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Die von denen Faunen gepeitschte Laster by Sidonia Hedwig Z‰unemann

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This etext was prepared by Jutta Tragnitz, .

Die von denen Faunen gepeitschte Laster

Aufgef¸hrt von Sidonia Hedwig Z‰unemannin,
Kayserlich gekrˆnter Poetin.
1739

Gott / der vern¸nftigen und tugendhaften Welt,
widmet diese Bl‰tter die Verfasserin.

Vorrede.

Geehrter Leser!

Meine Muse, welche von dem siebenstuffigten Rohr verschiedener
Wald=Gˆtter aus ihrem fast j‰hrigen Schlaf unverhoft erweckt worden,
leget dir anjetzo eine ziemlich starcke Satyre vor, und giebt dir
zugleich das Recht, dar¸ber zu critisiren und zu richten.

Eine Satyre! wirst du sagen: Dieses ist ja ein solches St¸ck, das
nicht allein viel Geschicklichkeit erfordert; sondern, was noch mehr
ist, nach aller angewandten M¸he und Fleifl, Hafl und Verdrufl zum Lohn
bekˆmmt. Du wirst meinen, ich h‰tte lieber ein Lob=Gedichte abfassen,
z‰rtlich, galant and vortreflich schmeichlen, als einen k¸hnen Satyr
nachspielen sollen.

Du hast recht, mein Leser! dafl zu einer vern¸nftigen Satyre viel
Kunst erfordert wird. Dieses hat mich auch bisher von solchen
Arbeiten abgeschreckt. Allein wer nichts wagt und versucht, der
bleibt immer in seinem Irrthum, und lernet nichts. Ich habe es
dahero einmahl versuchen wollen, ob meine Muse auch zu solchen
Schriften geschickt sey. Ich stelle sie also, wie Apelles seine
Gem‰hlde ˆffentlich der Welt vor die Augen, und erwarte hier¸ber das
Urtheil vern¸nftiger und ‰chter Kenner der Poesie, um mich, wo ich
hier und da, oder allenthalben gefehlt, k¸nftig zu bessern, und
geschickter zu machen.

Es ist auch wahr, dafl ein Lob=Gedicht sehr liebreich aufgenommen wird;
dahingegen eine Satyre, wenn sie auch noch so schˆn gerathen ist,
dennoch nichts als unfreundliche Gesichter nach sich zieht, und
gleiches Schicksal mit einem hellen Spiegel hat, der denen eitlen
Gesichtern ihre Flecken und Runzeln zeiget, und deflwegen wohl nicht
selten hinweg geworffen wird; obgleich die Schuld nicht an ihm liegt,
dafl sich die heflliche Gestalt nicht besser in ihm vorstellt, als sie
w¸rcklich von Natur gebildet ist.

Allein, ich habe bishero gelobt, ich habe ger¸hmt was zu r¸hmen war.
Nun mufl ich auch in Strafen eine Probe machen, und ¸ber diejenigen
St¸cke einen Hafl bezeigen, an welchen zu allen Zeiten die tugendhafte
Welt einen Abscheu gehabt hat. Ja ich glaube, dafl ich hierinnen, wo
nicht politischer doch tugendhafter handle, wenn ich eine Satyre
schreibe, die die H‰fllichkeit der Laster zum Objekt hat; als wenn ich
ein falsches Lob Gedichte abfaflte, von welchem man sagen kˆnte, ich
h‰tte ¸ber dessen Verfassung nothwendig errˆthen, und die Wahrheit
manchen Schwerd=Stich durch ihre Seele geben m¸ssen.

Und was wilst du denn von mir mehr haben? Mein Leser! ich lege dir
ja in dieser einfachen Arbeit, ein gedoppeltes St¸ck, nemlich eine
Satyre, da ich die Laster strafe; und ein Lob=Gedichte, da ich die
guten Sitten den Lastern entgegen setze, und die Tugenden, nebst
ihren Besitzern lobe und erhebe, vor die Augen!

Ich tadle die Unarten der Menschen: Dencke also nicht Mein Leser! dafl
ich von Personen schreiben und dieselben durchziehen, viel weniger
mich an meinen Feinden oder Spˆttern r‰chen, und sie auf den
Schau=Platz stellen werde. O nein! Spˆttern und Feinden mache ich
das Vergn¸gen nicht, ihren Thorheiten zu gefallen, eine
niedertr‰chtige und wieder die Religion und Philosophie streitende
Seele anzunehmen, und den Character eines vern¸nftigen Satyrici
hierdurch zu ¸berschreiten, welcher darinne besteht, dafl man nicht
Personen, oder nat¸rliche Gebrechen, davor niemand als die Natur kan,
sondern lasterhafte und strafbahre Handlungen, und solche wiederum
nicht etwan auf eine unhˆfliche, sondern auf eine ¸berzeugende,
sinnreiche und beisende Art vorzustellen, und zu bestrafen bem¸ht ist.
In wie weit ich dieses letztere getroffen, das werde ich zu meiner
k¸nftigen Verbesserung von Kennern hˆren, und mit dem grˆflten Danck
annehmen.

Ich habe demnach zum Object meiner Satyre nichts anderes als die im
Schwang gehende Laster, und die unartigen Handlungen derer meisten
Menschen genommen. Es sey ferne! dafl ich von allen und jeden reden,
und das ganze menschliche Geschlecht, wie man im Sprichwort sagt, in
eine Br¸he werffen solte! O nein! der Acker dieser Welt tr‰gt auch
noch guten Weizen, so h‰ufig auch das Unkraut darzwischen w‰chst.
Ich tadle nicht den Gebrauch verschiedener Sachen; sondern den
Miflbrauch. Ich h‰tte auch wie bekannt, von noch weit mehrern Lastern
und Miflbr‰uchen schreiben kˆnnen; allein die Zeit, und die Betr¸bnifl
¸ber den tˆdtlichen Hintrit meiner seel. Frau Mutter hat mich davon
abgehalten.

Die meisten Menschen, und sonderlich das Frauenzimmer, haben den
¸blen Gebrauch, dafl die sich bey m¸sigen Stunden ¸ber anderer
Menschen von beyderley Geschlecht, ˆfters gar geringen Schwachheiten,
Moden, Geberden, Gebr‰uchen und Handlung aufhalten. Um nun solchen
Menschen, und besonders meinem Geschlechte mich gleich zu stellen,
und nur von ihnen keinen Vorwurff machen zu lassen; so will ich mich
auch allhier ¸ber andre Menschen, und zwar, damit kein Geschlecht
z¸rnen darf, so wohl ¸ber die Mannes=Personen, als ¸ber das
Frauenzimmer; doch nicht auf eine pˆbelhafte, niedertr‰chtige und
kindische Art; sondern so viel mir mˆglich, auf eine ernsthafte Weise,
in nachstehenden Zeilen moquiren.

Betrachtest du also, Mein Leser! diese Schrift, und du bist
tugendhaft, so wirst du mit meinen Gedancken ¸bereinstimmen, und
deflwegen keinen Hafl und Zorn auf mich werfen. Bist du aber mit ein
oder den andern Lastern behaftet, so z¸rne nicht ¸ber mich. Was
wilst du ¸ber den Spiegel, der dir deine Flecken zeigt, und ¸ber den
Meister, der ihn geschliffen hat, bˆse werden. Sch‰me dich deiner
dir selbst gemachten Flecken, und werde ¸ber deine muthwillige
Unarten bˆse.

Du kanst dich an mir nicht besser davor r‰chen, als wenn du deine
Thorheiten ablegest und dich besserst, und mir hernach, wie
diejenigen, die warhaft tugendhaft sind, gewogen wirst und bleibst,
als warum ich dich und alle Menschen freundlich ersuche.

Die von denen Faunen gepeitschte Laster
von Sidonia Hedwig Z‰unemann

Auf einmahl reget sich der fast erstickte Trieb;
Das, was ich sonst gescheut, gewinn ich jetzo lieb;
Das, was ich blofl aus Furcht, es mˆchte nicht gelingen,
Biflher zur¸ck gesetzt, das will ich jetzo singen.
Caliope! dein Rohr, dein sanftes Sayten=Spiel,
Das mich bezaubert hielt, und Gˆttern wohlgefiel,
Mag dort im Winkel ruhn: ein Satyr l‰flt sich sp¸hren.
Der soll an deiner statt mich auf den Pindus f¸hren.
Ihr Gˆtter! die ihr sonst so grafl und hefllich seyd;
Vor deren Gegenwart das Frauen=Volck sich scheut,
Und sch¸chtern lauft und flieht, als ob ein Mˆrder k‰me,
Der ihnen mit Gewalt Kranz, Schmuck und Leben n‰hme.
Ihr seyd jetzt meine Lust und liebstes Augenmerk.
Hier habt ihr meine Hand, kommt! f¸hrt mich auf den Berg,
Wo Phˆbus und sein Volk im Lorbeer-Walde tanzen.
Kommt! lasset mich durch euch mein Gl¸ck bey ihnen pflanzen.
Sezt eure F¸sse nett, und laflt mich heute sehn,
Ob ihr so k¸nstlich springt, wie ehemahls geschehn.
Spielt nur so gut ihr kˆnnt, auf Pfeiffen oder Flˆthen.
Ihr d¸rft, weil ihr schon roth, euch nicht dabey errˆhten.
Auf! macht mir eine Lust! und auch dem Musen=F¸rst;
Und singt der Welt zu Trutz, die schon die Z‰hne knirst.

Au! Weh! was seh ich dort? Mein Wahn hat nicht gelogen,
Ein grau Gewitter kˆmmt mit Blitz und Knall gezogen.
Die Luft verfinstert sich, die Sonne b¸flt den Schein,
Die Erde den Gesang der Luft-Sirenen ein.
Das Vieh lauft hin und her, es schreyt, es bebt, es zittert,
Es suchet Zweig und Schutz, dieweils so grausam wittert.
Die Erde bebt und kracht; die Berge wancken fast,
Und machen sich zum Fall mit ihrer Pracht gefaflt.
Die Donner rollen fort, und br¸llen aus dermasen,
Als wolten sie der Welt zum Untergange blasen.
Nun borst die Wolk entzwey, und l‰flt auf einmahl lofl,
Was sie mit harten Zwang biflher in ihren Schoofl
Und Leib getragen hat; wodurch es leyder! kommen,
Dafl Donner, Blitz und Furcht den Erdkreifl eingenommen.
Was aber f‰llt denn wohl aus Wolk und Luft herab?
Wie? ists ein g¸ldner Thau den dorten Hammon gab?
Sinds Fische, die sich hier in dieser Fluth bewegen?
Es ist ja, wie mich d¸nkt kein schlecht, gemeiner Regen.
Solls Ungeziefer seyn, das Feld und Wald vergift,
Und Schaden und Verderb auf Berg und Wiesen stift?

So ists: jedoch weit mehr: es ist ein Menschen=Regen.
Komm Pluto! komm und sieh! o welch ein schˆner Seegen!
Empfande Jupiter Angst, Schmerzen, Quaal und Noth,
Als seine Stirn erhitzt, und als ein Feuer roth,
Und aufgeblasen war, eh Pallas raus gesprungen;
Was Wunder, wenn diefl Heer die Wolke so gedrungen,
Und ihr so grosse Quaal und Unruh hat gemacht,
Bifl sie durch Knall und Blitz diefl Unheil fort gebracht.
Wer mufl ihr Anherr seyn? wie sind sie denn gestaltet?
Wie der, so Phrygien bey g¸ldner Zeit verwaltet.
Nicht anders; Midas mufl ihr Aelter=Vater seyn.
An Ohren sieht mans ja; die Werke stimmen ein.
Ein Volk, das an Verstand den schwachen Kindern gleichet.
An Boflheit aber kaum dem Teufel selber weichet.
Diefl Volk bedeckt die Welt; der Bart womit es prangt,
Zeigt gnug, wie viel es schon an Kraft und St‰rk erlangt.
Ja Kr‰fte in der Faust; nicht aber im Gehirne,
Mit Runzeln w‰chst zugleich die Boflheit in der Stirne.

Steig alter Midas! steig! aus deiner schwarzen Gruft,
Hˆr! wie dein edles Volk so sehnlich nach dir ruft,
Vernimm wie treu es dich auch nach dem Tode liebet,
Und deinen weisen Spruch noch t‰glich von sich giebet.
Sieh! wie sich dein Geschlecht so wunderbar vermehrt,
Wie hoch es dich erhebt, wie sehr es dich verehrt.
Diefl dein erhitztes Volk verbietet den Poeten,
Dafl sie auf ihren Rohr und nettgestimmten Flˆthen
Nichts singen, das nach Kunst und Sitten=Lehre schmeckt,
Und wie Apollo dort der Gˆtter Gunst erweckt.
Die Warheit will man nicht in ihren Schriften dulden,
Man straft und richtet sie ohn billiges Verschulden.
O wundert euch mit mir! dafl viel so sinnreich sind,
Und in den Schˆppen=Stuhl der Advocaten Wind
Und ihren Spˆtter=Kiel, den Gegner zu beschimpfen,
Die Fehler der Persohn, das Mund= und Nase=R¸mpfen,
Gang, Kleidung, Jugend=Lust, und was dergleichen mehr,
Mit ganz gelassenen und frˆhlichen Gehˆr,
Und l‰chlender Gestalt so klug vertragen kˆnnen.
Sie leiden ohne Scheu dafl zwey zusammen rennen;
Und wenn auch der Client aus Wehmuth und Verdrufl,
Wohl zwanzig Bogen mehr als sonsten zahlen mufl.
Diefl ist noch nicht genug; es wundere sich ein jeder,
Wenn das erhitzte Blut auf Schulen und Catheder
Sich unbescheiden zankt, und von dem Hauptzweck geht,
Aus Neid und Tadelsucht den Gegner beisend schm‰ht,
So hˆrt man munter zu, und l‰flt sich unbek¸mmert.
Schreibt aber ein Poet, wie sich die Welt verschlimmert,
Und wie das Laster w‰chst, so sieht man scheel darzu,
Und l‰flt aus tollen Neid dem Dichter keine Ruh
Ob Orthodoxen schon sich auf den Schau=Platz stellen,
Und durch den scharfen Kiel die Feinde gl¸cklich f‰llen,
Wie mancher Philosoph, wie mancher Moralist,
In dem ein reines Feuer, Verstand und Weiflheit ist,
Hat von der Sitten=Kunst satyrisch gnug geschrieben,
Und dennoch sind sie stets in Ruh und Fried geblieben.
In Prosa fluchet man der Sitten=Lehre nicht;
Die arme Poesie wird ohn Verhˆr gericht.
Ein Redner, ein Poet steht in gelehrten Orden,
Und beyde sind schon l‰ngst zu Moralisten worden.
Ein jeder ehrt und liebt die Regeln der Natur;
Ein jeder folget ja der Tugend Licht und Spuhr,
Und zeigt die Laster=Bahn, und sucht der Welt zu n¸tzen.
Allein der Dichter kan fast niemahls ruhig sitzen.

Zu dieser tollen Art und frecher Seltenheit,
Giebt der belebte Reim wohl nicht Gelegenheit;
Nein, sondern die Vernunft ist noch nicht ausgeheitert,
Weil sich der Weiflheit Licht in ihnen nicht erweitert,
Weil sie die Tugend nie in ihrem Glanz erkannt;
Weil sie die meiste Zeit auf Trug und List verwandt;
Weil ihres Vaters Geist auf ihnen zweyfach lieget,
Ich meine, Midas Sinn, der sie so hoch vergn¸get;
Ja seines Hauptes Schmuck, den sie zugleich geerbt,
Hat dieses Volkes Geist verfinstert und verderbt.
Da nun so Herz als Sinn und Ohr und Mund verdorben,
Und Tugend und Vernunft in ihrer Brust erstorben,
Was Wunder? dafl diefl Volk Satyren haflt und scheut,
Und deiner Sitten=Lehr mit Fluch und Grimme dr‰ut.
O! dafl doch Knall und Blitz diefl Volck herab gesendet,
Das Klugheit und Vernunft in Dichter=Schriften sch‰ndet!

