plato und Aristoteles gleichfalls als befugte Individuen vor
die Natur; der eine mit Geist und Gem¸t, sich ihr anzueignen, der
andere mit Forscherblick und Methode, sie f¸r sich zu gewinnen. Und
so ist denn auch jede Ann‰herung, die sich uns im ganzen und
einzelnen an diese dreie mˆglich macht, das Ereignis, was wir am
freudigsten empfinden und was unsere Bildung zu befˆrdern sich
jederzeit kr‰ftig erweist.

Um sich aus der grenzenlosen Vielfachheit, Zerst¸ckelung und
Verwickelung der modernen Naturlehre wieder ins Einfache zu retten,
mufl man sich immer die Frage vorlegen: Wie w¸rde sich Plato gegen die
Natur, wie sie uns jetzt in ihrer grˆfleren Mannigfaltigkeit, bei
aller gr¸ndlichen Einheit, erscheinen mag, benommen haben?

Denn wir glauben ¸berzeugt zu sein, dafl wir auf demselben Wege bis
zu den letzten Verzweigungen der Erkenntnis organisch gelangen und
von diesem Grund aus die Gipfel eines jeden Wissens uns nach und nach
aufbauen und befestigen kˆnnen. Wie uns hiebei die T‰tigkeit des
Zeitalters fˆrdert und hindert, ist freilich eine Untersuchung, die
wir jeden Tag anstellen m¸ssen, wenn wir nicht das N¸tzliche abweisen
und das Sch‰dliche aufnehmen wollen.

Man r¸hmt das achtzehnte Jahrhundert, dafl es sich haupts‰chlich mit
Analyse abgegeben; dem neunzehnten bleibt nun die Aufgabe: die
falschen obwaltenden Synthesen zu entdecken und deren Inhalt aufs
neue zu analysieren.

Es gibt nur zwei wahre Religionen, die eine, die das Heilige, das in
und um uns wohnt, ganz formlos, die andere, die es in der schˆnsten
Form anerkennt und anbetet. Alles, was dazwischen liegt, ist
Gˆtzendienst.

Es ist nicht zu leugnen, dafl der Geist sich durch die Reformation zu
befreien suchte; die Aufkl‰rung ¸ber griechisches und rˆmisches
Altertum brachte den Wunsch, die Sehnsucht nach einem freieren,
anst‰ndigeren und geschmackvolleren Leben hervor.

Sie wurde aber nicht wenig dadurch beg¸nstigt, dafl das Herz in einen
gewissen einfachen Naturstand zur¸ckzukehren und die Einbildungskraft
sich zu konzentrieren trachtete.

Aus dem Himmel wurden auf einmal alle Heiligen vertrieben und von
einer gˆttlichen Mutter mit einem zarten Kinde Sinne, Gedanken, Gem¸t
auf den Erwachsenen, sittlich Wirkenden, ungerecht Leidenden
gerichtet, welcher sp‰ter als Halbgott verkl‰rt, als wirklicher Gott
anerkannt und verehrt wurde.

Er stand vor einem Hintergrunde, wo der Schˆpfer das Weltall
ausgebreitet hatte; von ihm ging eine geistige Wirkung aus, seine
Leiden eignete man sich als Beispiel zu, und seine Verkl‰rung war das
Pfand f¸r eine ewige Dauer.

So wie der Weihrauch einer Kohle Leben erfrischst, so erfrischst das
Gebet die Hoffnungen des Herzens.

Ich bin ¸berzeugt, dafl die Bibel immer schˆner wird, je mehr man sie
versteht, d. h. je mehr man einsieht und anschaut, dafl jedes Wort,
das wir allgemein auffassen und im besondern auf uns anwenden, nach
gewissen Umst‰nden, nach Zeit--und Ortsverh‰ltnissen einen eigenen,
besondern, unmittelbar individuellen Bezug gehabt hat.

Genau besehen haben wir uns noch alle Tage zu reformieren und gegen
andere zu protestieren, wenn auch nicht in religiˆsem Sinne.

Wir haben das unabweichliche, t‰glich zu erneuernde, grundernstliche
Bestreben: das Wort mit dem Empfundenen, Geschauten, Gedachten,
Erfahrenen, Imaginierten, Vern¸nftigen mˆglichst unmittelbar
zusammentreffend zu erfassen.

Jeder pr¸fe sich, und er wird finden, dafl dies viel schwerer sei,
als man denken mˆchte; denn leider sind dem Menschen die Worte
gewˆhnlich Surrogate; er denkt und weifl es meistenteils besser, als
er sich ausspricht.

Verharren wir aber in dem Bestreben: das Falsche, Ungehˆrige,
Unzul‰ngliche, was sich in uns und andern entwickeln oder
einschleichen kˆnnte, durch Klarheit und Redlichkeit auf das
mˆglichste zu beseitigen.

Mit den Jahren steigern sich die Pr¸fungen.

Wo ich aufhˆren mufl, sittlich zu sein, habe ich keine Gewalt mehr.

Zensur und Preflfreiheit werden immerfort miteinander k‰mpfen.
Zensur fordert und ¸bt der M‰chtige, Preflfreiheit verlangt der
Mindere. Jener will weder in seinen Planen noch seiner T‰tigkeit
durch vorlautes widersprechendes Wesen gehindert, sondern gehorcht
sein; jene wollten ihre Gr¸nde aussprechen, den Ungehorsam zu
legitimieren. Dieses wird man ¸berall geltend finden.

Doch mufl man auch hier bemerken, dafl der Schw‰chere der leidende
Teil, gleichfalls auf seine Weise die Preflfreiheit zu unterdr¸cken
sucht, und zwar in dem Falle, wenn er konspiriert und nicht verraten
sein will.

Man wird nie betrogen, man betriegt sich selbst.

Wir brauchen in unserer Sprache ein Wort, das, wie Kindheit sich zu
Kind verh‰lt, so das Verh‰ltnis Volkheit zum Volke ausdr¸ckt. Der
Erzieher mufl die Kindheit hˆren, nicht das Kind. Der Gesetzgeber und
Regent die Volkheit, nicht das Volk. Jene spricht immer dasselbe aus,
ist vern¸nftig, best‰ndig, rein und wahr. Dieses weifl niemals f¸r
lauter Wollen, was es will. Und in diesem Sinne soll und kann das
Gesetz der allgemein ausgesprochene Wille der Volkheit sein, ein
Wille, den die Menge niemals ausspricht, den aber der Verst‰ndige
vernimmt und den der Vern¸nftige zu befriedigen weifl und der Gute gern
befriedigt.

Welches Recht wir zum Regiment haben, darnach fragen wir nicht--wir
regieren. Ob das Volk ein Recht habe, uns abzusetzen, darum
bek¸mmern wir uns nicht--wir h¸ten uns nur, dafl es nicht in
Versuchung komme, es zu tun.

Wenn man den Tod abschaffen kˆnnte, dagegen h‰tten wir nichts; die
Todesstrafen abzuschaffen, wird schwerhalten. Geschieht es, so rufen
wir sie gelegentlich wieder zur¸ck.

Wenn sich die Soziet‰t des Rechtes begibt, die Todesstrafe zu
verf¸gen, so tritt die Selbsth¸lfe unmittelbar wieder hervor, die
Blutrache klopft an die T¸re.

Alle Gesetze sind von Alten und M‰nnern gemacht. Junge und Weiber
wollen die Ausnahme, Alte die Regel.

Der Verst‰ndige regiert nicht, aber der Verstand; nicht der
Vern¸nftige, sondern die Vernunft.

Wen jemand lobt, dem stellt er sich gleich.

Es ist nicht genug, zu wissen, man mufl auch anwenden; es ist nicht
genug, zu wollen, man mufl auch tun.

Es gibt keine patriotische Kunst und keine patriotische Wissenschaft.
Beide gehˆren, wie alles hohe Gute, der ganzen Welt an und kˆnnen
nur durch allgemeine freie Wechselwirkung aller zugleich Lebenden, in
steter R¸cksicht auf das, was uns vom Vergangenen ¸brig und bekannt
ist, gefˆrdert werden.

Wissenschaften entfernen sich im ganzen immer vom Leben und kehren
nur durch einen Umweg wieder dahin zur¸ck.

Denn sie sind eigentlich Kompendien des Lebens; sie bringen die
‰uflern und innern Erfahrungen ins allgemeine, in einen Zusammenhang.

Das Interesse an ihnen wird im Grunde nur in einer besondern Welt,
in der wissenschaftlichen, erregt, denn dafl man auch die ¸brige Welt
dazu beruft und ihr davon Notiz gibt, wie es in der neuern Zeit
geschieht, ist ein Miflbrauch und bringt mehr Schaden als Nutzen.

Nur durch eine erhˆhte Praxis sollten die Wissenschaften auf die
‰uflere Welt wirken: denn eigentlich sind sie alle esoterisch und
kˆnnen nur durch Verbessern irgendeines Tuns exoterisch werden. Alle
¸brige Teilnahme f¸hrt zu nichts.

Die Wissenschaften, auch in ihrem innern Kreise betrachtet, werden
mit augenblicklichem, jedesmaligem Interesse behandelt. Ein starker
Anstofl, besonders von etwas Neuem und Unerhˆrtem oder wenigstens
m‰chtig Gefˆrdertem, erregt eine allgemeine Teilnahme, die jahrelang
dauern kann und die besonders in den letzten Zeiten sehr fruchtbar
geworden ist.

Ein bedeutendes Faktum, ein geniales Apercu besch‰ftigt eine sehr
grofle Anzahl Menschen, erst nur um es zu kennen, dann um es zu
erkennen, dann es zu bearbeiten und weiterzuf¸hren.

Die Menge fragt bei einer jeden neuen bedeutenden Erscheinung, was
sie nutze, und sie hat nicht unrecht; denn sie kann blofl durch den
Nutzen den Wert einer Sache gewahr werden.

Die wahren Weisen fragen, wie sich die Sache verhalte in sich selbst
und zu andern Dingen, unbek¸mmert um den Nutzen, d. h. um die
Anwendung auf das Bekannte und zum Leben Notwendige, welche ganz
andere Geister, scharfsinnige, lebenslustige, technisch ge¸bte und
gewandte, schon finden werden.

Die Afterweisen suchen von jeder neuen Entdeckung nur so geschwind
als mˆglich f¸r sich einigen Vorteil zu ziehen, indem sie einen
eitlen Ruhm, bald in Fortpflanzung, bald in Vermehrung, bald in
Verbesserung, geschwinder Besitznahme, vielleicht gar durch
Pr‰okkupation, zu erwerben suchen und durch solche Unreifheiten die
wahre Wissenschaft unsicher machen und verwirren, ja ihre schˆnste
Folge, die praktische Bl¸te derselben, offenbar verk¸mmern.

Das sch‰dlichste Vorurteil ist, dafl irgendeine Art Naturuntersuchung
mit dem Bann belegt werden kˆnne.

Jeder Forscher mufl sich durchaus ansehen als einer, der zu einer
Jury berufen ist. Er hat nur darauf zu achten, inwiefern der Vortrag
vollst‰ndig sei und durch klare Belege auseinandergesetzt. Er faflt
hiernach seine ¸berzeugung zusammen und gibt seine Stimme, es sei nun,
dafl seine Meinung mit der des Referenten ¸bereintreffe oder nicht.

Dabei bleibt er ebenso beruhigt, wenn ihm die Majorit‰t beistimmt,
als wenn er sich in der Minorit‰t befindet; denn er hat das Seinige
getan, er hat seine ¸berzeugung ausgesprochen, er ist nicht Herr ¸ber
die Geister noch ¸ber die Gem¸ter.

In der wissenschaftlichen Welt haben aber diese Gesinnungen niemals
gelten wollen; durchaus ist es auf Herrschen und Beherrschen
angesehen; und weil sehr wenige Menschen eigentlich selbstst‰ndig
sind, so zieht die Menge den Einzelnen nach sich.

Die Geschichte der Philosophie, der Wissenschaften, der Religion,
alles zeigt, dafl die Meinungen massenweis sich verbreiten, immer aber
diejenige den Vorrang gewinnt, welche fafllicher, d. h. dem
menschlichen Geiste in seinem gemeinen Zustande gem‰fl und bequem ist.
Ja derjenige, der sich in hˆherem Sinne ausgebildet, kann immer
voraussetzen, dafl er die Majorit‰t gegen sich habe.

W‰re die Natur in ihren leblosen Anf‰ngen nicht so gr¸ndlich
stereometrisch, wie wollte sie zuletzt zum unberechenbaren und
unermefllichen Leben gelangen?

Der Mensch an sich selbst, insofern er sich seiner gesunden Sinne
bedient, ist der grˆflte und genaueste physikalische Apparat, den es
geben kann; und das ist eben das grˆflte Unheil der neuern Physik, dafl
man die Experimente gleichsam vom Menschen abgesondert hat und blofl
in dem, was k¸nstliche Instrumente zeigen, die Natur erkennen, ja,
was sie leisten kann, dadurch beschr‰nken und beweisen will.

Ebenso ist es mit dem Berechnen.--Es ist vieles wahr, was sich nicht
berechnen l‰flt, sowie sehr vieles, was sich nicht bis zum
entschiedenen Experiment bringen l‰flt.

Daf¸r steht ja aber der Mensch so hoch, dafl sich das sonst
Undarstellbare in ihm darstellt. Was ist denn eine Saite und alle
mechanische Teilung derselben gegen das Ohr des Musikers? Ja man
kann sagen: was sind die elementaren Erscheinungen der Natur selbst
gegen den Menschen, der sie alle erst b‰ndigen und modifizieren mufl,
um sie sich einigermaflen assimilieren zu kˆnnen.

Es ist von einem Experiment zu viel gefordert, wenn es alles leisten
soll. Konnte man doch die Elektrizit‰t erst nur durch Reiben
darstellen, deren hˆchste Erscheinung jetzt durch blofle Ber¸hrung
hervorgebracht wird.

Wie man der franzˆsischen Sprache niemals den Vorzug streitig machen
wird, als ausgebildete Hof--und Weltsprache sich immer mehr aus--und
fortbildend zu wirken, so wird es niemand einfallen, das Verdienst
der Mathematiker gering zu sch‰tzen, welches sie, in ihrer Sprache,
die wichtigsten Angelegenheiten verhandelnd, sich um die Welt
erwerben, indem sie alles, was der Zahl und dem Mafl im hˆchsten Sinne
unterworfen ist, zu regeln, zu bestimmen und zu entscheiden wissen.

Jeder Denkende, der seinen Kalender ansieht, nach seiner Uhr blickt,
wird sich erinnern, wem er diese Wohltaten schuldig ist. Wenn man
sie aber auch auf ehrfurchtsvolle Weise in Zeit und Raum gew‰hren
l‰flt, so werden sie erkennen, dafl wir etwas gewahr werden, was weit
dar¸ber hinausgeht, welches allen angehˆrt und ohne welches sie selbst
weder tun noch wirken kˆnnten: Idee und Liebe.

Wer weifl etwas von Elektrizit‰t, sagte ein heiterer Naturforscher,
als wenn er im Finstern eine Katze streichelt oder Blitz und Donner
neben ihm niederleuchten und rasseln? Wie viel und wie wenig weifl er
alsdann davon?

Lichtenbergs Schriften kˆnnen wir uns als der wunderbarsten
W¸nschelrute bedienen; wo er einen Spafl macht, liegt ein Problem
verborgen.

In den groflen leeren Weltraum zwischen Mars und Jupiter legte er
auch einen heitern Einfall. Als Kant sorgf‰ltig bewiesen hatte, dafl
die beiden genannten Planeten alles aufgezehrt und sich zugeeignet
h‰tten, was nur in diesen R‰umen zu finden gewesen von Materie, sagte
jener scherzhaft, nach seiner Art: Warum sollte es nicht auch
unsichtbare Welten geben? Und hat er nicht vollkommen wahr
gesprochen? Sind die neu entdeckten Planeten nicht der ganzen Welt
unsichtbar, aufler den wenigen Astronomen, denen wir auf Wort und
Rechnung glauben m¸ssen?

Einer neuen Wahrheit ist nichts sch‰dlicher als ein alter Irrtum.

Die Menschen sind durch die unendlichen Bedingungen des Erscheinens
dergestalt obruiert, dafl sie das Eine Urbedingende nicht gewahren
kˆnnen.

"Wenn Reisende ein sehr grofles Ergetzen auf ihren Bergklettereien
empfinden, so ist f¸r mich etwas Barbarisches, ja Gottloses in dieser
Leidenschaft; Berge geben uns wohl den Begriff von Naturgewalt, nicht
aber von Wohlt‰tigkeit der Vorsehung. Zu welchem Gebrauch sind sie
wohl dem Menschen? Unternimmt er, dort zu wohnen, so wird im Winter
eine Schneelawine, im Sommer ein Bergrutsch sein Haus begraben oder
fortschieben; seine Herden schwemmt der Gieflbach weg, seine
Kornscheuern die Windst¸rme. Macht er sich auf den Weg, so ist jeder
Aufstieg die Qual des Sisyphus, jeder Niederstieg der Sturz Vulkans;
sein Pfad ist t‰glich von Steinen versch¸ttet, der Gieflbach unwegsam
f¸r Schiffahrt; finden auch seine Zwergherden notd¸rftige Nahrung
oder sammelt er sie ihnen k‰rglich, entweder die Elemente entreiflen
sie ihm oder wilde Bestien. Er f¸hrt ein einsam k¸mmerlich
Pflanzenleben, wie das Moos auf einem Grabstein, ohne Bequemlichkeit
und ohne Gesellschaft. Und diese Zickzackk‰mme, diese widerw‰rtigen
Felsenw‰nde, diese ungestalteten Granitpyramiden, welche die
schˆnsten Weltbreiten mit den Schrecknissen des Nordpols bedecken, wie
sollte sich ein wohlwollender Mann daran gefallen und ein
Menschenfreund sie preisen!"

Auf diese heitere Paradoxie eines w¸rdigen Mannes w‰re zu sagen, dafl,
wenn es Gott und der Natur gefallen h‰tte, den Urgebirgsknoten von
Nubien durchaus nach Westen bis an das grofle Meer zu entwickeln und
fortzusetzen, ferner die Gebirgsreihe einigemal von Norden nach S¸den
zu durchschneiden, sodann T‰ler entstanden sein w¸rden, worin gar
mancher Urvater Abraham ein Kanaan, mancher Albert Julius eine
Felsenburg w¸rde gefunden haben, wo denn seine Nachkommen leicht mit
den Sternen rivalisierend sich h‰tten vermehren kˆnnen.

Steine sind stumme Lehrer, sie machen den Beobachter stumm, und das
Beste, was man von ihnen lernt, ist, nicht mitzuteilen.

Was ich recht weifl, weifl ich nur mir selbst; ein ausgesprochenes
Wort fˆrdert selten, es erregt meistens Widerspruch, Stocken und
Stillstehen.

Die Kristallographie als Wissenschaft betrachtet gibt zu ganz
eigenen Ansichten Anlafl. Sie ist nicht produktiv, sie ist nur sie
selbst und hat keine Folgen, besonders nunmehr, da man so manche
isomorphische Kˆrper angetroffen hat, die sich ihrem Gehalte nach ganz
verschieden erweisen. Da sie eigentlich nirgends anwendbar ist, so
hat sie sich in dem hohen Grade in sich selbst ausgebildet. Sie gibt
dem Geist eine gewisse beschr‰nkte Befriedigung und ist in ihren
Einzelheiten so mannigfaltig, dafl man sie unerschˆpflich nennen kann,
deswegen sie auch vorz¸gliche Menschen so entschieden und lange an
sich festh‰lt.

Etwas Mˆnchisch-Hagestolzenartiges hat die Kristallographie und ist
daher sich selbst genug. Von praktischer Lebenseinwirkung ist sie
nicht; denn die kˆstlichsten Erzeugnisse ihres Gebiets, die
kristallinischen Edelsteine, m¸ssen erst zugeschliffen werden, ehe wir
unsere Frauen damit schm¸cken kˆnnen.

Ganz das Entgegengesetzte ist von der Chemie zu sagen, welche von
der ausgebreitetsten Anwendung und von dem grenzenlosesten Einflufl
aufs Leben sich erweist.

Der Begriff vom Entstehen ist uns ganz und gar versagt; daher wir,
wenn wir etwas werden sehen, denken, dafl es schon dagewesen sei.
Deshalb das System der Einschachtelung kommt uns begreiflich vor.

Wie manches Bedeutende sieht man aus Teilen zusammensetzen; man
betrachte die Werke der Baukunst, man sieht manches sich regel--und
unregelm‰flig anh‰ufen; daher ist uns der atomistische Begriff nah und
bequem zur Hand, deshalb wir uns nicht scheuen, ihn auch in
organischen F‰llen anzuwenden.

Wer den Unterschied des Phantastischen und Ideellen, des
Gesetzlichen und Hypothetischen nicht zu fassen weifl, der ist als
Naturforscher in einer ¸blen Lage.

Es gibt Hypothesen, wo Verstand und Einbildungskraft sich an die
Stelle der Idee setzen.

Man tut nicht wohl, sich allzulange im Abstrakten aufzuhalten. Das
Esoterische schadet nur, indem es exoterisch zu werden trachtet.
Leben wird am besten durchs Lebendige belehrt.

F¸r die vorz¸glichste Frau wird diejenige gehalten, welche ihren
Kindern den Vater, wenn er abgeht, zu ersetzen imstande w‰re.

Der unsch‰tzbare Vorteil, welchen die Ausl‰nder gewinnen, indem sie
unsere Literatur erst jetzt gr¸ndlich studieren, ist der, dafl sie
¸ber die Entwickelungskrankheiten, durch die wir nun schon beinahe
w‰hrend dem Laufe des Jahrhunderts durchgehen muflten, auf einmal
weggehoben werden und, wenn das Gl¸ck gut ist, ganz eigentlich daran
sich auf das w¸nschenswerteste ausbilden.

Wo die Franzosen des achtzehnten Jahrhunderts zerstˆrend sind, ist
Wieland neckend.

Das poetische Talent ist dem Bauer so gut gegeben wie dem Ritter, es
kommt nur darauf an, dafl jeder seinen Zustand ergreife und ihn nach
W¸rden behandle.

"Was sind Tragˆdien anders als versifizierte Passionen solcher Leute,
die sich aus den ‰uflern Dingen ich weifl nicht was machen."

Das Wort Schule, wie man es in der Geschichte der bildenden Kunst
nimmt, wo man von einer florentinischen, rˆmischen und venezianischen
Schule spricht, wird sich k¸nftighin nicht mehr auf das deutsche
Theater anwenden lassen. Es ist ein Ausdruck, dessen man sich vor
dreiflig, vierzig Jahren vielleicht noch bedienen konnte, wo unter
beschr‰nkteren Umst‰nden sich eine natur--und kunstgem‰fle Ausbildung
noch denken liefl; denn genau gesehen gilt auch in der bildenden Kunst
das Wort Schule nur von den Anf‰ngen; denn sobald sie treffliche
M‰nner hervorgebracht hat, wirkt sie alsobald in die Weite. Florenz
beweist seinen Einflufl ¸ber Frankreich und Spanien; Niederl‰nder und
Deutsche lernen von den Italienern und erwerben sich mehr Freiheit in
Geist und Sinn, anstatt dafl die S¸dl‰nder von ihnen eine gl¸cklichere
Technik und die genaueste Ausf¸hrung von Norden her gewinnen.

Das deutsche Theater befindet sich in der Schluflepoche, wo eine
allgemeine Bildung dergestalt verbreitet ist, dafl sie keinem
einzelnen Orte mehr angehˆren, von keinem besondern Punkte mehr
ausgehen kann.

Der Grund aller theatralischen Kunst, wie einer jeder andern, ist
das Wahre, das Naturgem‰fle. Je bedeutender dieses ist, auf je
hˆherem Punkte Dichter und Schauspieler es zu fassen verstehen, eines
desto hˆhern Ranges wird sich die B¸hne zu r¸hmen haben. Hiebei
gereicht es Deutschland zu einem groflen Gewinn, dafl der Vortrag
trefflicher Dichtung allgemeiner geworden ist und auch auflerhalb des
Theaters sich verbreitet hat.

Auf der Rezitation ruht alle Deklamation und Mimik. Da nun beim
Vorlesen jene ganz allein zu beachten und zu ¸ben ist, so bleibt
offenbar, dafl Vorlesungen die Schule des Wahren und Nat¸rlichen
bleiben m¸ssen, wenn M‰nner, die ein solches Gesch‰ft ¸bernehmen, von
dem Wert, von der W¸rde ihres Berufs durchdrungen sind.

Shakespeare und Calderon haben solchen Vorlesungen einen gl‰nzenden
Eingang gew‰hrt; jedoch bedenke man immer dabei, ob nicht hier gerade
das imposante Fremde, das bis zum Unwahren gesteigerte Talent der
deutschen Ausbildung sch‰dlich werden m¸sse!

Eigent¸mlichkeit des Ausdruckes ist Anfang und Ende aller Kunst.
Nun hat aber eine jede Nation eine von dem allgemeinen Eigent¸mlichen
der Menschheit abweichende besondere Eigenheit, die uns zwar
anf‰nglich widerstreben mag, aber zuletzt, wenn wir's uns gefallen
lieflen, wenn wir uns derselben hing‰ben, unsere eigene
charakteristische Natur zu ¸berw‰ltigen und zu erdr¸cken vermochte.

Wieviel Falsches Shakespeare und besonders Calderon ¸ber uns
gebracht, wie diese zwei groflen Lichter des poetischen Himmels f¸r
uns zu Irrlichtern geworden, mˆgen die Literatoren der Folgezeit
historisch bemerken.

Eine vˆllige Gleichstellung mit dem spanischen Theater kann ich
nirgends billigen. Der herrliche Calderon hat so viel
Konventionelles, dafl einem redlichen Beobachter schwer wird, das
grofle Talent des Dichters durch die Theateretikette durchzuerkennen.
Und bringt man so etwas irgendeinem Publikum, so setzt man bei
demselben immer guten Willen voraus, dafl es geneigt sei, auch das
Weltfremde zuzugeben, sich an ausl‰ndischem Sinn, Ton und Rhythmus zu
ergetzen und aus dem, was ihm eigentlich gem‰fl ist, eine Zeitlang
herauszugeben.

Yorik-Sterne war der schˆnste Geist, der je gewirkt hat; wer ihn
liest, f¸hlt sich sogleich frei und schˆn; sein Humor ist
unnachahmlich, und nicht jeder Humor befreit die Seele.

"M‰fligkeit und klarer Himmel sind Apollo und die Musen."

Das Gesicht ist der edelste Sinn, die andern vier belehren uns nur
durch die Organe des Takts, wir hˆren, wir f¸hlen, riechen und
betasten alles durch Ber¸hrung; das Gesicht aber steht unendlich
hˆher, verfeint sich ¸ber die Materie und n‰hert sich den F‰higkeiten
des Geistes.

Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so w¸rden Eifersucht
und Hafl wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden; und setzten
wir andere an unsere Stelle, so w¸rde Stolz und Einbildung gar sehr
abnehmen.

Nachdenken und Handeln verglich einer mit Rahel und Lea; die eine
war anmutiger, die andere fruchtbarer.

Nichts im Leben aufler Gesundheit und Tugend ist sch‰tzenswerter als
Kenntnis und Wissen; auch ist nichts so leicht zu erreichen und so
wohlfeil zu erhandeln; die ganze Arbeit ist Ruhigsein und die Ausgabe
Zeit, die wir nicht retten, ohne sie auszugeben.

Kˆnnte man Zeit wie bares Geld beiseitelegen, ohne sie zu benutzen,
so w‰re dies eine Art von Entschuldigung f¸r den M¸fliggang der halben
Welt; aber keine vˆllige, denn es w‰re ein Haushalt, wo man von dem
Hauptstamm lebte, ohne sich um die Interessen zu bem¸hen.

Neuere Poeten tun viel Wasser in die Tinte.

Unter mancherlei wunderlichen Albernheiten der Schule kommt mir
keine so vollkommen l‰cherlich vor als der Streit ¸ber die Echtheit
alter Schriften, alter Werke. Ist es denn der Autor oder die Schrift,
die wir bewundern oder tadeln? es ist immer nur der Autor, den wir
vor uns haben; was k¸mmern uns die Namen, wenn wir ein Geisteswerk
auslegen?

Wer will behaupten, dafl wir Virgil oder Homer vor uns haben, indem
wir die Worte lesen, die ihm zugeschrieben werden? Aber die
Schreiber haben wir vor uns, und was haben wir weiter nˆtig? Und ich
denke f¸rwahr, die Gelehrten, die in dieser unwesentlichen Sache so
genau zu Werke gehen, scheinen mir nicht weiser als ein sehr schˆnes
Frauenzimmer, das mich einmal mit mˆglichst s¸flem L‰cheln befragte:
wer denn der Autor von Shakespeares Schauspielen gewesen sei?

Es ist besser, das geringste Ding von der Welt zu tun, als eine
halbe Stunde f¸r gering halten.

Mut und Bescheidenheit sind die unzweideutigsten Tugenden; denn sie
sind von der Art, dafl Heuchelei sie nicht nachahmen kann; auch haben
sie die Eigenschaft gemein, sich beide durch dieselbe Farbe
auszudr¸cken.

Unter allem Diebsgesindel sind die Narren die Schlimmsten: sie
rauben euch beides, Zeit und Stimmung.

Uns selbst zu achten, leitet unsre Sittlichkeit; andere zu sch‰tzen,
regiert unser Betragen.

Kunst und Wissenschaft sind Worte, die man so oft braucht und deren
genauer Unterschied selten verstanden wird; man gebraucht oft eins
f¸r das andere.

Auch gefallen mir die Definitionen nicht, die man davon gibt.
Verglichen fand ich irgendwo Wissenschaft mit Witz, Kunst mit Humor.
Hierin find' ich mehr Einbildungskraft als Philosophie: es gibt uns
wohl einen Begriff von dem Unterschied beider, aber keinen von dem
Eigent¸mlichen einer jeden.

Ich denke, Wissenschaft kˆnnte man die Kenntnis des Allgemeinen
nennen, das abgezogene Wissen; Kunst dagegen w‰re Wissenschaft zur
Tat verwendet; Wissenschaft w‰re Vernunft, und Kunst ihr Mechanismus,
deshalb man sie auch praktische Wissenschaft nennen kˆnnte. Und so
w‰re denn endlich Wissenschaft das Theorem, Kunst das Problem.

Vielleicht wird man mir einwenden: Man h‰lt die Poesie f¸r Kunst,
und doch ist sie nicht mechanisch; aber ich leugne, dafl sie eine
Kunst sei; auch ist sie keine Wissenschaft. K¸nste und Wissenschaften
erreicht man durch Denken, Poesie nicht, denn diese ist Eingebung;
sie war in der Seele empfangen, als sie sich zuerst regte. Man sollte
sie weder Kunst noch Wissenschaft nennen, sondern Genius.

Auch jetzt im Augenblick sollte jeder Gebildete Sternes Werke wieder
zur Hand nehmen, damit auch das neunzehnte Jahrhundert erf¸hre, was
wir ihm schuldig sind, und eins‰he, was wir ihm schuldig werden
kˆnnen.

In dem Erfolg der Literaturen wird das fr¸here Wirksame verdunkelt
und das daraus entsprungene Gewirkte nimmt ¸berhand, deswegen man
wohltut, von Zeit zu Zeit wieder zur¸ckzublicken. Was an uns Original
ist, wird am besten erhalten und belobt, wenn wir unsre Altvordern
nicht aus den Augen verlieren.

Mˆge das Studium der griechischen und rˆmischen Literatur immerfort
die Basis der hˆhern Bildung bleiben.

Chinesische, indische, ‰gyptische Altert¸mer sind immer nur
Kuriosit‰ten; es ist sehr wohlgetan, sich und die Welt damit bekannt
zu machen; zu sittlicher und ‰sthetischer Bildung aber werden sie uns
wenig fruchten.

Der Deutsche l‰uft keine grˆflere Gefahr, als sich mit und an seinen
Nachbarn zu steigern; es ist vielleicht keine Nation geeigneter, sich
aus sich selbst zu entwickeln, deswegen es ihr zum grˆflten Vorteil
gereichte, dafl die Auflenwelt von ihr so sp‰t Notiz nahm.

Sehen wir unsre Literatur ¸ber ein halbes Jahrhundert zur¸ck, so
finden wir, dafl nichts um der Fremden willen geschehen ist.

Dafl Friedrich der Grofle aber gar nichts von ihnen wissen wollte, das
verdrofl die Deutschen doch, und sie taten das mˆglichste, als Etwas
vor ihm zu erscheinen.

Jetzt, da sich eine Weltliteratur einleitet, hat, genau besehen, der
Deutsche am meisten zu verlieren; er wird wohl tun, dieser Warnung
nachzudenken.

Auch einsichtige Menschen bemerken nicht, dafl sie dasjenige erkl‰ren
wollen, was Grunderfahrungen sind, bei denen man sich beruhigen m¸flte.

Doch mag dies auch vorteilhaft sein, sonst unterliefle man das
Forschen allzu fr¸h.

Wer sich von nun an nicht auf eine Kunst oder Handwerk legt, der
wird ¸bel dran sein. Das Wissen fˆrdert nicht mehr bei dem schnellen
Umtriebe der Welt; bis man von allem Notiz genommen hat, verliert man
sich selbst.

Eine allgemeine Ausbildung dringt uns jetzt die Welt ohnehin auf;
wir brauchen uns deshalb darum nicht weiter zu bem¸hen, das Besondere
m¸ssen wir uns zueignen.

Die grˆflten Schwierigkeiten liegen da, wo wir sie nicht suchen.

Lorenz Sterne war geboren 1713, starb 1768. Um ihn zu begreifen,
darf man die sittliche und kirchliche Bildung seiner Zeit nicht
unbeachtet lassen; dabei hat man wohl zu bedenken, dafl er
Lebensgenosse Warburtons gewesen.

Eine freie Seele wie die seine kommt in Gefahr, frech zu werden,
wenn nicht ein edles Wohlwollen das sittliche Gleichgewicht herstellt.

Bei leichter Ber¸hrbarkeit entwickelte sich alles von innen bei ihm
heraus; durch best‰ndigen Konflikt unterschied er das Wahre vom
Falschen, hielt am ersten fest und verhielt sich gegen das andere
r¸cksichtslos.

Er f¸hlte einen entschiedenen Hafl gegen Ernst, weil er didaktisch
und dogmatisch ist und gar leicht pedantisch wird, wogegen er den
entschiedensten Abscheu hegte. Daher seine Abneigung gegen
Terminologie.

Bei den vielfachsten Studien und Lekt¸re entdeckte er ¸berall das
Unzul‰ngliche und L‰cherliche.

Shandeism nennt er die Unmˆglichkeit ¸ber einen ernsten Gegenstand
zwei Minuten zu denken.

Dieser schnelle Wechsel von Ernst und Scherz, von Anteil und
Gleichg¸ltigkeit, von Leid und Freude soll in dem irl‰ndischen
Charakter liegen.

Sagazit‰t und Penetration sind bei ihm grenzenlos.

Seine Heiterkeit, Gen¸gsamkeit, Duldsamkeit auf der Reise, wo diese
Eigenschaften am meisten gepr¸ft werden, finden nicht leicht
ihresgleichen.

So sehr uns der Anblick einer freien Seele dieser Art ergetzt,
ebensosehr werden wir gerade in diesem Fall erinnert, dafl wir von
allem dem, wenigstens von dem meisten, was uns entz¸ckt, nichts in
uns aufnehmen d¸rfen.

Das Element der L¸sternheit, in dem er sich so zierlich und sinnig
benimmt, w¸rde vielen andern zum Verderben gereichen.

Das Verh‰ltnis zu seiner Frau wie zur Welt ist betrachtenswert.
"Ich habe mein Elend nicht wie ein weiser Mann benutzt", sagt er
irgendwo.

Er scherzt gar anmutig ¸ber die Widerspr¸che, die seinen Zustand
zweideutig machen.

"Ich kann das Predigen nicht vertragen, ich glaube, ich habe in
meiner Jugend mich daran ¸bergessen."

Er ist in nichts ein Muster und in allem ein Andeuter und Erwecker.

"Unser Anteil an ˆffentlichen Angelegenheiten ist meist nur
Philisterei."

"Nichts ist hˆher zu sch‰tzen als der Wert des Tages."

"Pereant, qui, ante nos, nostra dixerunt!" So wunderlich kˆnnte nur
derjenige sprechen, der sich einbildete, ein Autochthon zu sein. Wer
sich's zur Ehre h‰lt, von vern¸nftigen Vorfahren abzustammen, wird
ihnen doch wenigstens ebensoviel Menschensinn zugestehn als sich
selbst.

Die originalsten Autoren der neusten Zeit sind es nicht deswegen,
weil sie etwas Neues hervorbringen, sondern allein weil sie f‰hig
sind, dergleichen Dinge zu sagen, als wenn sie vorher niemals w‰ren
gesagt gewesen.

Daher ist das schˆnste Zeichen der Originalit‰t, wenn man einen
empfangenen Gedanken dergestalt fruchtbar zu entwickeln weifl, dafl
niemand leicht, wie viel in ihm verborgen liege, gefunden h‰tte.

Viele Gedanken heben sich erst aus der allgemeinen Kultur hervor wie
die Bl¸ten aus den gr¸nen Zweigen. Zur Rosenzeit sieht man Rosen
¸berall bl¸hen.

Eigentlich kommt alles auf die Gesinnungen an; wo diese sind, treten
auch die Gedanken hervor, und nachdem sie sind, sind auch die
Gedanken.

"Nichts wird leicht ganz unparteiisch wieder dargestellt. Man
kˆnnte sagen: hievon mache der Spiegel eine Ausnahme, und doch sehen
wir unser Angesicht niemals ganz richtig darin; ja der Spiegel kehrt
unsre Gestalt um und macht unsre linke Hand zur rechten. Dies mag ein
Bild sein f¸r alle Betrachtungen ¸ber uns selbst."

Im Fr¸hling und Herbst denkt man nicht leicht ans Kaminfeuer, und
doch geschieht es, dafl, wenn wir zuf‰llig an einem vorbeigehen, wir
das Gef¸hl, das es mitteilt, so angenehm finden, dafl wir ihm wohl
nachh‰ngen mˆgen. Dies mˆchte mit jeder Versuchung analog sein.

"Sei nicht ungeduldig, wenn man deine Argumente nicht gelten l‰flt."

Wer lange in bedeutenden Verh‰ltnissen lebt, dem begegnet freilich
nicht alles, was dem Menschen begegnen kann; aber doch das Analoge
und vielleicht einiges, was ohne Beispiel war.

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