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West-�stlicher Divan by Johann Wolfgang Goethe

Part 1 out of 3

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This etext was prepared by Michael Pullen, globaltraveler5565@yahoo.com.

West-�stlicher Divan

Johann Wolfgang Goethe

Inhalt:

Buch des S�ngers
Buch Hafis
Buch der Liebe
Buch der Betrachtungen
Buch des Unmuts
Buch der Spr�che
Buch des Timur
Buch Suleika
Das Schenkenbuch
Buch der Parabeln
Buch des Parsen
Buch des Paradieses

Buch des S�ngers

Moganni Nameh: Buch des S�ngers

Zwanzig Jahre lie� ich gehn
Und geno�, was mir beschieden;
Eine Reihe v�llig sch�n
Wie die Zeit der Barmekiden.

Hegire

Nord und West und S�d zersplittern,
Throne bersten, Reiche zittern:
Fl�chte du, im reinen Osten
Patriarchenluft zu kosten,
Unter Lieben, Trinken, Singen
Soll dich Chisers Quell verj�ngen.

Dort im Reinen und im Rechten
Will ich menschlichen Geschlechten
In des Ursprungs Tiefe dringen,
Wo sie noch von Gott empfingen
Himmelslehr' in Erdesprachen
Und sich nicht den Kopf zerbrachen.

Wo sie V�ter hoch verehrten,
Jeden fremden Dienst verwehrten;
Will mich freun der Jugendschranke:
Glaube weit, eng der Gedanke,
Wie das Wort so wichtig dort war,
Weil es ein gesprochen Wort war.

Will mich unter Hirten mischen,
An Oasen mich erfrischen,
Wenn mit Karawanen wandle,
Shawl, Kaffee und Moschus handle;
Jeden Pfad will ich betreten
Von der W�ste zu den St�dten.

B�sen Felsweg auf und nieder
Tr�sten, Hafis, deine Lieder,
Wenn der F�hrer mit Entz�cken
Von des Maultiers hohem R�cken
Singt, die Sterne zu erwecken
Und die R�uber zu erschrecken.

Will in B�dern und in Schenken,
Heilger Hafis, dein gedenken,
Wenn den Schleier Liebchen l�ftet,
Sch�ttelnd Ambralocken d�ftet.
Ja, des Dichters Liebesfl�stern
Mache selbst die Huris l�stern.

Wolltet ihr ihm dies beneiden
Oder etwa gar verleiden,
Wisset nur, da� Dichterworte
Um des Paradieses Pforte
Immer leise klopfend schweben,
Sich erbittend ewges Leben.

Segenspf�nder

Talisman in Karneol,
Gl�ubgen bringt er Gl�ck und Wohl;
Steht er gar auf Onyx' Grunde,
K�� ihn, mit geweihtem Munde!
Alles �bel treibt er fort,
Sch�tzet dich und sch�tzt den Ort:
Wenn das eingegrabne Wort
Allahs Namen rein verk�ndet,
Dich zu Lieb und Tat entz�ndet.
Und besonders werden Frauen
Sich am Talisman erbauen.

Amulette sind dergleichen
Auf Papier geschriebne Zeichen;
Doch man ist nicht im Gedr�nge
Wie auf edlen Steines Enge
Und verg�nnt ist frommen Seelen,
L�ngre Verse hier zu w�hlen.
M�nner h�ngen die Papiere
Gl�ubig um als Skapuliere.

Die Inschrift aber hat nichts hinter sich,
Sie ist sie selbst und mu� dir alles sagen,
Was hintendrein mit redlichem Behagen
Du gerne sagst: Ich sag' es! Ich!

Doch Abraxas bring ich selten!
Hier soll meist das Fratzenhafte,
Das ein d�strer Wahnsinn schaffte,
F�r das Allerh�chste gelten.
Sag' ich euch absurde Dinge,
Denkt, da� ich Abraxas bringe.

Ein Siegelring ist schwer zu zeichnen;
Den h�chsten Sinn im engsten Raum;
Doch wei�t du hier ein Echtes anzueignen,
Gegraben steht das Wort, du denkst es kaum.

Freisinn

La�t mich nur auf meinem Sattel gelten!
Bleibt in euren H�tten, euren Zelten!
Und ich reite froh in alle Ferne,
�ber meiner M�tze nur die Sterne.

Er hat euch die Gestirne gesetzt
Als Leiter zu Land und See,
Damit ihr euch daran ergetzt,
Stets blickend in die H�h'.

Talismane

Gottes ist der Orient!
Gottes ist der Occident!
Nord- und s�dliches Gel�nde
Ruht im Frieden seiner H�nde!

Er, der einzige Gerechte,
Will f�r jedermann das Rechte.
Sei von seinen hundert Namen
Dieser hochgelobet! Amen.

Mich verwirren will das Irren,
Doch du wei�t mich zu entwirren.
Wenn ich handle, wenn ich dichte,
Gib du meinem Weg die Richte!

Ob ich Ird'sches denk' und sinne,
Das gereicht zu h�herem Gewinne.
Mit dem Staube nicht der Geist zerstoben,
Dringet, in sich selbst gedr�ngt, nach oben.

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehn, sich ihrer entladen.
Jenes bedr�ngt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich pre�t,
Und dank ihm, wenn er dich wieder entl��t!

Vier Gnaden

Da� Araber an ihrem Teil
Die Weite froh durchziehen,
Hat Allah zu gemeinem Heil
Der Gnaden vier verliehen.

Den Turban erst, der besser schm�ckt
Als alle Kaiserkronen;
Ein Zelt, da� man vom Orte r�ckt,
Um �berall zu wohnen;

Ein Schwert, das t�chtiger besch�tzt
Als Fels und hohe Mauern;
Ein Liedchen, das gef�llt und n�tzt,
Worauf die M�dchen lauern.

Und Blumen sing ich ungest�rt
Von ihrem Shawl herunter;
Sie wei� recht wohl, was ihr geh�rt,
Und bleibt mir hold und munter,

Und Blum und Fr�chte wei� ich euch
Gar zierlich aufzutischen;
Wollt ihr Moralien zugleich,
So geb ich von den frischen.

Gest�ndnis

Was ist schwer zu verbergen? Das Feuer!
Denn bei Tage verr�t's der Rauch,
Bei Nacht die Flamme, das Ungeheuer.
Ferner ist schwer zu verbergen auch
Die Liebe: noch so stille gehegt,
Sie doch gar leicht aus den Augen schl�gt.
Am schwersten zu bergen ist ein Gedicht:
Man stellt es untern Scheffel nicht.
Hat es der Dichter frisch gesungen,
So ist er ganz davon durchdrungen;
Hat er es zierlich nett geschrieben,
Will er, die ganze Welt soll's lieben.
Er liest es jedem froh und laut,
Ob es uns qu�lt, ob es erbaut.

Elemente

Aus wie vielen Elementen
Soll ein echtes Lied sich n�hren,
Da� es Laien gern empfinden,
Meister es mit Freuden h�ren?

Liebe sei vor allen Dingen
Unser Thema, wenn wir singen;
Kann sie gar das Lied durchdringen,
Wird's um desto besser klingen.

Dann mu� Klang der Gl�ser t�nen
Und Rubin des Weins ergl�nzen:
Denn f�r Liebende, f�r Trinker
Winkt man mit den sch�nsten Kr�nzen.