Wo ist die alte Zeit, in der die Dichtungs=Kunst,
Von grossen Kˆnigen, mit hoher Huld und Gunst
Und Preifl belohnet ward? Die Tage sind verschwunden,
Da man auch Dichter noch am Kayser=Tisch gefunden.
Augustus blieb ein Held der alle Welt bezwang,
Obgleich Virgilius an seiner Tafel sang.
Ward auch die Majest‰t durch diese That verletzet?
Weil er die Dichterkunst vor andern hoch gesch‰tzet.
Des Nero Grausamkeit lˆscht doch den Ruhm nicht aus,
Dafl er in seiner Brust ein w¸rdig Musen=Haus
Bey seinen Thron erbaut. O! k‰m die Zeit zur¸cke,
Da Barbarossens Hof, so Gnaden=volle Blicke
Den Dichtern zugewandt! die von der Helden Schweifl,
Von ihren Lˆwen=Muth, Geschicklichkeit und Fleifl,
Wenn sie vor Staat und Reich, so treu sie nur vermochten,
Gerahten und gesorgt, mit Arm und Schwerd gefochten,
Gesungen und erzehlt: damit die neue Welt
Davon ein Beyspiel n‰hm, der kein Poet gef‰llt.
Wo bleibt jetzt Carolus der Eilfte der Franzosen?
Der selbst durch diese Kunst mit schˆnen Ehren=Rosen
Die Dichter ¸berstimmt. Alfondus Kron und Macht,
Der England Seegen gab, erhebet ihre Pracht,
Und singt und spielet selbst. W‰r Carl (a) noch jetzt auf Erden,
So w¸rd auf seinem Wink manch Lied gesungen werden.
Ihr nahmt der Dichter Gl¸ck und Preifl mit euch ins Grab.
Bey eures Scepters Rest liegt unser Ehren=Stab
Vergraben und verdeckt. O! kˆnntet ihr erwachen,
Und uns, wie Reich und Volk begl¸ckt und herrlich machen!
Wo sind die Damen hin die Barbaros gekannt,
Die man mit Fug und Recht der F¸rsten Zier genannt?
Verehrte nicht ihr Ohr geschickte Helden Lieder?
In welchen der Poet des Tapfern Herculs Br¸der,
(Die Prinzen, die im Feld ein blutges Leder=Kleid,
Ein todt gehaunes Rofl und Wahlstadt nicht gescheut;
Die F¸rsten, die ihr Volk mit Billigkeit regieret,
Und mit Gerechtigkeit und Huld den Stab gef¸hret,)
Der Ewigkeit geweyht, zum Beyspiel vorgestellt,
Und angepriesen hat. O! mˆchtet ihr die Welt
Mit eurer dunkeln Gruft, ihr Damen! jetzt vertauschen,
An manches F¸rsten Hof und Prinzens Kammer lauschen!
Ihr w¸rdet Wunder sehn, wie man der Dichtkunst spott,
Und ihr Ged‰chtnifl fast aus Geist und Seele rott.
Wo fragen Damen jetzt nach alter Prinzen Thaten,
Ob auch ihr Regiment, und Feldzug wohl gerathen?
Homerus Helden=Lied weicht jetzt dem schnˆden Reim
In dem Secundens Kiel der Liebe Honigseim
Nat¸rlich abgemahlt. Banisens Flucht und Lieben
Ergˆtzt jetzt mehr als das, was Seneca geschrieben.

So giengs vor Zeiten nicht. Witz und Geschickligkeit
War damahls wie man weifl, der Dame schˆnstes Kleid
Und grˆster Ehren=Schmuck; Tholusa l‰flt uns lesen,
Wie edel ihr Verstand, und Urtheils=Kraft gewesen.
Der Aquitaner Volk war, wie gesagt, auf Ehr
Und Ruhm und Glanz bedacht; und suchte nichts so sehr,
Als sich durch Tapferkeit und Weiflheit aufzuschwingen,
Und in die Ewigkeit vor andern einzudringen.

Die Alleredelsten und Grˆsten an Vernunft,
Verbanden sich daher und schlossen eine Zunft,
Worbey der Vorsatz war, die Thaten ihrer Helden
In Liedern schˆner Art der Ewigkeit zu melden.
Wer sich von ihren Volk auch sonst hervor gethan;
Wer im Turnier gesiegt und auf der Ehren=Bahn
Den hˆchsten Preifl erk‰mpft; dem pflegten sie in Schriften
Ein Denckmaal seines Ruhms auf gleiche Art zu stiften.
Ja wer sich um das Reich und Volk verdient gemacht,
Wer vor des Landes Ruh, der B¸rger Wohl gewacht,
Dem suchte ihre Hand in herrlichen Gedichten
Ein kˆstlich Ehren=Maal und Lob=Lied aufzurichten.
Ein jeder dieser Zunft versuchte voll Bem¸hn,
Durch ein geschicktes Lied den Preifl an sich zu ziehn,
Warum? sie wehlten sich, wer mˆchte nicht gewinnen?
Das holde Frauenvolk zu ihren Richterinnen.
Da war der Damen Geist mit Weiflheit ausgeschm¸ckt;
Da ward der Preifl durch sie dem W¸rdigsten geschickt,
Der sich in Kunst und Fleifl vor andern angegriffen,
Und am geschicktesten auf Blat und Rohr gepfiffen.
Der Damen kluger Geist sah reif= und weifllich ein
Dafl Dichter rechter Art nicht blose Schw‰tzer seyn;
Ihr Sinn forscht weiter nach, und straft mit Witz die Laster,
Erhebt die Tugenden, und zeigt wie man aufs Pflaster
Des Wohlstands treten soll; wie man die Seele nehrt,
Und sich durch Wissenschaft und Fleifl vom Pˆbel kehrt;
Wie man das hˆchste Gut der Seelen=Ruh erlanget,
Und durch den Ehren=Kranz am Sternen=Himmel pranget;
Wie man, wenn andre hier im Welt=Getˆse sind,
Dort in der Einsamkeit die grˆste Anmuth findt.

Wer kan uns wohl anjetzt viel kluge Damen nennen,
Die von der Poesie ein Urtheil f‰llen kˆnnen?
Ach leyder! ist bekant, dafl man jetzt wenig findt,
Die von so hohen Geist, als wohl von Herkunft sind.
Warum? Die Z‰rtlichkeit l‰flt sich zu nichts mehr zwingen;
Was thun die H‰nde mehr als dafl sie Knˆtgen schlingen.
Die Feder wird gewifl, so leicht nicht angesetzt;
Wenn nicht ein Liebes=Brief zuvor das Aug ergˆtzt,
Den Geist entz¸ndet hat; wer wolte sonst was schreiben;
Man kan sich schon die Zeit auf andre Art vertreiben.
Ein lustig Karten=Spiel vergn¸gt die Brust weit mehr,
Als wenn man Tag und Nacht in B¸chern fleiflig w‰r;
Ja steht auch diefl nicht an, das M¸thgen abzuk¸hlen,
So l‰flt man nur im Bret und auf der Dame spielen.
O! solten wir den Preifl jetzt von den Damen sehn,
Wie w¸rd es doch so kahl um Sieg und Vorzug stehn?

Zwar kan ein Dichter noch zuweilen diefl geniessen,
Dafl Augen voller Gnad auf seine Bl‰tter schiessen;
Allein er nehme sich mit seinen Kiel in acht,
Denn wer nicht schmeicheln kan, wird billig ausgelacht.
Der Lea must er nur die schˆnsten Augen geben,
Und Ahitophels Rath als Jethro Spruch erheben.
Er tadle Nathans Wort, dafl er so frey geredt,
Und seinem Kˆnige voll Glanz und Majest‰t
Nichts nachgesehen hat. Wo wird nach B¸rger Sitten,
Der grossen F¸rsten Lust und Handlung zugeschnitten?
Dem Ahab leg er ja die kl¸gste Einsicht bey,
Dafl nichts als Billigkeit in seinem Urtheil sey;
Die Flecken such er fein mit Farben zu bestreichen,
Und eine Jesabel der Sara zu vergleichen.
Er schm¸cke alles schˆn, und was ein Joab schaft,
Das nenn er fromm und treu, gerecht und tugendhaft.
Er darf sich nicht darbey gewissenhaft Geberden,
Vielweniger besch‰mt vor einer L¸ge werden.
H¸llt er diefl alles nun in nette Kleidung ein,
So kan das Wiedergelt ein Gnaden=Blickgen seyn.
Doch nur allein vors Blat; sonst hat er nichts zu hoffen.
Zwey Menschen steht ein Weg zu gleichen Schicksaal offen;
Doch suchen sie umsonst: Ein Dichter und Chymist,
Weil einer so ein Narr als wie der andre ist.

Die Dichtkunst bleibt nicht nur ein Stief=Kind stets vom Gl¸cke,
Ihr Lohn sind noch darzu der Miflgunst Feuer=Blicke,
Absonderlich wenn sich das Frauen=Volk bem¸ht,
Und nach der Musen Art die Sayten k¸nstlich zieht.
Da sieht man Hafl und Neid sich auf den Schau=Platz stellen;
Sie borgen von dem Hund das ungez‰hmte Bellen;
Sie knirschen mit dem Mund wenn unsre Lorbeer bl¸hn,
Und suchen uns den Ruhm durch L‰stern zu entziehn.
Der Ehre stoltzes Schif wird als vom Wind best¸rmet,
Mit giftgen Schaum umringt, von Wellen aufgeth¸rmet,
Um seinen schnellen Lauf nur Einhalt bald zu thun.
Ihr Toben l‰flt sie nicht bey unsern Siegen ruhn.
Der Neid, das Ungeheur das sich doch selber qu‰len
Und endlich fressen mufl, wohnt in so vielen Seelen,
Die toben wider uns, wenn irgend unser Geist,
Ein Philosophisches und Dichter=Feuer weist.
Ihr dummer Hochmuth meint, wir d¸rften mehr nicht lesen,
Als nur wer Ismael und Moses Weib gewesen,
Wie dort Rebeccens Hand mit Isaacs Baarte scherzt,
Wie Hiob allen Hohn von seiner Frau verschmerzt.
Des Salomonis Spruch und Syrachs Sitten=Leben
W‰r uns, nur Seneca und Plato nicht gegeben.
Blieb uns Sanct Paulus nur bekannt und offenbar,
So w‰r es schon genug: Uns gienge Pallas Schaar
Und Phˆbus gar nichts an. Wir h‰tten gnug zu singen,
Die zarten Kindergen in Schlaf und Ruh zu bringen.
Zwirn, Nadel, Flachs und Garn, die K¸che und der Heerd
W‰r nur vor uns bestimmt; nicht aber Kiel und Schwerd.
Der M‰nner Eigenthum sey Feder, Buch und Waffen;
Nur ihnen w‰r allein ein Lˆwen=Herz erschaffen.
Gar recht! ihr br¸llt zu Haus so arg als Lˆw und B‰r.
Wie feurig, wie ergrimmt lauft ihr oft hin und her?
Ihr meint die Tapferkeit sey euch nur angebohren.
Ihr habt so manchem Glafl, o That! den Tod geschworen.
Ihr nennet euch beherzt; ihr k‰mpftet ritterlich;
Ich widerspreche nicht, denn dieses zeiget sich
Im Krieg, wo Cypripor der Venus Feldherr worden.
Ihr sagt: Die Wissenschaft w‰r nur dem M‰nner=Orden
Vom Schˆpfer zugedacht: Ihr m¸stet nur allein
Beherrscher ¸ber Buch, und Kunst und Federn seyn.

Was vor ein toller Wurm hat euren Kopf durchfressen,
Dafl ihr euch nur allein diefl Recht sucht beyzumessen?
Der Schˆpfer hat uns ja mit gleichen Geist bedacht,
Und gleiche Seelen=Kraft und Triebe beygebracht.
Wie solten wir denn nun diefl theure Pfand und Gaben
Um euren Eigensinn zu folgen, gar vergraben?
So wahr Minerva lebt! so soll es nicht geschehn,
Dafl wir auf euer Wort der Musen Dienst verschm‰hn.
Jemehr die Miflgunst raflt, und wider uns sich setzet;
Jemehr der Neid auf uns ergrimmt die Z‰hne wetzet;
Jemehr das Mannes=Volk aus toller Eifersucht
Auf unsre Wissenschaft, Kunst, Fleifl und Feder flucht,
Jemehr soll unser Geist das Chor der Musen lieben,
Jemehr wird untersucht, je mehr wird aufgeschrieben.
Wir sind dem Palm=Baum gleich, der sich gen Himmel schwingt,
Jemehr man Druck und Last auf seine Zweige bringt.

Ein kluges Weibes=Bild das auf was hohes sinnet,
Buch, Kiel und Rohr ergreift,und Phˆbum lieb gewinnet;
Der Warheit Grund erforscht; den Geist in Schriften ¸bt,
Stellt bey dem ersten Kufl, den ihr Apollo giebt,
Sich gleich die Eifersucht, die Miflgunst und das Schm‰hen
Der dummen M‰nner f¸r. Wer dieses nicht will sehen,
Wer diefl nicht leiden kan, der lege nur bey Zeit,
Die Lust zur Wissenschaft, Buch, Kiel und Rohr beyseit.
Der Hafl wird gleich erweckt so bald die Flˆthen klingen,
Und wir nach Musen Art mit unsern Lippen singen.

Wie oftmals hab ich nicht aus Unmuth und Verdrufl,
Weil man so viel Gepl‰rr und Narrheit hˆren mufl,
Manch schˆnes Tage=Werck in tausend St¸ck zerrissen,
Und Phˆbens Lauten=Spiel in Winkel hingeschmissen.
Nur neulich nahm mich noch der feste Vorsatz ein,
Ein Feind der Poesie bifl in die Gruft zu seyn.
Allein der j‰he Schlufl ward bald zur¸ck getrieben;
Wie kˆnt ich das verschm‰hn, was kluge Leute lieben?
Man schweige g‰nzlich still; man tadle Midas Sohn,
Man lobe Mavors Kind, man findet gleichen Lohn.
Man mag die Tugend schˆn, die Laster hefllich schelten,
Der Danck ist einerley; wir m¸ssens doch entgelten.
Wer Tugend und Vernunft an allen Menschen liebt;
Die Weiflheit ehrt und sch‰tzt, der Warheit Beyfall giebt,
Sich niemahls scheel dazu, wenn man Satyrisch dichtet,
Und auf die ¸ble Zucht die sch‰rfste Hechel richtet.
Ist jemand Nabals Art, an Geld und Boflheit reich,
Der bleibet doch verstockt es gilt ihm alles gleich.
Kan ich die Narren nicht durch sanfte Lieder r¸hren,
Ey! So versuch ichs jetzt durch beissende Satyren!
Der Vorsatz ist gefaflt, die Flˆthe ist gestimmt;
Was frag ich nach dem Neid, der sich schon windt und kr¸mt.
Ich singe von der Welt und von verderbten Sitten:
Mein Satyr hat sich schon ein neues Rohr geschnitten.

* * *

Da noch die Erde stund; die Sonn im Cirkel lief;
Da man den tapfersten zum Regiment berief;
Da Helden aus der Schlacht durch ihre Kunst im Siegen,
Den hˆchsten F¸rsten=Stuhl, und Kˆnigs=Thron bestiegen;
Da man den Adel nicht nach sechzehn Ahnen mafl,
Und den nur adlich hiefl der Tugenden besafl,
Der sich nur durch sich selbst Glanz, Ehr und Ruhm erworben,
Dem Vaterland zu Nutz gelebt und auch gestorben.
Da man den W¸rdigsten zum Landes=Vater nahm,
Ob er schon nicht vom Blut gekrˆnter Prinzen kam;
Da man aus Liebe nur zu solcher Zeit die Br‰ute,
Nicht aber nach Geburt und Tonnen Goldes freyte;
Da mancher F¸rst im Thor und im Gerichte safl,
Die Klagen selbst vernahm, und erst das Urteil lafl
Eh er es unterschrieb; da F¸rsten das genossen,
Was sie durch Fleifl gezeugt, und durch die Faust geschossen,
Da eine Gasterey aus Honig, Wein und Bier,
Aus einem guten Kalb, nebst einem fetten Stier
Und Kuchenwerck bestund; da man noch F¸rsten Frauen
Bey ihrer M‰gde Fleifl und Arbeit konte schauen;
Da man wie Jacob dort wohl ganzer vierzehn Jahr
Um eine Braut gedient, die schˆn und h‰ufllich war.
Da man mit Eyden nicht als wie mit Blumen spielte;
Und was man zugesagt, bey Treu und Glauben hielte;
Da noch die Tapferkeit in Thiere H‰ute kroch,
Und man im Felde nicht nach Mehl und Biesam roch;
Da man ein schlechtes Kleid statt seidner Stofe f¸hrte,
Und ein gestickter Rock nur Kˆnigs=Kinder zierte,
Da war noch gute Zeit; da bl¸hte Volk und Staat;
Da fand der Landmann Trost; da fand der B¸rger Rath,
Und jeder Schutz und Recht; da d¸rfte man nicht klagen,
Dafl die Gerechtigkeit zu Grabe sey getragen.
Kein Reicher ward geprest, kein Landmann arm gemacht,
Die Waysen wurden nicht um Geld und Guth gebracht.
Da gieng die Redlichkeit durchaus in vollem Schwange?
Weil Mein und Dein noch nicht die n‰chsten Freunde drange.
Da ward der Eltern Schweifl nicht freventlich verpraflt;
Verschwendung war so sehr als wie der Geitz verhaflt;
Da pflegte man sich noch in reine Keuschheits=Seiden,
Und nicht in Wollusts=Schmuck und Hoffart einzukleiden.
Ein jeder hatte sich nach seinem Stand geschm¸ckt.

Da aber nach der Zeit der Thier=Kreifl sich verr¸ckt,
Und ein Copernicus den Erd=Ball umgedrehet,
Dafl nun derselbe lauft, die Sonne stille stehet;
So h‰lt die Tugend auch im Lauf gar ˆfters ein,
Es scheint der Menschen Thun ganz umgekehrt zu seyn.
Jetzt zeigt die Demuth nicht die schˆnen alten Proben.
Die Sitten sind verderbt, wer will die Zeiten loben?

* * *

Der Seelen Wandelung wird niemand Glauben geben.
Warum? Wir wissen jetzt von einem andern Leben.
Inzwischen sieht man doch dafl Ahabs schnˆder Geist,
Mit samt der Jesabel sich noch auf Erden weist.
Ich d‰cht, es s‰sse ja dort am Regierungs=Ruder
So mancher ungerecht und bˆser Ahabs Bruder,
Der nach des N‰chsten Haus, Gut, Feld und Garten tracht,
Und t‰glich sorgt und sinnt, wie er es kl¸glich macht,
Dafl er durch armen Schweifl mit einem Schein der Rechte
Sein Haus noch grˆsser bau, sein Gut verst‰rken mˆchte.
Hier d¸rst er geitziglich nach einem Reben-Berg;
Dort nach dem schˆnen St¸ck von Feld und Gartenwerk.
Hier macht er auch so gar nach Hunden, Vieh und Pferden
Die eigenn¸tzigsten und gr‰ulichsten Geberden.
Da f‰llt ihm wiederum der Vˆgel Stimm und Zier,
Hier Flinten und Gewehr zum Augenmerke f¸r.
Kurz, was er hˆrt und sieht, das will und mufl er haben,
Und solt er sichtbarlich damit zur Hˆlle traben.
Sein Geitz und Eigennutz, sein Neid, Stolz und Betrug
Macht den verruchten Geist durch krumme R‰nke klug;
Doch weil ein bˆser Geist die Einsamkeit verfluchet,
Und sieben St‰rkre noch zur treuen Freundschaft suchet.
So wehlt er sich zum Trost, zum Rath und H¸lf=Gesell
Der Tugend Mˆrderin, die freche Jesabel.
Da mufl die Themis fort; das Recht wird unterdr¸cket;
Und auf des N‰chsten Halfl der Boflheit Schwerd gez¸cket;
Da wird des B¸rgers Gut um Spott=Geld feil gemacht;
Da heists: verkaufs doch dem, der Strafe, Recht und Macht
In seinen H‰nden hat; er kan euch wieder schaden,
O! setzt euch doch vielmehr bey ihm in Gunst und Gnaden.
Spricht denn der arme Mann: Der Reiche hat sein Brod,
Diefl aber dienet mir zu meiner Leibes=Noth;
Diefl ist das einzige, woran ich mich erfreue;
Sein Haus ist grofl genug zur Wohnung, Stall und Streue.
Mein H‰usgen ist zwar schlecht, doch liegt es mir bequem,
Weil ich von diesem Ort die meiste Nahrung nehm,
Drum ist es mir nicht feil. Da lodert denn das Feuer
Aus seiner Asch herf¸r; da tobt das Ungeheuer,
Da raflt die Hˆllen=Brut, und saget ohne Scheu:
Dafl diefl ein troziger und bˆser B¸rger sey.
Da kr‰nkt, da dr¸ckt man ihn, dafl er sich soll vergehen,
Da sucht man Sylb und Wort mit Vorsatz zu verdrehen.
Da b¸rdet man ihm auf, er hab der Obrigkeit
Geflucht, und ihr mit GOtt und seinem Zorn gedr‰ut.
Da heists, man straf ihn nur an Leib und Gut und Ehre,
Und wenns auch wider GOtt und alle Rechte w‰re.
Die Warheit wird verlacht, die Unschuld ausgehˆhnt,
Und die Gerechtigkeit mit Schimpf und Spott gekrˆnt.
Das Evangelium mag hin und her gebiethen,
So sucht doch Jesabel und Ahab fort zu w¸then.
Da wird der arme Mann mit List, Gewalt und Macht
Um Haus und Feld und Vieh, und was er hat, gebracht.

Heist diefl das Richter=Amt an GOttes statt verwalten?
Heist difl den Unterthan bey Freyheit zu erhalten?
Es sollen V‰ter seyn, durch die sich jeder nehrt;
Ja R‰uber, deren Wuth der Armen Schweifl verzehrt.

Wenn edle Geister sich durch Pulver oder Schriften,
Durch Groflmuth, Fleifl und Witz ein ewig Denkmaal stiften:
So w¸nscht ihr auch ein Maal damit man von euch spricht.
Doch weil euch Geist, Vernunft und Trieb darzu gebricht,
Weil euch der Weg zu schwer; so tragen Ahabs H‰nde
Des Nahmens schnˆden Ruf bifl an der Erden Ende.
O Ruf! O Nahmens=Maal! das zwar nicht untersinkt;
Das aber nur nach Schand und nach der Hˆlle stinkt.
O Ruf! der euch ein Maal, ein Brandmaal ins Gewissen
Und Schandfleck ins Gesicht geritzet und gebissen.
So tobt, so raflt die Welt, so stirbet die Vernunft;
So lebt die Laster=Brut; so bl¸ht der Thoren Zunft.

* * *

Ach! die Gerechtigkeit steht in verhaflten Orden,
Und ist jetzt leider! fast zur Exulantin worden.
Die Boflheit und der Geitz, der Laster schnaubend Heer
Treib sie aus ihrem Reich; und klagt sie noch so sehr,
So sind die Ohren taub. Mit ihren frommen Minen,
Mufl sie der tollen Welt zum Hohn=Gel‰chter dienen.
Wie j‰mmerlich siehts doch um ihr geheiligt Haus,
Um ihren Richterstuhl und Schwerd und Wage aus.

Den Brief, den der Prophet am Himmel sahe fliegen,
Nach welchem Diebstahl, Mord, und Meineid und Betr¸gen
Vor from gesprochen ward, der ist anjetzt das Geld,
Wodurch man Frˆmmigkeit und alles Recht erh‰lt.
Geld hat schon hier und da die Oberhand genommen;
Nur durch der Berge Mark kan man zum Rechte kommen;
Durchbrich das Mauerwerk und stiehl wie Nickel List.
Wenn du nur Reich an Raub und alten Thalern bist,
So f¸rchte dich nur nicht vor Bande, Strick und Ketten,
Geld kan vom Staupenschlag, ja gar vom Galgen retten.
Und bist du wieder lofl, so stiehl behertzt aufs neu,
Gedencke, dafl diefl Gut vor bˆse Richter sey.
Allein hast du kein Geld die Richter zu verblenden,
Und deinem Advocat ein Wildpret zuzusenden:
So halte Ruth und Strick nur Hals und R¸cken hin,
Und w‰r dein Diebstahl auch vom schlechtesten Gewinn;
Hast du gleich Joabs Schwerd auf Abners Brust gez¸cket
Und deinen Gegenpart in Plutons Reich geschicket,
So geh und stelle nur verlangte Caution,
Gieb denen Richtern Geld, so kˆmst du bald davon.
Hast du die Eh befleckt, den Glaubiger betrogen;
Dem Nachbar Wiefl und Feld durch Falschheit abgelogen;
Des N‰chsten Unschulds=Kleid und guten Ruf verletzt,
Und der Betr‰ngten Pfand, das man bey dir versetzt,
Mit List an dich gebracht: So darffst du nicht verzagen,
Man mag dich noch so sehr in dem Gericht verklagen.
Bem¸he dich nur bald um einen Advocat,
Der ein Gewissen so wie Priester-Ermel hat,
Den Hader, Eigennutz und Zank so hoch vergn¸get,
Als einen Kriegesmann der was zu pl¸ndern krieget,
Und dessen Herz voll Trotz, das Haupt voll arger List,
Die Seele voll Betrug, und frecher Boflheit ist,
Der sieben Zeilen nur auf eine Seite schreibet,
Und seine Schriften stets auf zwanzig Bogen treibet.
Der so viel Kosten macht als der Procefl begehrt,
Und ihn so boflhaft dreht, dafl er viel Jahre wehrt.
Dem f¸ll die krumme Hand mit Ophirs g¸ldnen Sch‰tzen,
So wird er bald das Recht der Gegen=Part verletzen;
Nimm selbst den Advocat von deinem Gegner ein;
Schenk ihm ein St¸ck zum Kleid, ein stark und fettes Schwein,
Ein Fafl voll Rebensaft, und andre schˆne Sachen,
So wirst du ihn schon mild, und dir gewogen machen.
Geh auch zum Richter hin, und f¸lle ihm die Hand
Mit wilden M‰nnern an, mit Gold aus Ungerland.
Und weigert er sich ja; so gieb es seinem Weibe,
Bring ihr ein St¸ck Damast und Sammtes Zeug zum Leibe,
Band, Spitzen, Leinewand, und Peltz zum Unterkleid,
F¸ll Stall und K¸che aus; so kriegst du immer Zeit.
Der Advocat h‰lts auf, der Richter wirds verziehen,
Dein Gegner mag sich gleich auch noch so sehr bem¸hen
Den letzten Spruch zu sehn. Ja wenn er sich beschwehrt,
Des Zahlens m¸de wird, und endlich Recht begehrt,
Da heists: Ihr habt kein Recht: Wer Geld giebt der gewinnet.
Des Frommen Angesicht, das voller Thr‰nen rinnet,
Wird jetzt nicht mehr geacht; der Witwen Klag=Geschrey,
Der Waysen heisses Flehn steht man durchs Recht nicht bey.

Verfluchte Gottesfurcht! verdammtes Christen=Leben!
Heist diefl dem Recht sein Recht nach GOttes Vorschrift geben?
O! sollen dieses wohl der Armen V‰ter seyn?
O! mˆchte nicht das Recht zu GOtt um Rache schreyn?
Bey Heyden wird man kaum dergleichen That und S¸nden,
So wenig Gottesfurcht, als unter Christen finden.

O groser Samuel! bleib ja in deiner Gruft,
Steh nicht von Todten auf; komm nicht in deutsche Luft.
Man w¸rde sonst dein Amt und richterlich verwalten
Vor dumm, vor abgeschmackt, vor kahl und thˆrigt halten.
Du hast ja, wie bekannt zu Israel gesagt:
Kommt her! Wer wieder mich und meinen Richtstab klagt!
Kommt! sagt mir, ob ich euch in meinem Amt betrogen?
Ob ich Geschenk geliebt; das Gut an mich gezogen?
Wem ich das Recht gebeugt, der zeuge wider mich!
O! diese Reden sind anjetzt zu l‰cherlich:
Der Hochmuth w‰chst und steigt, der Geitz hat zugenommen.
Wie w¸rde man denn sonst zu solchen Reichthum kommen?

O! gieng der Heyland jetzt von neuen auf die Welt,
Und spr‰ch: Wer unter euch nichts von Geschenken h‰lt,
Und davon freyer ist als dort die Pharis‰er
Von S¸nd und Ehebruch, der komm und trete n‰her,
Ihr andern weicht von mir! wie viele w¸rden fliehn,
Und sich besch‰mt und stumm mit Furcht zur¸cke ziehn.

Solt Alexander jetzt wie ehemals geschehen,
In ganz verstellter Tracht auf manches Richthaus gehen, (b)
Er tr‰ffe warlich nicht dergleichen M‰nner an,
Die also handelten wie jener Mund gethan,
Die Richter w¸rden nicht den Schatz zur¸cke weisen,
Da sie ihn heut zu Tag begierig zu sich reisen.
Solt jetzt Cambyses wohl dem Richter, der das Recht
Des Geldes wegen beugt, der Freundschaft wegen schw‰cht,
Die Haut vom Leibe ziehn und an den Richtstuhl nageln, (c)
Wie grausam w¸rde man auf solche Strafe hageln?
Wie mancher Richter=Sitz, den man jetzt pr‰chtig schaut,
Bek‰m an statt des Schmucks wohl mehr als eine Haut.
Erforschte mancher F¸rst (d) zugleich die Advocaten,
O! so bek‰m gewifl der Hencker manchen Braten.
Es w¸rde mancher Baum zum Galgen abgehackt
Und manches Glied vom Leib mit Eisen abgezwackt,
Hingegen aber auch (was w¸nscht man mehr auf Erden?)
Recht und Gerechtigkeit nicht leicht gequ‰let werden.
Wo sieht man, dafl der Herr jetzt im Gerichte wohnt?
Dafl man die Frevler straft, die Unschuld aber schohnt,
Und den Regenten=Stab mit Tugend unterst¸tzet,
Mit rechtlich kluger Hand die Acten=Feder schnitzet?

* * *

Wie gl¸cklich ist ein Mensch der stets das Ohr verstopft,
Wenn gleich die Tugend kˆmmt und thr‰nend klagt und klopft.
Wie wohl, wie wohl ist dem, der stille sitzt und schweiget,
Wenn dort ein w¸ster Kopf die Ehren=Bahn besteiget.
Ein zugeschloflenes Ohr, ein zugeh¸llt Gesicht,
Und einen Mund der nichts als Ja zu allen spricht,
Ein Auge voller List erfordern unsre Zeiten,
Wer so nicht leben kan der wird nicht viel bedeuten.

Doch nein! mein Eifer brennt, er ist gerecht und gut.
Wer nur die Laster schilt, wer nur die tolle Brut
Bey ihren Nahmen nennt, und vor den Spiegel stellet,
Der k‰mpft wie ein Soldat der tolle Feinde f‰llet,
Und kriegt ein gleiches Lob, von der noch guten Welt,
Die nach der Tugend greift, und noch auf Wohlstand h‰lt.

Was vor ein heiser Schmertz hat meine Brust befallen!
Der Adern rothe Saft f‰ngt kochend an zu wallen;
Mein Herz bebt wie ein Blat, mein Geist entsezt sich ganz,
Wenn ich die alte Zeit mit ihrem Werth und Glanz,
Und unsre Zeiten seh. Wo ist der Rˆmer Zierde,
Ernst, Einsicht, Tugend, Recht und lˆbliche Begierde
Nach guten Sitten hin? wodurch bestand ihr Flor?
Sie zog nicht Geld und Stand der Kunst und Tugend vor.
Wer vor das Vaterland beherzt und klug gestritten;
Wer sich verdient gemacht, Vernunft und guten Sitten
Begierig nachgestrebt; wer und klug redlich war,
Den sezte man ins Amt und zu der V‰ter Schaar.
Jezt scheint der Tugend=Licht sich gleichsam zu verdunkeln:
Sie kan, O Finsternifl! nicht mehr wie ehmahls funkeln.
Carthago schimpft sich noch. Denn sie vergab ums Geld
Amt, Ehre, Stand und Dienst; was thut denn unsre Welt?

Wie thˆrigt w¸rde doch dein Rath o Jethro! klingen,
Wenn du wie ehemals den Vortrag woltest bringen:
Sezt diese, diese nur in Amt und Dienste ein
Die klug, gerecht und fromm, warhaft und redlich seyn,
Ja, die den schnˆden Geiz von Grund der Seele hassen:
Man w¸rde dir gewifl ein Liedgen singen lassen,
Das dir sehr schlecht gefiel. Es hiefl: der Mann ist toll,
Er weifl noch nicht einmahl wie man recht leben soll.

Die Zeit ist nicht mehr hier, die ehedem gewesen,
Denn was wir hier und da in alten B¸chern lesen,
Das geht bey uns nicht an. Die Zeiten sind jezt neu,
Da man nicht lange fragt, ob jemand w¸rdig sey.
Wer in der Auction der Aemter wacker biethet;
Die Stimmen um das Mark der tiefen Kl¸fte miethet,
Der steiget schnell empor, und wird ein Licht der Stadt,
So wenig er auch sonst an Witz und Tugend hat.
So wenig er erlernt, wie man den Richt=Stuhl zieren,
Und was man wissen mufl, ein Amt gerecht zu f¸hren.

So geht es, leider! her. Allein was folgt darauf?
Dem Miethling ist nunmehr die Themis selbst zu kauf;
Sein drangewandtes Geld l‰flt ihn nicht ruhig schlafen,
Er trachtet Tag und Nacht, wie er es von den Schaafen
Mit Vortheil wieder zieht. Da sinnt er auf Betrug,
Setzt viele Sporteln an, und andre Kosten gnug.
Da wird der Neben=Christ, der Unterthan gedr¸cket,
So gut sichs nach der Zeit und seinem Anschlag schicket.

Wem aber nicht das Gl¸ck die Bˆrse schwer gemacht,
Der wird durch Kupplerey zu Amt und Stand gebracht,
Er schleicht sich voller List und Schmeicheley nach Hofe,
Und nimmt die abgek¸flt und sonst beliebte Zofe
Zum lieben Ehgemahl. Da wird er denn ein Mann
Der wacker und galant und herrlich leben kan.
Ey seht? Wer wolte nicht durch schˆner Frauen Sch¸rzen
Sein Gl¸ck und Ehre baun, und seine Noth verk¸rzen!
Ihr M‰nner! tretet auf! trotzt! raubt uns diesen Ruhm!
Ist nicht die Zwingungs=Kraft der Weiber Eigenthum?
Die St‰rcke ihrer Hand, die Artigkeit der Minen,
Und der beredte Mund mufl euch zur W¸rde dienen.
Man hat den alten Brauch nunmehro abgethan,
Da blofl der Mann durch sich zum Manne werden kan.
Durch Weiber m¸ssen jetzt die M‰nner M‰nner werden:
Durch Weiber werden jetzt auch Hirten ¸ber Heerden.

Ich tadle dieses nicht, dafl sich ein Mann bem¸ht,
Und bey dem Ehverband auf seine Wohlfahrt sieht,
Ein kluger mufl ein Schmidt von seinem Gl¸cke heisen.
Diefl kan er nirgends ehr als bey der Heyrath weisen,
Wenn er durch Fleifl und Witz, Treu, Tugend und Verstand,
Der Eltern Lieb und Gunst, der Gˆnner holde Hand
Und Herze zu sich zieht, und solch ein Weib erlanget,
Das nebst dem Reichthum auch mit schˆner Tugend pranget.
Diefl ist der Vorsicht=Schlufl, diefl ist der W‰chter Rath,
Wenn Moses, den die Furcht und Angst vertrieben hat,
Durch seiner Tugend Glanz sein Gl¸ck by Jethro gr¸ndet,
Und Mahlon Gl¸ck und Wohl bey Moabs Tˆchtern findet,
Wenn Jacob, der den Grimm des Esaus fliehen mufl,
Und in entfernter Luft durch GOttes weisen Schlufl
Sein Gl¸cke suchen soll, der Rahel Herz gewinnet,
Und Labans Gunst erh‰lt, weil er auf Mittel sinnet,
Wodurch der Segen sich in seiner Arbeit mehrt,
So, dafl ihn jedermann deswegen liebt und ehrt.
Wenn Saul des Davids Gl¸ck und Treu und Dienst betrachtet,
Und Michal ihm zur Braut zu geben w¸rdig achtet,
Difl kommt vom Sternen=Pol und von der Allmacht her.
So fˆrdert keusche Lieb Gl¸ck, Wohlstand, Ruhm und Ehr.

Wenn aber sich ein Mann nach Frauen=Lippen sehnet,
Die schon ein geiler Mund beflecket und verwehnet;
Wenn er die Delila so hoch als Sara sch‰tzt,
Und sich recht wissentlich in Hanrey=Orden setzt,
Um nur der F¸rsten Gunst und Liebe zu erlangen,
Und als ein Herr und Mann in Amt und Dienst zu prangen
Der mufl schier f‰llt mir gleich das alte Sprichwort ein;
Ein rechter braver Kerl, ja wohl noch sonst was seyn.

Doch warum ‰rgert euch, die Heyrath frecher Dirnen?
Was, soll ich ¸ber euch ihr Venus=Nympfen z¸rnen?
Nahm doch Hosea dort, der ein Prophete war,
Zu seiner Frau ein Weib aus frecher Huren=Schaar.
Wer kan es wohl mit Recht den D¸rftigen verdencken,
Wenn sie aus Geld=Begier ihr Herz der Dina schenken?

Wer hat bey F¸rsten Gl¸ck? wer baut sein Ehren=Haus
Bey Gˆttern dieser Welt? vieleicht wer frey heraus
Und nach der Redlichkeit die rechte Art beschreibet,
Nach welcher Volk und Land am ersten gl¸cklich bleibet;
Nach welcher sich ein Herr den Thron im Herzen baut;
Dafl man ihn Freudenvoll und nicht mit Zittern schaut;
Dafl diefl ein Titus sey der voller Huld regieret,
Sein Amt dem Argus gleich auch schlummrend wachsam f¸hret.
Der f¸r gemeine Ruh gleich als ein Pharus brennt;
Der keine Schmeicheley; nur blofl die Warheit kennt;
Der treue Diener nicht wie Sigismund (e) belohnet;
Der zwar die Boflheit straft, der Unschuld aber schonet;
Ja der wie Salomon der Weisheit sich ergiebt,
Und solche hˆher noch als Ehr und Reichthum liebt.
Was meint ihr: solte wohl ein Mann von solchen Wesen
Und solcher Redlichkeit sein Gl¸ck am Hofe lesen?
An manchen glaub ich wohl; doch mˆchten wenig seyn
Die diefl beherzigten. Der schnˆde Heuchel=Schein
Hat meist die Oberhand, bifl Artaxerxen tr‰umet,
Er hab an Esters Freund die Dankbarkeit vers‰umet.
Indessen steigt doch fast nur Hamans Brut empor,
Wer sich in Fuchs=Pelz h¸llt, und mit der Schmeichler Flor
Das Angesicht bedeckt, der darf nach Hofe kommen,
Und wird noch desto ehr zum Diener angenommen,
Wenn er Projecte macht, wodurch man Geld gewinnt;
Wie man auf Aecker, Haus, auf Nahrung, Pferd und Rind
Und Dienste Gaben legt, die vormahls nicht gewesen,
Von welchen sonst kein Wort im Freyheits=Brief zu lesen;
Wie man die B¸rgerschaft mit Zoll, Acciefl beschwert,
Und ihnen mit Manier den Beutel folgends leert.

Doch seht! ihr br¸stet euch und gebt mir zu verstehen,
Es fordre grosen Witz mit Prinzen umzugehen,
Man m¸sse jederzeit aus Ehrfurcht, Lieb und Treu
Auf ihr Intresse sehn, dafl diefl in Wachsthum sey.
Gar recht: Bedenkt auch nur fein allzeit das Gewissen;
Ihr d¸rft es leicht versehn, so trit man euch mit F¸ssen;
Vom Feuer und vom Licht bleibt schlaue Klugheit fern,
Denn wer zu nahe kˆmmt derselbe brennt sich gern.

Ihr Thoren! die ihr euch so gern in Fuchs=Peltz kleidet
Wie kˆmmt es, dafl ihr nicht die glatten Worte meidet?
Ist wohl ein Fuchs so dumm, dafl er sich dahin h‰lt,
Wo man vor kurzer Zeit den Cammerad geprellt?
List, Schmeicheln, Eigennutz, Verr‰hterey und L¸gen
Die dauren kurze Zeit, es kan sich leichte f¸gen,
Dafl sich das Bl‰tgen kehrt; sehr selten findet man,
Dafl einer sich dadurch im Gl¸ck erhalten kan,
Weil grosser Herren Gunst gar bald wie Schnee zergehet,
Da nach dem heisen Strahl ein Regen=Gufl entstehet.
Die Unbest‰ndigkeit findt stets bey Hˆfen Raum;
Der F¸rsten Gnad und Huld ist meist ein s¸sser Traum.
Die Frucht, die j‰hlings reift, die Blume die bald bl¸het,
F‰llt desto eher ab, wie man ja t‰glich siehet.
Je schnell, je hˆher man bey grosen Herren steigt,
Je n‰her ist das Gl¸ck zu seinem Fall geneigt.
Wie ˆfters sinken nicht die grˆsten Favoriten!
Erst herrschten sie im Schlofl; jetzt darben sie in H¸tten.

Ihr Thoren! die ihr euch nach Herren Gnade dringt,
Und sie durch mancherley Betrug und List erzwingt,
Wenn gleich der B¸rger seufzt, und euch im Herzen hasset,
Was ist es dafl ihr euch auf ihre Gunst verlasset?
Sie w‰hret doch nicht lang; kˆmmt endlich euer Fall
So ist kein Freund nicht da, so ruft man ¸berall:
Triumph! der Haman liegt, der Land und B¸rgern fluchte,
Und ihren Schaden nur durch seine R‰nke suchte.
Man diene seinem Herrn als ein getreuer Mann,
Das heist weit kl¸glicher gehandelt und gethan,
Dr¸ck aber nicht das Volk, und sey nicht stolz im Gl¸cke,
So kriegt man doch beym Fall noch Mitleids=volle Blicke:
Da jener, welcher nur den Unterthan geplagt,
Und ausgesogen hat, warhaftig nicht beklagt,
Und nur verspottet wird; wer Herren Gnade trauet,
Der hat sein Haus und Gl¸ck auf leichten Sand gebauet;
Der schwebt wie auf dem Meer, da bald ein Sturm entsteht,
Wodurch Gl¸ck, Hofnung, Trost und Leben untergeht.

Ein andrer Weg ist noch (wenn sonst nichts mehr zu hoffen,
Und Treu und Tugend weg) zum Amt und Ehre offen.
Verl‰ugne deinen GOtt und die Religion,
So tr‰gest du ein Amt und manch Geschenk davon.

Ist das die schˆne Bahn zur Ehren=Burg zu steigen?
Wie will ein solcher sich gerecht und Treu bezeigen?
Folgt nicht hieraus der Schlufl: Wer GOtt nicht Glauben h‰lt,
Und ihn verschwˆrt und teuscht, der wird gewifl der Welt,
Dem N‰chsten und dem Land wohl schwerlich treu verbleiben,
Und sein vertrautes Amt gewissenhaftig treiben.

* * *

Wie gl¸cklich warst du doch ber¸hmtes Griechenland!
In deinem grˆflten Glanz; ich meine, da dein Stand
In Flor und Freyheit war; da man die Arbeit liebte;
Da deine Jugend sich in Ritterspielen ¸bte;
Da man den Lorbeer=Zweig durch Kunst und Fleifl erwarb,
Und wie man erst gelebt, so auch mit Ehren starb.
Du warest ohne Geld und Stand ber¸hmt und weise,
Die Tugend ward belohnt; nach klug vergoflnem Schweise
Ward jeden nach Verdienst der Ehren=Kranz gebracht,
Und also durch sich selbst die Bahn des Gl¸cks gemacht.

Wo sind die Zeiten hin, da die Gymnosophisten
Die Jugend eher nicht mit Kost und Lob begr¸sten,
Als bifl ein jeder sprach: Diefl hab ich heut gethan;
Ich habe nach Befehl der edlen Tugend Bahn
Mit Ernste nachgefolgt; diefl hab ich aufgeschrieben,
Worzu die Weisheit mich mit Nachdruck angetrieben.
Diefl hat mein reger Fleifl und Witz hervor gesucht;
Diefl ist von meinem Geist und Einsicht eine Frucht?
Wo ist der Parther Brauch? der meistens dahin gienge,
Dafl nie ein fauler Mensch den Unterhalt empfienge.
Wie ‰ndert sich die Zucht? Wie ‰ndert sich die Zeit?
Jetzt wird der d¸mste Kopf mit Ehr und Schmuck erfreut.
Vergebens ist es jetzt, dafl man die Tugend liebet,
Vergebens, dafl man sich in Wissenschaften ¸bet,
Vergeblich, dafl man Tag und Nacht bey B¸chern schwitzt,
Umsonst, dafl man den Kiel zu klugen Schriften schnitzt.
Geld macht jetzt tugendhaft, gelehrt, geschickt und weise:
Ein reiches Stutzergen kan mehr als alte Greise,
Verstand, Gelehrsamkeit, Witz, Ansehn und Vernunft,
Ring, Hut, ja gar ein Platz in der gelehrten Zunft,
Ist jetzt so gut als Obst um baares Geld zu haben.
Geld; nicht die Wissenschaft, sind jetzt die besten Gaben.
Geht ins gelehrte Haus, und ins Collegium,
Beseht den Candidat, ob solcher nicht so stumm
Wie der Catheder ist? Man wird ja sonder Gr‰men,
Sich als ein Stoicus zwey Stunden kˆnnen sch‰men.
Wie viele giebt es nicht, die klug und weise sind,
Ob man bey ihnen gleich sehr wenig Suadam findt;
Mufl nicht die Theorie der g¸ldnen Praxi weichen?
So kan ein Doctorand der Weisheit Grund erreichen,
Und doch kein Redner seyn. Zudem, was ist es dann
Wenn schon der Candidat nicht wohl bestehen kan,
Und ˆfters stille schweigt? Hat man doch sonst vernommen,
Dafl grose Redner nicht in Reden fortgekommen.
Auch selbst Demosthenem erschreckt der Gegenstand.
Ein Haupt das Kronen tr‰gt, der Scepter in der Hand,
Der Strahl der Majest‰t macht kluge Redner blˆde.
Allein vor dem erschrickt fast mitten in der Rede
Der neue Doctorand? ha! ha! jetzt f‰llt mirs ein,
Es wird ein tiefer Satz vom Opponenten seyn,
Den er sich nicht versehn. Der Vorwurf ist zu wichtig,
Die Schl¸sse ¸berhaupt sind b¸ndig, gut und richtig;
Diefl giebt nun seiner Brust den h‰rtsten Donnerstreich,
Diefl macht, dafl auch sein Herz als wie ein Wachs so weich,
Die Zunge starrend wird. Die Angst wird immer st‰rker,
Das Herze klopft so stark als kaum in einem Kerker
Ein Inquisite bebt, wenn sich der Opponnent
Zu einem andern Satz und neuen Vortrag wendt;
Die Dissertation hat er nicht kˆnnen machen,
Drum weis er nirgend hin; da giebt es gnug zu lachen.
Indefl bekommt er doch, was seine Brust vergn¸gt;
Was schadets, wenn man gleich mit fremden K‰lbern pfl¸gt.
Ja, ist die Noth auch gleich aufs ‰userste vorhanden,
Und scheints, als w¸rde jetzt der Doctorand zu schanden,
Weil er nichts reden kan, so legt ein Freund sich drein,
Und sucht in dieser Angst sein Advocat zu seyn.

O du Beredsamkeit! Was fliehst du von den meisten,
Und wilst zur Zeit der Noth gar keinen Beystand leisten.
Jedoch was klag ich doch den Gˆtter=Bothen an?
Ist nicht der Unverstand und Tr‰gheit Schuld daran?
Wer fordert denn von dir ein sp‰t und langes Schwatzen,
Als wolte dir der Bauch vor groser Weisheit platzen.
Sprich kurz, doch aber gut, klug, geistreich, gr¸ndlich, rein,
Beredsam, angenehm, so magst du Doctor seyn.
Kan doch ein Ackerknecht, und dummer Sch‰fer=Junge,
Mit seiner unberedt und ˆfters rauhen Zunge,
Von Schaafen, Pflug und Trift, von Aeckern, Pflanzen, Saat,
Geschickte Antwort thun, so viel er Kundschaft hat.
So wird ein Candidat doch so viel Maul besitzen,
Als ihn zur Zeit der Noth zur Ehre kˆnte n¸tzen.
Die schlechte Wissenschaft und nicht der Mund ist Schuld;

Die Liebe hat indefl mit St¸mpern auch Gedult.
O Deutschland! glaube nicht bey Schenckung deiner Ehren,
Als ob in Welschland nur Doctores fruchtbar w‰ren;
Du kriegst jetzt gleichen Ruhm. Nicht wahr? du sagest ja,
Dein groser Inbegrif h‰lt manches Padua.

* * *

Welch ein Trommeten=Thon erschallet bifl an Himmel!
Wer macht ein solch Getˆfl und m‰chtiges Get¸mmel
Wie dorten Jacobs F¸rst vor Jericho gethan?
Ey seht! ein altes Weib, und nicht ein Krieges=Mann
Erhebt ein solch Geschrey: Die Heucheley ruft heftig:
Folgt meinen F¸ssen nach! seyd munter und gesch‰ftig
In meinen Dienst zu gehen! r‰umt mir die Herzen ein,
Und laflt von eurer Treu den Wandel Zeuge seyn.
Entschuldget euch nur nicht mit schwacher Geistes=St‰rke;
Man lernet meine Kunst und meiner H‰nde=Werke
Mit schlecht und leichter M¸h. Auf! folget meinem Schritt,
Ich geb euch Geist und Kraft, Verstand und St‰rke mit.
Ihr sp¸hrt in meinem Dienst nichts von Gef‰hrlichkeiten,
Die andre Leute sonst bey ihrem Thun begleiten.
Nehmt nur die Lehren an die euch mein Mund erkl‰rt:

Ihr Kinder! wenn vieleicht ein Herr von euch begehrt,
Diefl oder jens zu thun; die Arbeit zu vollenden,
Diefl St¸ck zu ¸bergehn, und diefl zu ¸bersenden.
So macht ein Compliment, und sprecht ganz hˆflich ja.
Und ist denn sonsten noch was zu erinnern da,
So zieht die Achslen nur, und sucht euch nicht zu sperren.
So baut ihr euer Gl¸ck und macht euch gn‰dge Herren.
Und wenn euch ja ein Wort von den Propheten droht,
So unterdr¸ckt den Trieb, und werdet ja nicht roth;
Nehmt falsche Groflmuth an, verlachet alle Schande,
So seyd ihr mit der Zeit die Herrlichsten im Lande.

Kein tapfrer General, der in dem Felde wacht,
Hat je mit solchem Gl¸ck die Herzen aufgebracht,
Als jetzt der Heucheley ihr Vorsatz ist gelungen.
Das Volk kommt Schaaren=Weifl in ihren Arm gesprungen,
Dem ungewohnten Ruf und starken Stadt=Geschrey
F‰llt sonst der Pˆbel nur und lofl Gesindel bey,
Allein die Heucheley ist weit begl¸ckter worden;
Von M‰nnern von Verstand und aus ber¸hmten Orden
Wird ihr beliebtes Reich mit aller Macht erbaut;
Ja H‰upter, die man sonst vor S‰ulen angeschaut,
Um vor den Rifl zu stehn, sind meistentheils bem¸het,
In ihrem Dienst zu seyn, damit ihr Gl¸cke bl¸het.

Hebt eure Augen auf, dort sitzt so mancher Mann,
Der Zung und Lippen hat, und doch nicht reden kan.
Ich glaub die Allmachts=Hand hat solche statt der Gˆtzen
Zur wohlverdienten Zucht auf Erden lassen setzen.
Man heuchelt sich bey Hof und bey den Grˆsten ein,
Um nur ein Tafelgast und Tellerwisch zu seyn.
Um einen Becher Wein, um einen Wildpret=Braten,
Und hˆflich Compliment verricht man Judas Thaten.
Recht, Freyheit und Gebet, Lied, Kirchhof, Schrift und Wort,
Mufl ohne Zwang und Noth, nur blofl ans Heuchlen, fort.
Und wo ein Redlicher im Volke zu erblicken
Den schw‰rzt man sch‰ndlich an, und sucht ihn zu ersticken.
Die Glaubens=V‰ter sind bey der Verl‰umdung k¸hn,
Wenn sie durch L‰sterung um Fuchs=Schwanz sich bem¸hn.

Greift dort des Gegners Mund auf Lehrstuhl und Catheder
Kirch, Wort und Lehre an, und thut was sonst ein jeder
Nach Amt und Glaubens=Pflicht zu halten schuldig ist,
So ist man nicht so sehr mit Eifer ausger¸st,
Man schweigt, und trachtet nicht mit fest und ‰chten Gr¸nden
Den Gegner ˆffentlich geschickt zu ¸berwinden.
Das gˆttliche Gesetz befiehlet uns nicht nur
Zu eifern vor das Wort; die Regel der Natur
Hat auch in unser Herz der Ehrfurcht Trieb gegraben,
Vor unsre Glaubens=Lehr Sorg, Lieb und Muth zu haben.
Ein Heyd, ein Saracen, ein Mann vom Judenthum
Sorgt, weils nat¸rlich ist, vor seiner Kirche Ruhm
Und eifert vor die Lehr, und wir erleuchte Christen,
Die wir uns mit dem Wort und ganzen Nachtmahl br¸sten,
Sind in dem Eifer kalt, und in der Liebe lau.
Wo wiederleget man der Gegner Wort genau?
Wo suchet man den Schimpf der Kirche abzulehnen?
Und denen, die da schwach, den vesten Weg zu b‰hnen?

Wer vor der Kirche Ruhm und Ehr und Ansehn ficht,
Braucht gar nicht, dafl er frech und l‰sterhaftig spricht;
Mit sanfter Freundlichkeit, bescheiden und gelassen
Kan man den Gegensatz in wenig Worten fassen.
Gleich wie der Heyland spricht, das Wort soll ungemein
Und lieblich; aber auch mit Salz gew¸rzet sein.
So aber schweiget man gleich wie zum L‰stern stille,
Die Fehler groser Herrn erblickt man durch die Brille;
Den Reichen siehet man auch durch die Finger hin;
Denn Heuchlen bringet Gunst, Geschenke und Gewinn.

Wie hat die Heucheley den Geist so gar verblendet?
Wacht das Gewissen auf, so wird gleich eingewendet:
Red ich nach meiner Pflicht, so nimmt die Ehre ab.
Der Gˆtter Gnade f‰llt, ich krieg den Wanderstab.
Ist nicht die Erde grofl, wo gute Christen wohnen?
Die euch den Wanderstab mit besserm Gl¸ck belohnen?
Sagt, nennt mir einen nur, den man aus einer Stadt
Um GOttes Lehr und Ehr hinweg getrieben hat.
(O! liessen wir doch GOtt in allen St¸cken walten!)
Ob ihm die Vorsicht nicht ein Zoar aufbehalten?

Wer ist der, wenn man ihn an seinem Ruhm verletzt,
Sich nicht darwieder legt? GOtt wird zur¸ck gesetzt.
Vor seine Lehr und Ehr will man nicht muthig k‰mpfen,
Noch Feind und L‰sterer mit Wort und Eifer d‰mpfen.

Wo werd ich hinger¸ckt? Auf einmal stellt sich mir
Bey hellem lichten Tag ein Saal der Helden f¸r,
Mit Helden, die beherzt, so stark sie nur vermochten,
Vor GOttes Wort und Ehr und seinen Ruhm gefochten.

Ein jedes Helden=Bild ist k¸nstlich abgemahlt;
Im Tode sieht mans noch wie scharf ihr Auge strahlt;
Das kurze Sinn-Gedicht l‰flt uns ihr heilig Wesen
Zur Schande unsrer Zeit mit g¸ldnen Worten lesen.
Dort zeigt sich Bileam mit dieser ‹berschrift:
Nicht Ehre, noch Geschenk hat meinen Geist vergift!
Ich habe Israel um kein Geschenk verfluchet,
Wo ist ein Seher jetzt der mir zu folgen suchet?
Da steht bey Pinehas: Der Eifer trieb mich an,
Dafl mein erhitztes Schwerd den grˆst und reichsten Mann
In S¸nden nicht geschont, und seinen Hals zerbrochen,
Und meines GOttes Ehr nach Priester Pflicht gerochen.
Bey David lieflt man diefl: Der Eifer vor dein Haus
Mein GOtt, gieng eher nicht als mit dem Leben aus.
Elias f¸hrt die Schrift: Ich hab vor GOtt gestritten,
Und Hafl, Verfolgung, Neid deflhalb getrost erlitten.
Dort steht bey Amoz Sohn: Ich strafte grofl und klein,
Damit mein Hirten=Amt GOtt mˆcht gef‰llig seyn.
Bey Jeremia heists: dem Kˆnig und dem Knechte
Erkl‰rt ich ohne Furcht des Hˆchsten Wort und Rechte,
Und scheute weder Fluch, Verfolgung, Band noch Hohn.
GOtt gab mir auch hiervor das Himmelreich zum Lohn.
Dort steht bey Daniel: GOtt ist ein GOtt der Gˆtter,
Den ruft ich br¸nstig an, der ward auch mein Erretter.
Nicht Gold, noch Herrlichkeit nahm mich zum Abfall ein.
Jezt w¸rd ich wohl ein Narr genennet worden seyn.
Johannes Schrift heist so: Ich lies mich ehr ermorden,
Eh ich am F¸rsten=Hof ein Heuchler w‰r geworden.
Bey Paulo lefl ich diefl: Ich floh die Heucheley,
Was Felix wissen mufl, das sagt ich ohne Scheu.
Ich habe Hohn und Spott, Verfolgung und Verjagen
Um JEsu Wort und Lehr mit Freudigkeit getragen.

Hiermit verschwand der Saal mit allen Bilderwerk,
Und liefl mir diese Schrift zum letzten Augenmerk:
Der Helden Ehren=Bild wird in der Schrift gefunden,
Auf Erden ist ihr Geist und Bild, schon l‰ngst verschwunden.

Schweigt, schweigt ihr Physici, ich glaub euch nun nicht mehr,
Dafl nur der Basilisk in w¸sten Hˆhlen w‰r,
Man kˆnte nirgends sonst die sehr verschmizte Schlangen,
Als nur in d¸stern Wald und Felsen=Ritzen fangen.
Das Paradiefl hat sie so gut herf¸r gebracht,
Als wie das Tauben=Paar aus dem die Unschuld lacht.
Und ob sie GOtt auch gleich aus solchem Ort vertrieben;
So ist sie dennoch stets am schˆnsten Ort geblieben.
Der Schoofl Germaniens, das deutsche Herz und Blut,
Ist jezt ihr Aufenthalt, alwo sie sicher ruht.
Sie hat sich an der Brust der Menschen umgeschlungen,
Dafl auch ihr starker Gift durch Fleisch und Blut gedrungen.

Mir schaudert jezt die Haut, dafl ich sie nennen soll,
Wie ist doch unsre Zeit von den Verl‰umdern voll?
Wo ist dein alter Ruhm o Deutschland! hingekommen?
Hat die Verl‰umdung dir den alten Glanz benommen?
Man sah der Klugen Ruhm vordem nicht neidisch an;
Man ehrt und liebte den, der sich hervor gethan,
Und vor das Vaterland gerahten und gestritten,
Frost, Hunger, Schl‰g und Durst und Pestilenz erlitten.
Zog einer im Triumph mit Sieges=Reisern ein,
So muste Blumenwerk sein schˆnster Zierath seyn,
Mit diesen suchte man die Helden zu verehren:
Ein jeder liefl darbei ein muntres Jauchzen hˆren.
Wer nach der B¸rger Flor gerungen und gestrebt,
Und als ein Biedermann o schˆner Ruhm! gelebt,
Die Wissenschaft geliebt, den K¸nsten nach gerungen,
Und sich mit freyem Geist vom Pˆbel aufgeschwungen,
Dem war der Adel hold, der B¸rger liebte ihn,
Der Nachbar sah sein Haus mit vielen Freuden bl¸hn.
Dem, welcher hier zu Gl¸ck und zu Vermˆgen kommen,
Hat das Verl‰umdungs=Gift an Seegen nichts benommen.
Der Greisen Ehren=Kleid ward nicht durch Schaum befleckt,
Den der Verl‰umdungs=Mund aus seinem Halse streckt.
Der Jugend Tugend=Rock, der Weisheit g¸ldne Spangen
Besudelte kein Koth. Flieflt Thr‰nen von den Wangen!
Weicht alte Tugenden, und geht in Trauer=Flor,
Mit kl‰glichem Gesang zu dieser Zeit hervor.
Vieleicht wird unsre Zeit dadurch einmahl ger¸hret,
Dafl sie nach eurem Schmuck auch ein Verlangen sp¸hret.

Doch nein! es ist umsonst! Die Welt verlacht euch nur;
Sie nimmt die Birke schon und peitscht euch aus der Flur.
Hinweg! hinweg! mit euch! schreyt die Verl‰umdung immer.
Mit Freuden mach ich stets der Menschen=Herzen schlimmer.
Der Greifl, den Schlaf und Haupt mit Silber=Farbe deckt,
Von dem man glaubt und meint, dafl Tugend in ihm steckt,
Dafl er aus Redlichkeit der L¸gen widerstrebe,
Damit er jederman ein schˆn Exempel gebe.
Der raflt von Neid und Hafl; speyt auf des N‰chsten Haus,
Thun, Wandel, Ehr und Nahm Verl‰umdungs=Geifer aus:
Und eh sein Geifer st¸nd erd‰cht er eine Fabel.
Der J¸ngling, welcher kaum das Gelbe erst vom Schnabel
Vor kurzen abgewischt; dem Ohr und Baart noch treuft,
Von dem man Anfangs meint, weil er zur Pallas l‰uft,
Er w¸rde sich bem¸hn, der Tugend nachzuwandeln,
Der Weisheit nachzugehn, in allem klug zu handeln;
Der Rechte Gr¸ndlichkeit bed‰chtlich einzusehn;
Die Niedertr‰chtigkeit des Pˆbels zu verschm‰hn;
Den Sitten hold zu seyn; den Wohlstand zu betrachten,
Und das, was r¸hmlich ist im Herzen hoch zu achten.
Dem ist, wer sieht es nicht? Haupt und Gehirn verr¸ckt,
Die Thorheit hat bereits das gute Korn erstickt,
Weil die Verl‰umdung ihn aus ihrer Brust getr‰nket,
Und da er ihr gehorcht, gedoppelt eingeschenket.
Der Tugend werden selbst viel Flecken angedicht;
Der Fleifl wird spˆttiglich verhˆhnet und gericht;
Die Weisheit ¸berkleidt ein Pinsel giftger Farben;
Der Unschuld Angesicht bezeichnet man durch Narben;
Der frˆmmste GOttes=Mann wird nicht davon verschont,
Sein treu und ehrlich Thun wird ihm mit Gift belohnt.
Ja die Gerechtigkeit mufl sich fast auf der Gassen
Von dem Verl‰umdungs=Zahn zur Schmach verl‰stern lassen.
Des B¸rgers Redlichkeit; des Weisen Tugend=Bahn,
Gl¸ck, Ehre, Keuschheit, Fleifl haucht, spritzt und speyt man an.

K‰m Moses jezt aufs neu von Sinai gestiegen,
Und sp‰ch: Du solst den Freund und N‰chsten nicht bel¸gen;
Ja, k‰m der Heyland selbst aus seinem Himmelreich,
Und spr‰ch: Wo ihr mich ehrt, so liebt euch unter euch,
Und was ihr selbst nicht wolt von euch gesaget haben,
Das bleibe auch in euch und eurer Brust vergraben.
Man schwiege wohl darzu mit kalten Lippen still;
Ja mancher d‰chte gar: ich thu doch, was ich will.

O Boflheit! solte nicht des Hˆchsten Zorn entbrennen?
Was die Vernunft befiehlt kan jederman erkennen,
Dafl man als wie sich selbst den N‰chsten lieben soll.
Wer zeigt so viel Vernunft, dafl er recht Groflmuths voll
Und tugendhaft erscheint; dafl er des N‰chsten Gl¸cke,
Ruhm, Wohlfahrt, Weisheit, Stand und freundliches Geschicke
Mit frohen Augen sieht, und sich darbey ergetzt,
Weil ihn der Vorsicht Hand zum Seegen hat gesetzt?

Ein wahr und r¸hmlich Glied in Mensch=und B¸rger=Orden
Vergn¸gt sich, wenn sein Freund und Nachbar grofl geworden,
Wenn seine Wissenschaft und Fleifl den Ruhm erlangt;
Wenn er geliebet wird, wenn er in Ehren prangt.
Er lobt was Lobens werth, und sucht sich anzureitzen
Auf gleiche edle Art nach Gl¸ck und Ruhm zu geitzen.
Vor Neid, Verl‰umdung, Gift regt er die Ehrsucht an,
Die ihn, wie andre auch unsterblich machen kan.
Es ist ihm herzlich leid, wenn schwache N‰chsten gleiten;
Er schweigt, und trachtet nicht die Fehler auszubreiten.
Er weifl, dafl keiner nicht von aller Schwachheit frey,
Und er so gut als der und jener s¸ndlich sey.

* * *

Der Mensch das dummste Thier, schreibt Neukirchs kluger Finger.
Der Mensch das dummste Vieh? Wie? Wird sein Stand geringer?
Was? W‰r sein Adel fort, und seine Menschheit weg?
Ist Klugheit und Vernunft nicht seiner Handlung Zweck?
So solt es freylich seyn; man solte sich bestreben,
Den Regeln der Vernunft gehˆrig nachzuleben.

O! mˆchte doch sein Thun vern¸nftig, klug und rein,
Und seinem Nahmen gleich und niemahls viehisch seyn.
Man solte jederzeit mit Werk und That beweisen,
Es sey der Mensch ein Mensch, das Vieh nur Vieh zu heisen.
Allein, wo folgt der Mensch, die schˆnste Creatur,
Der Allmacht Meisterst¸ck, der Vorschrift der Natur
Und ihrem Triebe nach? vergiflt er nicht sein Wesen,
Worzu ihn Anfangs doch der Schˆpfer auserlesen?

Ein ungeschickter Artzt h‰lt sonst die Augen zu,
Wenn er den Kirchhof sieht, wo er zur langen Ruh
So manchen hingeschaft. Ein andrer Mensch erweget
Die Thorheit nicht so leicht. Wenn sich der Lˆwe reget,
Und zornig tobt und br¸llt; wenn sich der Wolf entr¸st
Und das gedultge Schaaf zerreist und schnaubend frist;
Wenn sich der wilde B‰r zum W¸rgen fertig machet;
Wenn ein entschlafner Hund durch einen Trit erwachet,
Und den mit Zorn und Grimm in seinen Fortgang stˆhrt,
Den er von weiten noch in seinen Schlaf gehˆrt;
Diefl alles sieht der Mensch, und will nicht weiter gehen,
Er bleibt als wie das Vieh auf seiner Regung stehen;
Er sch‰mt sich leider! nicht, dafl er dem Thiere gleicht,
Und ihm an Rach und Zorn nicht im geringsten weicht.

Wo ist der kl¸gste Mensch wohl auf der Welt vollkommen?
Wo ist ein Frommer wohl der nie was unternommen;
Das ohne Tadel sey? Wo trift man einen an,
Der niemals weil er lebt der Tugend Tort gethan?
Diefl ¸berlegt er nicht; Er sieht des N‰chsten Splitter,
Nur seinen Balken nicht. Was vor ein Ungewitter;
Was vor ein wildes Feur regt sich in seinem Geist
Wenn einer etwas thut das schwach und menschlich heist?
Wenn einer ohngefehr nicht hˆflich gnug erscheinet;
Wenn einer etwas sagt, das oft nicht bˆs gemeinet;
Ein Wort, das von dem E und A den Anfang nimmt,
Das sich ein Gassen=Kind zu seiner Wehr bestimmt,
Das mufl Gelegenheit zu Zorn und Rache geben,
Da schwˆrt man Stein und Bein der Kerl darf nicht mehr leben.

Ha! spricht ein Edelmann, das schickt sich nicht vor mich!
Ich bin ein Cavallier! es rˆch zu b¸rgerlich
Wenn ich jetzt schweigen solt. Ich bin beleidget worden!
Fort Adel r‰che dich! fort! du must ihn ermorden!
Jezt wezt er seinen Stahl auf seines Gegners Arm;
Jezt geht er auf ihn lofl, und dringt ihn durch den Darm.
Seht! wie er so geschickt den Degen weifl zu f¸hren.

Besteht der Adelstand vieleicht in duelliren?
Wo steht es ausgemacht, dafl der ein Ritter heist,
Der sich fein viel und oft auf Blut und Leben schmeist?
Ziert diefl die Wappen aus, wenn sich zwei Degen hauen?
Ich hielt es w¸rklich eh vor wilde B‰ren=Klauen.
F‰llt wohl ein toller Hund den andern also an?
Hat wohl so leicht ein Wolff dem andern leids gethan?
Wo hat ein Lˆw also den andern aufgerieben?
Heist das was lˆbliches, und adliches ver¸ben?
R‰th dieses die Vernunft die uns zu Menschen macht,
Durch welche man nach Ruhm und wahrer Ehre tracht,
Dafl man Leib, Seele, Blut so schnˆde soll verletzen?
Giebts keine Oerter sonst den Degen abzuwetzen?
Wallt euch der Adern Saft, und wollt ihr K¸hne seyn;
Habt ihr kein Sitzefleisch, rost euch der Degen ein,
So eilt wo Carl jezt k‰mpft, schwˆrt Annens Sieges=Fahnen,
Da kˆnt ihr euch den Weg zum Ehren=Tempel bahnen.
Hier zucket euren Stahl auf GOttes Feinde lofl;
Da fechtet ritterlich und f¸hret Stofl auf Stofl,
Zerbrecht der Feinde Arm, ertˆdtet die Tyrannen,
So tragt ihr grˆflren Ruhm als im Duell von dannen.
Hier ist die Rosen=Bahn wo man mit Ehren ficht.
Mit Feinden k‰mpft aufs Blut; mit Br¸dern aber nicht.
Der T¸rken wilder Schwarm haflt selbt diefl Unternehmen; (f)
Und Christen wollen sich bey solcher That nicht sch‰men.

Sind Hohe=Schulen wohl gestiftet und gesetzt,
Dafl man daselbst so wild den scharfen Degen wetzt?
Solt dieses menschlich seyn, wenn uns ein Trunckner seegnet,
Dafl man ihn voller Zorn gleich wie ein Lˆw begegnet,
Vernunft, Verstand und Witz und Groflmuth unterdr¸ckt,
Und mit ergrimmten Geist, Stab, Hand und Degen z¸ckt,
Und seine Boflheit k¸hlt? Was schillt man die Barbaren,
Da Christen unter sich weit ‰rger noch verfahren.

Wo wahr wohl die Vernunft der Alten so verblendt,
Dafl sie, von Zorn ergrimmt den N‰chsten so gesch‰ndt,
Als wie die Hˆllen=Brut von Rach und Grimm jezt raset?
Wo hat man sich so gleich ein Schimpfwort angemaset?
Und wie anjezt geschieht, Processe draus gemacht?
Die Seele in Gefahr, die Hand ums Geld gebracht?
Soll dieses menschlich seyn; soll diefl vern¸nftig heisen,
Der Klugheit lezten Zahn aus seinem Mund zu reisen,
Damit die Raserey die That vollenden kan?
Aus Rache, Zorn und Grimm greift man den N‰chsten an,
Man schnizt so gar den Kiel, will sonsten nichts gelingen,
Und ihn, wenns mˆglich w‰r, um Ehr und Gut zu bringen.

Wo ist die alte Zeit mit ihrer Tugend hin?
Wo hat ein B¸rger jezt so einen stillen Sinn
Wie Israels Monarch und erster Kˆnig hegte?
Als bey der Salbung sich der freche Pˆbel regte.
Er that, als hˆrte er die tollen Worte nicht.
Ein B¸rger unsrer Zeit schrie ihm ins Angesicht:
Ist dieses kˆniglich? darf diefl ein Groser leiden?
Mir solte ehr ein Dolch das Herz in St¸cke schneiden!
Bleib tapfrer David nur in deiner untern Welt,
Die dich zu deinem Gl¸ck in ihrem Abgrund h‰lt.
Denn soltest du dein Reich zu unsrer Zeit verwalten,
Man w¸rde dich gewifl vor mehr als n‰rrisch halten.
Hof, Adel, B¸rger, Knecht, Mars und Minerven Sohn
Verlachten dein Gem¸th, und spr‰chen voller Hohn:
Er hat zur Zeit der Noth nicht Witz genug besessen,
Er hat sein Amt und sich und alle Ehr vergessen.
Soll das ein Kˆnig sein, der andre retten will,
Und h‰lt den Simei und seinen Steinen still?
Ist das ein Kriegesmann der k¸hne Feinde schl‰get,
Der selber Schimpf und Spott von einem Knecht vertr‰get?

O C‰sar! der du dich so Groflmuths voll bezeigt,
Wenn sich dein Widerpart vor deiner Hand gebeugt.
Die Groflmuth hat bey dir die Rache ¸berwunden.
Wo wird ein C‰sars Herz zu dieser Zeit gefunden?
Jezt heists: Was Groflmuth? Was? so sprach das Alterthum.
Jezt heist es: Rache her! die Ehre mufl auch Ruhm
Durch ein beherztes Schwerd, und nicht durch Feigheit suchen.
Es mufl gerochen seyn; da geht es an ein Fluchen.

Ich weifl zwar wohl, dafl wir sehr schwach an Kr‰ften sind,
Und dafl man nicht so leicht ein stoisch Herze find,
Das Schmipf, Gewalt und Schmach und Spott gelassen hˆren,
Und alles dulten kan, wenn sich die andern wehren.
Ich weifl auch, dafl es schmerzt, wenn man die Tugend schilt,
Wenn man die Redlichkeit mit List und Trug vergilt,
Und auf das Ehren=Kleid der L‰strung=Strˆme gieset.
Nur dafl aus diesem Grund doch dieser Satz nicht flieset,
Dafl man die Menschlichkeit deswegen g‰nzlich fliehn,
Und auf den N‰chsten gleich den Degen m¸sse ziehn.
Und denen Bestien in hitzigen Geberden,
Ja was noch schlimmer ist, im Wesen ‰hnlich werden.

Lebt nicht die Themis noch, die deine Klagen hˆrt?
Durch die dir H¸lf und Recht ohn Ansehn wiederf‰hrt?
Was meinst du? kan dich nicht der Themis Arm besch¸tzen?
Soll denn ihr Schwerd umsonst und ohne Schlagen blitzen?
Drum fasse deinen Geist, wenn hier ein Lˆwe br¸llt;
Wenn dort ein toller Hund in seiner H¸tte billt;
So macht es Kˆnig Saul, da er zum Thron gekommen;
Er that, als h‰tt er nicht die L‰sterung vernommen.
Auch David hielt sich still da Simei so scharf
Um sein gesalbtes Haupt die Laster-Steine warf.
Verfluch, verw¸nsche nicht; du kanst den Fluch erlangen,
Denn eines jeden Werk wird seinen Lohn empfangen.

Kans ja nicht anders seyn, so wehr dich mit Verstand.
Lafl allzeit der Vernunft in dir die Oberhand.
Glaub nicht so leicht, verzeih, und deut nicht alles bˆse;
Zeig deine Groflmuth stets in ihrer wahren Grˆse.
Begegne nicht dem Feind mit gleicher Bitterkeit;
Begegne ihm vielmehr mit viel Bescheidenheit,
Warn ihn vor Feind und Fall, befˆrdre sein Gewerbe,
Ja sorge, dafl er nicht etwann durch dich verderbe.
Vielleicht besch‰met ihn dein schˆn und edles Thun,
Vielleicht l‰flt er dich denn hinfort in Frieden ruhn.
So hast du dich besiegt und auch den Feind bezwungen,
Und kriegst noch grˆflren Ruhm als der, so viel errungen.
Gelingt dirs aber nicht; mehrt seine Boflheit sich;
So bleibe dennoch fest und unver‰nderlich,
Die Groflmuth macht zuletzt der Feinde S‰bel m¸de,
So wirst du dann vergn¸gt und lebst in stetem Friede.

* * *

Der Hˆchste sey gelobt! sang Davids froher Mund:
Mein tapfrer Jonathan schliest mit mir einen Bund,
Der ¸ber alles Gl¸ck und Frauen=Liebe gehet,
Der, wenn mich alles flieht, zu meiner Seite stehet.
Dem Himmel sey gedankt! stimmt Pythias mit ein,
Wie kˆnt ich gl¸cklicher, als durch den Damon seyn?
Der mir sein redlich Herz, ja sich mir selbst ergiebet,
Und mich so treu, so schˆn, so zart und feste liebet.
Es st¸rme Luft und Meer, es rase Glut und Wind;
Wenn wir nur jederzeit verkn¸pft beysammen sind,
So kˆnnen wir die Noth, Gefahr und Todes=Rachen,
Feind, Schwerd, und was uns droht, mit frischen Muth verlachen.
Mein Freund! mein Bruder=Herz! mein Leben! meine Brust!
Du meiner Augen=Trost! du meines Herzens Lust!
So redet Pythias, so l‰flt sich David hˆren.

Doch noch ein ander Paar will sich daran nicht kehren;
O! ho! wir leben auch spricht Joab. Ists nicht wahr?
Sind Ich und Judas nicht ein braves Br¸der=Paar?
Wir leben euch zu trutz, und mehren unsre Staaten,
Wir herrschen ¸berall, es bl¸hen unsre Thaten.
Wo ein vertrautes Paar, wo zwey Bekannte seyn,
Da schleichen wir uns bald in die Gesellschaft ein,
Und wissen sie nach Wunsch auf ewig zu zertrennen,
Dafl sie sich fernerhin dem Namen nach kaum kennen.

Was vor ein Trauer=Thon bet‰ubt jezt Sinn und Ohr?
Man zieht, ich bin erstaunt, ein Leichen=Bret hervor:
Die Falschheit hat o Schmerz! die Redlichkeit erschlagen;
Man ist jezt im Begrif sie in die Gruft zu tragen.
Das vorgenannte Paar senkt diese Leiche ein,
Und schreibt mit frecher Faust diefl auf den Leichenstein:
Die alte Redlichkeit ist nun vom Thron vertrieben;
Der Falschheit ist allein der Scepter ¸brig blieben.
Schlaf liebe Redlichkeit bifl einer neuen Welt,
Bifl einer andern Zeit dein Bild aufs neu gef‰llt.

Da Deutschlands Pflug und Schaar noch vor die Enkel sorgte,
Die Complimenten nicht von fremden Vˆlkern borgte,
Da man noch guten Tag, und guten Morgen sprach,
Da gieng die Redlichkeit auch allen Schritten nach.
Die Worte setzte man auf keine spitzge Schrauben,
Man dachte wie man sprach, diefl d¸rfte jeder glauben.
Kein schnˆder Heuchel=Geist schlich sich im Umgang ein:
Und Ausschlag, Herz und Mund bestand in Ja und Nein,
Dafl, wer sich einmahl Freund und lieber Bruder hiese,
Auch seine Redlichkeit bifl in den Tod bewiese.
Die Falschheit war so fremd als h‰tte man gesagt:
Das Volk von Liliput hat sich nach Wien gewagt.

Jezt, da man fast den Fufl von vielen R‰nken l‰hmet,
Und sich, wer weifl warum? des alten Grusses sch‰met,
Ist auch die Redlichkeit und Treu und Freundschaft aus.
Durchgeht ein niedriges, durchforscht in groses Haus,
Ich weifl, ein jeder spricht: Der Mensch von jungen Jahren
Hat manche Falschheit schon, der Greifl noch mehr erfahren.
Wird einem Redlichen, der nie die Treu verletzt,
Ein andrer Freund im Amt an seine Seit gesetzt,
So s‰t die Falschheit doch gar zeitig ihren Saamen.
Der Fremde sagt! Mein Freund! bey mir ist Ja und Amen,
Ich meine es herzlich gut, ohn allen Heuchelschein;
Ich will ein Pythias, ein andrer David seyn.
Er schmeichelt, k¸flt und klopft, streicht Achseln, H‰nd und
Wangen,
Und spricht: Dein Umgang ist mein einziges Verlangen.

Die Worte klingen schˆn, und sind wie Honigseim;
Doch diese dienen ihm zum Pech und Vogelleim,
Damit er seinen Freund und dessen Seele f‰nget,
Hernach ihn ‰ngstiget und auf das hˆchste dr‰nget.
Durch sein so z‰rtlich Thun, durch seinen s¸ssen Mund
Erforscht er seinen Freund und dessen Herzens=Grund,
Sein Wesen und Gesch‰ft, und was er weifl und denket;
Wohin er seinen Geist und seinen Willen lenket;

Dann schmeist er seinen Balk und seine Larve hin,
Und zeigt sein treulofl Herz und seinen falschen Sinn,
Verr‰th, verfolgt den Freund, und offenbahret alles
Was zum Verderben dient, und freut sich seines Falles.
In seiner Gegenwart schwatzt man ganz Ehrfurchts=voll
Und ruckw‰rts weifl man nicht, wie man gnug hˆhnen soll.
Des Jacobs glatter Mund und Esaus rauhe H‰nde
Die locken Anfangs schˆn und t‰uschen uns am Ende.
Die Falschheit nennet sich ein Diener, Sclav und Knecht,
Doch herrscht sie als Tyrann der Gl¸ck und Ehre schw‰cht.

Es ist kein Freundschafts=Band best‰ndig und vollkommen,
Es gleicht dem vollen Licht, das st¸ndlich abgenommen.
Wer merkt und lernet doch der falschen Welt Betrug?
Wer wird doch nur einmahl durch andrer Schaden klug?
Gewifl zu unsrer Zeit ist Schlangen=List sehr n¸tze,
Dafl man sich vor dem Fall und vor dem Ungl¸ck sch¸tze;
Man traue keinem nicht; man setz dem Mund ein Ziel,
Man offenbare nichts, und rede nicht zu viel.
Doch mufl uns auch darbey der Tauben Tugend zieren,
Dafl wir die Redlichkeit in unsern Herzen f¸hren,
Und fern von Falschheit seyn, so machts recht deutsches Blut,
Man meyn es redlich treu und auch von Herzen gut.
Ein redlich; aber nicht ein zu vertr‰ulich Wesen,
Soll man sich jederzeit zum Augenmerk

* * *

Die falsche Spahrsamkeit empfand den Heyraths=Trieb;
Gewann daher den Geitz zu ihrem Br‰utgam lieb.
Diefl Paar verm‰hlte sich mit hˆchst vergn¸gten Minen;
Der Schau=Platz dieser Welt must ihr zum Schlosse dienen.
Und giengs gleich hier so zu, wie in der andern Welt
Wo man nicht iflt und trinkt und offne Tafel h‰lt,
So war doch vieles Volk, das solchen Ruf vernommen,
Von grofl und kleinen Stand zu dieser Hochzeit kommen,
Um aus des Braut=Paars Mund die n¸tzlich klugen Lehren,
Zum kr‰ftgen Unterricht mit Sorgfalt anzuhˆren.

Man rief nach Hochzeit=Brauch: lebt, wachst und mehret euch,
Und euer Same bl¸h in jedem Kˆnigreich!
Die W¸nsche trafen ein. Geitz, Wucher und Betr¸gen,
Und Unbarmherzigkeit sah man als Kinder wiegen.
Sie bl‰uten ihnen ein: Folgt uns, und dem Gebot,
Seyd fromm und dient mit Ernst der Christen ihrem GOtt.

Gold ist der Christen Gott! Ich meynt, der w‰r dort oben;
Ich dacht, wir m¸sten den als unsern Schˆpfer loben,
Der uns Brod, Wein und Vieh und Kleid und Nahrung giebt,
Der uns erh‰lt und sch¸tzt, und uns so gn‰dig liebt.
Wie? soll der HErr der Welt, dem keine Engel gleichen,
Dem todten Klumpen Erz und Arons Kalbe weichen?

Es bleibet doch gewifl: Gold ist der Christen Gott!
Man weifl wie sich sein Volk mit Macht zusammen rott,
Und ihm in S¸d und Nord und Osten Tempel bauet,
Ihn liebt, verehrt und f¸rcht und g‰nzlich ihm vertrauet.
O! w¸rde Jacobs GOtt vor einen GOtt geacht,
Sein Sabbath w¸rde wohl zum Feyertag gemacht;
Man w¸rde nicht ums Geld sein Wochen=Amt verwalten,
Die H‰nde zum Verkauf und Kaufen offen halten.
Man baute nicht so stark auf Wolken, Meer und Wind,
Und schifte nicht dahin wo wilde Menschen sind.
Um mit Gefahr und M¸h die Waaren zu erstehen,
Wodurch die Tugenden hernach in uns vergehen;
W‰r GOtt, und nicht das Gold der Christen liebster Gott;
Man w¸rde nicht ums Geld der armen Witwen Noth,
Der Waysen Klag=Geschrey durch Trug und List vermehren,
Man w¸rde sie so wohl als ihre Feinde hˆren;
Man fiel nicht ums Geschenk dem bˆsen Gegner bey;
Man dr¸ckte keinen nicht, er sey auch wer er sey;
W‰r nicht das Gold ihr Gott, man w¸rde sich bestreben,
Dem Wort im Testament gehorsam nachzuleben,
Das stets dem schnˆden Geitz und Geldsucht widerspricht,
Da heist es: t‰usche ja kein Mensch den andern nicht:
Im Handel und Gewerb soll kein Betrug geschehen,
Recht Mafl, Gewicht und Ehl soll unter euch bestehen.
W‰r nicht das Geld ihr Gott, man w¸rde lieber fliehn,
Als seines N‰chsten Schweifl und Armuth an sich ziehn.
Man w¸rde nicht sein Blut gleich wie die Igel saugen;
Die Thr‰nen d¸rften ihm nicht statt der Lauge taugen.
Er tr¸g was er verdient, sein heises Tagelohn,
Sein St¸ckgen Kummerbrod wohl unbezwackt davon.
Er d¸rfte nicht so oft und kl‰glich darum bitten,
Und solchen Z‰hren=Gufl aus seinen Augen sch¸tten.
Man machte nicht den Lohn von Tag zu Tage klein,
Und zˆg und zwackte ab, wo es nur kˆnte seyn.
Ja w¸rde nicht das Geld als wie ein Gott betrachtet,
Der Arme w¸rde nicht in seiner Quaal verachtet,
Man schaute seine Noth mit wahrem Mitleid an,
Man h¸lf und diente ihm so gut es werden kan.
Ein klein und wenig Geld kˆnnt ihn von Tr¸bsaals=Ketten,
Von seiner Hungersnoth und D¸rftigkeit erretten.
Es l‰g kein Lazarus vor eines Reichen Th¸r,
Die Blˆse th‰t sich nicht an seiner Haut herf¸r,
Man spr‰ch nicht: wilst du Geld, so must du meinen H‰nden
Haus, Hof, Ger‰th und Kleid, und was du hast, verpf‰nden.
Man stellte sich wohl nicht den schlauen Juden gleich,
Und machte sich wohl nicht durch grossen Wucher reich.
Man w¸rde nicht durch Zins und teuflische Intressen
Dem Armen, der nichts hat, das Fleisch vom Leibe fressen.

So aber da das Herz den Diamante gleicht,
Das kein Gebeth noch Flehn, noch Klaggeschrey erweicht;
Da man so ‰rgerlich nach einem Goldst¸ck ringet,
Bifl man den todten Schatz in sein Beh‰ltnifl bringet,
Ob man gleich Seel und Leib darbey zum Pfande setzt;
Da man sich nicht an GOtt, nur blofl am Gold ergˆtzt;
Da man mit diebscher Hand und mˆrderlichen Klauen
Des andern G¸ther raubt, um sich ein Haus zu bauen:
So sieht man offenbar, und findet in der That,
Dafl man das todte Gold zum Gott gemachet hat.

Was red ich? hat das Geld die ganze Welt bezwungen?
Giebts denn nicht Christen noch, die mit beredten Zungen,
Von Eifer angeflammt, den Leuten insgemein,
Gerechten Vortrag thun, dem Geitze feind zu seyn?
Dafl man sich nie in Trug und Wucher soll verlieben;
Dafl man Barmherzigkeit am armen N‰chsten ¸ben,
Und ihnen dienen soll, so gut man immer kan.
Es hat wohl Cicero der klug=beredte Mann
Der Sache Vortrag nie mit Worten so geschm¸cket,
Als es der Redekunst in solchen Dingen gl¸cket.
Die Worte klingen gut. Jedoch man klagt mit mir:
Die schˆne Theorie stellt schlechte Praxin f¸r.
Denn wer schˆn sprechen kan, hat oft in seinen Jahren
Das mindste selbst von dem, was er geredt, erfahren.
Man zeigt nur mehrentheils, dafl man ein Moralist,
(Was fehlet diesem Ruhm?) und guter Redner ist.
Denkt nicht das Volk darbey, wenns solche Redner hˆret:
Was dort der kl¸gste Mund bey dem Matth‰o lehret.
O! dieses wird anjezt so gut als dort erf¸llt,
Hierinnen zeiget sich der meisten Ebenbild.

Die Predigt ist vorbey, der Vortrag ist geschehen,
Man gehet stolz nach Haus und sieht zwey Arme stehen,
Die um ein wenig Brod und kleine Gabe flehn,
Wie f‰hrt man sie nicht an? wie pflegt man sie zu schm‰hn?
Dort wurde Lazarus so schlecht kaum abgewiesen,
Als wir zu unsrer Zeit das arme Volk von diesen
Die Christi Diener sind; was man den Armen reicht,
Das ist oft schlecht genug, und doch geschichts nicht leicht.
Ein Tropfen=Eflig=Trank aus ihren vollen Keller:
Von ihrem Uberflufl ein abgen¸tzter Heller;
Von ihrer Tafel last, das was der Hund nicht will,
Gehˆrt vor D¸rftige. Doch heists, man gebe viel,
Und sey doch selber arm, es wolte nirgends reichen.
Es reichte schon, wenn man dem Meister wolte gleichen,
Der von der M‰sigkeit und nichts von Bauchdienst hielt.

Man spricht: im Alterthum ward doch dahin gezielt,
Dafl Levi und sein Volk den Opfer=Tisch genosse;
Worbey das Fett vom Oel in seine H‰nde flosse,
Und manch Geschenke fiel, manch Hebe=Opfer roch.
O! w‰r doch diese Zeit mit den Gebr‰uchen noch!
Da man zwar, immer nahm, und war doch frey von allem.
Jezt geht es anders zu; es mufl uns wohlgefallen,
Seht! man befielt uns gar, wir sollen Gastfrey seyn.

Schweigt! wer thut einen Dienst? er sey auch noch so klein.
Ist einer noch so arm, wo wird ihm was geschenket?
Ja wenn der D¸rftige an sein Gewissen denket,
Und hat den Groschen nicht, so bl‰ht der Geitz sich schon,
Es heist: die Woche nur von eurem Tagelohn
Zwey Heller hingelegt, so kan nach neunzig Tagen
Die Hand den Groschen schon in meinen Beichtstuhl tragen.
Jedoch es mag jezt seyn, ich bin nicht so genau;
Geht, dient mir sonst einmahl, und scheuret meiner Frau;
Bringt mir, so bald ihr kˆnt drey Kˆrbe Mist in Garten,
Bringt Eyer, Rettige; doch von den grˆsten Arten.

O! w¸rde nun das Geld nicht also hoch geacht,
Und nicht, wie vor gesagt; zu einem Gott gemacht,
Man w¸rde diefl zu thun sich ohne Zweifel sch‰men,
Und wahrlich mit der Hand mehr geben, als sonst nehmen.

O! w¸rde nicht das Gold als wie ein Gott verehrt,
Der Glaube w¸rde wohl so leicht nicht umgekehrt,
Man w¸rde nicht so viel von ungeheuren Schwˆren,
Noch von Vermessenheit, und falschen Eyden hˆren.
W‰r nicht das Gold ein Gott, wer n‰hm ein solches Weib
Das keinen guten Zahn; das einen Knochen=Leib,
Und einen Mund=Geruch wie faules Wildpret h‰tte,
Zu seiner Augen=Lust, statt Fleiches=Lust ins Bette?
Wer geb den Trauungs=Ring wohl einer solchen Hand
Die schon (obwohl geheim) in m¸tterlichen Stand
Versetzet worden ist? Wer liebte vor die Ester,
Vor Sara und vor Ruth, der Jesabellen Schwester,
Die fast Xantippen noch an Boflheit ¸bersteigt?
Wer w‰r der geilen Frau des Pothiphars geneigt?
Wer w¸rde ein Gemahl des er sich m¸ste sch‰men,
Blind, hefllich, bucklicht, lahm und sonst gebrechlich nehmen?
W¸rd eine Jungfer wohl geliebet und gek¸flt,
Die fragt; Ob ein Student auch wohl ein Mensche ist?
Ob Stˆrche auf dem Dach mit ihren Schn‰beln lachen?
Ja was denn Weiber wohl mit ihren M‰nnern machen?
Ja w¸rde nicht das Gold zu einem Gott gemacht,
Es w¸rde wohl kein Kranz dem alten Greifl gebracht,
Der von Gebrechlichkeit geb¸ckt am Stabe wanket,
Der wie ein alter B‰r im Hause brummt und zanket.

Hat man des Mammons Freund und dieses Gˆtzen Knecht
Den N‰chsten durch Betrug und Wucher gnug geschw‰cht;
Durch Falschheit und Procefl den Redlichen betrogen;
Des Tagelˆhners Blut, der Witwen Schweifl gesogen,
Und sich davon ein Haus und Wucher=Sitz erbaut,
So, dafl er Aecker, Feld und Vieh und Wiesen schaut,
Und seinen Gˆtzen sieht im eisern Tempel liegen,
Vor dem sich seine Knie fast t‰glich eifrigst biegen;
So zeigt er, dafl er ihn recht w¸rdiglich verehrt;
Es wird des Jahrs einmahl Haus, Saal und Schloth gekehrt.
Er glaubt, der dicke Staub verwehre Frost und K‰lte;
Es k‰m am Holze bey, zumahl wenns sehr viel gelte.
Die Zimmer werden nur im Jubel=Jahr geweiflt,
Dieweil die weise Farb die Augen blendt und beist,
Man kˆnte ja das Geld nicht ohne Sorgen zehlen,
Es mˆchte leicht ein Scherf an hundert Thalern fehlen,
Man w¸rde nicht das Korn im Zinfl=Gem‰fle sehn,
Wie leichte w‰rs darbey um einen Strich geschehn.
Er zehlt, wie viele Halm des Tags das Vieh verk‰uet;
Wie viel man etwa Stroh auf eine Woche streuet,
Wie viele Kˆrner wohl ein Huhn des Tages friflt,
Wornach er denn genau die Sachen wiegt und miflt.
Sind nun die Halme lang, die Kˆrner grofl und dicke
So rechnet er darnach, und zieht davon zur¸cke.
Er f¸hlet mit der Hand wie schwer das Eyter wiegt,
Damit ihn nicht die Magd um einen Strich betr¸gt.
Er f¸hlt die H¸hner an, wie viel sie Eyer legen,
Damit die Seinigen ihm keins entwenden mˆgen.
Nicht selten jaget er die H¸hner auf das Feld,
Allwo der ganze Schwarm frey offne Tafel h‰lt.
Er spricht: Wer wolte nicht dem Vieh die Freude gˆnnen,
Ich selber werd hierdurch viel Frucht ersparen kˆnnen.
Nicht selten, dafl sein Fufl in kr‰ftge Winkel kriecht,
Und forscht, ob auch der Koth nach seinem Weine riecht,
Er denkt, steht gleich bey mir der Keller niemahls offen,
Vielleicht schliest jemand nach, und hat daraus gesoffen.
Er sorgt, ob nicht sein Obst auch N‰scher nach sich zieht,
Drum guckt er, ob er was von Kern und Schaalen sieht.
Sein Garten wird verpacht, damit kein Kind nichts schmecket,
Er spricht: Die rothe Ruhr wird durch das Obst erwecket.
Sind denn die Felder weifl, legt man die Sicheln an,
So schmerzt ihm, dafl er diefl nicht selbst verrichten kan.
W¸nscht Nero seinem Volk nur einen Halfl im Leben,
So w¸nscht er aller H‰nd, um keinen Lohn zu geben,
Und wenn der Sonnen Glut die Schnitter l‰chzend macht,
So wird ein kalter Trank von Wasser dargebracht.
Es heist: Das starke Bier dient nicht in grosser W‰rme,
Es bringt das Fieber mit, und schneidet die Ged‰rme.
Glaubt, Argus hat die Kuh so strenge nicht bewacht,
Als wie er Augen jezt auf seine Aehren macht,
Damit kein Armes sich an seinem Weitzen labe.
Bricht denn des Herbstes Reif des Weinstocks Bl‰tter abe,
Dafl man die s¸sse Frucht vom Reben schneiden kan,
So hebt sein froher Mund ganz laut zu singen an
Und weckt die Leser auf, damit sie unterdessen,
Kein Tr‰ubgen von dem Stock zum Labsal kˆnnen essen.
Wenn sich der Abend nun mit seinem Schatten regt,
So nimt er einen Stab mit dem er forscht und schl‰gt,
Ob eine Reben=Frucht im Sacke anzutreffen,
Damit von seinem Grimm und Fluchen, Zank und Kleffen
Den Lesern bange wird, die vor dem Schelten fliehn,
So weifl er ihren Lohn mit List an sich zu ziehn.
So s¸fl der Rebensaft, so angenehm er schmecket,
So weifl sein Kind doch nicht die Kraft die in ihm stecket.
So sparsam h‰lt er haufl; kein Trˆpfgen ist so klein
Er kostets dennoch nicht; er widmet es dem Wein.
In seinem Hause wird die Sparsamkeit betrachtet;
Da wird kein fettes Huhn, noch Ganfl, noch Schwein geschlachtet.
Er meint, das viele Fett w‰r in der That ein Gift,
Weil es nur vielen Schleim und kurzen Athem stift.
Auch w‰r das magre Fleisch den Z‰hnen nur ein Schrecken,
Es blieb zu ihrer Last in denen L¸cken stecken,
Und bohrte mans heraus, so mehrt es nur den Schmerz;
Es dr¸ckte ¸berdiefl den Magen und das Herz.
Der braune Gersten=Trank, des Weines edle S‰fte
Ben‰hmen den Verstand und schw‰chten Geist und Kr‰fte.
Bey einem Wasser=Trank und Kofend w‰r man schˆn,
Die Geister blieben auch in ihrem Cirkel stehn.
Ein einzig Kofend Glafl wird auf den Tisch getragen,
(Im Kruge mˆchte man ein st‰rker Schl¸ckgen wagen.)
Damit er sieht, wie viel ein jeder zu sich nimmt,
Dieweil er nur diefl Glafl vor alle hat bestimmt.
Auf zweymahl wird ein Ey zur Suppe eingerieben.
Ein halb geschmelzter Kohl und ungeschehlte R¸ben,
(So machts die Sparsamkeit) und ein, ich weifl nicht was,
Aus einem K‰se=Korb und alten Butter=Fafl
Genomnes Mittags=Mahl mufl Frau und Kinder st‰rken,
Worbey denn allemahl viel Andacht zu bemerken.
Er singt und betet laut, und lehret stets darbey,
Dafl nur die M‰sigkeit die schˆnste Tugend sey.
Dafl man dadurch vor GOtt gerecht und lˆblich walle,
Und auch den Aerzten nicht in ihre H‰nde falle.
Aus einem St¸ckgen Vieh, das man aus Noth geschlacht,
Wird nur ein Freuden=Mahl, das schlecht genug, gemacht.
Die Abend=Mahlzeit ist zur Fastenzeit erkohren.
Ein Gastmahl h‰lt er ein. Was M‰use sonst verlohren,
Und in das Korn gelegt; was ihnen nicht beliebt,
Das ist, was er statt Mehl und Brod zu essen giebt.
Mit Butter, die er oft sehr falsch gewogen schicket,
Die an ihm auf dem Markt sehr oft zum Schimpf zerdr¸cket,
Worbey er Zetter schreyt, und seine Haare rauft,
Und fluchet, dafl die Magd sie nicht nach Wunsch verkauft,
Mit dieser schmelzt er noch, o grosser Schmerz! das Essen.
Doch wird er nie darbey der Sparsamkeit vergessen.
Er kostet keinen Wein, als der am Fasse l‰uft,
Der aus dem Spunde schwitzt, und aus dem Zapfen tr‰uft.
Vier Mandeln Erbsen zehlt die Hand auf einen Magen:
Denn mehr kan doch der Mensch ohn Dr¸cken nicht vertragen.
Zur Suppe schneidet er die Weichlen selber ein,
Nur f¸nfzehn sind genug. Man mufl fein m‰sig seyn.
Damit ihn auch kein Freund von Fremden mˆg beschweren,
So heists: Es l‰flt sich was in meinem Hause hˆren
Das Furcht und Schrecken macht. Sein bestes Leib=Gewand
Ist grob, denn dieses thut der Wollust Widerstand.
Sein Oberhemd wird links, und r¸cklings weifl gewaschen,
So sparet er das Geld zu Seife, Holz und Aschen.
Und wird ein st¸ckgen Geld zur Zahlung abgetheilt;
So wird von jeglichem vorher was abgefeilt.
Ruft ihn der Christen Brauch zu einem heilgen Mahl,
So macht des Priesters Sold ihm tausend Angst und Qual.
Dahero wendt er vor: Er kˆnte kaum was geben,
Es w‰r ihm ‰rgerlich. Nach langem Widerstreben,
Greift er sich endlich an, und sendet ihm ein Kalb
Das vor dem Messerstich dem Tod schon w¸rklich halb
In seinen Klauen war. Kommts endlich an das Scheiden,
Soll er nun seinen Gott im Kasten ewig meiden,
So hˆrt er kein Gebet und frommes Singen an.
Er schreyt Verzweiflungs voll: Ach! weh! mir armen Mann!
Wie wird es k¸nftig hin um meinen Haushalt stehen?
Wer sorgt vor meinen Gott? O kˆnt er mit mir gehen!
Ja, wenn das Auge schon benebst der Zunge bricht;
So f‰hrt er starrend auf, und rufet: Hˆrt ihr nicht:
Wo ist das Silber=Pfand? Wer rasselt dort am Kasten?
Was ist das vor ein Schelm? Wer sucht ihn anzutasten?

Auf einmahl giebt er sich den grˆsten Herzens=Stofl,
Er reiflt ein Spanisch St¸ck von seinen Gˆtzen lofl
Und wirfts dem Priester hin, dafl er ihn hoch erhebe,
Und in dem Leich=Sermon ein herrlich Zeugnifl gebe.
Drauf stirbt er: Und dann heists: Das war ein frommer Mann,
Der uns zum Musterbild der Tugend dienen kan!

Ein treuer Gottesdienst wird reichlich gnug belohnet,
Von dem der Vater heist und dort im Himmel wohnet.
Sein Diener wird von ihm mit einem Sinn begabt,
Der sich an wenigem sehr wohl vergn¸gt und labt.
Es gilt ihm alles gleich; er ist mit dem zufrieden,
Was ihm der Vorsicht=Hand an Zeitlichen beschieden.
Er schl‰ft des Nachts getrost, und ohne Sorgen ein.
Er macht sich im Verlust nicht grosse Quaal und Pein.
Weil seine Seele weifl, GOtt hab es ihm geliehen.
Was er ihm erst geschenkt, das kˆnn er ihm entziehen.
Er lebt wie ein Monarch, sein Geist ist Banden frey,
Und zeiget, dafl er gar kein Sclav des Goldes sey.
Er herrschet ¸ber sich und seine Gl¸ckes=Gaben,
Er macht sie sich zu nutz, und sucht sich dran zu laben.
Sein Sterben f‰llt ihm auch nicht ‰ngstlich oder schwer,
Ihm parentirt der Ruf, das ganze Tugend=Heer,
Und spricht: Ein GOttes Knecht ist leider! jezt gestorben,
Der sich ein Ehrenmaal und stetes Lob erworben.

Was hat denn aber wohl vor seinem Gˆtzen=Dienst
Der arme Mammons=Knecht vor Nutzen und Gewinst?
Was kan ihm dann sein Gott das Gold vor Freude geben?
Nichts als ein Kummerreich und Hungervolles Leben.
Er schl‰ft mit Sorgen ein. Die Nacht wird ihm zur Last,
Er f‰hrt mit Schrecken auf, und ruft, und schreyt: wer faflt,
Wer greift die Schlˆsser an? Es ist ein Dieb vorhanden.
Ach! rettet meinen Gott, und helft mir von den Banden.
Kein Laban kan so sehr um seine Gˆtzen schreyn,
Kein Nabal auf sein Brod so sehr erbittert seyn,
Als dieser sich geberdt. Wird ihm ein Lamm gestohlen,
So will er schon den Strick sich aufzuhengen hohlen.
Des Tages ist er nie mit seinem Schatz vergn¸gt,
Obschon des Vorraths gnug vor seinen Augen liegt;
Er darf das Regiment nicht ¸ber sich verwalten;
Er mufl dem tauben Gott als Sclave stille halten;
Er darf auf keinem Bett von weichen Federn ruhn;
Er darf von seinem Vieh sich nichts zu gute thun;
Er darf kein reines Brod, noch Bier, noch Wein genieflen;
Er mufl bey Hungerkost fast Thr‰nen lassen flieflen,
Er iflt, und wird nicht satt, er sammlet, und ist arm,
Sein ganzer Lebenslauf ist Elend, M¸h und Harm.
Und endlich ruft ein Mund von der gestirnten Zinne:
Du Gˆtzen=Knecht! du Narr! halt mit dem Geitzen inne!
Es klopfet schon der Tod an deine Kammer=Th¸r;
Man fordert diese Nacht noch deine Seel von dir.
Du Narr! wem wird dein Gut das du biflher auf Erden
Mit Angst gesamlet hast, nunmehr zu Theile werden?

Ist diefl, ihr Thoren! nun benebst der Hˆllen Glut
Der Lohn vor euren Dienst? bedenkt doch, was ihr thut!
Glaubt, dafl die Erben euch im Todte noch verlachen,
Und sich ein fettes Maul durch euren Hunger machen?
Dafl euch, wie ihr verdient, die kluge Welt verspott:
Seht! dieser Mammons=Knecht verehrte einen Gott,
Allein er half ihm nichts, er blieb ihm nicht gewogen,
Am Ende hat er ihn um Leib und Seel betrogen.

* * *

Was schlieflt sich vor ein Grab und finstrer Bogen auf?
Ich seh ein Geister=Heer! ja! ja! es steigt herauf.
Ich kenne sie bereits, mein Schlufl wird schwerlich fehlen,
Es sind, ich irre nicht, der tapfren Parther Seelen.
Hier schreyt ein Mann mich an, dort ruft ein andrer Geist:

Ihr Deutschen! die ihr klug, gelehrt und Christen heist,
Ihr, denen diefl Gesetz GOtt selber vorgeschrieben:
Dafl ihr euch jederzeit im Fleifl und Arbeit ¸ben,
Im Schweifl des Angesichts das Brod erwerben solt,
Wie man euch t‰glich lehrt, wenn ihrs nur hˆren wolt.
Ihr sprecht: Wir w‰ren wild; ihr sucht uns zu vernichten.
O nein! wir thaten stets als Heyden unsre Pflichten;
Ihr habt Natur und Licht, Gesetze und Befehl,
Und gleichwohl thut ihrs nicht, und seht darzu noch scheel.
Wir merkten von Natur, dafl diefl ein Schandfleck w‰re,
Wenn man durch M¸ssiggang der Tugend Glanz verlˆhre.
Es gab uns die Vernunft die gute Meinung ein:
Es m¸sse jederman zum Fleifl geschaffen seyn.
Es m¸sse einen Gott und Welt=Beherrscher geben,
Der stets gesch‰ftig ist, indem wir sind und leben,
Der alles ordentlich mit Kunst und Fleifl bestellt,
Und alles uns zu Nutz noch immerdar erh‰lt.
An Vˆgeln sahen wir, wie sie so munter wachten,
Wie sie vor Brut und Nest sich viele Sorgen machten.
Das kleine Immen=Volk hielt uns die Stˆcke f¸r,
Und rief uns gleichsam zu: verhaltet euch, wie wir.
Dort lag der Seidenwurm, der immer fleisig webte,
Und dennoch nicht vor sich, nur uns zu Dienste lebte.
Wir sahen unsern Leib nebst seinen Gliedern an,
Wie er mit Geist und Kraft und St‰rke angethan,
Und ausgeschm¸cket war. Wer solte sich nicht sch‰men?
Wer wolte tr‰ge seyn, die Arbeit vorzunehmen?
Wir f¸hlten St‰rk und Kraft in Lenden, Hand und Knie,
Die Biene safl nicht viel, und war doch nur ein Vieh.
Diefl trieb uns feurig an, wir wurden alle schl¸ssig,
Es gieng kein einziger von unsern Parthern m¸ssig.
Kein Draco von Athen war uns zum Antrieb noth;
Wir hielten von uns selbst, was die Natur gebot.
Kein Sparta noch Athen hielt sein Gesetz so richtig,
Als jeder von uns that, der nur zur Arbeit t¸chtig.
Aurorens Purpur=Roth lacht uns kaum schimmrend an,
So waren wir bereits mit Kleidern angethan.
Wer vor des Landes Gl¸ck, der B¸rger Wohlstand wachte,
War emsig, dafl er bald die Sachen richtig machte.
Er gieng sehr fr¸h zu Rath und wieder sp‰t davon,
Und trug von Stadt und Land des Fleisses Lob zum Lohn.
Der B¸rger freute sich, wenn Zeit und Gl¸ck vergonnte
Dafl er die rege Hand zur Arbeit widmen konte.
Die Jugend wuste schon von selbst auch diefl Gebot,
Kein Knabe unter uns bekam sein Morgenbrod
Er hatte den vorher mit Arm und Pfeil geschossen,
So, dafl der Schweifl davon das Angesicht begossen.
Ein jedes Jungfer=Bild und angesehnes Weib
Ergrif Gesch‰ft und M¸h zum besten Zeitvertreib.

Book of the day:
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