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Rˆmische Geschichte Book 3 by Theodor Mommsen

Part 9 out of 9

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weniger in dem oeffentlichen als im Privatbauwesen bemerklich. Erst gegen den
Schluss dieser Periode, namentlich mit der Catonischen Zensur (570 184) faengt
man in jenem an, neben der gemeinen Notdurft auch die gemeine Bequemlichkeit ins
Auge zu fassen, die aus den Wasserleitungen gespeisten Bassins (lacus) mit Stein
auszulegen (570 184), Saeulengaenge aufzufuehren (575, 580 179, 174) und vor
allem die attischen Gerichts- und Geschaeftshallen, die sogenannten Basiliken
nach Rom zu uebertragen. Das erste dieser etwa unseren heutigen Basaren
entsprechende Gebaeude, die porcische oder Silberschmiedhalle, wurde von Cato im
Jahre 570 (184) neben dem Rathaus errichtet, woran dann rasch andere sich
anschlossen, bis allmaehlich an den Langseiten des Marktes die Privatlaeden
durch diese glaenzenden saeulengetragenen Hallen ersetzt waren. Tiefer aber
griff in das taegliche Leben die Umwandlung des Hausbaues ein, welche
spaetestens in diese Epoche gesetzt werden muss: es schieden sich allmaehlich
Wohnsaal (atrium), Hof (cavum aedium), Garten und Gartenhallen (peristylium),
der Raum zur Aufbewahrung der Papiere (tablinum), Kapelle, Kueche, Schlafzimmer;
und in der inneren Einrichtung fing die Saeule an sowohl im Hofe wie im Wohnsaal
zur Stuetzung der offenen Decke und auch fuer die Gartenhallen verwandt zu
werden - wobei wohl ueberall griechische Muster kopiert oder doch benutzt
wurden. Doch blieb das Baumaterial einfach; "unsere Vorfahren", sagt Varro,
"wohnten in Haeusern aus Backsteinen und legten nur, um die Feuchtigkeit
abzuwehren, ein maessiges Quaderfundament".
Von roemischer Plastik begegnet kaum eine andere Spur als etwa die
Wachsbossierung der Ahnenbilder. Etwas oefter ist von Malerei und Malern die
Rede: Manius Valerius liess den Sieg ueber die Karthager und Hieron, den er im
Jahre 491 (263) vor Messana erfochten, auf der Seitenwand des Rathauses
abschildern - die ersten historischen Fresken in Rom, denn viele gleichartige
folgten und die im Gebiet der bildenden Kunst das sind, was nicht viel spaeter
das Nationalepos und das Nationalschauspiel im Gebiet der Poesie wurden. Es
werden als Maler genannt, ein gewisser Theodotos, der, wie Naevius spottete,
verschanzt, in Decken sitzend, drinnen im heiligen Raum
die scherzenden Laren malte mit dem Ochsenschwanz.
Marcus Pacuvius von Brundisium, welcher in dem Herkulestempel auf dem
Rindermarkt malte - derselbe, der im hoeheren Alter als Bearbeiter griechischer
Tragoedien sich einen Namen gemacht hat; der Kleinasiate Marcus Plautius Lyco,
dem fuer seine schoenen Malereien im Junotempel zu Ardea diese Gemeinde ihr
Buergerrecht verlieh ^42. Aber es tritt doch eben darin sehr deutlich hervor,
dass die Kunstuebung in Rom nicht bloss ueberhaupt untergeordnet und mehr
Handwerk als Kunst war, sondern dass sie auch, wahrscheinlich noch
ausschliesslicher als die Poesie, den Griechen und Halbgriechen anheimfiel.
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^42 Plautius gehoert in diese oder in den Anfang der folgenden Periode, da
die Beischrift bei seinen Bildern (Plin. nat. 35, 10, 115) als hexametrisch
nicht fueglich aelter sein kann als Ennius und die Schenkung des ardeatischen
Buergerrechts notwendig vor dem Bundesgenossenkrieg stattgefunden haben muss,
durch den Ardea seine Selbstaendigkeit verlor.
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Dagegen zeigen sich in den vornehmen Kreisen die ersten Spuren des
spaeteren dilettantischen und Sammlerinteresses. Man bewunderte schon die Pracht
der korinthischen und athenischen Tempel und sah die altmodischen Tonbilder auf
den roemischen Tempeldaechern mit Geringschaetzung an; selbst ein Mann wie
Lucius Paullus, eher Catos Gesinnungsgenosse als Scipios, betrachtete und
beurteilte den Zeus des Pheidias mit Kennerblick. Mit dem Wegfuehren der
Kunstschaetze aus den eroberten griechischen Staedten machte in groesserem
Massstab den ersten Anfang Marcus Marcellus nach der Einnahme von Syrakus (542
212); und obwohl dies bei den Maennern alter Zucht scharfen Tadel fand und zum
Beispiel der alte strenge Quintus Maximus nach der Einnahme von Tarent (545 209)
die Bildsaeulen der Tempel nicht anzuruehren, sondern den Tarentinern ihre
erzuernten Goetter zu lassen gebot, so wurden doch dergleichen
Tempelpluenderungen immer haeufiger. Namentlich durch Titus Flamininus (560 194)
und Marcus Fulvius Nobilior (567 187), zwei Hauptvertreter des roemischen
Hellenismus, sowie durch Lucius Paullus (587 167) fuellten sich die
oeffentlichen Gebaeude Roms mit den Meisterwerken des griechischen Meissels.
Auch hier ging den Roemern die Ahnung auf, dass das Kunstinteresse so gut wie
das poetische einen wesentlichen Teil der hellenischen Bildung, das heisst der
modernen Zivilisation ausmache; allein waehrend die Aneignung der griechischen
Poesie ohne eine gewisse poetische Taetigkeit unmoeglich war, schien hier das
blosse Beschauen und Herbeischaffen auszureichen, und darum ist eine eigene
Literatur in Rom auf kuenstlichem Wege gestaltet, zur Entwicklung einer eigenen
Kunst aber nicht einmal ein Versuch gemacht worden.

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