Waffenklang wird auch gefodert,
Da� auch die Drommete schmettre;
Da�, wenn Gl�ck zu Flammen lodert,
Sich im Sieg der Held verg�ttre.

Dann zuletzt ist unerl��lich,
Da� der Dichter manches hasse;
Was unleidlich ist und h��lich,
Nicht wie Sch�nes leben lasse.

Wei� der S�nger, dieser Viere
Urgewalt'gen Stoff zu mischen,
Hafis gleich wird er die V�lker
Ewig freuen und erfrischen.

Erschaffen und Beleben

Hans Adam war ein Erdenklo�,
Den Gott zum Menschen machte,
Doch bracht' er aus der Mutter Scho�
Noch vieles Ungeschlachte.

Die Elohim zur Nas' hinein
Den besten Geist ihm bliesen,
Nun schien er schon was mehr zu sein
Denn er fing an zu niesen.

Doch mit Gebein und Glied und Kopf
Blieb er ein halber Klumpen,
Bis endlich Noah f�r den Tropf
Das Wahre fand--den Humpen.

Der Klumpe f�hlt sogleich den Schwung,
Sobald er sich benetzet,
So wie der Teig durch S�uerung
Sich in Bewegung setzet.

So, Hafis, mag dein holder Sang,
Dein heiliges Exempel
Uns f�hren bei der Gl�ser Klang
Zu unsres Sch�pfers Tempel.

Ph�nomen

Wenn zu der Regenwand
Ph�bus sich gattet,
Gleich steht ein Bogenrand
Farbig beschattet.

Im Nebel gleichen Kreis
Seh ich gezogen,
Zwar ist der Bogen wei�,
Doch Himmelsbogen.

So sollst du, muntrer Greis,
Dich nicht betr�ben:
Sind gleich die Haare wei�,
Doch wirst du lieben.

Liebliches

Was doch Buntes dort verbindet
Mir den Himmel mit der H�he?
Morgennebelung verblindet
Mir des Blickes scharfe Sehe.

Sind es Zelte des Wesires,
Die er lieben Frauen baute?
Sind es Teppiche des Festes,
Weil er sich der Liebsten traute?

Rot und wei�, gemischt, gesprenkelt
W��t ich Sch�nres nicht zu schauen.
Doch wie, Hafis, kommt dein Schiras
Auf des Nordens tr�be Gauen?

Ja, es sind die bunten Mohne,
Die sich nachbarlich erstrecken
Und dem Kriegesgott zu Hohne
Felder streifweis freundlich decken.

M�ge stets so der Gescheute
Nutzend Blumenzierde pflegen
Und ein Sonnenschein wie heute
Kl�ren sie auf meinen Wegen!

Zwiespalt

Wenn links am Baches Rand
Cupido fl�tet,
Im Felde rechter Hand
Mavors drommetet,
Da wird dorthin das Ohr
Lieblich gezogen,
Doch um des Liedes Flor
Durch L�rm betrogen.
Nun fl�tet's immer voll
Im Kriegestunder,
Ich werde rasend, toll--
Ist das ein Wunder?
Fort w�chst der Fl�tenton,
Schall der Posaunen,
Ich irre, rase schon--
Ist das zu staunen?

Im Gegenw�rtigen Vergangnes

Ros' und Lilie morgentaulich
Bl�ht im Garten meiner N�he;
Hintenan, bebuscht und traulich,
Steigt der Felsen in die H�he;
Und mit hohem Wald umzogen
Und mit Ritterschlo� gekr�net,
Lenkt sich hin des Gipfels Bogen,
Bis er sich dem Tal vers�hnet.

Und da duftet's wie vor Alters,
Da wir noch von Liebe litten
Und die Saiten meines Psalters
Mit dem Morgenstrahl sich stritten;
Wo das Jagdlied aus den B�schen
F�lle runden Tons enthauchte,
Anzufeuern, zu erfrischen,
Wie's der Busen wollt und brauchte.

Nun die W�lder ewig sprossen,
So ermutigt euch mit diesen:
Was ihr sonst f�r euch genossen,
L��t in andern sich genie�en.
Niemand wird uns dann beschreien,
Da� wir's uns alleine g�nnen;
Nun in allen Lebensreihen
M�sset ihr genie�en k�nnen.

Und mit diesem Lied und Wendung
Sind wir wieder bei Hafisen,
Denn es ziemt, des Tags Vollendung
Mit Genie�ern zu genie�en.

Lied und Gebilde

Mag der Grieche seinen Ton
Zu Gestalten dr�cken,
An der eignen H�nde Sohn
Steigern sein Entz�cken.

Aber uns ist wonnereich,
In den Euphrat greifen
Und im fl�ss'gen Element
Hin und wieder schweifen.

L�scht ich so der Seele Brand,
Lied, es wird erschallen:
Sch�pft des Dichters reine Hand,
Wasser wird sich ballen.

Dreistigkeit

Worauf kommt es �berall an,
Da� der Mensch gesundet?
Jeder h�ret gern den Schall an,
Der zum Ton sich rundet.

Alles weg, was deinen Lauf st�rt!
Nur kein d�ster Streben!
Eh' er singt und eh' er aufh�rt,
Mu� der Dichter leben.

Und so mag des Lebens Erzklang
Durch die Seele dr�hnen!
F�hlt der Dichter sich das Herz bang,
Wird sich selbst vers�hnen.

Derb und t�chtig

Dichten ist ein �bermut,
Niemand schelte mich!
Habt getrost ein warmes Blut
Froh und frei wie ich.

Sollte jeder Stunde Pein
Bitter schmecken mir,
W�rd ich auch bescheiden sein
Und noch mehr als ihr.

Denn Bescheidenheit ist fein,
Wenn das M�dchen bl�ht,
Sie will zart geworben sein,
Die den Rohen flieht.

Auch ist gut Bescheidenheit,
Spricht ein weiser Mann,
Der von Zeit und Ewigkeit
Mich belehren kann.

Dichten ist ein �bermut!
Treib es gern allein.
Freund' und Frauen, frisch von Blut,
Kommt nur auch herein!

M�nchlein ohne Kapp und Kutt,
Schwatz nicht auf mich ein!
Zwar du machest mich kaputt,
Nicht bescheiden, nein!

Deiner Phrasen leeres Was
Treibet mich davon,
Abgeschliffen hab ich das
An den Sohlen schon.

Wenn des Dichters M�hle geht,
Halte sie nicht ein:
Denn wer einmal uns versteht,
Wird uns auch verzeihn.

All-Leben

Staub ist eins der Elemente,
Das du gar geschickt bezwingest,
Hafis, wenn zu Liebchens Ehren
Du ein zierlich Liedchen singest.

Denn der Staub auf ihrer Schwelle
Ist dem Teppich vorzuziehen,
Dessen goldgewirkte Blumen
Mahmuds G�nstlinge beknieen.

Treibt der Wind von ihrer Pforte
Wolken Staubs behend vor�ber,
Mehr als Moschus sind die D�fte
Und als Rosen�l dir lieber.

Staub, den hab ich l�ngst entbehret
In dem stets umh�llten Norden,
Aber in dem hei�en S�den
Ist er mir genugsam worden.

Doch schon l�ngst, da� liebe Pforten
Mir auf ihren Angeln schwiegen!
Heile mich, Gewitterregen,
La� mich, da� es grunelt, riechen!

Wenn jetzt alle Donner rollen
Und der ganze Himmel leuchtet,
Wird der wilde Staub des Windes
Nach dem Boden hingefeuchtet.

Und sogleich entspring ein Leben,
Schwillt ein heilig heimlich Wirken,
Und es grunelt und es gr�net
In den irdischen Bezirken.

Selige Sehnsucht

Sagt es niemand, nur den Weisen,
Weil die Menge gleich verh�hnet:
Das Lebendige will ich preisen,
Das nach Flammentod sich sehnet.

In der Liebesn�chte K�hlung,
Die dich zeugte, wo du zeugtest,
�berf�llt dich fremde F�hlung,
Wenn die stille Kerze leuchtet.

Nicht mehr bleibest du umfangen
In der Finsternis Beschattung,
Und dich rei�et neu Verlangen
Auf zu h�herer Begattung.

Keine Ferne macht dich schwierig,
Kommst geflogen und gebannt,
Und zuletzt, des Lichts begierig,
Bist du Schmetterling verbrannt.

Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein tr�ber Gast
Auf der dunklen Erde.

Tut ein Schilf sich doch hervor,
Welten zu vers��en!
M�ge meinem Schreiberohr
Liebliches entflie�en!

Buch Hafis

Hafis Nameh: Buch Hafis

Sei das Wort die Braut genannt,
Br�utigam der Geist;
Diese Hochzeit hat gekannt,
Wer Hafisen preist.

Beiname

Dichter

Mohammed Schemseddin, sage,
Warum hat dein Volk, das hehre,
Hafis dich genannt?

Hafis

Ich ehre,
Ich erwidre deine Frage.
Weil in gl�cklichem Ged�chtnis
Des Korans geweiht Verm�chtnis
Unver�ndert ich verwahre,
Und damit so fromm gebare,
Des gemeinen Tages Schlechtnis
Weder mich noch die ber�hret,
Die Propheten-Wort und Samen
Sch�tzen, wie es sich geb�hret--
Darum gab man mir den Namen.

Dichter

Hafis, drum, so will mir scheinen,
M�cht ich dir nicht gerne weichen:
Denn, wenn wir wie andre meinen,
Werden wir den andern gleichen.
Und so gleich ich dir vollkommen,
Der ich unsrer heil'gen B�cher
Herrlich Bild an mich genommen,
Wie auf jenes Tuch der T�cher
Sich des Herren Bildnis dr�ckte,
Mich in stiller Brust erquickte
Trotz Verneinung, Hindrung, Raubens
Mit dem heitern Bild des Glaubens.

Anklage

Wi�t ihr denn, auf wen die Teufel lauern
In der W�ste, zwischen Fels und Mauern?
Und wie sie den Augenblick erpassen,
Nach der H�lle sie entf�hrend fassen?
L�gner sind es und der B�sewicht,
Der Poete, warum scheut er nicht,
Sich mit solchen Leuten einzulassen!

Wei� denn der, mit wem er geht und wandelt,
Er, der immer nur im Wahnsinn handelt?
Grenzenlos, von eigensinnigem Lieben,
Wird er in die �de fortgetrieben,
Seiner Klagen Reim', in Sand geschrieben,
Sind vom Winde gleich verjagt;
Er versteht nicht, was er sagt,
Was er sagt, wird er nicht halten.

Doch sein Lied, man l��t es immer walten,
Da es doch dem Koran widerspricht.
Lehret nun, ihr des Gesetzes Kenner,
Weisheit-fromme, hochgelahrte M�nner,
Treuer Mosleminen feste Pflicht.

Hafis insbesondre schaffet �rgernisse,
Mirza sprengt den Geist ins Ungewisse:
Saget, was man tun und lassen m�sse!

Fetwa

Hafis' Dichterz�ge, sie bezeichnen
Ausgemachte Wahrheit unausl�schlich;
Aber hie und da auch Kleinigkeiten
Au�erhalb der Grenze des Gesetzes.
Willst du sicher gehn, so mu�t du wissen
Schlangengift und Theriah zu sondern--
Doch der reinen Wollust edler Handlung
Sich mit frohem Mut zu �berlassen
Und vor solcher, der nur ew'ge Pein folgt,
Mit besonnenem Sinn sich zu verwahren,
Ist gewi� das Beste, um nicht zu fehlen.
Dieses schrieb der arme Ebusuud,
Gott verzeih' ihm seine S�nden alle!

Der Deutsche dankt

Heilger Ebusuud, hast's getroffen!
Solche Heil'ge w�nschet sich der Dichter:
Denn gerade jene Kleinigkeiten
Au�erhalb der Grenze des Gesetzes
Sind das Erbteil, wo er �berm�tig,
Selbst im Kummer lustig, sich beweget.
Schlangengift und Theriak mu�
Ihm das eine wie das andre scheinen.
T�ten wird nicht jenes, dies nicht heilen:
Denn das wahre Leben ist des Handelns
Ewge Unschuld, die sich so erweiset,
Da� sie niemand schadet als sich selber.
Und so kann der alte Dichter hoffen,
Da� die Huris ihn im Paradiese
Als verkl�rten J�ngling wohl empfangen.
Heiliger Ebusuud, hast's getroffen!

Fetwa

Der Mufti las des Misri Gedichte,
Eins nach dem andern, alle zusammen,
Und wohlbed�chtig warf sie in die Flammen.
Das sch�ngeschriebne Buch, es ging zunichte.
"Verbrannt sei jeder", sprach der hohe Richter,
"Wer spricht und glaubt wie Misri--er allein
Sei ausgenommen von des Feuers Pein:
Denn Allah gab die Gabe jedem Dichter.
Mi�braucht er sie im Wandel seiner S�nden,
So seh er zu, mit Gott sich abzufinden."

Unbegrenzt

Da� du nicht enden kannst, das macht dich gro�,
Und da� du nie beginnst, das ist dein Los.
Dein Lied ist drehend wie das Sterngew�lbe,
Anfang und Ende immerfort dasselbe,
Und, was die Mitte bringt, ist offenbar
Das, was zu Ende bleibt und Anfangs war.

Du bist der Freuden echte Dichterquelle
Und ungez�hlt entflie�t dir Well' auf Welle.
Zum K�ssen stets bereiter Mund,
Ein Brustgesang, der lieblich flie�et,
Zum Trinken stets gereizter Schlund,
Ein gutes Herz, das sich ergie�et.

Und mag die ganze Welt versinken,
Hafis mit dir, mit dir allein
Will ich wetteifern! Lust und Pein
Sei uns, den Zwillingen, gemein!
Wie du zu lieben und zu trinken,
Das soll mein Stolz, mein Leben sein.

Nun t�ne Lied mit eignem Feuer!
Denn du bist �lter, du bist neuer.

Nachbildung

In deine Reimart hoff ich mich zu finden,
Das Wiederholen soll mir auch gefallen,
Erst werd ich Sinn, sodann auch Worte finden;
Zum zweitenmal soll mir kein Klang erschallen,
Er m��te denn besondern Sinn begr�nden,
Wie du's vermagst, Beg�nstigter vor allen!
Denn wie ein Funke f�hig, zu entz�nden
Die Kaiserstadt, wenn Flammen grimmig wallen,
Sich winderzeugend gl�hn von eignen Winden,
Er, schon erloschen, schwand zu Sternenhallen:
So schlang's von dir sich fort mit ew'gen Gluten,
Ein deutsches Herz von frischem zu ermuten.

Zugeme�ne Rhythmen reizen freilich,
Das Talent erfreut sich wohl darin,
Doch wie schnelle widern sie abscheulich,
Hohle Masken ohne Blut und Sinn.
Selbst der Geist erscheint sich nicht erfreulich,
Wenn er nicht, auf neue Form bedacht,
Jener toten Form ein Ende macht.

Offenbar Geheimnis

Sie haben dich, heiliger Hafis,
Die mystische Zunge genannt
Und haben, die Wortgelehrten,
Den Wert des Worts nicht erkannt.

Mystisch hei�est du ihnen,
Weil sie N�rrisches bei dir denken
Und ihren unlautern Wein
In deinem Namen verschenken.

Du aber bist mystisch rein,
Weil sie dich nicht verstehn,
Der du, ohne fromm zu sein, selig bist!
Das wollen sie dir nicht zugestehn.

Wink

Und doch haben sie recht, die ich schelte:
Denn, da� ein Wort nicht einfach gelte,
Das m��te sich wohl von selbst verstehn.
Das Wort ist ein F�cher! Zwischen den St�ben
Blicken ein paar sch�ne Augen hervor,
Der F�cher ist nur ein lieblicher Flor,
Er verdeckt mir zwar das Gesicht,
Aber das M�dchen verbirgt er nicht,
Weil das Sch�nste, was sie besitzt,
Das Auge, mir ins Auge blitzt.

An Hafis

Was alle wollen, wei�t du schon
Und hast es wohl verstanden:
Denn Sehnsucht h�lt, von Staub zu Thron
Uns all in strengen Banden.

Es tut so weh, so wohl hernach,
Wer str�ubte sich dagegen?
Und wenn den Hals der eine brach,
Der andre bleibt verwegen.

Verzeihe, Meister, wie du wei�t,
Da� ich mich oft vermesse,
Wenn sie das Auge nach sich rei�t,
Die wandelnde Cypresse.

Wie Wurzelfasern schleicht ihr Fu�
Und buhlet mit dem Boden,
Wie leicht Gew�lk verschmilzt ihr Gru�,
Wie Ost-Gekos' ihr Oden.

Das alles dr�ngt uns ahndevoll,
Wo Lock an Locke kr�uselt,
In brauner F�lle ringelnd schwoll,
Sodann im Winde s�uselt.

Nun �ffnet sich die Stirne klar,
Dein Herz damit zu gl�tten,
Vernimmst ein Lied so froh und wahr,
Den Geist darin zu betten.

Und wenn die Lippen sich dabei
Aufs niedlichste bewegen,
Sie machen dich auf einmal frei,
In Fesseln dich zu legen.

Der Atem will nicht mehr zur�ck,
Die Seel zur Seele fliehend,
Ger�che winden sich durchs Gl�ck
Unsichtbar wolkig ziehend.

Doch wenn es allgewaltig brennt,
Dann greifst du nach der Schale:
Der Schenke l�uft, der Schenke k�mmt
Zum erst- und zweiten Male.

Sein Auge blitzt, sein Herz erbebt,
Er hofft auf deine Lehren,
Dich, wenn der Wein den Geist erhebt,
Im h�chsten Sinn zu h�ren.

Ihm �ffnet sich der Welten Raum,
Im Innern Heil und Orden,
Es schwillt die Brust, es br�unt der Flaum,
Er ist ein J�ngling worden.

Und wenn dir kein Geheimnis blieb,
Was Herz und Welt enthalte,
Dem Denker winkst du treu und lieb,
Da� sich der Sinn entfalte.

Auch da� vom Throne F�rstenhort
Sich nicht f�r uns verliere.
Gibst du dem Schah ein gutes Wort
Und gibst es dem Wesire.

Das alles kennst und singst du heut
Und singst es morgen eben:
So tr�gt uns freundlich dein Geleit
Durchs rauhe, milde Leben.

Buch der Liebe

Ushk Nameh: Buch der Liebe

Sage mir,
Was mein Herz begehrt?

"Mein Herz ist bei dir,
Halt es wert!"

Musterbilder

H�r und bewahre
Sechs Liebespaare!
Wortbild entz�ndet, Liebe sch�rt zu:
Rustan und Rodawu.
Unbekannte sind sich nah:
Jussuph und Suleika.
Liebe, nicht Liebesgewinn:
Ferhad und Schirin.
Nur f�r einander da:
Medschnun und Leila.
Liebend im Alter sah
Dschemil auf Boteinah.
S��e Liebeslaune:
Salomo und die Braune!
Hast du sie wohl vermerkt?
Bist im Lieben gest�rkt.

Noch ein Paar

Ja, Lieben ist ein gro� Verdienst!
Wer findet sch�neren Gewinst?--
Du wirst nicht m�chtig, wirst nicht reich,
Jedoch den gr��ten Helden gleich.
Man wird so gut wie vom Propheten
Von Wamik und von Asra reden.--
Nicht reden wird man, wird sie nennen:
Die Namen m�ssen alle kennen.
Was sie getan, was sie ge�bt,
Das wei� kein Mensch! Da� sie geliebt,
Das wissen wir. Genug gesagt,
Wenn man nach Wamik und Asra fragt!

Lesebuch

Wunderlichstes Buch der B�cher
Ist das Buch der Liebe.
Aufmerksam hab ich's gelesen:
Wenig Bl�tter Freuden,
Ganze Hefte Leiden;
Einen Abschnitt macht die Trennung.
Wiedersehn! ein klein Kapitel,
Fragmentarisch. B�nde Kummers,
Mit Erkl�rungen verl�ngert,
Endlos, ohne Ma�.
O Nisami!--doch am Ende
Hast den rechten Weg gefunden:
Unaufl�sliches, wer l�st es?
Liebende, sich wiederfindend.

Ja, die Augen waren's

Ja, die Augen waren's, ja, der Mund,
Die mir blickten, die mich k��ten.
H�fte schmal, der Leib so rund,
Wie zu Paradieses L�sten!
War sie da? Wo ist sie hin?
Ja, sie war's, sie hat's gegeben,
Hat gegeben sich im Fliehn
Und gefesselt all mein Leben.

Gewarnt

Auch in Locken hab ich mich
Gar zu gern verfangen.
Und so, Hafis, w�r's wie dir
Deinem Freund ergangen.

Aber Z�pfe flechten sie,
Nun aus langen Haaren;
Unterm Helme fechten sie,
Wie wir wohl erfahren.

Wer sich aber wohl besann,
L��t sich so nicht zwingen:
Schwere Ketten f�rchtet man,
Rennt in leichte Schlingen.

Versunken

Voll Locken kraus ein Haupt so rund!
Und darf ich dann in solchen reichen Haaren
Mit vollen H�nden hin und wider fahren,
Da f�hl ich mich von Herzensgrund gesund.
Und k�� ich Stirne, Bogen, Auge, Mund,
Dann bin ich frisch und immer wieder wund.
Der f�nfgezackte Kamm, wo sollt er stocken?
Er kehrt schon wieder zu den Locken.
Das Ohr versagt sich nicht dem Spiel,
Hier ist nicht Fleisch, hier ist nicht Haut,
So zart zum Scherz, so liebeviel!
Doch wie man auf dem K�pfchen kraut,
Man wird in solchen reichen Haaren
F�r ewig auf und nieder fahren.
So hast du, Hafis, auch getan,
Wir fangen es von vornen an.

Bedenklich

Soll ich von Smaragden reden,
Die dein Finger niedlich zeigt?
Manchmal ist ein Wort von n�ten,
Oft ist's besser, da� man schweigt.

Also sag ich, da� die Farbe
Gr�n und augerquicklich sei!
Sage nicht, da� Schmerz und Narbe
Zu bef�rchten nah dabei!

Immerhin! du magst es lesen!
Warum �bst du solche Macht!
"So gef�hrlich ist dein Wesen
Als erquicklich der Smaragd."

Liebchen, ach! im starren Bande
Zw�ngen sich die freien Lieder,
Die im reinen Himmelslande
Munter flogen hin und wider.
Allem ist die Zeit verderblich,
Sie erhalten sich allein!
Jede Zeile soll unsterblich,
Ewig wie die Liebe sein.

Schlechter Trost

Mitternachts weint und schluchzt ich,
Weil ich dein entbehrte.
Da kamen Nachtgespenster
Und ich sch�mte mich.
"Nachtgespenster", sagt ich,
"Schluchzend und weinend
Findet ihr mich, dem ihr sonst
Schlafende vor�berzogt.
Gro�e G�ter vermi� ich.
Denkt nicht schlimmer von mir,
Den ihr sonst weise nanntet,
Gro�es �bel betrifft ihn!"--
Und die Nachtgespenster
Mit langen Gesichtern
Zogen vorbei,
Ob ich weise oder t�rig,
V�llig unbek�mmert.

Gen�gsam

"Wie irrig w�hntest du,
Aus Liebe geh�re das M�dchen dir zu.
Das k�nnte mich nun garnicht freuen,
Sie versteht sich auf Schmeicheleien."

Dichter

Ich bin zufrieden, da� ich's habe!
Mir diene zur Entschuldigung:
Liebe ist freiwillige Gabe,
Schmeichelei Huldigung.

Gru�

O wie selig ward mir!
Im Lande wandl ich,
Wo Hudhud �ber den Weg l�uft.
Des alten Meeres Muscheln
Im Stein sucht ich, die versteinten;
Hudhud lief einher,
Die Krone entfaltend,
Stolzierte, neckischer Art,
�ber das Tote scherzend
Der Lebendge.
"Hudhud", sagt ich, "f�rwahr!
Ein sch�ner Vogel bist du.
Eile doch, Wiedehopf!
Eile, der Geliebten
Zu verk�nden, da� ich ihr
Ewig angeh�re.
Hast du doch auch
Zwischen Salomo
Und Sabas K�nigin
Ehemals den Kuppler gemacht!"

Ergebung

"Du vergehst und bist so freundlich,
Verzehrst dich und singst so sch�n?"

Dichter

Die Liebe behandelt mich feindlich!
Da will ich gern gestehn:
Ich singe mit schwerem Herzen.
Sieh doch einmal die Kerzen!
Sie leuchten, indem sie vergehn.

Eine Stelle sucht der Liebe Schmerz,
Wo es recht w�st und einsam w�re;
Da fand er denn mein �des Herz
Und nistete sich in das leere.

Unvermeidlich

Wer kann gebieten den V�geln,
Still zu sein auf der Flur?
Und wer verbieten zu zappeln
Den Schafen unter der Schur?

Stell ich mich wohl ungeb�rdig,
Wenn mir die Wolle kraust?
Nein! die Ungeb�rden entzwingt mir
Der Scherer, der mich zerzaust.

Wer will mir wehren, zu singen
Nach Lust zum Himmel hinan,
Den Wolken zu vertrauen,
Wie lieb sie mir's angetan?

Geheimes

�ber meines Liebchens �ugeln
Stehn verwundert alle Leute,
Ich, der Wissende, dagegen
Wei� recht gut, was das bedeute.

Denn es hei�t: ich liebe diesen,
Und nicht etwa den und jenen,
Lasset nur, ihr guten Leute,
Euer Wundern, euer Sehnen!

Ja, mit ungeheuren M�chten
Blicket sie wohl in die Runde,
Doch sie sucht nur zu verk�nden
Ihm die n�chste s��e Stunde.

Geheimstes

"Wir sind emsig, nachzusp�ren,
Wir, die Anekdotenj�ger,
Wer dein Liebchen sei und ob du
Nicht auch habest viele Schw�ger.

Denn da� du verliebt bist, sehn wir,
M�gen dir es gerne g�nnen;
Doch, da� Liebchen so dich liebe,
Werden wir nicht glauben k�nnen."

Ungehindert, liebe Herren,
Sucht sie auf! Nur h�rt das eine:
Ihr erschrecket, wenn sie dasteht;
Ist sie fort, ihr kos't dem Scheine.

Wi�t ihr, wie Schehab-eddin
Sich auf Arafat entmantelt,
Niemand haltet ihr f�r t�rig,
Der in seinem Sinne handelt.

Wenn vor deines Kaisers Throne
Oder vor der Vielgeliebten
Je dein Name wird gesprochen,
Sei es dir zu h�chstem Lohne.

Darum war's der h�chste Jammer,
Als einst Medschnun sterbend wollte,
Da� vor Leila seinen Namen
Man forthin nicht nennen sollte.

Buch der Betrachtungen

Tefkir Nameh: Buch der Betrachtungen

H�re den Rat, den die Leier t�nt!
Doch er nutzet nur, wenn du f�hig bist.
Das gl�cklichste Wort, es wird verh�hnt,
Wenn der H�rer ein Schiefohr ist.

"Was t�nt denn die Leier?" Sie t�net laut:
Die sch�nste, das ist nicht die beste Braut;
Doch wenn wir dich unter uns z�hlen sollen,
So mu�t du das Sch�nste, das Beste wollen.

F�nf Dinge

F�nf Dinge bringen f�nfe nicht hervor,
Du, dieser Lehre �ffne du dein Ohr:
Der stolzen Brust wird Freundschaft nicht entsprossen;
Unh�flich sind der Niedrigkeit Genossen;
Ein B�sewicht gelangt zu keiner Gr��e;
Der Neidische erbarmt sich nicht der Bl��e;
Der L�gner hofft vergeblich Treu und Glauben--
Das halte fest und niemand la� dir's rauben!

F�nf andere

Was verk�rzt mir die Zeit?
T�tigkeit!
Was macht sie unertr�glich lang?
M��iggang!
Was bringt in Schulden?
Harren und Dulden!
Was macht Gewinnen?
Nicht lange besinnen!
Was bringt zu Ehren?
Sich wehren!

Lieblich ist des M�dchens Blick

Lieblich ist des M�dchens Blick, der winket;
Trinkers Blick ist lieblich, eh er trinket,
Gru� des Herren, der befehlen konnte,
Sonnenschein im Herbst, der sich besonnte.
Lieblicher als alles dieses habe
Stets vor Augen, wie sich kleiner Gabe
D�rftge Hand so h�bsch entgegendr�nget,
Zierlich dankbar, was du reichst, empf�nget.
Welch ein Blick! ein Gru�! ein sprechend Streben!
Schau es recht und du wirst immer geben.

Und was im Pend-Nameh steht

Und was im Pend-Nameh steht,
Ist dir aus der Brust geschrieben:
Jeden, dem du selber gibst,
Wirst du wie dich selber lieben.

Reiche froh den Pfennig hin,
H�ufe nicht ein Goldverm�chtnis,
Eile freudig vorzuziehn
Gegenwart vor dem Ged�chtnis.

Reitest du bei einem Schmied vorbei

Reitest du bei einem Schmied vorbei,
Wei�t du nicht, wann er dein Pferd beschl�gt;
Siehst du eine H�tte im Felde frei,
Wei�t nicht, ob sie dir ein Liebchen hegt;
Einem J�ngling begegnest du, sch�n und k�hn,
Er �berwindet dich k�nftig oder du ihn.
Am sichersten kannst du vom Rebstock sagen,
Er werde f�r dich was Gutes tragen.
So bist du denn der Welt empfohlen,
Das �brige will ich nicht wiederholen.

Den Gru� des Unbekannten ehre ja!

Den Gru� des Unbekannten ehre ja!
Er sei dir wert als alten Freundes Gru�.
Nach wenig Worten sagt ihr Lebewohl!
Zum Osten du, er westw�rts, Pfad an Pfad--
Kreuzt euer Weg nach vielen Jahren drauf
Sich unerwartet, ruft ihr freudig aus:
"Er ist es! ja, da war's!" als h�tte nicht
So manche Tagefahrt zu Land und See,
So manche Sonnenkehr sich drein gelegt.
Nun tauschet War um Ware, teilt Gewinn!
Ein alt Vertrauen wirke neuen Bund--
Der erste Gru� ist viele tausend wert,
Drum gr��e freundlich jeden, der begr��t!

Haben sie von deinen Fehlen

Haben sie von deinen Fehlen
Immer viel erz�hlt
Und f�r wahr sie zu erz�hlen,
Vielfach sich gequ�lt.
H�tten sie von deinem Guten
Freundlich dir erz�hlt,
Mit verst�ndig treuen Winken,
Wie man Be�res w�hlt:
O gewi�! das Allerbeste
Blieb mir nicht verhehlt,
Das f�rwahr nur wenig G�ste
In der Klause z�hlt.
Nun als Sch�ler mich, zu kommen
Endlich auserw�hlt,
Lehret mich der Bu�e Frommen,
Wenn der Mensch gefehlt.

M�rkte reizen dich zum Kauf

M�rkte reizen dich zum Kauf;
Doch das Wissen bl�het auf.
Wer im Stillen um sich schaut,
Lernet, wie die Lieb erbaut.
Bist du Tag und Nacht beflissen,
Viel zu h�ren, viel zu wissen,
Horch an einer andern T�re,
Wie zu wissen sich geb�hre.
Soll das Rechte zu dir ein,
F�hl in Gott was Rechts zu sein:
Wer von reiner Lieb entbrannt,
Wird vom lieben Gott erkannt.

Wie ich so ehrlich war

Wie ich so ehrlich war,
Hab ich gefehlt,
Und habe Jahre lang
Mich durchgequ�lt.
Ich galt und galt auch nicht.
Was sollt es hei�en?
Nun wollt ich Schelm sein,
T�t mich beflei�en;
Das wollt mir garnicht ein,
Mu�t mich zerrei�en.
Da dacht ich: Ehrlich sein
Ist doch das Beste;
War es nur k�mmerlich,
So steht es feste.

Frage nicht, durch welche Pforte

Frage nicht, durch welche Pforte
Du in Gottes Stadt gekommen,
Sondern bleib am stillen Orte,
Wo du einmal Platz genommen.

Schaue dann umher nach Weisen
Und nach M�chtgen, die befehlen;
Jene werden unterweisen,
Diese Tat und Kr�fte st�hlen.

Wenn du n�tzlich und gelassen
So dem Staate treu geblieben,
Wisse! niemand wird dich hassen,
Und dich werden viele lieben.

Und der F�rst erkennt die Treue,
Sie erh�lt die Tat lebendig;
Dann bew�hrt sich auch das Neue
N�chst dem Alten erst best�ndig.

Woher ich kam?

Woher ich kam? Es ist noch eine Frage;
Mein Weg hierher, der ist mir kaum bewu�t,
Heut nun und hier am himmelfrohen Tage
Begegnen sich, wie Freunde, Schmerz und Lust.
O s��es Gl�ck, wenn beide sich vereinen!
Einsam, wer m�chte lachen, m�chte weinen?

Es geht eins nach dem andern hin

Es geht eins nach dem andern hin,
Und auch wohl vor dem andern;
Drum la�t uns rasch und brav und k�hn
Die Lebenswege wandern.
Es h�lt dich auf, mit Seitenblick
Der Blumen viel zu lesen;
Doch h�lt nichts grimmiger zur�ck,
Als wenn du falsch gewesen.

Behandelt die Frauen mit Nachsicht

Behandelt die Frauen mit Nachsicht!
Aus krummer Rippe ward sie erschaffen;
Gott konnte sie nicht ganz grade machen.
Willst du sie biegen, sie bricht;
L��t du sie ruhig, sie wird noch kr�mmer:
Du guter Adam, was ist denn schlimmer?--
Behandelt die Frauen mit Nachsicht:
Es ist nicht gut, da� euch eine Rippe bricht.

Das Leben ist ein schlechter Spa�

Das Leben ist ein schlechter Spa�:
Dem fehlt's an Dies, dem fehlt's an Das,
Der will nicht wenig, der zu viel,
Und Kann und Gl�ck kommt auch ins Spiel.
Und hat sich's Ungl�ck drein gelegt,
Jeder, wie er nicht wollte, tr�gt.
Bis endlich Erben mit Behagen
Herrn Kannicht-Willnicht weiter tragen.

Das Leben ist ein G�nsespiel

Das Leben ist ein G�nsespiel:
Je mehr man vorw�rts gehet,
Je fr�her kommt man an das Ziel,
Wo niemand gerne stehet.

Man sagt, die G�nse w�ren dumm,
O, glaubt mir nicht den Leuten:
Denn eine sieht einmal sich 'rum,
Mich r�ckw�rts zu bedeuten.

Ganz anders ist's in dieser Welt,
Wo alles vorw�rts dr�cket:
Wenn einer stolpert oder f�llt,
Keine Seele r�ckw�rts blicket.

Die Jahre nahmen dir

"Die Jahre nahmen dir, du sagst, so vieles:
Die eigentliche Lust des Sinnespieles;
Erinnerung des allerliebsten Tandes
Von gestern, weit- und breiten Landes
Durchschweifen frommt nicht mehr; selbst nicht von oben
Der Ehren anerkannte Zier, das Loben,
Erfreulich sonst. Aus eignem Tun Behagen
Quillt nicht mehr auf, dir fehlt ein dreistes Wagen!
Nun w��t ich nicht, was dir Besondres bliebe!"
Mir bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!

Vor den Wissenden sich stellen

Vor den Wissenden sich stellen,
Sicher ist's in allen F�llen!
Wenn du lange dich gequ�let,
Wei� er gleich, wo dir es fehlet.
Auch auf Beifall darfst du hoffen;
Denn er wei�, wo du's getroffen.

Freigebiger wird betrogen

Freigebiger wird betrogen,
Geizhafter ausgesogen
Verst�ndiger irrgeleitet,
Vern�nftiger leer geweitet,
Der Harte wird umgangen,
Der Gimpel wird gefangen.
Beherrsche diese L�ge,
Betrogener, betr�ge!

Wer befehlen kann, wird loben

Wer befehlen kann, wird loben,
Und er wird auch wieder schelten,
Und das mu� dir, treuer Diener,
Eines wie das andre gelten.

Denn er lobt wohl das Geringe,
Schilt auch, wo er sollte loben:
Aber bleibst du guter Dinge,
Wird er dich zuletzt erproben.

Und so haltet's auch, ihr Hohen,
Gegen Gott wie der Geringe:
Tut und leidet, wie sich's findet,
Bleibt nur immer guter Dinge!

An Schah Sedschan und seinesgleichen

Durch allen Schall und Klang
Der Transoxanen
Erk�hnt sich unser Sang
Auf deine Bahnen!
Uns ist f�r garnichts bang,
In dir lebendig,
Dein Leben daure lang,
Dein Reich best�ndig!

H�chste Gunst

Ungez�hmt, so wie ich war,
Hab ich einen Herrn gefunden
Und, gez�hmt nach manchem Jahr,
Eine Herrin auch gefunden.
Da sie Pr�fung nicht gespart,
Haben sie mich treu gefunden
Und mit Sorgfalt mich bewahrt
Als den Schatz, den sie gefunden.
Niemand diente zweien Herrn,
Der dabei sein Gl�ck gefunden:
Herr und Herrin sehn es gern,
Da� sie beide mich gefunden,
Und mir leuchtet Gl�ck und Stern,
Da ich beide sie gefunden.

Ferdusi spricht

O Welt! wie schamlos und boshaft du bist!
Du n�hrst und erzieltest und t�test zugleich.

Nur wer von Allah beg�nstigt ist,
Der n�hrt sich, erzieht sich, lebendig und reich.

Was hei�t denn Reichtum?

Was hei�t denn Reichtum?--Eine w�rmende Sonne,
Genie�t sie der Bettler, wie wir sie genie�en!
Es m�ge doch keinen der Reichen verdrie�en
Des Bettlers im Eigensinn selige Wonne!

Dschelal-eddin Rumi spricht

Verweilst du in der Welt, sie flieht als Traum,
Du reisest, ein Geschick bestimmt den Raum;
Nicht Hitze, K�lte nicht vermagst du festzuhalten,
Und was dir bl�ht, sogleich wird es veralten.

Suleika spricht

Der Spiegel sagt mir: ich bin sch�n
Ihr sagt: zu altern, sei auch mein Geschick.
Vor Gott mu� alles ewig stehn;
In mir liebt ihn f�r diesen Augenblick!

Buch des Unmuts

Rendsch Nameh: Buch des Unmuts
Wo hast du das genommen?

"Wo hast du das genommen?
Wie konnt es zu dir kommen?
Wie aus dem Lebensplunder
Erwarbst du diesen Zunder,
Der Funken letzte Gluten
Von frischem zu ermuten?"

Euch m�g' es nicht bed�nkeln,
Es sei gemeines F�nkeln:
Auf ungeme�ner Ferne,
Im Ozean der Sterne,
Mich hatt ich nicht verloren;
Ich war wie neu geboren.

Von wei�er Schafe Wogen
Die H�gel �berzogen,
Umsorgt von ernsten Hirten,
Die gern und schmal bewirten,
So ruhig-liebe Leute,
Da� jeder mich erfreute.

In schauerlichen N�chten,
Bedrohet von Gefechten,
Das St�hnen der Kamele
Durchdrang das Ohr, die Seele,
Und derer, die sie f�hren,
Einbildung und Stolzieren.

Und immer ging es weiter
Und immer ward es breiter,
Und unser ganzes Ziehen,
Es schien ein ewig Fliehen.
Blau, hinter W�st und Heere,
Der Streif erlogner Meere.

Keinen Reimer wird man finden

Keinen Reimer wird man finden,
Der sich nicht den besten hielte,
Keinen Fiedler, der nicht lieber
Eigne Melodien spielte.

Und ich konnte sie nicht tadeln;
Wenn wir andern Ehre geben,
M�ssen wir uns selbst entadeln.
Lebt man denn, wenn andre leben?

Und so fand ich's denn auch juste
In gewissen Antichambern,
Wo man nicht zu sondern wu�te
M�usedreck von Koriandern.

Das Gewesne wollte hassen
Solche r�stge neue Besen,
Diese dann, nicht gelten lassen,
Was sonst Besen war gewesen.

Und wo sich die V�lker trennen,
Gegenseitig im Verachten,
Keins von beiden wird bekennen,
Da� sie nach demselben trachten.

Und das grobe Selbstempfinden
Haben Leute hart gescholten,
Die am wenigsten verwinden,
Wenn die andern was gegolten.

Befindet sich einer heiter und gut

Befindet sich einer heiter und gut,
Gleich will ihn der Nachbar peingen;
Solang der T�chtige lebt und tut,
M�chten sie ihn gerne steingen.
Ist er hinterher aber tot,
Gleich sammeln sie gro�e Spenden,
Zu Ehren seiner Lebensnot
Ein Denkmal zu vollenden.
Doch ihren Vorteil sollte dann
Die Menge wohl ermessen:
Gescheiter w�r's, den guten Mann
Auf immerdar vergessen.

�bermacht, ihr k�nnt es sp�ren

�bermacht, ihr k�nnt es sp�ren,
Ist nicht aus der Welt zu bannen;
Mir gef�llt zu konvergieren
Mit Gescheiten, mit Tyrannen.

Da die dummen Eingeengten
Immerfort am st�rksten pochten,
Und die Halben, die Beschr�nkten
Gar zu gern uns unterjochten,

Hab ich mich f�r frei erkl�ret
Von den Narren, von den Weisen;
Diese bleiben ungest�ret,
Jene m�chten sich zerrei�en;

Denken, in Gewalt und Liebe
M��ten wir zuletzt uns gatten,
Machen mir die Sonne tr�be
Und erhitzen mir den Schatten.

Hafis auch und Ulrich Hutten
Mu�ten ganz bestimmt sich r�sten
Gegen braun und blaue Kutten:
Meine gehn wie andre Christen.

"Aber nenn uns doch die Feinde!"
Niemand soll sie unterscheiden;
Denn ich hab in der Gemeinde
Schon genug daran zu leiden.

Wenn du auf dem Guten ruhst

Wenn du auf dem Guten ruhst,
Nimmer werd ich's tadeln;
Wenn du gar das Gute tust,
Sieh, das soll dich adeln!
Hast du aber deinen Zaun
Um dein Gut gezogen,
Leb ich frei und lebe traun
Keineswegs betrogen.

Denn die Menschen, sie sind gut,
W�rden besser bleiben,
Sollte nicht, wie's einer tut,
Auch der andre treiben.
Auf dem Weg, da ist's ein Wort,
Niemand wird's verdammen:
"Wollen wir an einen Ort,
Nun wir gehn zusammen!"

Vieles wird sich da und hie
Uns entgegenstellen:
In der Liebe mag man nie
Helfer und Gesellen;
Geld und Ehre h�tte man
Gern allein zur Spende;
Und der Wein, der treue Mann,
Der entzweit am Ende.

Hat doch �ber solches Zeug
Hafis auch gesprochen,
�ber manchen dummen Streich
Sich den Kopf zerbrochen;
Und ich seh nicht, was es frommt,
Aus der Welt zu laufen,
Magst du, wenn das Schlimmste kommt,
Auch einmal dich raufen!

Als wenn das auf Namen ruhte

Als wenn das auf Namen ruhte,
Was sich schweigend nur entfaltet!
Lieb ich doch das sch�ne Gute,
Wie es sich aus Gott gestaltet!

Jemand lieb ich, das ist n�tig.
Niemand ha� ich; soll ich hassen,
Auch dazu bin ich erb�tig,
Hasse gleich in ganzen Massen.

Willst sie aber n�her kennen?
Sieh aufs Rechte, sieh aufs Schlechte:
Was sie ganz f�rtrefflich nennen,
Ist wahrscheinlich nicht das Rechte.

Denn das Rechte zu ergreifen,
Mu� man aus dem Grunde leben,
Und salbadrisch auszuschweifen,
D�nket mich ein seicht Bestreben.

Wohl, Herr Knitterer, er kann sich
Mit Zersplitterer vereinen,
Und Verwitterer alsdann sich
Allenfalls der Beste scheinen!

Da� nur immer in Erneuung
Jeder t�glich Neues h�re,
Und zugleich auch die Zerstreuung
Jeden in sich selbst zerst�re!

Dies der Landsmann w�nscht und liebet
Mag er Deutsch, mag Teutsch sich schreiben,
Liedchen aber heimlich piepet:
Also war es und wird bleiben.

Medschnun

Medschnun hei�t--ich will nicht sagen,
Da� es grad ein Toller hei�e,
Doch ihr m��t mich nicht verklagen,
Da� ich mich als Medschnun preise.

Wenn die Brust, die redlich volle,
Sich entladet, euch zu retten,
Ruft ihr nicht: "Das ist der Tolle!
Holet Stricke, schaffet Ketten!"

Und wenn ihr zuletzt in Fesseln
Seht die Kl�geren verschmachten,
Sengt es euch wie Feuernesseln,
Das vergebens zu betrachten.

Hab ich euch denn je geraten,
Wie ihr Kriege f�hren solltet?
Schalt ich euch, nach euren Taten,
Wenn ihr Friede schlie�en wolltet?

Und so hab ich auch den Fischer
Ruhig sehen Netze werfen,
Brauchte dem gewandten Tischer
Winkelma� nicht einzusch�rfen.

Aber ihr wollt besser wissen,
Was ich wei�, der ich bedachte,
Was Natur, f�r mich beflissen,
Schon zu meinem Eigen machte.

F�hlt ihr euch dergleichen St�rke?
Nun, so f�rdert eure Sachen!
Seht ihr aber meine Werke,
Lernet erst: so wollt er's machen!

Wanderers Gem�tsruhe

�bers Niedertr�chtige
Niemand sich beklage!
Denn es ist das M�chtige,
Was man dir auch sage.

In dem Schlechten waltet es
Sich zu Hochgewinne,
Und mit Rechtem schaltet es
Ganz nach seinem Sinne.

Wandrer!--Gegen solche Not
Wolltest du dich str�uben?
Wirbelwind und trocknen Kot,
La� sie drehn und st�uben!

Wer wird von der Welt verlangen

Wer wird von der Welt verlangen,
Was sie selbst vermi�t und tr�umet,
R�ckw�rts oder seitw�rts blickend,
Stets den Tag des Tags vers�umt?
Ihr Bem�hn, ihr guter Wille
Hinkt nur nach dem raschen Leben,
Und was du vor Jahren brauchtest,
M�chte sie dir heute geben.

Sich selbst zu loben, ist ein Fehler

Sich selbst zu loben, ist ein Fehler,
Doch jeder tut's, der etwas Gutes tut;
Und ist er dann in Worten kein Verhehler,
Das Gute bleibt doch immer gut.

La�t doch, ihr Narren, doch die Freude
Dem Weisen, der sich weise h�lt,
Da� er, ein Narr wie ihr, vergeude
Den abgeschmackten Dank der Welt.

Glaubst du denn: von Mund zu Ohr

Glaubst du denn: von Mund zu Ohr
Sei ein redlicher Gewinnst?
�berliefrung, o du Tor,
Ist auch wohl ein Hirngespinst.

Nun geht erst das Urteil an:
Dich vermag aus Glaubensketten
Der Verstand allein zu retten,
Dem du schon Verzicht getan.

Und wer franzet oder britet

Und wer franzet oder britet,
Italienert oder teutschet,
Einer will nur wie der andre,
Was die Eigenliebe heischet.

Denn es ist kein Anerkennen,
Weder vieler, noch des einen,
Wenn es nicht am Tage f�rdert,
Wo man selbst was m�chte scheinen.

Morgen habe denn das Rechte
Seine Freunde wohlgesinnet,
Wenn nur heute noch das Schlechte
Vollen Platz und Gunst gewinnet.

Wer nicht von dreitausend Jahren
Sich wei� Rechenschaft zu geben,
Bleib im Dunkeln unerfahren,
Mag von Tag zu Tage leben.

Sonst, wenn man den heiligen Koran zitierte

Sonst, wenn man den heiligen Koran zitierte,
Nannte man die Sure, den Vers dazu,
Und jeder Moslim, wie sich's geb�hrte,
F�hlte sein Gewissen in Respekt und Ruh.

Die neuen Derwische wissen's nicht besser,
Sie schwatzen das Alte, das Neue dazu;
Die Verwirrung wird t�glich gr��er,
O heiliger Koran! O ewige Ruh'!

Der Prophet spricht

�rgerts jemand, da� es Gott gefallen,
Mahomet zu g�nnen Schutz und Gl�ck,
An den st�rksten Balken seiner Hallen,
Da befestig' er den derben Strick,
Kn�pfe sich daran! Das h�lt und tr�gt.
Er wird f�hlen, da� sein Zorn sich legt.

Timur spricht

Was? Ihr mi�billiget den kr�ftgen Sturm
Des �bermuts, verlogne Pfaffen?
H�tt Allah mich bestimmt zum Wurm,
So h�tt' er mich als Wurm geschaffen.

Buch der Spr�che

Hikmet Nameh: Buch der Spr�che

Talismane werd ich in dem Buch zerstreuen;
Das bewirkt ein Gleichgewicht.
Wer mit gl�ubger Nadel sticht,
�berall soll gutes Wort ihn freuen,.

Vom heutgen Tag, von heutger Nacht
Verlange nichts,
Als was die gestrigen gebracht.

Wer geboren in b�s'sten Tagen,
Dem werden selbst die b�sen behagen.

Wie etwas sei leicht,
Wei�, der es erfunden und der es erreicht.

Das Meer flutet immer,
Das Land beh�lt es nimmer.

Was wird mir jede Stunde so bang?--
Das Leben ist kurz, der Tag ist lang.
Und immer sehnt sich fort das Herz,
Ich wei� nicht recht, ob himmelw�rts;
Fort aber will es hin und hin,
Und m�chte vor sich selber fliehn.
Und fliegt es an der Liebsten Brust,
Da ruht's im Himmel unbewu�t.
Des Lebens Strudel rei�t es fort,
Und immer h�ngt's an einem Ort,
Was es gewollt, was es verlor,
Es bleibt zuletzt sein eigner Tor.

Pr�ft das Geschick dich, wei� es wohl warum:
Es w�nschte dich enthaltsam! Folge stumm!

Noch ist es Tag; da r�hre sich der Mann!
Die Nacht tritt ein, wo niemand wirken kann.

Was machst du an der Welt? Sie ist schon gemacht.
Der Herr der Sch�pfung hat alles bedacht,
Dein Los ist gefallen, verfolge die Weise,
Der Weg ist begonnen, vollende die Reise.
Denn Sorgen und Kummer ver�ndern es nicht,
Sie schleudern dich ewig aus gleichem Gewicht.

Wenn der Schwergedr�ckte klagt,

Book of the day: