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West-�stlicher Divan by Johann Wolfgang Goethe

Part 3 out of 3

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Der Schenke (schl�frig)

So hab ich endlich von dir erharrt
In allen Elementen Gottes Gegenwart,
Wie du mir das so lieblich gibst!
Am lieblichsten aber, da� du liebst.

Hatem

Der schl�ft recht s�� und hat ein Recht, zu schlafen,
Du guter Knabe, hast mir eingeschenkt,
Vom Freund und Lehrer, ohne Zwang und Strafen,
So jung vernommen, wie der Alte denkt.
Nun aber kommt Gesundheit holder F�lle
Dir in die Glieder, da� du dich erneust.
Ich trinke noch, bin aber stille, stille,
Damit du mich, erwachend nicht, erfreust.

Buch der Parabeln

Mathal Nameh: Buch der Parabeln
Vom Himmel sank

Vom Himmel sank in wilder Meere Schauer
Ein Tropfe bangend, gr��lich schlug die Flut;
Doch lohnte Gott bescheidnen Glaubensmut
Und gab dem Tropfen Kraft und Dauer.
Ihn schlo� die stille Muschel ein.
Und nun, zu ewgem Ruhm und Lohne,
Die Perle gl�nzt an unsers Kaisers Krone
Mit holdem Blick und mildem Schein.

Bulbuls Nachtlied

Bulbuls Nachtlied durch die Schauer
Drang zu Allahs lichtem Throne,
Und dem Wohlgesang zu Lohne
Sperrt er sie in goldnen Bauer.
Dieser sind des Menschen Glieder.
Zwar sie f�hlet sich beschr�nket,
Doch wenn sie es recht bedenket,
Singt das Seelchen immer wieder.

Wunderglaube

Zerbrach einmal eine sch�ne Schal
Und wollte schier verzweifeln;
Unart und �bereil zumal
W�nscht ich zu allen Teufeln.

Erst rast ich aus, dann weint ich weich
Beim traurigen Scherbelesen.
Das jammerte Gott, er schuf es gleich
So ganz, als wie es gewesen.

Die Perle, die der Muschel entrann

Die Perle, die der Muschel entrann,
Die sch�nste, hochgeboren,
Zum Juwelier, dem guten Mann,
Sprach sie: "Ich bin verloren!
Durchbohrst du mich, mein sch�nes All,
Es ist sogleich zerr�ttet;
Mit Schwestern mu� ich, Fall f�r Fall,
Zu schlechten sein gek�ttet."

"Ich denke jetzt nur an Gewinn;
Du mu�t es mir verzeihen;
Denn wenn ich hier nicht grausam bin,
Wie soll die Schnur sich reihen?"

Pfauenfeder

Ich sah mit Staunen und Vergn�gen
Eine Pfauenfeder im Koran liegen,
"Willkommen an dem heilgen Platz,
Der Erdgebilde h�chster Schatz!
An dir, wie an des Himmels Sternen
Ist Gottes Gr��e im kleinen zu lernen
Da� er, der Welten �berblickt,
Sein Auge hier hat aufgedr�ckt,
Und so den leichten Flaum geschm�ckt,
Da� K�nige kaum unternahmen,
Die Pracht des Vogels nachzuahmen.
Bescheiden freue dich des Ruhms!
So bist du wert des Heiligtums."

Ein Kaiser hatte zwei Kassiere

Ein Kaiser hatte zwei Kassiere,
Einen zum Nehmen, einen zum Spenden;
Diesem fiel's nur so aus den H�nden,
Jener wu�te nicht, woher zu nehmen.
Der Spender starb. Der Herrscher wu�te nicht gleich,
Wem das Geberamt sei anzuvertrauen,
Und wie man kaum t�t um sich schauen,
So war der Nehmer unendlich reich;
Man wu�te kaum vor Gold zu leben,
Weil man einen Tag nichts ausgegeben.
Da ward nun erst dem Kaiser klar,
Was schuld an allem Unheil war.
Den Zufall wu�t er wohl zu sch�tzen,
Nie wieder die Stelle zu besetzen.

Zum Kessel sprach der neue Topf

Zum Kessel sprach der neue Topf:
"Was hast du einen schwarzen Bauch!"
"Das ist bei uns nun K�chenbrauch!"
Herbei, herbei, du glatter Tropf,
Bald wird dein Stolz sich mindern.
Beh�lt der Henkel ein klar Gesicht,
Darob erhebe du dich nicht,
Besieh nur deinen Hintern."

Alle Menschen, gro� und klein

Alle Menschen, gro� und klein,
Spinnen sich ein Gewebe fein,
Wo sie mit ihrer Scheren Spitzen
Gar zierlich in der Mitte sitzen.
Wenn nun darein ein Besen f�hrt,
Sagen sie, es sei unerh�rt,
Man habe den gr��ten Palast zerst�rt.

Vom Himmel steigend Jesus bracht'

Vom Himmel steigend Jesus bracht'
Des Evangeliums ewige Schrift,
Den J�ngern las er sie Tag und Nacht,
Ein g�ttlich Wort, es wirkt und trifft.
Er stieg zur�ck, nahm's wieder mit;
Sie aber hatten's gut gef�hlt,
Und jeder schrieb, so Schritt f�r Schritt,
Wie er's in seinem Sinn behielt,
Verschieden. Es hat nichts zu bedeuten:
Sie hatten nicht gleiche F�higkeiten;
Doch damit k�nnen sich die Christen
Bis zu dem J�ngsten Tage fristen.

Es ist gut

Bei Mondenschein im Paradeis
Fand Jehovah im Schlafe tief
Adam versunken, legte leis
Zur Seit ein Evchen, das auch entschlief.
Da lagen nun in Erdeschranken
Gottes zwei lieblichste Gedanken--
"Gut!!!" rief er sich zum Meisterlohn,
Er ging sogar nicht gern davon.

Kein Wunder, da� es uns ber�ckt,
Wenn Auge frisch in Auge blickt,
Als h�tten wir's so weit gebracht,
Bei dem zu sein, der uns gedacht.
Und ruft er uns, wohlan, es sei!
Nur, das beding ich, alle zwei!
Dich halten dieser Arme Schranken,
Liebster von allen Gottesgedanken.

Buch des Parsen

Parsi Nameh: Buch des Parsen
Verm�chtnis altpersischen Glaubens

Welch Verm�chtnis, Br�der, sollt euch kommen
Von dem Scheidenden, dem armen Frommen,
Den ihr J�ngeren geduldig n�hrtet,
Seine letzten Tage pflegend ehrtet?

Wenn wir oft gesehn den K�nig reiten,
Gold an ihm und Gold an allen Seiten,
Edelstein' auf ihn und seine Gro�en
Ausges�t wie dichte Hagelschlossen:

Habt ihr jemals ihn darum beneidet?
Und nicht herrlicher den Blick geweidet,
Wenn die Sonne sich auf Morgenfl�geln
Darnawends unz�hlgen Gipfelh�geln

Bogenhaft hervorhob? Wer enthielte
Sich des Blicks dahin? Ich f�hlte, f�hlte
Tausendmal in soviel Lebenstagen
Mich mit ihr, der kommenden, getragen,

Gott auf seinem Throne zu erkennen,
Ihn den Herrn des Lebensquells zu nennen,
Jenes hohen Anblicks wert zu handeln
Und in seinem Lichte fortzuwandeln.

Aber stieg der Feuerkreis vollendet,
Stand ich als in Finsternis geblendet,
Schlug den Busen, die erfrischten Glieder
Warf ich, Stirn voran, zur Erde nieder.

Und nun sei ein heiliges Verm�chtnis
Br�derlichem Wollen und Ged�chtnis:
Schwerer Dienste t�gliche Bewahrung,
Sonst bedarf es keiner Offenbarung.

Regt ein Neugeborner fromme H�nde,
Da� man ihn sogleich zur Sonne wende,
Tauche Leib und Geist im Feuerbade!
F�hlen wird er jeden Morgens Gnade.

Dem Lebendgen �bergebt die Toten,
Selbst die Tiere deckt mit Schutt und Boden,
Und, so weit sich eure Kraft erstrecket,
Was euch unrein d�nkt, es sei bedecket!

Grabet euer Feld ins zierlich Reine,
Da� die Sonne gern den Flei� bescheine;
Wenn ihr B�ume pflanzt, so sei's in Reihen
Denn sie l��t Geordnetes gedeihen.

Auch dem Wasser darf es in Kan�len
Nie am Laufe, nie an Reine fehlen;
Wie euch Senderud aus Bergrevieren
Rein entspringt, soll er sich rein verlieren.

Sanften Fall des Wassers nicht zu schw�chen,
Sorgt, die Gr�ben flei�ig auszustechen;
Rohr und Binse, Molch und Salamander,
Ungesch�pfe, tilgt sie miteinander!

Habt ihr Erd und Wasser so im Reinen,
Wird die Sonne gern durch L�fte scheinen,
Wo sie, ihrer w�rdig aufgenommen,
Leben wirkt, dem Leben Heil und Frommen.

Ihr, von M�h zu M�he so gepeinigt,
Seid getrost! nun ist das All gereinigt,
Und nun darf der Mensch als Priester wagen,
Gottes Gleichnis aus dem Stein zu schlagen.

Wo die Flamme brennt, erkennet freudig:
Hell ist Nacht, und Glieder sind geschmeidig,
An des Herdes raschen Feuerkr�ften
Reift das Rohe Tier- und Pflanzens�ften.

Schleppt ihr Holz herbei, so tuts mit Wonne!
Denn ihr tragt den Samen irdscher Sonne,
Pfl�ckt ihr Pambeh, m�gt ihr traulich sagen:
"Diese wird als Docht das Heilge tragen."

Werdet ihr in jeder Lampe Brennen
Fromm den Abglanz h�hern Lichts erkennen,
Soll euch nie ein Mi�geschick verwehren
Gottes Thron am Morgen zu verehren.

Da ist unsers Daseins Kaisersiegel,
Uns und Engeln reiner Gottesspiegel,
Und was nur am Lob des H�chsten stammelt
Ist in Kreis um Kreise dort versammelt.

Will dem Ufer Senderuds entsagen,
Auf zum Darnawend die Fl�gel schlagen,
Wie sie tagt, ihr freudig zu begegnen
Und von dorther ewig euch zu segnen.

Wenn der Mensch die Erde sch�tzet

Wenn der Mensch die Erde sch�tzet,
Weil die Sonne sie bescheinet,
An der Rebe sich erg�tzet,
Die dem scharfen Messer weinet,
Da sie f�hlt, da� ihre S�fte,
Wohlgekocht, die Welt erquickend,
Werden regsam vielen Kr�ften,
Aber mehreren erstickend--
Wei� er das der Glut zu danken,
Die das alles l��t gedeihen,
Wird Betrunkner stammelnd wanken,
M��ger wird sich singend freuen.

Buch des Paradieses

Chuld Nameh: Buch des Paradieses
Vorschmack

Der echte Moslem spricht vom Paradiese,
Als wenn er selbst allda gewesen w�re;
Er glaubt dem Koran, wie es der verhie�e:
Hierauf begr�ndet sich die reine Lehre.

Doch der Prophet, Verfasser jenes Buches,
Wei� unsre M�ngel droben auszuwittern,
Und sieht, da� trotz dem Donner seines Fluches
Die Zweifel oft den Glauben uns verbittern.

Deshalb entsendet er den ewgen R�umen
Ein Jugendmuster, alles zu verj�ngen;
Sie schwebt heran und fesselt ohne S�umen
Um meinen Hals die allerliebsten Schlingen.

Auf meinem Scho�, an meinem Herzen halt ich
Das Himmelswesen, mag nichts weiter wissen,
Und glaube nun ans Paradies gewaltig;
Denn ewig m�cht ich sie so treulich k�ssen.

Berechtigte M�nner

(Nach der Schlacht von Bedr, unterm Sternenhimmel)

Mahomet spricht:

Seine Toten mag der Feind betrauern:
Denn sie liegen ohne Wiederkehren;
Unsre Br�der sollt ihr nicht bedauern:
Denn sie wandeln �ber jenen Sph�ren.

Die Planeten haben alle sieben
Die metallnen Tore weit getan,
Und schon klopfen die verkl�rten Lieben
Paradieses Pforten k�hnlich an.

Finden, ungehofft und �bergl�cklich,
Herrlichkeiten, die mein Flug ber�hrt,
Als das Wunderpferd mich augenblicklich
Durch die Himmel alle durchgef�hrt.

Weisheitsbaum an Baum, zypresseragend,
Heben �pfel goldner Zierd empor;
Lebensb�ume, breite Schatten schlagend,
Decken Blumensitz und Kr�uterflor.

Und nun bringt ein s��er Wind von Osten
Hergef�hrt die Himmels-M�dchen-Schar;
Mit den Augen f�ngst du an zu kosten,
Schon der Anblick s�ttigt ganz und gar.

Forschend stehn sie, was du unternahmst?
Gro�e Plane? f�hrlich blutgen Strau�?
Da� du Held seist, sehn sie, weil du kamest;
Welch ein Held du seist, sie forschen's aus.

Und sie sehn es bald an deiner Wunden,
Die sich selbst ein Ehrendenkmal schreibt.
Gl�ck und Hoheit, alles ist verschwunden,
Nur die Wunde f�r den Glauben bleibt.

F�hren zu Kiosken dich und Lauben,
S�ulenreich von buntem Lichtgestein,
Und zu edlem Saft verkl�rter Trauben
Laden sie mit Nippen freundlich ein.

J�ngling, mehr als J�ngling, bist willkommen!
Alle sind wie alle licht und klar;
Hast du eine dir ans Herz genommen,
Herrin, Freundin ist sie deiner Schar.

Doch die allertrefflichste gef�llt sich
Keineswegs in solchen Herrlichkeiten;
Heiter, neidlos, redlich unterh�lt dich
Von den mannigfaltgen Trefflichkeiten.

Eine f�hrt dich zu der andern Schmause,
Den sich jede �u�erst ausersinnt;
Viele Frauen hast und Ruh im Hause,
Wert, da� man darob das Paradies gewinnt,

Und so schicke dich in diesen Frieden:
Denn du kannst ihn weiter nicht vertauschen;
Solche M�dchen werden nicht erm�den,
Solche Weine werden nicht berauschen.

Und so war das Wenige zu melden,
Wie der selge Musulman sich br�stet:
Paradies der M�nner Glaubenshelden
Ist hiemit vollkommen ausger�stet.

Auserw�hlte Frauen

Frauen sollen nichts verlieren,
Reiner Treue ziemt zu hoffen;
Doch wir wissen nur von vieren,
Die alldort schon eingetroffen.

Erst Suleika, Erdensonne,
Gegen Jussuf ganz Begierde;
Nun, des Paradieses Wonne,
Gl�nzt sie, der Entsagung Zierde.

Dann die Allgebenedeite,
Die den Heiden Heil geboren
Und get�uscht, in bittrem Leide
Sah den Sohn am Kreuz verloren.

Mahoms Gattin auch, sie baute
Wohlfahrt ihm und Herrlichkeiten,
Und empfahl bei Lebenszeiten
Einen Gott und eine Traute.

Kommt Fatima dann, die Holde,
Tochter, Gattin sonder Fehle,
Englisch allerreinste Seele
In dem Leib von Honiggolde.

Diese finden wir alldorten;
Und wer Frauenlob gepriesen,
Der verdient an ewgen Orten
Lustzuwandeln wohl mit diesen.

Einla�

Huri

Heute steh ich meine Wache
Vor des Paradieses Thor;
Wei� nicht grade, wie ich's mache;
Kommst mir so verd�chtig vor!

Ob du unsern Mosleminen
Auch recht eigentlich verwandt?
Ob dein K�mpfen, dein Verdienen
Dich ans Paradies gesandt?

Z�hlst du dich zu jenen Helden?
Zeige deine Wunden an,
Die mir R�hmliches vermelden,
Und ich f�hre dich heran.

Dichter

Nicht so vieles Federlesen!
La� mich immer nur herein:
Denn ich bin ein Mensch gewesen
Und das hei�t ein K�mpfer sein.

Sch�rfe deine kr�ftgen Blicke!
Hier durchschaue diese Brust,
Sieh der Lebenswunden T�cke,
Sieh der Liebeswunden Lust!

Und doch sang ich gl�ubger Weise,
Da� mir die Geliebte treu,
Da� die Welt, wie sie auch kreise,
Liebevoll und dankbar sei.

Mit den Trefflichsten zusammen
Wirkt ich, bis ich mir erlangt,
Da� mein Nam in Liebesflammen
Von den sch�nsten Herzen prangt.

Nein! du w�hlst nicht den Geringern!
Gib die Hand, da� Tag f�r Tag
Ich an deinen zarten Fingern
Ewigkeiten z�hlen mag.

Anklang

Huri

Drau�en am Orte,
Wo ich dich zuerst sprach,
Wacht ich oft an der Pforte,
Dem Gebote nach.
Da h�rt ich ein wunderlich Ges�usel,
Ein Ton- und Silbengekr�usel;
Das wollte herein,
Niemand aber lie� sich sehen,
Da verklang es klein zu klein;
Es klang aber fast wie deine Lieder,
Das erinnr ich mich wieder.

Dichter

Ewig Geliebte! wie zart
Erinnerst du dich deines Trauten!
Was auch in irdischer Luft und Art
F�r T�ne lauten,
Die wollen alle herauf;
Viele verklingen da unten zu Hauf;
Andere mit Geistes Flug und Lauf,
Wie das Fl�gel-Pferd des Propheten,
Steigen empor und fl�ten
Drau�en an dem Tor.
Kommt deinen Gespielen so etwas vor,
So sollen sie's freundlich vermerken,
Das Echo lieblich verst�rken,
Da� es wieder hinunter halle,
Und sollen Acht haben,
Da� in jedem Falle,
Wenn er kommt, seine Gaben
Jedem zugute kommen:
Das wird beiden Welten frommen.

Sie m�gen's ihm freundlich lohnen,
Auf liebliche Weise f�gsam;
Sie lassen ihn mit sich wohnen:
Alle Guten sind gen�gsam.

Du aber bist mir beschieden,
Dich la� ich nicht aus dem ewigen Frieden;
Auf die Wache sollst du nicht ziehn.
Schick eine ledige Schwester dahin!

Dichter

Deine Liebe, dein Ku� mich entz�ckt!
Geheimnisse mag ich nicht erfragen;
Doch sag mir, ob du an irdischen Tagen
Jemals teilgenommen!
Mir ist oft so vorgekommen.
Ich wollt es beschw�ren, ich wollt es beweisen:
Du hast einmal Suleika gehei�en.

Huri

Wir sind aus den Elementen geschaffen,
Aus Wasser, Feuer, Erd und Luft,
Unmittelbar, und irdischer Duft
Ist unserm Wesen ganz zuwider.
Wir steigen nie zu euch hernieder;
Doch wenn ihr kommt, bei uns zu ruhn,
Da haben wir genug zu tun.

Denn, siehst du, wie die Gl�ubigen kamen,
Von dem Propheten so wohl empfohlen,
Besitz vom Paradiese nahmen,
Da waren wir, wie er befohlen,
So liebensw�rdig, so charmant,
Wie uns die Engel selbst nicht gekannt.

Allein der erste, zweite, dritte,
Die hatten vorher eine Favorite;
Gegen uns waren's garstige Dinger,
Sie aber hielten uns doch geringer.
Wir waren reizend, geistig, munter,
Die Moslems wollten wieder hinunter.

Nun war uns himmlisch Hochgebornen
Ein solch Betragen ganz zuwider;
Wir aufgewiegelten Verschwornen
Besannen uns schon hin und wieder,
Als der Prophet durch alle Himmel fuhr,
Da pa�ten wir auf seine Spur.
R�ckkehrend hatt' er sich's nicht versehn,
Das Fl�gel-Pferd, es mu�te stehn.

Da hatten wir ihn in der Mitte!--
Freundlich ernst, nach Propheten-Sitte,
Wurden wir k�rzlich von ihm beschieden;
Wir aber waren sehr unzufrieden.
Denn seine Zwecke zu erreichen,
Sollten wir eben alles lenken;
So wie ihr d�chtet, sollten wir denken,
Wir sollten euren Liebchen gleichen.

Unsre Eigenliebe ging verloren,
Die M�dchen krauten hinter den Ohren.
Doch, dachten wir, im ewigen Leben
Mu� man sich eben in alles ergeben.

Nun sieht ein jeder, was er sah,
Und ihm geschieht, was ihm geschah.
Wir sind die Blonden, wir sind die Braunen,
Wir haben Grillen und haben Launen,

Ja, wohl auch manchmal eine Flause,
Ein jeder denkt, er sei zu Hause.
Und wir dar�ber sind frisch und froh,
Da� sie meinen, es w�re so.

Du aber bist von freiem Humor,
Ich komme dir paradiesisch vor;
Du gibst dem Blick, dem Ku� die Ehre,
Und wenn ich auch nicht Suleika w�re.
Doch da sie gar zu lieblich war,
So glich sie mir wohl auf ein Haar.

Dichter

Du blendest mich mit Himmelsklarheit;
Es sei nun T�uschung oder Wahrheit,
Genug, ich bewundre dich vor allen.
Um ihre Pflicht nicht zu vers�umen,
Um einem Deutschen zu gefallen,
Spricht eine Huri in Knittelreimen.

Huri

Ja, reim auch du nur unverdrossen,
Wie es dir aus der Seele steigt!
Wir paradiesische Genossen
Sind Wort und Taten reinen Sinns geneigt.
Die Tiere, wei�t du, sind nicht ausgeschlossen,
Die sich gehorsam, die sich treu erzeugt!
Ein derbes Wort kann Huri nicht verdrie�en;
Wir f�hlen, was vom Herzen spricht,
Und was aus frischer Quelle bricht,
Das darf im Paradiese flie�en.

Huri

Wieder einen Finger schl�gst du mir ein!
Wei�t du denn, wie viel �onen
Wir vertraut schon zusammen wohnen?

Dichter

Nein!--Will's auch nicht wissen. Nein!
Mannigfaltiger frischer Genu�,
Ewig br�utlich keuscher Ku�!--
Wenn jeder Augenblick mich durchschauert,
Was soll ich fragen, wie lang es gedauert!

Huri

Abwesend bist denn doch auch einmal;
Ich merk es wohl, ohne Ma� und Zahl.
Hast in dem Weltall nicht verzagt,
An Gottes Tiefen dich gewagt.
Nun sei der Liebsten auch gew�rtig!
Hast du nicht schon das Liedchen fertig?
Wie klang es drau�en an dem Tor?
Wie klingt's?--Ich will nicht st�rker in dich dringen,
Sing mir die Lieder an Suleika vor:
Denn weiter wirst du's doch im Paradies nicht bringen.

Beg�nstigte Tiere

Vier Tieren auch verhei�en war,
Ins Paradies zu kommen.
Dort leben sie das ew'ge Jahr
Mit Heiligen und Frommen.

Den Vortritt hier ein Esel hat;
Er kommt mit muntern Schritten:
Denn Jesus zur Prophetenstadt
Auf ihm ist eingeritten.

Halb sch�chtern kommt ein Wolf sodann,
Dem Mahomet befohlen:
"La� dieses Schaf dem armen Mann!
Dem Reichen magst du's holen."

Nun immer wedelnd, munter, brav,
Mit seinem Herrn, dem braven,
Das H�ndlein, das den Siebenschlaf
So treulich mit geschlafen.

Abuherriras Katze hier
Knurrt um den Herrn und schmeichelt.
Denn immer ist's ein heilig Tier,
Das der Prophet gestreichelt.

H�heres und H�chstes

Da� wir solche Dinge lehren,
M�ge man uns nicht bestrafen:
Wie das alles zu erkl�ren,
D�rft ihr euer Tiefstes fragen.

Und so werdet ihr vernehmen,
Da� der Mensch mit sich zufrieden,
Gern sein Ich gerettet s�he,
So dadroben wie hienieden.

Und mein liebes Ich bed�rfte
Mancherlei Bequemlichkeiten;
Freuden, wie ich hier sie schl�rfte,
W�nscht ich auch f�r ewge Zeiten.

So gefallen seine G�rten,
Blum und Frucht und h�bsche Kinder,
Die uns allen hier gefielen,
Auch verj�ngtem Geist nicht minder.

Und so m�cht ich alle Freunde,
Jung und alt, in eins versammeln,
Gar zu gern in deutscher Sprache
Paradieses Worte stammeln.

Doch man horcht nun Dialekten,
Wie sich Mensch und Engel kosen,
Der Grammatik, der versteckten,
Deklinierend Mohn und Rosen.

Mag man ferner auch in Blicken
Sich rhetorisch gern ergehen
Und zu himmlischem Entz�cken
Ohne Klang und Ton erh�hen.

Ton und Klang jedoch entbindet
Sich dem Worte selbstverst�ndlich,
Und entschiedener empfindet
Der Verkl�rte sich unendlich.

Ist somit dem F�nf der Sinne
Vorgesehn im Paradiese,
Sicher ist es, ich gewinne
Einen Sinn f�r alle diese.

Und nun dring ich aller Orten
Leichter durch die ewgen Kreise,
Die durchdrungen sind vom Worte
Gottes rein-lebendger Weise.

Ungehemmt mit hei�em Triebe
L��t sich da kein Ende finden,
Bis im Anschaun ewger Liebe
Wir verschweben, wir verschwinden.

Siebenschl�fer

Sechs Beg�nstigte des Hofes
Fliehen vor des Kaisers Grimme,
Der als Gott sich l��t verehren,
Doch als Gott sich nicht bew�hret:
Denn ihn hindert eine Fliege,
Guter Bissen sich zu freuen.
Seine Diener scheuchen wedelnd,
Nicht verjagen sie die Fliege.
Sie umschw�rmt ihn, sticht und irret
Und verwirrt die ganze Tafel,
Kehret wieder wie des h�m'schen
Fliegengottes Abgesandter.

"Nun",--so sagen sich die Knaben--
"Sollt ein Flieglein Gott verhindern?
Sollt ein Gott auch trinken, speisen,
Wie wir andern? Nein, der Eine,
Der die Sonn erschuf, den Mond auch,
Und der Sterne Glut uns w�lbte,
Dieser ist's, wir fliehn!"--Die zarten
Leicht beschuht-beputzten Knaben
Nimmt ein Sch�fer auf, verbirgt sie
Und sich selbst in Felsenh�hle.
Sch�ferhund, er will nicht weichen;
Weggescheucht, den Fu� zerschmettert,
Dr�ngt er sich an seinen Herrn
Und gesellt sich zum Verborgnen,
Zu den Lieblingen des Schlafes.

Und der F�rst, dem sie entflohen,
Liebentr�stet, sinnt auf Strafen,
Weiset ab so Schwert als Feuer;
In die H�hle sie mit Ziegeln
Und mit Kalk sie l��t vermauern.

Aber jene schlafen immer,
Und der Engel, ihr Besch�tzer,
Sagt vor Gottes Thron berichtend:
"So zur Rechten, so zur Linken
Hab ich immer sie gewendet,
Da� die sch�nen jungen Glieder
Nicht des Moders Qualm verletze.
Spalten ri� ich in die Felsen,
Da� die Sonne steigend, sinkend,
Junge Wangen frisch erneute:
Und so liegen sie beseligt.
Auch, auf heilen Vorderpfoten,
Schl�ft das H�ndlein s��en Schlummer."

Jahre fliehen, Jahre kommen,
Wachen endlich auf die Knaben,
Und die Mauer, die vermorschte,
Altershalber ist gefallen.
Und Jamblika sagt, der Sch�ne,
Ausgebildete vor allen,
Als der Sch�fer f�rchtend zaudert:
"Lauf ich hin und hol euch Speise,
Leben wag ich und das Goldst�ck!"--
Ephesus gar manches Jahr schon
Ehrt die Lehre des Propheten
Jesus. (Friede sei dem Guten!)

Und er lief, da war der Tore
Wart' und Turm und alles anders.
Doch zum n�chsten B�ckerladen
Wandt er sich nach Brot in Eile.
"Schelm!" so rief der B�cker, "hast du,
J�ngling, einen Schatz gefunden?
Gib mir, dich verr�t das Goldst�ck,
Mir die H�lfte zum Vers�hnen!"
Und sie hadern.--Vor den K�nig
Kommt der Handel; auch der K�nig
Will nur teilen wie der B�cker.

Nun bet�tigt sich das Wunder
Nach und nach aus hundert Zeichen.
An dem selbsterbauten Palast
Wei� er sich sein Recht zu sichern;
Denn ein Pfeiler durchgegraben
F�hrt zu scharfbenamsten Sch�tzen.
Gleich versammeln sich Geschlechter,
Ihre Sippschaft zu beweisen.
Und als Ururvater prangend
Steht Jamblikas Jugendf�lle.
Wie von Ahnherrn h�rt er sprechen
Hier von seinem Sohn und Enkeln;
Der Urenkel Schar umgibt ihn,
Als ein Volk von tapfern M�nnern,
Ihn, den j�ngsten, zu verehren.
Und ein Merkmal �bers andre
Dringt sich auf, Beweis vollendend,
Sich und den Gef�hrten hat er
Die Pers�nlichkeit best�tigt.

Nun zur H�hle kehrt er wieder;
Volk und K�nig ihn geleiten.--
Nicht zum K�nig, nicht zum Volke
Kehrt der Auserw�hlte wieder;
Denn die Sieben, die von lang her
(Achte waren's mit dem Hunde)
Sich von aller Welt gesondert,
Gabriels geheim Verm�gen
Hat, gem�� dem Willen Gottes,
Sie dem Paradies geeignet,
Und die H�hle schien vermauert.

Gute Nacht!

Nun, so legt euch, liebe Lieder,
An den Busen meinem Volke!
Und in einer Moschuswolke
H�te Gabriel die Glieder
Des Erm�deten gef�llig,
Da� er frisch und wohlerhalten,
Froh, wie immer, gern gesellig,
M�ge Felsenkl�fte spalten,
Um des Paradieses Weiten
Mit Heroen aller Zeiten
Im Genusse zu durchschreiten,
Wo das Sch�ne, stets das Neue,
Immer w�chst nach allen Seiten,
Da� die Unzahl sich erfreue.
Ja, das H�ndlein gar, das treue,
Darf die Herren hinbegleiten.

Book of the day: